Zahlen mit Geld oder Daten:
Wenn Nutzer die Wahl hätten

Weil viele Onlineservices über Werbung refinanziert werden, ist ihr Bedarf an Nutzerdaten groß. Anwender sollten stattdessen die Wahl haben, ob sie mit ihren Daten oder ihrem Geld bezahlen möchten.

Die meisten führenden Onlinedienste werden kostenfrei angeboten und finanzieren sich hauptsächlich durch Werbung. Anders als bei klassischen Medienkanälen wie Radio oder TV lässt sich die Auslieferung von Anzeigen im Web an einzelne Konsumenten genau steuern und an die individuellen Interessen und Präferenzen einzelner Nutzer anpassen. Der Onlinedienst weiß, was der User mag, und versucht, die gezeigte Werbung entsprechend abzustimmen.

Genau in dieser Eigenheit der digitalen Welt liegt eine der Hauptursachen für die unendliche Datenschutzdebatte, die in letzter Zeit an Intensität zuzunehmen scheint und mittlerweile in sehr zweifelhaften Aktionen einzelner Bundesländer gipfelt. Internetfirmen wollen (und müssen) so viele Daten wie möglich erheben, um auf deren Basis die Effektivität und Effizienz ihrer Werbemittel zu steigern – das jedoch stößt Politikern, Datenschützern und einigen (wenigen) Anwendern bitter auf.

Wenn jeder Dienst eine Gratis- und eine Bezahl-Variante anböte

Der Unternehmer, Jurist und Informatiker Christoph Kappes hat kürzlich einen für meinen Geschmack äußerst konstruktiven Vorschlag gemacht, wie man dieses offensichtliche Spannungsverhältnis zwischen den Interessen kommerzieller Onlinedienste und denen von Politik und Datenschützern entschärfen könnte:

Indem man alle Internetservices dazu bewegt, neben einer werbefinanzierten Gratisvariante auch eine kostenpflichtige Version anzubieten, die keine Vermarktung beinhaltet und somit auch keine progressive Datenerhebung betreiben muss. Auch dieser Ansatz hat zwar (wie die meisten Bändigungs- und Regulierungsversuche im Netz) einige offensichtliche Nachteile, könnte aber trotzdem zu Annäherung der zwei verstrittenen Parteien führen:

Denn derzeit im Kreuzfeuer stehende Internetfirmen wie Facebook, Google und andere könnten dann bei jeder weiteren Kritik gelassen darauf verweisen, dass Nutzer bei ihnen die Wahl zwischen einem kostenfreien (werbefinanzierten und damit datenhungrigen) sowie einem kostenpflichtigen, im Umgang mit Anwenderdaten sensiblen Paket haben.

Es geht um die Wahlmöglichkeit

Es geht weniger darum, Anwender in eine Bezahlversion zu drängen, sondern eher, um allein mit deren Verfügbarkeit Kritikern Wind aus den Segeln zu nehmen. Denn dass die Internetgiganten irgendwie Geld verdienen müssen, dagegen werden selbst Datenschützer vom Dienst wie Johannes Caspar, Peter Schaar und Thilo Weichert nichts einwenden können. Bisher fehlt aber eine Wahlmöglichkeit – wer über Facebook mit Freunden und Bekannten in Kontakt bleiben will, muss sich notgedrungen bis zu einem gewissen Grad nackig machen. Eine zusätzliche Paid Option könnte dies ändern.

Schwierige Umsetzung

Ganz so einfach ist die Umsetzung eines solchen “Systems” natürlich nicht. Christoph Kappes spricht von einer “Verpflichtung”, was zumindest auf nationaler Ebene in Bezug auf Dienste aus dem Ausland, die in ihrer Heimat rechtskonform sind, bekanntermaßen nur schwer durchsetzbar ist. Eine freiwillige Selbstverpflichtung in Folge eines länderübergreifenden Dialogs (womöglich auf politischer Ebene) erscheint in Bezug auf den vorliegenden Vorschlag aber eher vorstellbar, als dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg juristischem Druck aus einem deutschen Bundesland nachgibt.

Problematisch ist auch, dass die bei einer Bezahl-Option zu deaktivierende Datenerhebung über das Notwendigste hinaus auch Einschränkungen in puncto Funktionalität und Nutzerkomfort mit sich führen könnte – umstrittene Facebook-Features wie die automatische Gesichtserkennung bei hochgeladenen Fotos beispielsweise haben direkt gar nichts mit der Werbevermarktung zu tun, und würden somit auch bei einem Paid-Paket nicht einfach verschwinden.

Agenturgründer Christoph Kappes sieht noch einen Haken an seinem eigenen Vorschlag: Denn Kunden, die lieber ihr Portemonnaie zücken, als sich für Werbekunden transparent zu machen, gehen damit als potenzielle Zielgruppe für Werbetreibende verloren – eine Sorge, die allerdings Anwendern selbst reichlich egal sein dürfte. Zumal es kaum möglich ist, sich im Netz (ohne zusätzliche Hilfsmittel wie Werbeblocker) komplett der Werbewirtschaft zu entziehen – außer, man besucht nur noch solche Seiten, bei denen man freiwillig zahlt.

Trotz der beschriebenen Schwächen gefällt mir Kappes’ Plädoyer für eine Wahlmöglichkeit zwischen einem Free- und Paid-Produkt. Denn anders als bei der Bevormundung durch Datenschützer ist es mir damit selbst überlassen, womit ich für die Nutzung von Onlineservices zahlen: Mit Geld oder meinen Daten.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Google, der Finanzdienstleister: Wallet-Nutzer erhalten kostenfreie Debitkarte

21.11.2013, 3 KommentareGoogle, der Finanzdienstleister:
Wallet-Nutzer erhalten kostenfreie Debitkarte

US-Nutzer von Google Wallet können künftig mit einer direkt an ihre virtuelle Brieftasche angeschlossenen Debitkarte einkaufen oder Geld abheben. Der Internetkonzern betätigt sich verstärkt als Finanzdienstleister.

Unbequemes attraktiv: Tinypass will Paid Content für alle

13.11.2013, 1 KommentareUnbequemes attraktiv:
Tinypass will Paid Content für alle

Tinypass bietet eine Bezahlschranke für alle an, die im Netz mit digitalen Inhalten Geld verdienen. Trotz der umstrittenen Einnahmequelle kommt das Modell der New Yorker bei immer mehr Kunden an.

Status quo Bezahlsysteme: Wie Startups und Händler heute Zahlungen abwickeln können

25.10.2013, 11 KommentareStatus quo Bezahlsysteme:
Wie Startups und Händler heute Zahlungen abwickeln können

Im Payment-Markt hat sich in den letzten Monaten viel getan. Junge Startups versuchen etablierten Anbietern wie PayPal den Rang abzulaufen und Kunden für sich zu gewinnen. Aber was können sie wirklich? Und werden sie dem Sicherheitsbedürfnis der Deutschen gerecht?

Gesichtsidentifizierung per App: Die schwierige Suche nach soliden Gegenargumenten

7.2.2014, 13 KommentareGesichtsidentifizierung per App:
Die schwierige Suche nach soliden Gegenargumenten

Viele Menschen reagieren ablehnend auf Technologie zur Erkennung und Identifizierung von Gesichtern. Es lohnt aber, die Argumente dagegen genauer unter die Lupe zu nehmen, anstatt dem ersten Impuls zu folgen.

Zunehmende Kritik: Warum Google die eigene Datensammelwut noch um die Ohren fliegen wird

16.1.2014, 18 KommentareZunehmende Kritik:
Warum Google die eigene Datensammelwut noch um die Ohren fliegen wird

Die Bevölkerung ist ob immer neuer Details über den NSA-Skandal beunruhigt, aber Chefdatensammler Google macht unbeeindruckt weiter. Das wird nicht mehr lange gut gehen.

Benutzerfreundliche Datensicherheit im Netz: Der Traum von der perfekten Security-Lösung für die Masse

25.11.2013, 5 KommentareBenutzerfreundliche Datensicherheit im Netz:
Der Traum von der perfekten Security-Lösung für die Masse

Die meisten User wollen sie, nur wenige bekommen sie: Sicherheit im Netz. Anbieter, die Security und den Schutz der Privatsphäre mit einer hohen Benutzerfreundlichkeit kombinieren, sehen ihre Chance.

Das große Entbündeln: Für jeden Zweck eine eigene App

22.4.2014, 4 KommentareDas große Entbündeln:
Für jeden Zweck eine eigene App

Social Networks und Clouddienste wie Facebook, Dropbox, LinkedIn und Twitter ändern unisono ihre Strategie und beginnen damit, für besondere Einsatzszenarien separate Apps bereitzustellen. Die Spielregeln des Ökosystems werden neu geschrieben.

Linkwertig: AIM, Open Data, Datenkultur, Dürer

17.4.2014, 0 KommentareLinkwertig:
AIM, Open Data, Datenkultur, Dürer

Microsoft verkündet eine neue Datenkultur und mehr.

Facebook: Der größte schlechte Kompromiss der Internetgeschichte

2.4.2014, 3 KommentareFacebook:
Der größte schlechte Kompromiss der Internetgeschichte

Facebook hat ein unglaublich kompliziertes, kaum noch zu handhabendes Spannungsfeld aus Interessen der unterschiedlichen Plattformteilnehmer geschaffen. Das Resultat sind dauerhaft schlechte Kompromisse. Lange kann das nicht gut gehen.

Werbefreies Facebook gegen Bezahlung: Twitter-Mitgründer Biz Stone zeigt uns seine Fantasiewelt

22.7.2013, 4 KommentareWerbefreies Facebook gegen Bezahlung:
Twitter-Mitgründer Biz Stone zeigt uns seine Fantasiewelt

Twitter-Mitgründer Biz Stone sinniert über eine kostenpflichtige Premium-Variante von Facebook. Seine Darlegungen klingen, als hätte er viele Jahre unter einem Stein gelebt.

Salon.io: Ein Onlinepublishing-Tool, für das Nutzer zahlen wollen

23.5.2013, 2 KommentareSalon.io:
Ein Onlinepublishing-Tool, für das Nutzer zahlen wollen

Salon.io will Onlinepublishing einfacher, besser und vielseitiger machen. Ein Ziel, das man schon häufiger gehört hat. Doch ein überdurchschnittlich hoher Anteil zahlender Nutzer deutet darauf hin, dass die Berliner einen Nerv treffen.

Gamification: Warum die Paywall für Medien ein Irrtum ist

11.2.2013, 39 KommentareGamification:
Warum die Paywall für Medien ein Irrtum ist

Bezahlschranken, wie wir sie heute sehen, sind keine nachhaltige Lösung zur Monetarisierung von Onlinemedien. Ein Blick auf die Spiele-Branche zeigt, wie mit Journalismus im Netz künftig Geld verdient werden kann.

Offener Brief an Eric Schmidt: Die Ängste von Springer-Chef Mathias Döpfner

16.4.2014, 27 KommentareOffener Brief an Eric Schmidt:
Die Ängste von Springer-Chef Mathias Döpfner

In einem offenen Brief in der FAZ schildert Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner seine Befürchtungen im Bezug auf die Macht und Abhängigkeit von Google. Er spricht einige wichtige Dinge an - und ruft in Erinnerung, warum neben der Sorge über Google auch die über den Verlagslobbyismus angebracht ist.

Linkwertig: Google, Verlage, Angst, Kunst

11.4.2014, 0 KommentareLinkwertig:
Google, Verlage, Angst, Kunst

Der mit den deutschen Verhältnissen wohl nicht besonders gut vertraute Eric Schmidt appeliert an die Vernunft der Verlage und mehr.

Linkwertig: MindMeister, Barkoo, Moo, Google

2.4.2014, 0 KommentareLinkwertig:
MindMeister, Barkoo, Moo, Google

Anfang April erwachen traditionell die Unternehmen aus ihrem Winterschlaf und entlassen kollektiv die aufgestaute kreative Energie. Ein kleiner Überblick.

Suche nach der Eierlegenden Wollmilchsau: Yahoo verpflichtet sich mit Tumblr, Onlinewerbung neu zu erfinden

21.5.2013, 6 KommentareSuche nach der Eierlegenden Wollmilchsau:
Yahoo verpflichtet sich mit Tumblr, Onlinewerbung neu zu erfinden

Yahoo hat deutlich gemacht, dass es von der übernommenen Microblogging- und Social-Networking-Plattform Tumblr ein schnelles Umsatzwachstum erwartet. Der Internetkonzern verpflichtet sich somit dazu, Onlinewerbung neu zu erfinden.

Doppelt Antiquiert: Warum der klassische Werbeblock keine Zukunft hat

6.12.2012, 8 KommentareDoppelt Antiquiert:
Warum der klassische Werbeblock keine Zukunft hat

Noch immer steigt die Nutzung des linearen Fernsehens in Deutschland, gleiches gilt für die Ausgaben für TV-Spots. Doch es ist Zeit, vom klassischen Werbeblock Abschied zu nehmen.

Standortbasierte Werbung: dealomio und local.ch  setzen auf mobile Angebote

2.4.2012, 0 KommentareStandortbasierte Werbung:
dealomio und local.ch setzen auf mobile Angebote

Die zwei mobilen Dienste dealomio aus Berlin und local.ch aus Zürich wollen werbetreibenden Händlern und Marken eine Möglichkeit einräumen, potenzielle Kunden auf ihrem Mobiltelefon zu erreichen, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe befinden.

Das große Entbündeln: Für jeden Zweck eine eigene App

22.4.2014, 4 KommentareDas große Entbündeln:
Für jeden Zweck eine eigene App

Social Networks und Clouddienste wie Facebook, Dropbox, LinkedIn und Twitter ändern unisono ihre Strategie und beginnen damit, für besondere Einsatzszenarien separate Apps bereitzustellen. Die Spielregeln des Ökosystems werden neu geschrieben.

Das neue digitale Medienökosystem: Reichweite kann jeder

14.4.2014, 3 KommentareDas neue digitale Medienökosystem:
Reichweite kann jeder

Überall sprießen Medienangebote aus dem Internetboden, die innerhalb von kürzester Zeit Millionen Menschen erreichen. Dies zu bewerkstelligen, war noch nie einfacher.

\

14.2.2014, 0 Kommentare"Freunde finden"-Funktion in Apps:
Die Wahl ist schwieriger als gedacht

Ein Kontaktabgleich mit sozialen Netzwerken ist für junge Apps mit kommunikativer Komponente ein idealer Weg, um Nutzer schnell mit "Freunden" zusammenzubringen. Doch die Wahl der "Provider" - ob Facebook, Twitter, Xing oder LinkedIn - will gut überlegt sein.

31 Kommentare

  1. leider fällt die idee der wahlmöglichkeit auch auf die mär der datenschützer rein. denn nicht nur die gesichtserkennung, sondern auch fast alle anderen datenerhebungen fließen erkennbar in die funktionalität und sollen in erster linie den nutzen der plattform erhöhen. wenn man da anfangen wollte, die bezahlenden auszuschließen, müssten sie einen dienst bezahlen, der weniger kann als die freiversion.

    • Du hast den Text nur überflogen, oder? ;)

      Diesen Aspekt führe ich als eines der Probleme dieses Ansatzes im Artikel an ;)

      Man muss unterscheiden zwischen einer Datenerhebung, die direkt zur Werbevermarktung genutzt wird, und einer, die zur Aufrechterhaltung bestimmter, nicht im direkten Zusammenhang mit der Vermarktung stehender Funktionen notwendig ist.

      Der Paid-Ansatz könnte natürlich nur den ersten Punkt entschärfen. Insofern wäre im Bezug auf Facebook nicht sofort Friede Freude Eierkuchen angesagt. Der Vorschlag sollte daher eher als übergreifendes Gedankenkonstrukt gesehen werden, das sich je nach Dienst mehr oder weniger gut anwenden lässt. Insgesamt jedoch halte ich es für einen Schritt in die richtige Richtung.

      Allerdings wäre vielleicht sogar vorstellbar, dass der Paid-Account tatsächlich funktionell weniger kann als der Free. Usern, denen genau der Privacy-Aspekt so unglaublich wichtig ist, sollte dies doch nur recht sein. Und wenn sie dann nach einigen Monaten merken, dass Facebook in der beschnittenen Form viel langweiliger ist, ändern sie vielleicht komplett ihre Haltung in puncto Datenschutz ;)

  2. Die Diskussion führe seit Jahren bestimmt 1x im Monat bei uns hier im Haus.
    Mittlerweile bin ich sogar der Meinung, dass einige Dienste mich bezahlen lassen und meine Daten zusätzlich zu Geld machen ….

    Dies macht mir aber nix aus … So geheim und wichtig sind meine Daten nicht :-)

  3. Mittlerweile bin ich sogar der Meinung, dass einige Dienste mich bezahlen lassen und meine Daten zusätzlich zu Geld machen ….

    Welche? ;)

  4. Welche? :-)

    Muss ich erst noch belegen können.

  5. der ansatz ist in der idee nicht uninteressant, aber ich befürchte, dass die daten dennoch erhoben werden. warum sollte ein konzern sie nicht erheben wollen? und zusätzlich noch die einnahmen über den paid-account mitnehmen? kapitalismus und so…

    • Warum sollte ein konzern sie nicht erheben wollen?

      Gegenfrage: Wenn diese nicht für Werbung genutzt werden können (die der zahlende Nutzer nicht sieht), warum sollte er? ;)

  6. warum er sollte?

    wenn der wechsel des kunden vom paid- zum free-user erfolgt, dann kann man sofort gezielte werbung einsetzen. und man kann sein nutzungsverhalten mit dem nutzungsverhalten anderer nutzer verknüpfen um für diese die werbung zu optimieren. es ist ja nicht so, dass es für jeden user nur einen isolierten datensatz gäbe, der nicht mit anderen kombiniert würde

  7. Ok, das ist wahr. Andererseits: Ohne ein minimales Vertrauen in die Firma (oder alternativ in die sie kontrollierenden Kontrollorgane) lässt sich über das Thema ohnehin nicht konstruktiv diskutieren.

    Entweder man geht davon aus, dass es möglich ist, ein Unternehmen tatsächlich dazu zu bewegen, die Datensammlung zu reduzieren (im Rahmen des im Artikel beschriebenen Vorschlags), oder nicht. Ich persönlich denke, dass dies der Fall ist.

    • die frage des vertrauens ist wohl wirklich zentral. allerdings denke ich nicht, dass die firmen das datensammeln einstellen oder immens reduzieren.

      und die kontrollorgane sind ja nun auch nicht besonders machtvoll aktuell. aber das geht dann in die datenschutzdebatte und ist ein anderes thema

    • Das Ding ist: Würde z.B. Facebook einen Paid-Account mit dem Versprechen einer minimalen Datensammlung anbieten (die dann natürlich genau definiert sein müsste) und gegen dieses Versprechen verstoßen, würde dies auch den US-Behörden missfallen. Für diese ist es deutlich leichter, ein entsprechendes Vergehen zu ahnden, als für den Datenschützer eines deutschen Bundeslandes.

      Heute ist ja die von Land zu Land unterschiedliche Rechtslage ein großes Problem. Bei einem eindeutigen Verstoß gegen die eigenen Geschäftsbedingungen hingegen würde Facebook Probleme im eigenen Land bekommen.

  8. Hmm, das heißt also Datenschutz gibt’s nur für die, die ihn sich auch leisten können …

    • Alles kostet. Auch Social Networking. Wer kein Geld für eine Reise nach New York hat, kann sie nicht antreten. Wer kein Geld für einen Paid Account bei Facebook hat und auch nicht seine Daten für eine Werbevermarktung zur Verfügung stellen will (immerhin gibt es diese Alternative), muss von einer Nutzung Abstand nehmen.

      Das man sowas überhaupt erklären muss???

      Es existiert kein Grundrecht auf die Nutzung von kommerziellen Onlinediensten.

  9. Das ist doch wieder völlig aus der Luft gegriffen.

    Das Problem ist ein ganz anderes. Die Datenschutzprobleme interessieren die meisten User gar nicht. Man wird immer nur von Datenschützern und Poliitkern (die in 99% sowieso keine Ahnung haben vom Internet) damit konfrontiert. Den Usern ist aber das was Facebook bietet (um mal ein Beispiel zu nehmen) wichtiger als der Datenschutz.

    Alle tun so als ob die Welt schlecht ist und wir uns kurz vor einem Kollaps befinden weil wir alles im Internet teilen. Mir ist in den letzten 10 Jahren noch kein Übel widerfahren und ich verstehe die Panikmache nicht. Das ist genauso übertrieben und weltfremd wie die Vogelgrippe…

    Durch Werbung bekommen Große Vermarkter sicherlich mehr als durch ein paar popelige User die zu viel Geld haben und für jede einzelne Seite zahlen.

    • Besser als im ersten Absatz hätte ich es auch nicht sagen können. Im Übrigen: Solange Thilo Weichert bereits das Übermitteln der IP an einen amerikanischen Server als Verstoß gegen deutsches Datenrecht betrachtet, nützt auch der paid content-Ansatz nichts …

  10. Zumal es kaum möglich ist, sich im Netz komplett der Werbewirtschaft zu entziehen

    2 Worte: Adblock Plus.

  11. Die Idee funktioniert aber leider nur bei Diensten, die der Nutzer auch regelmäßig nutzt. Viele Webangebote erhalten vielleicht 1-2 Seitenaufrufe von einem Nutzer, da ist es unrealistisch, eine Bezahlvariante einzubauen (bzw. man kann dann wieder mit der Mircopayment-Diskussion anfangen).

    In der Realität interessiert es (leider) 99% der Nutzer nicht, was mit ihren Daten geschieht. Ein paar Beispiele:
    - Teilnahme an Gewinnspielen (wo dann die Daten völlig legal weiterverkauft werden)
    - Nutzung von Google statt z.B. DuckDuckGo
    - Nutzung von Gmail/Hotmail/Yahoo statt Bezahltangeboten (mit deutschen Datenschutzrichtlinien)
    - “Komfortable” Browser-Einstellungen, wo nicht die höchste Sicherheitsstufe ausgewählt wird

    Der Aufschrei ist immer groß (insbesondere bei profilierungssüchtigen Politikern), wenn es zur Speicherung von Nutzerdaten (auch anonymisiert) kommt. Aber zum einen möchte keiner diese Dienste missen (wie wäre es mal, einen Tag in Deutschland Google zu sperren?) und zum zweiten liest eh keiner die AGB- / Datenschutz- etc.-Regeln, anhand derer man vorab entscheiden kann, ob man persönlich das Angebot nutzen will oder nicht.

    Das Argument, dass man z.B. bei Facebook ja keine Wahl hätte, zählt nicht. Denn ich brauche ja auch kein Konto bei einer Bank (wo der Staat, die Bank, die Schufa und wer weiß ich noch drauf zugreifen kann), ich brauche auch kein Telefon (wo man sehen kann, mit wem ich telefoniere) und ich brauche auch keine Email. Allerdings ist das mit (zugegebenermaßen nicht unerheblichen) Einschränkungen verbunden. Diese Debatte kann man nach Belieben führen,
    ein Facebook-Account ist allerdings nicht wirklich lebensnotwendig.

  12. Genau aus diesem Grund haben wir uns mit unserer Webapp für eine Fremium-Version entschieden, bei der wir als 4ma nichts von den Usern wissen, keine IPs speichern, etc. Wer mit Daten statt Geld zahlen möchte, hat ja inzwischen genügend Plattformen zur Auswahl.

  13. Dieses Mischmodell funktioniert mE deshalb nicht, weil der zahlende, werbefreie Kunde bereits mit der ersten Interaktion mit einem Free-Kunden Daten generierte, die selbstverständlich für letzteren ausgewertet werden würden. – Außerdem ist das alles viel zu gestern und mühselig. Wer seine Daten vor Auswertung im Internet schützen will, sollte sie dort nicht preisgeben.

    • Klar, dass gewissen Datenerhebungen für die Bereitstellung des Dienstes notwendig sind. Dass heisst imo aber nicht, dass die Idee deshalb automatisch nicht funktioniert. Ist alles Ausformungssache.

  14. Ich habe mir gestern dazu Gedanken gemacht und halte den Vorschlag zwar für interessant aber für eher problematisch bis gar nicht umsetzbar:

    “Was, wenn das Unternehmen sich entschließt, den Preis so hoch anzusetzen, so dass diese Alternative für den Endnutzer nicht attraktiv wird? Soll eine Behörde dann die Preisbildung überwachen und korrigierend eingreifen?

    Wollen wir Unternehmen vorschreiben, was ein werbefreier Webmail-Account kosten darf? Wie viel Facebook vom privaten Nutzer verlangen darf? Dass XING keine Werbung bei Premium-Accounts schalten darf? Müssen Webunternehmen dann ihre Kostenstrukturen vor der Webaccountbehörde vom Tag Eins an offen legen? Schreiben wir eine maximale Profitspanne für kostenpflichtige Accounts vor?”

    http://neunetz.com/2011/0…t-nicht-die-loesung/

    • Du beziehst dich ja auf eine Verpflichtung. Diese halte ich ebenfalls nicht für praktikabel – wie es auch im Artikel steht.

      Liest eigentlich niemand mehr Beiträge zu ende, bevor sie kommentiert werden?

    • Ich bezog mich auch auf den Vorschlag von Christoph Kappes, der Ausgang unser beider Artikel war.

      Dein Vorschlag der ‘freiwilligen Selbstverpflichtung’ ist, wenn er keine verpflichtende Komponente hat, aus offensichtlichen Gründen noch unrealistischer. (Wirtschaftlichkeit, Kartellrecht)

    • aus offensichtlichen Gründen noch unrealistischer. (Wirtschaftlichkeit, Kartellrecht)

      Sehe ich nicht. Freiwillige Selbstverpflichtungen im Rahmen eines Zusammeschlusses von Unternehmen sind keinewegs unüblich.

  15. Das ist meines erachtens Unsinn:
    “….Internetfirmen wollen (und müssen) so viele Daten wie möglich erheben, um auf deren Basis die Effektivität und Effizienz ihrer Werbemittel zu steigern…”

    Sollte eigentlich anders heissen:

    Internetfirmen sind oft gierig und nur auf maximierung des Profits aus, sodass sie auf unlauteren Wegen möglichst viele Daten von ihren Nutzer dazu missbrauchen um sich ne goldene Nase zu verdienen.

    ______________
    Ich bin auch Internetunternehmer und brauche und Sammle Überhaupt keine NutzerDaten und verdiene auch sehr gut.
    Warum und Wieso?
    Jeder Internetunternehmer sollte ja von Haus aus Wissen je nach eigenen Projekt, was für Besucher dieser erhält, also mehr Frauen oder “nur” Männer, welche Altersklasse, etc… dementsprechend kann man dann auch dazu passende Werbung anbieten.

    Doch und vor allem die ganz grossen Internetunternehmer wie zum Beispiel Facebook, verkauft alle Nutzerdaten und verdient auf Basis der Nutzerdaten und das ist ja eigentlich nicht ok und müsste weltweit eingestellt werden.

  16. Hallo,
    ich diskutiere ja jederzeit gerne, nur was meines Erachtens sinnlos ist, hier wie einige Kommentatoren die Dinge durcheinander zu würfeln. Was ich vorgeschlagen habe, war auf der Basis der heutigen und hiesigen Rechtslage. Klar können wir über Datenschützer und die Rechtslage diskutieren, das ist nur ein anderes Thema.

    Zunächst mal war mein Vorschlag ja nur einer von mehreren, wie man das Problem konstruktiv lösen könnte. Es gibt zig andere Lösungen, davon skizziere ich einige auch in den Interview, zB die Bestimmungen zu standardisieren und “Diensteklassen” einzuführen, damit die Nutzer überhaupt erst mal verstehen, auf was sie sich da einlassen.

    Auch wenn das gern in der Politik und Medien gemacht wird, ich weigere mich einen einzelnen Lösungsvorschlag zu diskutieren, kosntruktiv ist nur:
    1. Problem bestimmen – habe wir überhaupt dieselbe Sicht?
    2. Alle Lösungen skizzieren
    3. Alle Lösungen bewerten

    Doch, noch zwei Anmerkungen:
    1. Natürlich “können” Unternehmen wie Google mit wie ohne Gebühren mit Daten gleich /gleicht schlecht umgehen, sie werden es aber nicht tun, weil mein Vorschlag die Nutzer überhaupt erstmal zu KUNDEN macht, was sonst nämlich die WERBETREIBENDEN sind. Das bedeutet für jede Entscheidung sich neu überlegen zu müssen, wessen Interessen man bedient.
    2. Mir ging es auch darum (das ist der Jurist in mir), überhaupt Nutzerrechte in ernsthaftem Umfang entstehen zu lassen. Ohne Bezahlung ist man als Nutzer bisher weitgehende rechtelos, das sieht man in allen Details von Nutzungsbestimmungen. Damit meine ich, dass bisher Ansprüche gegen den Diensteanbieter praktisch nicht begründet werden. Vertraglich, fast null. Hätte man aber eine zweiseitige Wirtschaftsbeziehung von Leistung und Gegenleistung, wäre das der Ansatz, den Nutzern überhaupt Rechte zu geben. Und das, entschuldigt meine harschen Worte, würde doch weit mehr helfen als wenn man als nichtzahlender Nutzer den eigenen Namen sechs Wochen lang mutiert zur Schau stellt oder als Minister sich zum Affen macht. Unterschreibt zweiseitige Verträge, dann habt Ihr auch Rechte.

    So weit ich, Hugh :-)

  17. Mich würde jetzt echt mal brennend interessieren, ob und wenn ja welche (bzw. in welchem Ausmaß) Probleme mit dem Datenschutz Menschen in anderen Ländern haben – oder ob wir hier ein spezifisch deutsches Phänomen wälzen (was ich vermute). Kann das mal jemand von euch professionellen Bloggern recherchieren, wie die gleiche Sachlage in Frankreich, Argentinien, Neuseeland, Japan oder Polen (oder jedes andere Land) diskutiert wird?

    • Ich kann ja mal mit Schweden anfangen: Mag sein, dass diese Diskussion in gewissen Kreisen auch geführt wird – aber eine “Eskalation” wie in Deutschland findet nicht statt.

      Auch die starke Medienpräsenz von Datenschützern ist hier nicht zu beobachten. Ich kenne auch keinen namentlich (in Deutschland dagegen so einige ;))

Ein Pingback

  1. [...] Die Idee ist nicht neu. Wenn ich auf Werbung verzichten möchte, wenn ich mich nicht “nackt” der “datensammelnden Wut” ausgeliefert sehen möchte, dann könnte ich auch dafür zahlen. Ich, als vollmündiger Bürger, der dem deutschen Datenschutz unterstellt ist, entscheide also, ob ich Betrag x investieren mag. Dann gibt es keine Werbung mehr für mich und der Betreiber bspw. Facebook darf meine Daten nicht mehr erheben, anonymisieren, oder eben nicht anonymisieren. Der protestierende Datenschützer wird darauf verwiesen, dass man ja für die Werbefreiheit und damit Datenschutzkonformität Geld bezahlen könnte – Nutzer zahlt mit Daten oder in Bar, wie bereits netzwertig titelt. [...]