“Zahle, so viel du willst”:
Zootool gibt Einblicke in sein Freemium-Experiment

Der deutsche Social-Bookmarking-Dienst Zootool hat kürzlich eine kostenpflichtige Pro-Funktion veröffentlicht. Über den Preis können Nutzer selbst entscheiden. Jetzt berichten die Zootool-Macher über den Verlauf des Experiments.

Die Mehrzahl aller von uns bei netzwertig.com vorgestellten Webdienste muss irgendwann darüber entscheiden, wie sie ihre operativen Kosten decken und Geld verdienen wollen. Mögliche Ansätze gibt es unzählige – doch nicht jedes Geschäftsmodell passt zu jedem Startup oder Onlineservice. Und wer beim Versuch der Monetarisierung zu kräftig hinlangt, stößt leicht treue Anwender vor den Kopf.

Der deutsche Social-Bookmarking-Dienst Zootool (unser Review) hat Anfang August ein Experiment gestartet: Nach einigen Jahren mit Einnahmen einzig aus einer Mini-Werbevermarktung sahen die Zootool-Gründer Bastian Allgeier und Hartmut Wöhlbier die Zeit gekommen, um eine mit Zusatzfunktionen ausgestattete, kostenpflichtige Premium-Variante des 2008 gestarteten Angebots zu veröffentlichen. Doch weil sie sich über die angemessene Höhe der Jahrespauschale im Unklaren waren, entschlossen sie sich, über diese ganz einfach die User selbst bestimmen zu lassen. Zootool Pro mit einer frei wählbaren jährlichen Gebühr zwischen einem und 100 Dollar war geboren.

Am Montag gaben die Zootool-Macher in einem Blogbeitrag Einblick in die Zahlen der Bestellungen des neuen Pro-Accounts sowie in die Verteilung der von Anwendern gewählten Jahrespauschale und befriedigten damit auch unsere Neugier über den Ausgang des Versuches:

60.000 registrierte Mitglieder hat der von der OpenWe GmbH als eine Mischung aus Neben- und Liebhaberprojekt betriebene Service, 6.000 bookmarken mit Zootool aktiv Websites, Fotos, Videos und Dokumente.

270 zahlende Mitglieder und 3.000 Dollar Umsatz nach einem Tag

Erhofft hatte sich das Zootool-Team, innerhalb eines Monats 100 zahlende Nutzer gewinnen zu können – doch diese Marke wurde bereits nach zwei Stunden erreicht. Nach dem Ende des ersten Tages hatten 270 Zootool-Anwender einen Pro-Account gebucht und etwa 3.000 Dollar in die Kassen des Webdienstes gespült.

Mittlerweile gibt es 456 Pro-Nutzer, die insgesamt 4140 Dollar per PayPal überwiesen haben. Im Durchschnitt zahlt somit jedes Pro-Mitglied neun Dollar pro Jahr. 126 Benutzer wählten den Minimalbetrag von einem Dollar, um die Extra-Funktionen freizuschalten. 145 zahlten zwischen zwei und fünf Dollar. Die verbliebenen 184 Nutzer (oder 41 Prozent) sorgten mit zusammen 3329 Dollar für den Löwenanteil des Umsatzes aus dem Pro-Angebot. Ihr Durchschnitt liegt bei 18 Dollar/Jahr.

Einnahmen werden in die Weiterentwicklung von Zootool investiert

Die Betreiber zeigen sich im Blogbeitrag zufrieden mit diesem Resultat. Da sie neben Zootool an diversen anderen ertragreichen Projekten arbeiten, müssen sie mit den Erlösen aus dem Pro-Konto nicht etwa ihren Lebensunterhalt bestreiten und können sich ein derartiges Experiment daher leisten. Alle Einnahmen werden nach ihrer Aussage in die Weiterentwicklung von Zootool investiert.

Hätten sie für den Zusatzservice 20 Dollar oder mehr verlangt, wären viele derjenigen, die jetzt den Betrieb von Zootool mit fünf oder weniger Dollar unterstützen, Gratisnutzer geblieben, so der Gedankengang von Bastian Allgeier und Hartmut Wöhlbier.

Die Zwei haben Zootool von Beginn an in einer Nische positioniert und scheinen – so zumindest lässt es der Blogbeitrag verlauten – eine kleine, aber loyale und dankbare Nutzerschaft einem XXL-Mitgliederwachstum mit damit verbundenen Nebenwirkungen vorzuziehen. Das Freemium-Modell mit Zahl-was-du-willst-Konditionen passt sicherlich nicht für jeden Webanbieter. Für eine sich am Herzblut und Idealismus seiner Entwickler nährende Anwendung wie Zootool allerdings erscheint sie sehr konsequent. Und durch den positiven PR-Effekt des ungewöhnlichen Verfahrens lässt sich mit Sicherheit auch das ein oder andere zusätzliche Pro-Mitglied gewinnen.

Link: Zootool

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7 Kommentare

  1. Sven Ehlert
    schrieb am 23. August 2011 um 09:27 Uhr (#)

    Ein großes Dankeschön an die Betreiber, dass sie die Zahlen veröffentlicht haben!

  2. Tanja Handl
    schrieb am 23. August 2011 um 14:56 Uhr (#)

    Nicht nur ein schönes Tool, sondern auch ein vorbildliches Beispiel für Transparenz. Dake für den spannenden Beitrag!

  3. habu
    schrieb am 23. August 2011 um 17:10 Uhr (#)

    Was leider bei diesem Beitrag unter den Tisch gefallen ist, ist die Tatsache, dass man die Pro-Mitgliedschaft zwar für ein Jahr abschliesst, dies jedoch nur das Minimum der Laufzeit darstellt.

    Ein Dienst wie Zootool – aber gleiches gilt im Grunde ebenso für jeden Dienst mit einem collaborativen Ansatz – wird besonders von denjenigen getragen, die es intensiv nutzen. Die meisten Monitarisierungskonzepte setzen jedoch leider genau bei diesen Nutzern an, da diese auch einen Wert im Dienst sehen. Dennoch bezahlen dabei letztlich diejenigen, die den Dienst, oder besser seinen Content, selbst erschaffen.

    Basti und ich glauben, dass es daher ein guter Ansatz ist, aktive User zu belohnen, statt sie für “ihren” Dienst zahlen zu lassen.

    Die Pro-Mitgliedschaft verlängert sich bei Zootool also bei aktiven Usern automatisch, um so die tatsächlichen Kosten bei ihnen gering zu lassen, bzw. eine Form der Rückerstattung zukommen zu lassen.

    Auch hierbei glauben wir, dass wir unter dem Strich das richtige für den User und Zootool als Dienst machen und es sich so auch rechnen wird. Zumindest, wenn mann nicht eine Gewinnmaximierung anstrebt, sondern andere Parameter als Maxime nimmt.
    Letztlich drücken sich aber auch andere Herangehensweisen langfristig meist in positivem Cashflow aus.

    Ich denke, dies ist eine Fortsetzung des zahle-so-viel-du-willst, wenn man erstmal Pro-Mitglied ist. Wie oft werden Ideale über Board geworden, wenn das Geld (egal wie viel) erst mal den Besitzer gewechselt hat?!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 23. August 2011 um 17:13 Uhr (#)

      Das heißt, wer sich für Pro entscheidet, bezahlt und dann sein Zootool-Konto aktiv nutzt, erhält nach einem jahr eine automatische Verlängerung ohne weitere Kosten – und diese gilt, so lange er/sie aktiv ist?

  4. habu
    schrieb am 23. August 2011 um 20:29 Uhr (#)

    Je aktiver der User ist, desto länger wird die Laufzeit der Pro-Mitgliedschaft. Ein aktiver User kann so seine “Jahres-Mitgliedschaft” um etliche Monate verlängern. Die Kriterien für einen aktiven User sind verschieden, da ja auch Zootool verschiedene Nutzungsmöglichkeiten bereithält.

    Das ich geschrieben habe, es sei bei Deinem Beitrag “unter den Tisch gefallen”, ist missglücklich ausgedrückt, da wir es noch gar nicht im Blog angesprochen haben. Ich dachte, Du hättest mit Basti gesprochen und er hätte Dir davon erzählt. (Komme gerade aus dem Urlaub, war etwas vorschnell von mir!). Zur Zeit schauen wir, wie die Nutzung der Pro-User aussieht, um die Kriterien zu festzulegen und zu feintunen. Mehr dazu in kürze im Blog.

  5. Michael Hartmann
    schrieb am 24. August 2011 um 12:47 Uhr (#)

    Das ist doch mal ein Ansatzpunkt der wirklich interessant ist. Nicht das Motto “zahl was Du willst” sondern das Motto “Zahl, was es Dir Wert ist” ..wäre treffender gewesen. Ich glaube, dass die Menschen Werte suchen und auch bereit sind dafür etwas mehr zu geben. Auf jeden Fall ein guter Anfang und ein prima Beitrag. Vielen Dank für diese Informationen.

  6. Sebastian
    schrieb am 24. August 2011 um 18:50 Uhr (#)

    Ist ein sehr spannender Ansatz, Zahl-was-du-willst mit einer Belohnung für Aktivität zu verbinden. Klasse, danke für den Beitrag und den inspirierenden Use-Case.

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