Social Network rund um E-Books:
Readmill will Bücher
und das Web verbinden

Bei Readmill, einem neuen Social Network rund um E-Books, steht das tatsächliche Leseverhalten der Nutzer im Vordergrund. Herzstück des Dienstes aus Berlin ist ein sozialer E-Book-Reader für das iPad.

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Im Jahr 2007 zogen zwei Schweden nach einem kurzen Aufenthalt in San Francisco nach Berlin, um dort ein Online-Musikstartup aufzubauen. Die Rede ist natürlich von Alexander Ljung und Eric Wahlforss. Die zwei gründeten mit SoundCloud nicht nur eines der angesagtesten jungen Webunternehmen aus Deutschland, sondern legten auch den Grundstein für das Entstehen einer völlig neuen Generation hiesiger Startups.

Mittlerweile ist das Duo jedoch nicht mehr das einzige skandinavische Gründergespann im Internetsektor der deutschen Hauptstadt: Die Schweden David Kjelkerud und Henrik Berggren sind schon lange mit den SoundCloud-Machern befreundet und fassten Anfang des Jahres inspiriert von Ljungs und Wahlforss’ Pionierarbeit den Beschluss, ebenfalls nach Berlin zu ziehen und ein Startup auf die Beine zu stellen. Das Ergebnis heißt Readmill und ist ein soziales Netzwerk für Leser von E-Books. 

Im Gegensatz zu anderen Bücher-Communities wie LovelyBooks oder BookRix dreht sich bei Readmill alles um den tatsächlichen Bücher-Konsum der Anwender. Statt sich über Kriterien wie Lieblingsautoren oder händisch eingetragene Lieblingstitel zu vernetzen, werden Nutzerprofile bei Readmill aus Informationen darüber befüllt, was und wie Mitglieder lesen.

Im Zentrum des Dienstes steht eine kostenfreie iPad-Applikation, Readmills sozialer E-Book-Reader. Registrierte Mitglieder können beliebige elektronische Bücher im ePub-Format ohne DRM in die App importieren und mit ihrem Readmill-Konto verknüpfen. Damit willigen sie ein, künftig Rahmendaten zum Konsum der jeweiligen Lektüre auf ihrem öffentlichen Readmill-Profil zu publizieren.

Das Profil von Readmill-Mitgründer Henrik Berggren sieht beispielsweise so aus und signalisiert, in welchen Titeln er gerade schmökert, welche er bereits vollständig gelesen und welche er beim Stöbern in den Streams anderer Nutzer als “interessant” markiert hat.

Jedes gelistete Buch verfügt über eine anwenderspezifische Profilseite (wie hier), die eine kurze inhaltliche Zusammenfassung enthält sowie Statistiken zur Leseintensität, innerhalb der App markierte Zitate, Kommentare sowie die Namen anderer, das selbe Werk konsumierender Nutzer anzeigt.

Eine Follow-Funktion darf natürlich auch nicht fehlen. Alle Aktivitäten der abonnierten Anwender erscheinen im persönlichen Readmill-Newsfeed auf der Website. Benutzerprofile zeigen wie bei Twitter die Anzahl der Followers und die der abonnierten User an, was für Neulinge ein hilfreicher Indikator sein kann, wie erfahren und belesen User sind.

In vielerlei Hinsicht wirkt Readmill wie ein Last.fm für Bücher. Anders als Apps wie Get Glue oder Miso, bei denen man in Medienprodukte wie Bücher “einchecken” kann, zeichnet der Service des Berliner Startups das tatsächliche Leseverhalten auf – ähnlich wie Last.fm es für angehörte Musik erlaubt.

Die offensichtlichen Begrenzungen liegen momentan in der alleinigen Verfügbarkeit von Readmill für das iPad (über die Weboberfläche kann das Leseverhalten natürlich nicht aufgezeichnet werden) sowie in der Beschränkung auf ePub-Bücher ohne Kopierschutz. Das Ziel des derzeit sechsköpfigen Readmill-Teams ist es jedoch, so viele Lesegeräte, Plattformen und E-Book-Formate zu unterstützen wie möglich, um der eigenen Vision näher zu kommen, Bücher mit dem Web zu verknüpfen und ihnen die Fähigkeit zu verleihen, eingebettet, verlinkt, empfohlen und gar bearbeitet werden zu können.

Vorstellbare Erlösquellen existieren für Readmill einige – von Affiliate-Einnahmen über einen eigenen E-Book-Shop bis hin zu Partnerschaften mit Verlagen und Medienunternehmen.

Der Schlüssel zum Erfolgt liegt aber vorerst in der Integration von Readmill in möglichst viele Hard- und Software-Reader-Lösungen. Wenn beispielsweise Kindle-User in der Lage wären, ihr Nutzungsverhalten bei Readmill zu publizieren, würde sich die Reichweite des ein gutes halbes Jahr alten Unternehmens drastisch erhöhen. Wahrscheinlich ist jedoch, dass Amazon sein eigenes soziales Netzwerk rund um die Kindle-Plattform bevorzugt behandelt.

Auch wenn sich Readmill aufgrund der Fragmentierung im E-Book-Markt und bei E-Book-Formaten mit einigen Herausforderungen konfrontiert sieht, handelt es sich bei dem Dienst um ein innovatives Angebot, das den Gedanken der bisherigen Bücher-Communities konsequent fortführt.

Wir haben 50 Einladungen zur geschlossenen Beta-Phase von Readmill. Folgt dazu diesem Link und registriert euch.

Ein Hinweis: Ihr benötigt die aktuellste iOS-Version, damit Readmills iPad-Applikation funktioniert.

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3 Kommentare

  1. Johannes
    schrieb am 18. August 2011 um 09:58 Uhr (#)

    Was dem Projekt im Weg steht: 80 Prozent der Neuerscheinungen der Großverlage kommt immer noch mit hartem Adobe-Kopierschutz daher und bleibt damit außen vor (bei Amazon gekaufte Literatur ohnehin). Und nur den DRM-freien Teil des Leseverhaltens abzubilden und darauf aufbauend Empfehlungen zu geben, ergibt wenig Sinn. Schade, denn ansich ist’s ein spannendes Projekt (related: thecopia.com)

    Ciao
    Johannes

  2. meinereiner
    schrieb am 18. August 2011 um 13:22 Uhr (#)

    Ein calibre plug in wäre spitze, immerhin ist dort eh schon alles drmfrei…

  3. rob d
    schrieb am 19. August 2011 um 10:58 Uhr (#)

    Im Zusammenhang mit Büchercommunities sollte hier auf jeden Fall mal http://www.goodreads.com erwähnt werden.

    Quasi DAS Facebook unter den Büchercommunities!

    Gruß, rob d

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