wooga:
Das Risiko der Abhängigkeit

Facebooks Partnerschaft mit Social-Gaming-Marktführer Zynga ist enger als ursprünglich angenommen. Für Verfolger wooga aus Berlin unterstreicht dies das Risiko einer zu großen Abhängigkeit von dem Social Network.

wooga gehört zu Deutschlands Startup-Aushängeschildern und kann auf eine beeindruckende Wachstumsentwicklung zurückblicken. Selbst wer keine Zeit mit Spielchen bei Facebook verbringt, muss dem Anfang 2009 gegründeten Berliner Unternehmen für den blitzschnellen Aufstieg zum weltweit zweitgrößten Anbieter von Social Games Respekt zollen.

Nur ein Aspekt trübt das sonst recht makellose Bild, das die Hauptstädter momentan nach außen abgeben: Die vollständige Abhängigkeit von Facebook. Den VZ-Netzwerken hat wooga vor einigen Monaten den Rücken gekehrt, um sich komplett auf die Entwicklung von Spielen für das kalifornische Social Network zu fokussieren.

Aus heutiger Sicht erscheint das sicherlich sinnvoll: Immerhin ist Facebook das mit Abstand führende globale soziale Netzwerk mit etwa 750 Millionen aktiven Nutzern. Im vergangenen Jahr widmeten sich die Hälfte aller Facebook-Mitglieder zumindest gelegentlich den bunten Spiele-Apps.

Doch trotz der hohen Attraktivität des blau-weißen Netzwerks für Spiele-Anbieter wie wooga: Das eigene Geschäft zu hundert Prozent auf den Schultern eines anderen Unternehmens aufzubauen, ist immer ein riskantes Unterfangen – erst recht im schnelllebigen Internetsektor, in dem sich Macht- und Marktverhältnisse rasant verändert können.

Zwei Ereignisse der jüngsten Zeit haben unter Garantie die Aufmerksamkeit von wooga-CEO Jens Begemann und seinem mittlerweile fast hundertkopfigen Team erhalten: Zum einen die aus Sicht von Konkurrenten unangenehm enge Partnerschaft zwischen Social-Games-Krösus Zynga und Facebook sowie die Meldung, dass Googles blutjunges Social Network Google+ sich ebenfalls als Plattform für Spiele anbieten will.

Zynga hatte sich im Sommer vergangenen Jahres nach einem Disput mit Facebook auf eine auf fünf Jahre ausgelegte strategische Kooperation mit dem sozialen Netzwerk geeinigt. Das jüngst von Zynga publizierte Börsenprospekt gab nun zusätzliche Einblicke in die Bedingungen der Vereinbarung mit Facebook: Das Games-Startup aus San Francisco hat demnach quasi keine Möglichkeit, seine Spiele außerhalb der Facebook-Plattform zu veröffentlichen. Im Gegenzug verpflichtet sich Facebook zu diversen Maßnahmen, um das Wachstum von Zynga-Games innerhalb des Social Networks zu unterstützen.

Zynga-Konkurrenten stößt dies bitter auf, wie VentureBeat vor einigen Tagen ausführlich beschrieb. Auch wenn Facebook darauf pocht, dass anderen Spiele-Entwickler durch das Zynga-Abkommen keine Nachteile entstehen, ist die Irritation in der Branche nachvollziehbar – nicht zuletzt auch wegen der fehlenden Transparenz über die Ausformung der Zusammenarbeit zwischen den zwei Firmen von der US-Westküste.

Wie kompliziert die Situation für Zynga-Wettbewerber ist, zeigt die Tatsache, dass VentureBeat seinen Beitrag kaum mit offiziellen Stellungnahmen von Spieleschmieden, dafür aber mit umso mehr anonymisierten Zitaten spicken konnte: Es scheint bei Spiele-Entwicklern eine verbreitete Furcht vor öffentlicher Kritik an der Plattform-Herrscherin zu geben. Da bisher aus Sicht der Gaming-Studios nicht wirklich eine Alternative zu Facebook existiert, will offenbar niemand das Risiko eingehen, von dem Dienst schikaniert oder gar gesperrt zu werden.

Es ist unklar, inwieweit eines der von VentureBeat publizierten Zitate von wooga stammen könnte. Auf meine Anfrage wollte sich wooga zu dem Thema wenig überraschend nicht äußern. Auch nicht dazu, inwieweit die Berliner mit Google in Bezug auf eine Präsenz bei Google+ in Kontakt stehen.

Noch weiß niemand, ob und wie der Neuling im Social-Bereich sich mittelfristig schlagen wird. Eine rechtzeitige Sondierung der Lage für Zyngas Wettbewerber ist aber trotzdem kein unangemessener Schritt. Wenn Google+ nämlich ein nachhaltiges Nutzerwachstum erleben sollte, dann würde sich dadurch auch eine neue, potenziell attraktive Gaming-Plattform bieten – ohne dass das an Facebook gebundene Zynga sich dort überhaupt blicken lassen könnte.

Mit Plänen für Smartphone-Apps hat wooga gerade gezeigt, dass es zukünftig eine Plattformdiversifizierung anstrebt, um nicht mehr alles auf die eine Facebook-Karte setzen zu müssen. Gleichzeitig wird man am Firmensitz im Zentrum Berlins jedoch genau beobachten, wie sich Google+ weiterentwickelt. Die Gelegenheit, für Google+ das zu werden, was Zynga für Facebook ist, würden sich die Hauptstädter mit Sicherheit nicht entgehen lassen wollen.

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1 Kommentar

  1. Alex
    schrieb am 22. August 2011 um 00:00 Uhr (#)

    Wooga hat just 8 Tage später 3 Spiele auf Google+ gestartet:
    http://wooga.com/2011/08/…ree-games-on-google/
    Ich hätte mir auch nicht vorstellen könne, dass Wooga sich diesen Zweig (Google+) entgehen lässt! Dass sie den VZ-Netzwerken den Rücken gekehrt haben, kann ich sehr gut nachvollziehen und spätestens, wenn man eine App für die VZ-Netzwerke programmieren soll, kann man es erst recht nachvollziehen ;).

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