Kartenzahlungen über die Webcam:
Jajah-Gründer Daniel
Mattes enthüllt Jumio

Jajah-Gründer Daniel Mattes will mit seinem neuen Startup Jumio das Bezahlen revolutionieren. Die von dem Unternehmen entwickelte Technologie ermöglicht die Kartenzahlung über eine Webcam.

Der Name Daniel Mattes fiel bei uns bereits heute Morgen im Kontext des Umzugs hiesiger Startups in die USA: Mattes hatte 2005 zusammen mit Roman Scharf den VoIP-Dienst Jajah gegründet. Ein halbes Jahr später siedelten sie mit diesem von Wien ins Silicon Valley um.

Ende 2009 verkaufte das Duo Jajah an den spanischen Telekommunikationskonzern Telefónica und ging daraufhin getrennte Wege: Roman Scharf hob Talenthouse aus der Taufe, eine Plattform, die Crowdsourcing mit der Reichweite des Social Web verknüpft. Sein ehemaliger Kompagnon Daniel Mattes beschäftigte sich dagegen nach dem Abschied von Jajah mit der Frage, wie man die Art des Bezahlens verändern und verbessern könnte.

Jumio heißt das Resultat – ein Startup, von dem bisher nicht viel mehr bekannt war als sein prominenter Gründer sowie das vollmundige Versprechen, Zahlungen revolutionieren zu wollen. 6,5 Millionen Dollar Risikokapital hat das junge Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Mountain View und der Entwicklungsabteilung im österreichischen Linz bereits vor seinem Launch einsammeln können, mit Facebook-Mitgründer Eduardo Saverin als Lead-Investor.

Die Erwartungen an das Vorhaben konnten höher also kaum sein. Gestern nun hat das Startup sein Produkt enthüllt – und zumindest mich nicht enttäuscht.

Jumio hat eine “Netswipe” genannte Technologie entwickelt und patentieren lassen, die eine beliebige Webcam in ein Geld- bzw. Kreditkartenlesegerät verwandelt. Händler können Netswipe auf ihrer Site integrieren und Kunden die Option anbieten, für erworbene Produkte oder Dienste zu bezahlen, indem sie ihre Kreditkarte kurz vor die Kamera ihres Rechners halten.

Abgesehen von der erhöhten Bequemlichkeit für die User, die sich das Eintippen der notwendigen Kartendetails ersparen, sieht Jumio vor allem einen Zugewinn in puncto Sicherheit: Per verschlüsseltem Videostream wird das Abbild der Karte an Jumio übermittelt, woraufhin die Netswipe-Technologie Name und Nummer identifiziert und die Echtheit der Karte verifiziert.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Online-Kartenzahlungen müssen Verbraucher also die tatsächliche Kreditkarte zur Hand haben. Gestohlene Kartendetails reichen zur Zahlung über Jumio nicht aus. Auch muss man davon ausgehen, dass eine Kartenimitation das neuartige System nicht überlisten kann – zumindest liegt gerade hier die eigentliche Innovation des Startups: Es führt nicht nur eine Bilderkennung aus, sondern gleichzeitig eine Echtheitsüberprüfung aus der Distanz. Als zusätzlichen Sicherheitsaspekt müssen Käufer zum Abschluss der Transaktion wie bei herkömmlichen Kartenzahlungen ihren dreistelligen Sicherheitscode manuell eingeben.

Jumio offeriert E-Commerce-Anbietern und Onlinediensten drei unterschiedliche Produkte: Netswipe Start liefert ein einsatzbereites Starter-Kit für alle Firmen, die ihren Kunden mit Hilfe von Jumio die Option für sichere Kartenzahlungen anbieten wollen – Jumio behält von jeder Transaktion 2,75 Prozent als Provision, mindestens aber 0,275 Euro. Netswipe Scanning und Netswipe Processing erlauben die maßgeschneiderte Integration der Scan-Technologie in bestehende Zahlungssysteme und -abläufe.

Noch für dieses Jahr plant das Unternehmen die Veröffentlichung von Apps für iPhone und Android. Mobiltelefone sollen so in die Lage versetzt werden, über die Smartphone-Kamera Kreditkarten zu lesen und Zahlungen in Empfang zu nehmen. Zudem ist vorgesehen, dass sich Jumios Kartenlesetechnik in beliebige mobile Apps zur Zahlungsabwicklung integrieren lässt.

Während das jetzt vorgestellte Kernprodukt bisher in dieser Form konkurrenzlos zu sein scheint, kommt Jumio in Bezug auf die mobilen Ambitionen existierenden Startups wie Square, iZettle oder card.io in die Quere, die ebenfalls Lösungen anbieten, um über Mobiltelefone Kreditkartenzahlungen empfangen zu können.

Etwas merkwürdig mutet die Tatsache an, dass uns Jumio auf Anfrage nicht verraten wollte, welche Websites die Technologie zum Start bereits einsetzen. Sie befänden sich alle im Trial-Mode, in ein bis zwei Monaten würde man die Namen bekannt geben, heißt es schlicht. Es ist zumindest unüblich, dass Internetfirmen neue B2B-Produkte vorstellen und bereits über ihre Website für alle Interessenten anbieten, aber keine Launchpartner nennen.

Sollte jemand von euch einen eigenen Shop betreiben und Jumio testweise ausprobieren, freuen wir uns über einen Erfahrungsbericht!

Link: Jumio

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15 Kommentare

  1. Edgar
    schrieb am 27. Juli 2011 um 12:31 Uhr (#)

    Wie sieht es denn mit vorgetäuschten Kamerabildern (also alten Aufnahmen) aus? Wenn ich die ähnlich wie bei Chatroulette vorgaukele ist das doch hin, oder?

  2. sprain
    schrieb am 27. Juli 2011 um 13:00 Uhr (#)

    Tja, schade, auf meinen Mac mit Lion scheint im Testmodus die Aktivierung der Webcam irgendwie nicht zu klappen. Weder in Safari, Chrome noch Firefox.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 27. Juli 2011 um 13:31 Uhr (#)

    @ Edgar
    K.a. ob das bei Jumio ginge. Aber im Zweifelsfall bleibt immer noch die Eingabe des CVV-Codes.

    @ sprain
    Du hast Jumio also testweise auf einer Site von dir integriert?

    1. sprain
      schrieb am 28. Juli 2011 um 10:10 Uhr (#)

      @Martin
      Nein, wenn man sich auf Jumio anmeldet sollte man eine Testzahlung durchführen können, die dann aber nicht auf der Kreditkarte belastet wird. Klappt bei mir aber eben nicht.

    2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 28. Juli 2011 um 10:18 Uhr (#)

      Ok. Bei mir ging das (W7, Chrome).

  4. Jonas
    schrieb am 27. Juli 2011 um 16:25 Uhr (#)

    In Sachen PR kann man Daniel Mattes wenig vormachen: http://jumio.com/press/press/17march2011/ “Jumio: Facebook Co-Founder Eduardo Saverin Leads $6.5m Series-A Round”

    (…)“I’m usually a critical person,” says Eduardo Saverin, “but the last time I have seen such a disruptive idea was actually Facebook.”(…)

  5. Martin
    schrieb am 27. Juli 2011 um 17:13 Uhr (#)

    (…)“I’m usually a critical person,” says Eduardo Saverin, “but the last time I have seen such a disruptive idea was actually Facebook.”(…)

    Wie definiert eduardo das wort “disruptive” …

    So disruptive – wie er behauptet – war die idee hinter facebook definitiv nicht;-)
    So disruptive – wie er behauptet – ist zumindest die mobile schiene von jumio auch nicht (siehe lösung von card.io)

  6. Falk
    schrieb am 28. Juli 2011 um 08:14 Uhr (#)

    Hi,
    der Knackpunkt ist die Frage ob “ich der Besitzer” der Kreditkarte bin oder nicht. Es wird zwar kurz angesprochen aber hier bin ich gespannt wie das geprüft werden soll.
    Mein Sohn nimmt sich aus meinem Fundus die Kreditkarte und kauft 10 Games online – ohne mich zu fragen… Was dann?
    Ansonsten ist die Idee auf den ersten Blick ein geschickt eingesetztes OCR. Die Transaktions-Fees sind für eCommerce verdammt hoch. Ausserdem liegt das Transaktionsrisiko ebenso bei Jumio.
    Na mal sehen was das gibt… ;-)
    Gruß

    1. Boris Stock
      schrieb am 28. Juli 2011 um 09:58 Uhr (#)

      Das Risiko das dein Sohn sich die Kreditkarte nimmt, liegt ja aber nicht an der Technologie die Jumio verwendet? Wenn der die Kreditkarte nimmt und diese nicht mit einem neueren 3D-Secure Passwort gesichert ist kann er in jedem beliebigen Shop einkaufen…

      Finde das mit der Webcam aber ehrlich gesagt auch eher ein Gimmick als “disruptive”…

  7. Joe
    schrieb am 29. Juli 2011 um 09:17 Uhr (#)

    Richtig cool ist das: die Anbieter müssen die Kreditkarteninformationen der Kunden nicht mehr speichern. So können sie ihnen nicht mehr geklaut werden.

    Aber 2.75% Transaktionsgebühr ist definitiv zu viel. Die Kreditkartenfirmen nehmen ja auch noch etwas. Mit solchen Gebühren wird sich das nicht so schnell verbreiten.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 29. Juli 2011 um 09:55 Uhr (#)

      Wenn mich nicht alles täuscht, dann beinhaltet Netswipe Start mit der 2,75 Prozent-Provision die komplette Zahlungsabwicklung, d.h., der verbliebene Betrag geht vollständig an den Händler.

    2. bluppdidupp
      schrieb am 7. August 2011 um 22:00 Uhr (#)

      Es ist doch ohnehin eher selten das man als Shop-Betreiber selbst direkt die Kreditkartenabwicklung macht, da hat man doch nahezu immer Dienstleister wie expercash, moneybookers, paypal etc. die das handlen

      Ich sehe hier “nur” den Vorteil das dem Kunden die lästige Eintipperei der Kreditkartennummern abgenommen wird (außer halt CVV/3D-Secure)

  8. Johann
    schrieb am 29. Juli 2011 um 17:03 Uhr (#)

    kann man den Patentantrag von jumio irgendwo einsehen? Ich finde es merkwürdig, dass card.io augenscheinlich den gleichen Service bietet.

  9. Marnos
    schrieb am 6. August 2011 um 12:31 Uhr (#)

    Die Menchen werden immer blöder……

  10. Marnos
    schrieb am 6. August 2011 um 12:32 Uhr (#)

    http://www.youtube.com/watch?v=JEwZxasResI

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