spreet:
Mit “Local Media”
die Nachbarn kennenlernen

spreet aus Hamburg will es Usern ermöglichen, mit Menschen aus der unmittelbaren Umgebung in Kontakt zu treten. Aus Social Media wird Local Media.

Social Networks verändern das Leben von geschätzten einer Milliarde Menschen. Noch nie war es leichter, mit Freunden, Verwandten und Bekannten rund um den Globus in Kontakt zu bleiben. Doch während durch Facebook und Konsorten die Pflege sozialer Beziehungen sowie die Interaktion mit anderen Personen neu definiert wird, wissen viele digital hervorragend vernetze User nicht, wer mit ihnen im selben Haus wohnt.

Im Jahr 2011 könnte sich dies ändern – zumindest wenn es nach dem Willen der wachsenden Zahl an Startups geht, die sich auf die lokale Vernetzung von Menschen fokussieren.

Die Anbieter in diesem, auch durch die Verbreitung von Smartphones angeheizten Markt, lassen sich grob in vier Gruppen unterteilen: In “Microjobbing-Angebote” wie Zaarly, Gigalocal oder Coffee & Power, ortsgebundene Frage-Antworte-Dienste wie LocalUncle, Loqly oder Gootip, virtuelle Schwarze Bretter à la placeboard sowie Dienste, die spontane Chats und Konversationen mit anderen Menschen in der Umgebung ermöglichen (beispielsweise DailyPlaces oder Sonar).

Das neue aus Hamburg stammende Angebot spreet versucht nun, sämtliche dieser Aspekte unter einen Hut zu bringen.

Bei spreet registrierte Nutzer können auf einer Google-Karte so genannte Shouts veröffentlichen – standortbezogene Nachrichten, in denen sie Nachbarn um Hilfe bitten, Ratschläge und Empfehlungen erfragen oder Angebote lokaler Unternehmen und Dienstleister einholen. Der Radius eines Shouts darf zwischen 200 und 1000 Metern betragen, ist somit grundsätzlich auf ein bestimmtes geografisches Gebiet beschränkt. Shouts können mit einer angehängten Datei sowie Schlagwörtern ergänzt werden.

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Das Gegenstück zum Shout sind “Antennen”: Dabei handelt es sich um einen lokal begrenzten Monitoringauftrag, der sämtliche Shouts auffängt und auflistet, die im jeweiligen Gebiet von anderen Usern veröffentlicht wurden. Auch der maximale Radius einer Antenne – von denen User beliebig viele anlegen können – beträgt maximal 1000 Meter.

Shouts anderer Nutzer tauchen nur dann im persönlichen spreet-Feed in der linken Spalte auf, wenn sich die eigenen Antennen mit den Radien der Sender decken. Allerdings lässt sich der Antennen-Modus auch deaktivieren, woraufhin sämtliche Shouts auf der Karte eingeblendet werden, auch die außerhalb der vom Nutzer kreierten Antennen.

Zu jedem Shout lässt sich eine Konversation starten, die öffentlich oder privat geführt werden kann. Eine Schlagwort-Suche erlaubt das gezielte Auffinden von Shouts und Konversationen zu gewünschten Themen (z.B. “Freizeit” oder “Klempner”).

Die zwei spreet-Gründer Roman Ernst und Mathis Kreyer bezeichnen ihre Entwicklung in Anlehnung an “Social Media” als “Local Media”. Ihr Ziel ist es, mit dem kostenfreien Dienst einen realen Offline-Mehrwert für Nutzer zu schaffen, indem sie Kontakte herstellen, die bei bisherigen Social-Web-Services nicht zustande kommen.

Als Geschäftsmodell hat das Duo einen Freemium-Ansatz im Visier. “Für kommerzielle Nutzer bieten sich mannigfaltige Möglichkeiten des Local Advertisings”, so Mathis Kreyer. Er unterstreicht, dass spreet abseits der geplanten Zusatzdienste in seiner Grundfunktionalität aber auch für Unternehmen kostenfrei ist und bleibt.

Derzeit befindet sich spreet im öffentlichen Beta-Stadium – und das merkt man auch. Bei meinen Tests mit Chrome zeigte sich die Navigation auf der Karte von einer eher störrischen Seite, und auch das Anlegen von Antennen und Shouts ging einige Male schief, bevor es letztlich durch bedachtes Klicken an den richtigen Stellen funktionierte.

Von derartigen, einfach zu behebenden Bugs abgesehen gefällt mir das Konzept von spreet. Einerseits ist es in dieser Form frisch und unverbraucht, andererseits erlaubt es zumindest in der Theorie eine intelligente Filterung der Angebote, Gesuche und Fragen nach lokaler Relevanz. Voraussetzung dafür ist, dass sich zum einen genug Nutzer auf der Plattform einfinden, und dass sie zum anderen nicht von Spammern und Nervensägen überrannt wird (eine Funktion zum Blockieren einzelner User existiert).

Was spreet dringend benötigt, ist eine mobile Komponente. Eine iPhone-App befindet sich zwar in Planung, aber hier sollten die spreet-Macher unbedingt Gas geben und möglichst parallel eine Android-Anwendung basteln. Denn Local Media ohne Smartphone-Integration ist, wie mit angezogener Bremse Fahrrad zu fahren.

Link: spreet

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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12 Kommentare

  1. Auf dem Land erreichst du mit 1 km Radius höchstens ein paar Bauern. Typische Ballungszentrums-App.

  2. sehr schöne Idee. Hoffen wir dass die paar kleinen Bugs schnellstens ausgemerzt werden und der Service viele User gewinnen kann.

    Eine iPhone/Android-App ist meines Erachtens gar nicht soo wichtig. Will man ein Gesuch aufgeben oder auf eines antworten geht doch auch alles über den Browser einfach mit der Angabe seines Aufenthaltorts. Firefox, Chrome & Co. können sogar selbst den Aufenthaltsort bestimmen.

    Finde es wirklich bezeichnend, dass uns Smartphones schon so “erzogen” haben, dass man von jedem Service der online existiert automatisch eine Smartphone-App verlangt..
    Für einige Dienste sind sie unverzichtbar, klar, aber für die meisten anderen einfach nur nice-to-have.

    Steinigt mich wenn ihr anderer Meinung seid ;)

  3. Ich sehe das so: Häufig wird der Bedarf an so einem Dienst aufkommen, wenn man gerade unterwegs ist. Und dann ist es sowohl im Interesse des Users als auch des Angebots, wenn man den entsprechenden Shout an Ort und Stelle eingeben kann, statt darauf warten zu müssen, bis man wieder zu Hause am Rechner sitzt.

    App ist meist nur der erste Gedanke, aber eine schicke Browser-Anwendung ist natürlich auch eine Option – nur eben noch immer in ihrem Potenzial einer nativen App unterlegen.

    • Im Grunde hast du ja Recht Martin. Ich habe den Dienst zwar noch nicht ausprobiert, aber gehts bei dieser Anwendung nicht primär um seine eigenen Nachbarn? D.h. dass ich meinen Wohnort doch nur ein einziges mal (wahrscheinlich bei der Anmeldung) angeben muss. Danach nie wieder.
      Daher ist das tracken des Aufenthaltorts durch mein Handy doch vollkommen unnötig bzw. sogar unerwünscht. (Im Gegensatz zu Diensten wie Foursquare, Gowalla, aroundme, etc..dort macht eine ortsungebundene Anwendung Sinn.)

      Deshalb der Einwand in meinem 1. Kommentar.

    • Die unmittelbare Nachbarschaft ist nur ein Anwendungszweck. spreet will, dass User mehrere Antennen erstellen, z.B. am Arbeitsort, in der Einkaufszone und überall sonst, wo man sich regelmäßig aufhält.

    • Grad angemeldet. Wirklich erfolgsversprechend.

      Und übrigens, den folgenden Text hab ich der spreet.it-Webseite entnommen. Was die Apps angeht hatte ich wohl gar nicht mal so Unrecht Martin ;)

      “Natürlich sehen wir, dass die Bedeutung von mobile apps immer weiter zunimmt. Dies gilt insbesondere für den Anwendungsbereich von location based services. Dennoch haben wir von Beginn an ausgeschlossen, uns ausschließlich auf eine mobile Version einzuschießen. Dies hat vor allem den Grund, dass wir eben kein Service für den durchschnittlichen Nutzer mobiler Services werden, sondern vielmehr die neue Art der Kommunikation zwischen Nachbarn darstellen wollen. Hierzu zählen dann aber auch die große Zahl der Nutzer ohne mobiles Endgerät, der 26-jährige Mediendesigner ebenso, wie der 48-jährige Taxifahrer aus dem Haus gegenüber. In diese Kategorie fallen insbesondere wohl die meisten kommerziellen Nutzer, für die spreet.it interessant werden könnte.

      Der Klempner, der in seiner Nachbarschaft seine Dienste ohne Anfahrtskosten anbietet. Die Eltern, die für ihren Sohn eine Babysitterin aus der Umgebung suchen. Oder aber auch die Bar, die aus Gästemangel am Samstagabend ihren Nachbarn den ersten Drink zum halben Preis anbieten möchte. Im Zweifel hat keiner dieser Nutzer ein Smartphone, mit dem er ständig online ist.

      Das ist der Grund, warum wir mit einer web-applikation starten.

      Schließlich können wir aber auch ankündigen, dass eine app unterwegs ist. Wir haben einen ersten laufenden Prototypen, auf dessen Basis wir weiter arbeiten. Sobald wir hier weitergekommen sind, werden wir euch informieren.”

    • Ich nenne das “aus der Not eine Tugend machen” ;)

  4. Mir rätselhaft, wie man eine solche Anwendung nur für den Browser produzieren kann. Im Gegenteil hätte ich sogar erwartet, dass so ein Konzept zunächst als App umgesetzt wird.

  5. Schade, das so eine Anwendung sofort durch User mit Kommentaren wie: “Wo gibt’s Freibier” zugemüllt wird. Wie könnte man das verhindern?

  6. Ich habe gestern direkt sehr erfolgreich getestet – mein Fahrrad wurde für ein Stück selbstgebackenen Kuchen und einen Schnack auf dem Balkon von einem Pärchen repariert, das gerade zum Praktikum in der Stadt ist. Ich schätze, so soll es sein!

    Ich bin begeistert und wünsche viel Glück!

  7. Die Zukunft gehört eindeutig lokalen Anbietern und kein Facebook.
    Hier ist darauf hinzuweisen das das zukünftig grosse Ding ein lokaler Anbieter sein wird, der es versteht mit einer noch nie dagewesenen Funktion eine interaktivität zwischen unterschiedlichen Lokalitäten ermöglicht – dies muss man in etwa so verstehen wie das Telefonbuch und Telefon nur umgesetzt auf Socialmedia und lokalen VorOrt Diensten, wem das gelingt dem gehört die Welt.

  8. Das Problem ist, dass meist (noch) nicht genug Leute in der näheren Umgebung leben, die sowas tatsächlich nutzen können – und dann auch nutzen wollen.

    Es wird nicht damit getan sein, eine Software hinzustellen und zu meinen, das entwickle sich schon. Auch der Aspekt “Vertrauen” spielt eine große Rolle – ebenfalls ein Grund, lokale Institutionen und Initiativen einzubinden, die z.B. User “verifizieren” könnten – damit nicht Kriminelle das Netz nutzen, um z.B. Zugang zu arglosen älteren Menschen zu finden, um in ihre Wohnungen zu kommen.

    Mehr dazu hier:

    * Stell dir vor, es gäbe ein lokales soziales Netz..
    http://webwriting-magazin…kales-soziales-netz/

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