Daniela Hinrichs:
“Weder typisch Mann noch Frau.
Sondern typisch Unternehmer”

Daniela Hinrichs, Partnerin von Xing-Gründer Lars Hinrichs und langjährige Pressesprecherin des Netzwerks, ist seit 2006 als Business Angel unterwegs. Ein Interview.

Daniela Hinrichs (Burda / Sascha Baumann)

Daniela Hinrichs (Burda / Sascha Baumann)

Über ihre Firma Yellowdine Ventures investiert Daniela Hinrichs, Unternehmerin, Kommunikatorin und nun eben Business Angel, in Unternehmen, deren Ideen sie für zukunftsträchtig hält. Auf dem DLDwomen moderierte sie die Session “Interactive Entrepreneur”. Unsere Gastautorin Katja Schönherr hat mit ihr gesprochen.

Es ist ja eines dieser Modewörter, die überall herumgeistern. Was genau macht denn ein “Business Angel”?

Klassischerweise ist ein Business Angel jemand, der eigenes Geld in eine Idee oder ein bestehendes Unternehmen investiert und dafür Anteile am Unternehmen erhält. Außerdem hilft er mit seiner Expertise und seinem Netzwerk, diese Idee weiterzuentwickeln und, im Idealfall, erfolgreich zu machen – im Interesse des Unternehmens und der eigenen Investition.

Mit Deiner Firma Yellowdine Ventures bist Du ja inzwischen selbst als Business Angel unterwegs. Welche Start-Ups förderst Du?

Jeder Business Angel hat eine persönliche Affinität zu den unterschiedlichen Entwicklungsstufen eines Unternehmens. Ich investiere eher weniger in die Idee allein, sondern oft in Unternehmen, die schon aktiv sind. Da ich mein eigenes Geld investiere, bestimme ich Tempo und Privatheit selbst. So kann ich mich intensiver mit den Unternehmen beschäftigen, anstatt darüber zu reden.

Namen nennst Du also nicht. So viel lässt sich aber vielleicht sagen: Du investierst vorwiegend im Technologie-Bereich.

Richtig. Ich finde, man sollte nur in Dinge investieren, die man auch versteht, und im Technologie-Bereich kenne ich mich einfach am besten aus. Hinzukommt, dass ich die Internet- nach wie vor für eine der zukunftsträchtigsten Branchen halte.

Wieso?

Die Gründe liegen auf der Hand. Jeder kann es nutzen, und zwar von überall aus. Das ist nicht nur wichtig für das Unternehmen, sondern insbesondere für jetzige und zukünftige Kunden. Man kann eine Firma direkt mithilfe des Internets gründen, sich darüber organisieren, Informationen in der Cloud speichern und Serverleistungen günstig einkaufen. Und es kann branchen- sowie marktübergreifend agiert werden.

Derzeit arbeiten noch immer weniger Frauen als Männer im Technologie-Sektor…

… Das mag sein, aber ich unterscheide bei meinen Investitionen überhaupt nicht danach, ob dieses Unternehmen nun von einem Mann oder einer Frau gegründet wurde. Was mich interessiert, sind die Idee, das Team und ob ich unter Einsatz meiner Expertise und meines Netzwerks die getätigte Investition vervielfachen kann.

Es geht Dir also nicht darum, gezielt Frauen zu fördern?

Nein, damit tut man meiner Meinung nach weder den Frauen, noch sich selbst einen Gefallen. Wenn jemand eine gute Idee hat, dann will ich diese fördern und mit meinem eigenen Netzwerk dazu beitragen, dass diese Idee größer wird.

Wie ist denn Dein Eindruck von Frauen, die ein Start-Up gegründet haben?

Noch gründen zwar weniger Frauen als Männer, aber es werden immer mehr. Zudem ist meine Erfahrung: Sämtliche Klischees (etwa dass Frauen erst mit 35 gründen, wenn sie ihre Kinder haben, oder aus der Teilzeitarbeit heraus oder mit einer ganz geringen Kapitaldecke) entsprechen nicht immer der Realität. Ich kenne Unternehmerinnen, die vor 35 gegründet, zwischendurch Kinder bekommen haben und extrem ins Risiko gegangen sind – und die heute Unternehmen mit millionenschweren Umsätzen führen.

Zum Beispiel?

Sara Hürlimann von Zahnarztzentrum.ch. Sara hat ihre Firma 2003 zusammen mit ihrem Mann gegründet. Im vergangenen Jahr wurde sie von Ernst & Young zum “Entrepreneur des Jahres” gekürt. Am Anfang hat sie mit zehn Banken in der Schweiz gesprochen; keine hat ihr Konzept verstanden. Das hat sie aber nicht davon abgehalten, es trotzdem umzusetzen. Schließlich hat sie einen Privatkredit in Höhe von einer Million Schweizer Franken aufgenommen. Dieses Verhalten ist meiner Meinung nach weder typisch Mann noch typisch Frau -sondern typisch Unternehmer. 2010 hat Zahnarztzentrum.ch übrigens einen Umsatz von 35 Millionen Franken gemacht.

War Dir immer klar, dass Du selbst unternehmerisch tätig sein wolltest?

Überhaupt nicht. Nach der Schule habe ich sofort einen technischen Beruf erlernt. Meine Eltern hatten gesagt: “Mach erst eine Ausbildung, dann kannst du immer noch tun, was du willst!” Also alles andere als unternehmerisch motivierend. Als Lars 2003 OpenBC (heute: Xing) gegründet hat, war das für mich die Möglichkeit, unternehmerisch aktiv zu werden: Ich habe mein Geld und mein Know-How in eine Idee hineingesteckt, von der ich überzeugt war. Lars war dabei für mich als mehrfacher Unternehmer und erfolgreicher Investor von Anfang an eine große Inspiration.

Gibt’s eine zentrale Erkenntnis, die Du durch Dein Business-Angel-Dasein gewonnen hast?

Einen guten Business Angel macht nicht aus, in wie viele Unternehmen er investiert hat, sondern wie sich diese Unternehmen nach seiner Investition und Expertise entwickelt haben. Das sollte man sich auch als Start-up vorab genau anschauen. Und wie die meisten habe ich lange Zeit gedacht: Ich persönlich muss die große Idee haben, um ein Unternehmen gründen zu können. Dabei gibt es da draußen viel zu viele gute Ideen, die umgesetzt werden wollen. Allerdings fehlt es manchen Menschen an unternehmerischem Spirit. Beides gilt es zusammenzubringen.

Von welcher Internet-Idee wünschst Du Dir, dass sie endlich mal ein Start-Up angeht?

Ich denke da eher andersrum. Ich lasse mich lieber überraschen von den Ideen, die am Entstehen und Kommen sind. Das ist viel besser, als sich persönlich zu limitieren, indem man nach etwas sucht, das man sich selbst mal in den Kopf gesetzt hat.

Katja Schönherr lebt als freie Journalistin in Zürich. Zu ihren Kunden zählen die Fachzeitschrift Werben & Verkaufen, die Wochenzeitung Die Zeit und Zeit-Online sowie der Onlineverlag Blogwerk, der auch netzwertig.com herausgibt.

 

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5 Kommentare

  1. Schönes und interessantes Interview. Nix Sommerloch

  2. Besonders die letzte Antwort finde ich sehr treffend! Anstatt sich durch Suchen selbst zu begrenzen, mit offenen Augen entdecken!

  3. Vielen Dank für das tolle Interview. War sehr interessant zu lesen

  4. Die Schweiz braucht Business Angel wie Daniela! Vielleicht ist der Markt weniger innovativ und kraftvoll, weil kleiner. Aber da die Schweiz massiven Nachholbedarf hat und nicht alle Segmente wirklich besetzt sind, ist ein Riesenpotential angesagt! Zumindest ist dies meine Einschätzung. Liebe Daniela du bist jederzeit auf ein Kaffee bei uns eingeladen ;-)

    LG aus der Schweiz….

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