Kartellbeschwerde gegen Apple:
simfys genialer PR-Coup

Der Kölner Musikdienst simfy hat wegen einer Blockade seiner iPad-App beim Bundeskartellamt Beschwerde gegen Apple eingereicht. Das Startup sieht einen Zusammenhang mit Apples iCloud-Plänen – die heute Abend vorgestellt werden sollen. Aufmerksamkeit ist simfy damit gewiss.

Heute Abend um 19:00 Uhr unserer Zeit veranstaltet Apple in San Francisco seine jährliche WWDC-Entwicklerkonferenz, und Apple-Beobachter überschlagen sich im Vorfeld mit Überschwänglichkeiten zum erwartenden Cloud-Dienst iCloud. Dieser soll unter anderem das Streamen der persönlichen iTunes-Musiksammlung aus dem Web ermöglichen.

Während Apfel-Anbeter vor Aufregung und Vorfreude vermutlich die ganze Nacht kein Auge zugemacht haben, ist man beim Kölner Dienst für kostenfreies On-Demand-Musikstreaming simfy weniger begeistert über Apples Vorstoß. Denn simfy hat vor vielen Wochen eine iPad-Applikation an Apple übermittelt und bis heute weder eine Freigabe noch eine Antwort erhalten.

Zwar sind längere Wartezeiten bei der Freigabe für den App Store ein bekanntes Phänomen, aber bei simfy hält man die Nicht-Reaktion von Apple dennoch für ein bewusstes Manöver. “Wir glauben, dass es einen Zusammenhang zwischen den iCloud-Plänen und der Bockade unserer App gibt”, wird simfy CEO Gerrit Schumann bei The Next Web zitiert.

Das Startup, das erst kürzlich eine umfangreiche Finanzierungsrunde bekannt geben konnte, hat daher beim Bundeskartellamt eine Beschwerde gegen Apple eingereicht.

simfy-Gründer Christoph Lange erklärte uns auf Anfrage, dass sich durch diesen formellen Schritt die App wahrscheinlich nicht innerhalb von wenigen Tagen aufs iPad bringen lassen wird. “Aber einfach stillschweigend zu schlucken, dass Apple hier offensichtlich seit Monaten eine (aus unserer Sicht rechtswidrige) Hinhaltetaktik fährt, ist nicht unsere Art”, so Lange.

Ob nun die Beschwerde tatsächliche Sanktionen gegen das US-Ausnahmeunternehmen nach sich ziehen wird, und wenn ja wann, sei dahingestellt. Den Vorstoß aber an dem Tag zu verkünden, an dem die ganze Technologie-, Lifestyle- und IT-Welt auf Apple und iCloud blickt, ist in jedem Fall ein frecher PR-Coup, der dem in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbaren und eine weitere Europa-Expansion planenden Musikdienst garantiert einige Aufmerksamkeit verschaffen wird.

Eine von Apple akzeptierte Applikation für das iPhone gibt es von simfy bereits. Hier waren die Kölner im Gegensatz zur iPad-App aber nicht Vorreiter. Der erste kostenfreie Streaming-Service für On-Demand-Musik, der es in den App Store schaffte, war Spotify. Auch damals befürchteten viele, dass Apple ein Konkurrenzprodukt zum eigenen iTunes-Store nicht dulden würde.

Spotify, das schon damals über Millionen loyale Anhänger verfügte, versuchte die Wahrscheinlichkeit einer Apple-Freigabe zu erhöhen, indem es vorab öffentlichen Druck aufbaute. Diese Taktik ging auf, das Team um Steve Jobs gab für die App nach rund einem Monat grünes Licht.

Weder Spotify noch US-Konkurrenten wie Rdio oder MOG bieten bisher eine iPad-Applikation – warum nicht, ist unbekannt. simfy leistet mit seinem Versuch, mit einer nativen App auf das Apple-Tablet zu gelangen, Pionierarbeit. Der Zeitpunkt, um auf das Freigabe-Dilemma hinzuweisen, hätte mit dem 6. Juni nicht besser gewählt sein können.

Update 14:30 Uhr: Eine Nachfrage beim Bundeskartellamt ergab, dass simfys Beschwerde dort bisher noch gar nicht eingegangen ist. Kartellamts-Pressesprecher Kay Weidner zum weiteren Verfahren bzw. den Erfolgschancen:

“Sollte eine Beschwerde eingehen, werden wir sie natürlich prüfen. Ich kann Ihnen noch nicht sagen, welche Folgen eine solche Prüfung haben wird. Insbesondere wäre dann noch immer nicht klar, ob das Bundeskartellamt auch ein Verfahren einleitet.”

Eine erneute Nachfrage im simfy-Umfeld ergab, dass die Beschwerde aber heute tatsächlich abgeschickt wurde, d.h., sie müsste beim Kartellamt demnächst eintreffen.

Update 15:20 Uhr: Hier ist die offizielle Pressemitteilung von simfy.

Mehr lesen

Nachhaltigkeit als Marketingargument: Wie die Netzgiganten sich  um unsere Umwelt sorgen

21.5.2012, 0 KommentareNachhaltigkeit als Marketingargument:
Wie die Netzgiganten sich um unsere Umwelt sorgen

Die führenden Internet- und IT-Konzerne Google, Apple und Microsoft versuchen, auf ihre Bestrebungen zum Schutz der Umwelt und knapper Ressourcen aufmerksam zu machen. Wie ernst man die Initiativen aber nehmen kann, ist unklar.

Linkwertig: Freiheit, Krieg, Apple, Facebook

26.4.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Freiheit, Krieg, Apple, Facebook

Apple freut sich über ein weiteres Rekord-Quartal, Facebook ist im Vergleich ein armes Würstchen und mehr.

Facebook, Apple und Google: Das komplizierte Verhältnis  im mobilen Web

23.4.2012, 4 KommentareFacebook, Apple und Google:
Das komplizierte Verhältnis im mobilen Web

Weil es keine andere Wahl hat, setzt Facebook im mobilen Bereich alles auf HTML5. Dabei benötigt es jedoch die Unterstützung der Browser aus dem Hause Apple und Google - bisher vergeblich.

Filme wandern in die Cloud: UltraViolet und iCloud konkurrieren um Inhalte und Nutzer

16.3.2012, 2 KommentareFilme wandern in die Cloud:
UltraViolet und iCloud konkurrieren um Inhalte und Nutzer

Filmstudios und Internetunternehmen arbeiten an Lösungen, um das Kaufen von Filmen wieder attraktiv zu machen. Zumindest im US-Markt zeichnet sich ein Konkurrenzkampf zwischen der Brancheninitiative UltraViolet und Apples iCloud ab.

Musik- und Videokonsum der Zukunft: Wer \

3.11.2011, 5 KommentareMusik- und Videokonsum der Zukunft:
Wer "on Demand" streamt, braucht keinen Mediencloudspeicher

Mit der Möglichkeit, lokale Mediendateien in der Cloud ablegen zu können, machen zahlreiche Internetfirmen Schlagzeilen. Doch auf dem Weg zum Medienkonsum der Zukunft sind derartige Dienste nur eine Übergangslösung.

Steiler Aufstieg: Wieso Dropbox iCloud  nicht zu fürchten braucht

19.10.2011, 7 KommentareSteiler Aufstieg:
Wieso Dropbox iCloud nicht zu fürchten braucht

Dropbox freut sich über eine massive Kapitalspritze und 45 Millionen Nutzer. Skeptiker sehen Apples neuen iCloud-Dienst als Bedrohung - doch wenn Apple seiner bisherigen Strategie treu bleibt, ist diese gering.

Intelligente Gastronomie: Orderbird macht aus iPads Kassensysteme für Restaurants

7.5.2012, 1 KommentareIntelligente Gastronomie:
Orderbird macht aus iPads Kassensysteme für Restaurants

Das Berliner Startup Orderbird hat ein auf iPads basierendes Kassensystem für Gastronomen entwickelt. Demnächst veröffentlicht es auch eine App für Gäste.

Linkwertig: iPad, Google Play, Stanford, Obvious

8.3.2012, 0 KommentareLinkwertig:
iPad, Google Play, Stanford, Obvious

Fakten zum neuen iPad, Google startet Google Play und mehr.

Der Aufstieg der Tablet-PCs: Wenn der Genussmodus aktiviert wird

31.10.2011, 11 KommentareDer Aufstieg der Tablet-PCs:
Wenn der Genussmodus aktiviert wird

Tablets und vor allem das iPad verkaufen sich blendend. Notebooks oder stationäre Rechner verdrängen die tragbaren Touch-Computer zwar nicht vollständig, aber in einigen Jahren werden sie in den meisten westlichen Haushalten zu finden sein.

Problematischer Entschluss: Facebook wirft Grooveshark  von der Plattform

11.5.2012, 1 KommentareProblematischer Entschluss:
Facebook wirft Grooveshark von der Plattform

Facebook hat dem Musikdienst Grooveshark den Zugriff auf seine Plattform abgeklemmt. Obwohl der Grund dafür nachvollziehbar erscheint, hinterlässt das Vorgehen ein ungutes Gefühl.

simfy und Spotify: Werbefinanziertes On-Demand-Streaming bleibt Verlustbringer

2.5.2012, 6 Kommentaresimfy und Spotify:
Werbefinanziertes On-Demand-Streaming bleibt Verlustbringer

Rund einen Cent zahlt simfy pro von Nutzern der kostenfreien Version angehörtem Song an GEMA und Labels. Mit Werbung lässt sich dies nicht refinanzieren, erklärt Mitgründer Steffen Wicker die jüngsten Einschnitte beim Gratisangebot des Kölner Musikdienstes.

Musikdienste: simfy verabschiedet sich vom Freemium-Modell

27.4.2012, 4 KommentareMusikdienste:
simfy verabschiedet sich vom Freemium-Modell

Nach dem Start von Spotify in Deutschland stellte sich die Frage, wie der lokale Konkurrent simfy auf das unbegrenzte Gratisangebot des Neulings reagieren würde. Heute liefern die Kölner die Antwort: mit dem endgültigen Rückzug in die Nische der Bezahlanbieter.

simfy und Spotify: Werbefinanziertes On-Demand-Streaming bleibt Verlustbringer

2.5.2012, 6 Kommentaresimfy und Spotify:
Werbefinanziertes On-Demand-Streaming bleibt Verlustbringer

Rund einen Cent zahlt simfy pro von Nutzern der kostenfreien Version angehörtem Song an GEMA und Labels. Mit Werbung lässt sich dies nicht refinanzieren, erklärt Mitgründer Steffen Wicker die jüngsten Einschnitte beim Gratisangebot des Kölner Musikdienstes.

Musikdienste: simfy verabschiedet sich vom Freemium-Modell

27.4.2012, 4 KommentareMusikdienste:
simfy verabschiedet sich vom Freemium-Modell

Nach dem Start von Spotify in Deutschland stellte sich die Frage, wie der lokale Konkurrent simfy auf das unbegrenzte Gratisangebot des Neulings reagieren würde. Heute liefern die Kölner die Antwort: mit dem endgültigen Rückzug in die Nische der Bezahlanbieter.

Kurz vor Spotifys Deutschland-Start: simfy erhält erneut Kapitalspritze

12.3.2012, 4 KommentareKurz vor Spotifys Deutschland-Start:
simfy erhält erneut Kapitalspritze

Beobachter der digitalen Musiklandschaft in Deutschland erwartet eine spannende Woche. Der Kölner On-Demand-Dienst simfy macht den Anfang und verkündet eine erneute Kapitalspritze sowie das Bestreben, im zweiten Quartal die Profitabilität zu erreichen.

Musikdienste: simfy verabschiedet sich vom Freemium-Modell

27.4.2012, 4 KommentareMusikdienste:
simfy verabschiedet sich vom Freemium-Modell

Nach dem Start von Spotify in Deutschland stellte sich die Frage, wie der lokale Konkurrent simfy auf das unbegrenzte Gratisangebot des Neulings reagieren würde. Heute liefern die Kölner die Antwort: mit dem endgültigen Rückzug in die Nische der Bezahlanbieter.

Linkwertig: Google+, Spotify, Tumblr, Orkut

12.4.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Google+, Spotify, Tumblr, Orkut

Google+ bekommt neues Design, Spotify bekommt einen Play Button und mehr.

Linkwertig: Copyright, Hadopi, Spotify, myON-ID

3.4.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Copyright, Hadopi, Spotify, myON-ID

Copyright und Hadopi bewirken das Gegenteil vom Versprochenen, myON-ID wird eingestellt und mehr.

1 Kommentar

  1. Andreas
    schrieb am 6. Juni 2011 um 14:46 Uhr (#)

    Simfy wirbelt ja ganz schön Staub auf in letzter Zeit. Erst mit dem Facebook Player, dann jetzt mit der iPad App. Konkurrenz belebt das Geschäft? ;)

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.