Friendsurance:
Versicherungen mit
Hilfe von Freunden

Das Berliner Startup Friendsurance will mit einem recht abenteuerlichen Konzept das Versicherungswesen revolutionieren, indem Kosten für kleinere Schäden von Freunden getragen werden.

Spontan könnte man meinen, es gäbe nichts Langweiligeres als Versicherungen. Im Ernstfall freut man sich zwar, sie abgeschlossen zu haben, aber ansonsten kosten sie nur Geld, erfordern das Durchforsten und Vergleichen einschläfernder Angebote und bringen nervigen Papierkram mit sich.

In Anbetracht dessen muss man dem Berliner Startup Friendsurance ein Kompliment für die erfrischende Website machen, welche auch mit ihrem kumpelhaften Duz-Ton eher den Eindruck einer verspielten Webapp vermittelt als den eines Versicherungsvermittlers.

Andererseits positioniert sich das von Tim Kunde, Dr. Sebastian Herfurth, Sebastian Beuster, Kay Bucksch und Janis Meyer-Plath gegründete und vor wenigen Tagen offiziell gestartete Angebot auch weit weg von klassischen Maklerportalen. Die Idee: Indem die Zahlung für kleinere Schäden durch sorgfältig ausgesuchte Freunde gedeckt wird, können bedeutend günstigere Versicherungsbeiträge angeboten werden.

Friendsurance stellt Anwendern eine Auswahl an über Partner angebotene private Haftpflichtversicherungen, Hausratversicherungen, Rechtsschutzversicherungen und Fahrradabsicherungen bereit. Einige Versicherungstarife enthalten eine so genannte „Freundesoption”. Bei diesen können Nutzer Freunde und Familienmitglieder per Mail oder Facebook in ihr persönliches Sicherheitsnetz einladen.

Wer einem Sicherheitsnetz beitritt, verpflichtet sich, für Schadensfälle mit vordefinierten Geldbeträgen (z.B. 20 Euro) auszuhelfen, statt den Schaden von der Versicherung decken zu lassen. Je größer das persönliche Sicherheitsnetz ist, das günstiger wird der jährliche Versicherungsbetrag, weil die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das eigene Sicherheitsnetz die gesamte Schadenssumme aufbringen kann.

Laut Friendsurance macht die Regulierung größerer Schäden nur maximal 30 Prozent der Kostenstruktur einer Sachversicherung aus. Während also die Schadenssummen variieren, bleibt der Verwaltungsaufwand für jeden Schaden gleich groß. Hier will das Berliner Startup mit seiner Lösungen die Versicherungen entlasten und den so erzielten Kostenvorteil an die Verbraucher weitergeben. Zudem erwartet es eine Minimierung von (sonst bei Tarifen eingepreisten) Betrugsfällen, weil diese dann zu Lasten der in das Sicherheitsnetz eingespannten Freunde gehen würden.

Die Monetarisierung soll durch Affiliate-Einnahmen erfolgen, die beim Abschluss einer von Drittanbietern bereitgestellten Versicherung über den Dienst generiert werden.

Die fünf Gründer bezeichnen ihr Angebot als “weltweit erste Social-Network-Versicherung” und sehen mit ihrer Entwicklung die Chance, das Versicherungswesen zu revolutionieren.

Dass das abenteuerlich anmutende Konzept an der ein oder anderen Stelle wackelig wirkt, ist offensichtlich: Konflikte zwischen Freunden, die aus welchen Gründen auch immer plötzlich nicht für den Schaden eines Sicherheitsnetz-Mitglieds einspringen wollen, sind programmiert. Friendsurance empfiehlt deshalb, nur Leute einzuspannen, denen man vertraut. Außerdem erfordert das Konstrukt, dass Bekannte sich ebenfalls für einer Versicherung über Friendsurance entscheiden, was einiges an Überzeugungsarbeit erfordert. Andererseits wird so natürlich die Grundlage für eine fleißige Bekanntmachung über Word of Mouth gelegt (zumal für geworbene Kunden 10 Euro Versicherungsguthaben winken).

Optisch wirkt die Plattform wie eingangs erwähnt sympathisch und sehr munter. Ob in der Praxis alles wirklich so funktioniert wie angepriesen, werden mit Sicherheit bald erste Erfahrungsberichte im Netz zeigen.

Grundsätzlich ist der Ansatz trotz einiger potenzieller Unwägbarkeiten (oder gerade deshalb) zu begrüßen: Die Friendsurance-Macher wagen ein durchaus mit Risiken behaftetes Experiment. Wenn es misslingt, haben sie viel gelernt. Wenn ihre Rechnung aber aufgeht, könnte es ihnen vielleicht tatsächlich gelingen, die Versicherungsbranche aufzumischen. Bedarf daran besteht garantiert.

Link: friendsurance

via @kehrseite

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9 Kommentare

  1. Murat
    schrieb am 5. April 2011 um 16:10 Uhr (#)

    Bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf.

  2. Max
    schrieb am 5. April 2011 um 21:10 Uhr (#)

    MLM Marketing mit Social-Networks, wie toll! ;-)

    1. Marc
      schrieb am 5. April 2011 um 22:55 Uhr (#)

      @Max: Was soll das denn mit MLM zu tun haben?! Es gibt hier weder verschiedene (Vertriebs-)Schichten noch verdienst Du ernsthaft etwas daran, indem Du neue Mitglieder wirbst und diese dann etwas abschließen. Es geht hier um etwas komplett anderes, was mit MLM, Network Marketing oder Strukturvertrieb nicht das Geringste zu tun hat. Dein Post wäre aber sicher richtig gewesen im HMI Forum ;-)

      Schöne Grüße & schönen Abend,
      Marc

  3. SM
    schrieb am 5. April 2011 um 23:11 Uhr (#)

    Das ist mit Abstand die blödsinnigste Geschäftsidee von der ich je gelesen habe. Welcher Sponsor hat sich getraut dafür VC springen zu lassen?

  4. Robin
    schrieb am 6. April 2011 um 12:31 Uhr (#)

    Ich versteh es nicht so ganz. Eine Versicherung ist doch genau das: Viele Menschen schließen sich zusammen um im Schadensfall gegenseitig füreinander aufzukommen. Mit dem Unterschied, dass man die anderen nicht kennt.

    Schreckliche Vorstellung, wenn ich zum dritten mal in einem Quartal einen Schadensfall hab (kann ja mal passieren) und meine Freunde löhnen müssen. Wie Murat sagt: bei Geld hört die Freundschaft auf.

    Ich könnte mir vorstellen, dass dadurch die Anzahl der Versicherungsbetrüge weniger wird. Denn die eigenen Freunde bescheisst man nicht. Das könnte also zu langfristig sinkenden Prämien führen.

  5. Frank
    schrieb am 7. April 2011 um 11:44 Uhr (#)

    Ich habe mich gefragt, worin der Unterschied zum herkömmlichen Selbstbehalt liegt. Wer freiwillig einen solchen wählt, trägt ja Bagatellschäden ebenfalls selbst und hat auch weniger Anreiz zu betrügen (ausser ganz grosse Sachen). Und dafür kriegt er ja ebenfalls tiefere Prämien. Ob ich nun einen normalen Selbstbehalt wähle oder diesen durch Freunde bezahlen lasse, macht über einen längeren Zeitraum keinen grossen Unterschied.

    Das soziale Element dieser Idee scheint das Problem nicht wirklich besser zu lösen als herkömmliche Modelle.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 7. April 2011 um 12:08 Uhr (#)

    Ja ein weiteres Fragezeichen im Zusammenhang mit dem friendscurance-Modell.

    Letztlich ist entscheidend, wie viel günstiger die Versicherungspreise durch friendscurance werden.

  7. Consti
    schrieb am 14. Juni 2011 um 13:41 Uhr (#)

    Die drei Hauptversicherungsklassen die hier in Frage kommen sind Haftpflicht, Hausrat, Rechtsschutz.

    Diese kosten mich im Jahr zusammen ca. 400 – 800 €.

    Sagen wir mal – unrealistischerweise – ich kann durch Friendsurance 50% also 200 – 400 € im Jahr sparen. Werde ich dafür meine Freundschaften riskieren, sozialen Stress riskieren? Für 200 € IM JAHR ?

    Wohl kaum.

    Friendsurance ist ein epischer #fail. Noch schlimmer ist nur noch die Tatsache, dass einer der Gründer von friendsurance in anderen Foren mit Wahrscheinlichkeiten von 107% um sich schmeißt und die Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht verstanden hat.

    1. Friendsurance
      schrieb am 19. September 2011 um 15:47 Uhr (#)

      Auch wenn die Diskussion schon etwas älter ist, wollte ich hier gern die neuesten Entwicklungen bei Friendsurance berücksichtigen:

      1. Friendsurance hat mittlerweile die “Du-kannst-nur-gewinnen-Versicherung” integriert. Das bedeutet, dass egal wieviele Schäden Dein Freundeskreis verursacht, keiner jemals mehr als den Basisbetrag mit 0 Freunden bezahlen wird. Keine Schäden: Alle sparen 50%; ein oder mehrere Schäden: alle sparen weniger oder im schlimmsten Fall nichts. Geregelt wird das über eine für Bonusrückzahlung am Ende des Jahres. Friendsurance ist also eine kollektive Option, bei Versicherungen zu sparen und belohnt schadensfreie Freundeskreise.

      2. In diesem Licht sehe ich auch den “sozialen Sprengstoff” komplett entschärft. Zum einen weiß nach wie vor keiner, wen der Schadensfall trifft (deswegen hat man Freunde, um im Fall eines Falles füreinander da zu sein), zum anderen kann der Fall gar nicht vorkommen, dass ein Freund dem anderen Geld zahlen muss – alles wird über den Bonus am Jahresende geregelt.

      Für Feedback nach wie vor immer dankbar,

      Das Friendsurance Team

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