Kampf der Giganten:
Facebook = Google + 1

Google und Facebook schielen neidisch auf die Daten des jeweils anderen. Der jüngster Vorstoß mit dem +1 button verdeutlicht, wie sich die Konstrukte der zwei Netzgiganten immer ähnlicher werden.

Bastian Karweg ist Gründer des Social-Bookmarking-Dienstes folkd.com und hat sich in seiner Diplomarbeit intensiv mit Social Search befasst.

Facebook = Google + 1. So unscheinbar diese einfache Gleichung auch aussehen mag, so gewichtig ist ihre Bedeutung für den stetig wachsenden Kampf zwischen Facebook und Google um die Vorherrschaft im Web. Während das beliebte soziale Netzwerk immer mehr Anteile der Onlinezeit aller Internet-Nutzer für sich deklarieren kann, blieben alle Versuche des Suchgiganten bislang erfolglos, dieser Entwicklung etwas entgegen zu setzen.

Mit seiner neuen Funktion “+1″ macht Google nun jedoch einen ersten entschlossenen Schritt in Richtung der “Integration des Nutzers” bzw. Social Search. Besonders interessant daran ist, dass hierbei erstmals das komplette Gewicht des Konzerns in den Ring geworfen wird:

Der +1 button erscheint künftig hinter jedem Suchergebnis und fordert Anwender nach einem Klick direkt dazu auf, ein eigenes Profil zu erstellen. Bei knapp drei Milliarden Suchanfragen täglich sollte hier schnell eine signifikante Nutzerschaft zustande kommen, zumal Google mit mehr als 170 Millionen Google-Mail-Konten bereits eine ansehnliche Basis besitzt.

Sichere Sache
Mit dem simplen „+1″- (“Gefällt mir”-) Feature setzt Google auf ein etabliertes Konzept. Nutzer haben die Funktion nicht zuletzt durch den Facebook Like-Button bereits gelernt und können mit minimalem Aufwand Empfehlungen abgeben, die bei der nächsten Suche nach dem entsprechenden Thema den eigenen Freunden angezeigt werden. Zu erwarten ist auch, dass die so erzeugten Empfehlungsdaten das Ranking beeinflussen – sofern nicht auf übergeordneter Ebene, dann zumindest für die Ergebnislisten der Freunde.

In den vergangenen sechs Monaten habe ich mich im Rahmen meiner Diplomarbeit zum Thema Social Search genau mit diesem Ansatz intensiv befasst und konnte unter anderem nachweisen, dass ein derart individualisiertes Suchergebnis zu deutlich höherer Nutzerzufriedenheit und schnellerer Entscheidungsfindung führt. Und offensichtlich hat man in Mountain View aus dem Scheitern von Google Buzz seine Lehren gezogen und hält nun erst einmal einen Zeh ins Wasser, bevor man gleich einen ganzen Elefanten versenkt.

Konvergenz
Klassischerweise weiß Google „was ich will“ und Facebook „wer ich bin“. Doch weil beides immens wertvolle Informationen sind, wenn es darum geht, das Anzeigengeschäft als Motor des Internets zu befeuern, schielt man in Kalifornien natürlich neidisch auf die Daten des jeweils anderen.

Während Facebook sich quasi als eine Art Betriebssystem des Internets versteht und von einer zentralen Plattform aus über teils offene Schnittstellen weitere Anwendungsfelder erschließt, sieht sich Google mit der schwierigen Herausforderung konfrontiert, seine erfolgreichen aber weit verteilten Dienste langsam zusammenwachsen zu lassen. Auf beiden Seiten ist das Ergebnis aber letztlich ein sehr ähnliches Konstrukt, nur das “Fotos” dann eben Picasa und der Chat GTalk heißt.

Gekommen, um zu bleiben
Das Thema Social Search ist aus Googles Strategie nicht mehr wegzudenken. Nach der Übernahme des Chefpostens durch Firmengründer Larry Page müssen wir für die Zukunft mit einem deutlich stärkeren Innovationsfokus rechnen. Mit der gigantischen Reichweite (Suche, Google Mail, YouTube usw.), der Marktführerschaft in Sachen Werbevermarktung (AdWords) sowie dem enormen Wachstum im mobilen Sektor (Android) verfügt Google über optimale Voraussetzungen, um Facebooks derzeitige Social-Web-Dominanz trotz des existierenden Handlungsbedarfs gelassener sehen zu können als andere.

Ob Googles Social-Rechnung letztlich aufgeht, ist vor allem auch eine Frage des Nutzerverhaltens. Vergessen sollten wir zudem nicht, dass auch Facebook-Boss Mark Zuckerberg auf seinem Pfad zur Erleuchtung mehr als einmal böse gestolpert ist. Offen bleibt, ob User dies einem Großkonzern genaus leicht verzeihen wie einem College-Studenten.

(Foto: Flickr/nilsrinaldi, CC-Lizenz)

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18 Kommentare

  1. Michael S
    schrieb am 31. März 2011 um 15:46 Uhr (#)

    Auch bei der grossen Anzahl an taeglichen Suchabfragen – richtig erfolgreich kann +1 wohl erst werden, wenn es auf den Seiten selber implementiert wird. Wer geht schon zurueck zum Suchergebnis wenn er mit der Seite zufrieden war, nur um ihr +1 zu geben?

    1. Bastian
      schrieb am 31. März 2011 um 22:43 Uhr (#)

      @Michael: Da stimme ich Dir teilweise zu: zwar funktionieren digg.com und reddit auch nach dem selben Prinzip (vorher voten, dann klicken) – aber Du kannst Dir sicher sein, dass alle Webmaster darauf brennen auch in Zukunft die +1 links bei sich einzubauen – genau wie man überall die Facebook likes sieht. :-)

  2. Felix
    schrieb am 31. März 2011 um 15:57 Uhr (#)

    Ist facebook -1 = google? Mathematisch zumindest schon.

  3. Sean Kollak
    schrieb am 31. März 2011 um 17:03 Uhr (#)

    Ich hab schon iGoogle usw. deaktiviert, weil ich von Google objektive Ergebnisse erwarte und nicht Ergebnisse, die subjektiv vorgefiltert sind.

    1. Michael S
      schrieb am 31. März 2011 um 17:49 Uhr (#)

      Also vertraust du dem Google Algorithmus mehr als deinen Freunden/Kontakten?

    2. Sean Kollak
      schrieb am 2. April 2011 um 09:33 Uhr (#)

      Dumme Frage, einfache Antwort:
      Wenn ich wissen will, was meine Freunde gut finden, gehe ich zu Facebook. Wenn ich wissen will, was in meiner Branche wichtig ist, gehe ich zu Twitter, wenn ich wissen will, was objektiv zu einem Suchbegriff am relevantesten ist, ging ich bisher zu Google.

    3. Michael S
      schrieb am 4. April 2011 um 14:25 Uhr (#)

      Dumme Frage? Dummer Hut! ;-)

      Nein im Ernst, wollte damit nur herausfinden, was du von Google erwartest. Google hat sich ja auf die Fahne geschrieben

      helping you [to] find what you want, when you want it, where you want it.

      Dazu gehoert die Einbeziehung verschiedenster Signale, und seit neuestem auch was deine Freunde meinen. Ausserdem, in einer Zeit in dem zB die Ladegeschwindigkeit einer Seite Einfluss auf die Position im Webranking hat, kann man die Objektivitaet eines Suchergebnisses auch ohne +1 Buttons in Frage stellen.

    4. Sean Kollak
      schrieb am 4. April 2011 um 16:15 Uhr (#)

      Chapeau!

  4. Michael
    schrieb am 31. März 2011 um 21:07 Uhr (#)

    wie der Button auch heißt, es bleibt dabei: es handelt sich dabei nur um das triviale Mittel aus möglichst vielen Leuten. Das hat nichts mit qualitativer Bewertung zu tun. So wird das nix.

    Mittlerweile glaube ich, dass das Grundproblem des Internets gar nicht verstanden wird. Darüber müsste mal ein Artikel verfasst werden!!!

    Grüße in die Runde

    1. Bastian
      schrieb am 31. März 2011 um 22:47 Uhr (#)

      Hi Michael – ganz im Gegenteil: es geht nicht darum, “wieviele” Leute etwas gut finden, sondern darum, “wer” das ist. Wenn du also zum Beispiel nach “jaguar” sucht und du hast viele Freunde im Motorsport, wirst du durch diese Selektion schon mal automatisch mehr Auto-Ergebnisse bekommen als Raubkatzen – der Nutzer kann dabei eigentlich nur gewinnen.

      Was dann eher ein Thema wird, ist die Datenschutz-Thematik.

  5. Michael
    schrieb am 31. März 2011 um 23:42 Uhr (#)

    @Bastian

    Ah, Du spielst auf die Weisheit unter Freunden an.

    Was hatte dazu noch Dan Rose von Facebook auf der DLD gesagt?

    “Wir bewegen uns vom Informationsnetz zum sozialen Netzwerk, von der Weisheit der Masse zur Weisheit von Freunden.”

    Diese Aussage hatte ich damals so kommentiert: http://tinyurl.com/6b3kwsc

    Dein Einwurf setzt stillschweigend voraus, dass ich jeden Inhalt like und ehrlich bin. Ich kann aber dem “Wir-sind-alles-Freude”-Ding nix abgewinnen.

    Grüße

    1. Bastian
      schrieb am 1. April 2011 um 11:37 Uhr (#)

      @Michael:

      Ich habe mir auch Deinen anderen Kommentar durchgelesen und möchte gerne deine Frage (Zitat) “Auf welcher Website bekomme ich zu jedem beliebigen Thema in kürzester Zeit eine qualitativ hochwertige befriedigende Antwort?” beantworten:

      Die Weisheit der Massen ist tägliche Realität: Google selbst erstellt ja nicht die Inhalte und Antworten, die es täglich an Millionen von Menschen liefert. Es macht eben nur “Inhalte der Massen” zugänglich. Ein etwas “kleineres” Beispiel ist die Wikipedia – auch diese Webseite erfüllt exakt die Anforderung Deiner Frage.

      Und Dan Rose hat meiner Ansicht nach Recht, wir haben mittlerweile sogar viel zu viele Inhalte (250 Mio Ergebnisse zu “Jaguar”). Und Nein – man muss nicht “alles liken” und auch nicht “immer ehrlich” sein. Aber wenn Du ein Ergebnis, das sonst auf Seite 75 landen würde durch eine Freundesempehlung oben gelistet bekommst, dann kannst Durch die Auswahl deiner Freunde (oder besser die Einstellung, wessen Empfehlungen du vertrauen möchtest) von Beginn an einen großen Mehrwert erzielen.

      Grüße Bastian

  6. Michael
    schrieb am 1. April 2011 um 13:53 Uhr (#)

    @Bastian

    Solange ich einen allgemeinen Suchhorizont habe, wird Google schon die richtigen Treffer anzeigen (Stichwort: Japan).

    UND WIKIPEDIA erfüllt eben nicht meine Anforderungen.

    Ich hatte geschrieben: „… zu jedem beliebigen Thema in kürzester Zeit …“ .

    WIKIPEDIA ist eine Enzyklopädie – dort kommt nicht jeder Inhalt rein. Solange ich wissen will, wie groß die Fläche einer Stadt, wie viele Menschen dort wohnen etc…. , mag das auch alles noch stimmen. Doch das Leben ist aber ein bisschen vielschichtiger!

    Es reicht meiner Meinung nach auch nicht aus, das Wort “Jaguar” im groben Suchkontext (Auto/Tier) richtig zu interpretieren. Vielmehr sollte je nach Fokus auch der Resonanzpunkt des Suchenden getroffen werden. An dieser Stelle muss noch das individuelle Wissensniveau berücksichtigt werden. Als langjähriger Jaguar-Fahrer möchte ich Inhalte „konsumieren“, die mich persönlich weiterbringen, deren Informationsgehalt eine hohe Alltagstauglichkeit innewohnt. Ich will keine Zeit mit der Suche verbringen, ich will keinen Trash-TV. Ich will tüfteln, Probleme diskutieren und lösen, schrauben, fahren, leben.

    Darüber solltest du mal nachdenken und deine gedankliche Suche bei Wikipedia oder Google oder in Foren starten – viel Spaß! Oder kann der Echobot das auch? :=)

    Richtig, es gibt zu viele Informationen, und es werden immer mehr. Gegenwärtig sind erst 20% des Welt-Content online verfügbar.

    Grüße

    1. Bastian
      schrieb am 1. April 2011 um 15:33 Uhr (#)

      @Michael: Danke für Deine ausführliche Antwort.

      Dann hat mein Jaguar Beispiel ja sogar gut gepasst :-D Natürlich können einzelne Beispiele wie die Wikipedia nicht das “ganze Leben” abbilden. Zum einen muss ich aber sagen, dass mein Leben eher schon zu über 50% vom Internet begleitet wird, zum anderen glaube ich auch, gibt es kaum einen besseren Ort um gerade zu “beliebigen Spezialthemen” die besten Ressourcen zu finden als im Netz.

      Aber wir liegen ja gar nicht so weit auseinander: Klar ist doch, dass uns diese aktuelle Entwicklung (nämlich eine “höher liegende Informationseben” zu nutzen) dem von Dir beschriebenen “Optimum” ein gutes Stück näher bringt.

      (PS.: nein der Echobot ist auf einen anderen sehr speziellen Use-Case optimiert -> Medienbeobachtung)

    2. Michael
      schrieb am 1. April 2011 um 16:07 Uhr (#)

      @Bastian:

      das muss ich jetzt noch los werden: an diesem “Optimum” arbeite ich mit Hochdruck – bald ist es soweit :=). Und dann schauen wir mal, ob es von den Leuten angenommen wird.

      Hab dein sehr ansprechendes Produkt-Video bereits angesehen – sehr gut gelungen.

      Grüße

  7. Bastian
    schrieb am 2. April 2011 um 18:47 Uhr (#)

    @Michael: Klingt spannend :-) Lass es mich wissen, wenn es was zum Testen gibt – gebe gerne Feedback.

    Danke und Gruß
    Bastian

  8. Alexander Stocker
    schrieb am 4. April 2011 um 17:04 Uhr (#)

    Was lernen wir aus der Diskussion:
    Informationssuche, -filterung und -konsum sind subjektive Tätigkeiten.
    Jede(r) hat ein bevorzugtes Instrument. Was für den einen gut ist, muss für die anderen nicht ebenso gut sein ;-)

  9. Klaus Kleber
    schrieb am 7. April 2011 um 14:35 Uhr (#)

    Wäre vielleicht erwähnenswert, dass der +1-Button ein April-Schwerz von Google war :-)

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