Übernahme von facebookmarketing.de:
“Unterschrieben haben wir den Vertrag in einem Münchner Brauhaus”

In einem Münchner Brauhaus wurde die Übernahme von facebookmarketing.de durch das US-Unternehmen WebMediaBrands besiegelt. Im Interview plaudert Mitgründer Jens Wiese über den Deal.

Vor gut einer Woche gab das deutsche Blog facebookmarketing.de die Übernahme durch den US-Mediendienstleister WebMediaBrands bekannt – eine Akquisition, die logisch erscheint, immerhin betreibt WebMediaBrands mit AllFacebook ein international beachtetes Onlinemagazin, das sich in seiner Berichterstattung ausschließlich auf das populäre Social Network fokussiert.

facebookmarketing.de wird im Zuge der Übernahme zur deutschen Variante von AllFacebook. Die Gründer Jens Wiese und Philipp Roth starteten ihre Plattform im Sommer 2009, als sie merkten, dass Facebook auch im deutschsprachigen Raum immer größeren Zulauf erhielt, Informationen für Unternehmen, Agenturen und Marketer rund um die Möglichkeiten des Netzwerks als Kommunikations- und Dialogkanal jedoch dünn gesät waren.

Wie viel ihnen WebMediaBrands für facebookmarketing.de gezahlt hat, wollen die zwei Blogger zwar nicht verraten. Im Interview mit netzwertig.com erklärt Mitgründer Jens Wiese aber, wie sie ihr Themenblog finanziert und vermarktet haben, wie es zu der im deutschsprachigen Raum eher seltenen Akquisition durch ein US-Unternehmen kam und was sich für die zwei Facebook-Experten durch die Übernahme verändern wird.

Jens Wiese von allfacebook.de
Jens Wiese von allfacebook.de
Was genau war der Antrieb für euch, im Sommer 2009 facebookmarketing.de zu gründen?
Philipp und ich haben uns im Studium (Online Medien B.Sc.) kennengelernt und schon häufiger gemeinsam Projekte realisiert. Die Idee zum Blog kam Philipp, als er bei seiner Agenturarbeit rund um das Thema Social Media eine Lücke in puncto deutschsprachiger Informationen zum Thema Facebook bemerkte. Ich kam dann innerhalb der erste Woche dazu, eine einzeilige Einladung von Philipp genügte.

Habt ihr von Anfang an eine Akquisition angestrebt?
Nein keinesfalls. Wir glauben nicht, dass viele einen Blog aus der Intention heraus starten, dieses später zu verkaufen. Bloggen ist für uns bis heute kein Thema, bei dem das Finanzielle im Vordergrund steht. Unser Ziel war es, ein neues Thema in Deutschland abzudecken und kontinuierlich über Facebook zu informieren. Schnell erkannten wir das Potential des Blogs und investierten entsprechend viel Arbeit in das Projekt.

Wie viel Arbeit?
Schwer zu sagen. Spontan gesagt: sehr viel. Bis zur Übernahme haben wir 700 Blogbeiträge publiziert, Unmengen von Mails beantworten und unser Blog um einige Tools wie die Darstellung der Facebook-Nutzerzahlen in Deutschland erweitert. Angefangen hat alles in der Freizeit neben Job und Studium. Mit der Zeit wuchs sowohl das Potential als der Arbeitsaufwand. Den typischen durchgeplanten Arbeitstag gibt es zum Glück bis heute nicht. Wir haben aber ein paar Standard-Aufgaben: Beiträge schreiben, Mails beantworten, Recherche, Community Management usw…

Habt ihr die Vermarktung von facebookmarketing.de selbst übernommen?
Wir haben facebookmarketing.de bisher selbst vermarktet, sind allerdings nie aktiv auf Unternehmen zugegangen, sondern uns lediglich auf die Anfragen konzentriert, die von sich aus eintrafen. Mit einer solchen Strategie erreicht man natürlich keine volle Ausbuchung der Anzeigenplätze. Vom Aufwand war es aber optimal und vergleichsweise wenig Arbeit. Die monatlichen Umsätze lagen zuletzt meist im vierstelligen Bereich.

Allein vom Betrieb von facebookmarketing.de leben konntet ihr demnach bisher nicht…?!
In München allein vom Bloggen zu leben, ließ sich leider bisher nicht realisieren. Unsere “tägliches Brot” verdienen wir deshalb als Freelancer. Wir beraten Unternehmen dabei, wie sie auf Facebook bzw. im Social Web aktiv werden können, optimieren Strategien, helfen bei Problemen mit Facebook, realisieren Applikationen, schreiben Konzepte und halten viele Workshops. Dass wir so unser Geld auf diese Weise verdienen, ist eigentlich auch gut: Dies gab dem Blog eine gewisse Unabhängigkeit und verschafft uns den nötigen Praxisbezug. Mit dem Kauf durch WebMediaBrands werden wir zwar noch etwas mehr in das Projekt eingebunden sein, festangestellt sind wir aber nicht. Man kann uns also nach wie vor als Freelancer buchen.

Kannst du einige Kennzahlen zur aktuellen Reichweite eurer Site nennen?
Wir dürfen nur die öffentlichen Zahlen kommunizieren: Wir haben über 23.000 Fans auf Facebook und über 9.000 Follower bei Twitter.

Wie kam der Kontakt mit WebMediaBrands zustande?
Wir wurden vorgestellt.

Genauer?
Grob war es eine Mail mit dem Inhalt: “Hallo WebMediaBrands, hier sind die Kontaktdaten von Philipp und Jens aus der facebookmarketing.de-Redaktion.”

Hattet ihr andere Anfragen bezüglich einer Übernahme?
Anfragen ja, aber nicht von Medienunternehmen, sondern aus anderen Branchen, primär von Agenturen. Es ging dabei meist um uns als Kanal zu potenziellen Kunden. Finanziell waren einige der Offerten sehr attraktiv, allerdings hat es inhaltlich nie so gut gepasst wie jetzt. Wichtig war uns auch, dass wir unsere Selbstständigkeit hinsichtlich Themenwahl und Redaktion behalten. Das ist jetzt der Fall.

Wie lief die Akquisition rein organisatorisch ab?
Der ganze Prozess hat sich natürlich etwas länger hingezogen. Im ersten Schritt wurde über das Projekt an sich kommuniziert, es wurden Kennzahlen ausgetauscht und Gemeinsamkeiten identifiziert. Erst danach haben wir über die finanziellen Aspekte des Deals gesprochen und den Vertrag ausgehandelt. Die Details des Vertrags wurden auf beiden Seiten von Anwälten kontrolliert. Bis auf die letzte heiße Phase fand alles übers Internet via Mail und Skype statt. Unterschrieben haben wir den Vertrag dann in einem Münchner Brauhaus – eine vielleicht unübliche Ortlichkeit für ein derartiges Vorhaben, aber irgendeinen Gründungsmythos muss man seinen Enkeln ja auch erzählen können. Der Prozess hat auf jeden Fall deutlich mehr Zeit gekostet, als man aus diesen fünf Zeilen herauslesen kann.

Was kannst du über die vertraglichen Abmachungen des Deals verraten?
Wir dürfen dazu leider nicht viel sagen. Wir führen das Blog weiter inhaltlich voran. Von wo aus wir das tun, ist dabei relativ egal: Als Freelancer sind wir von Haus aus mobil.

Wie wird sich euer Arbeitsalltag durch die Übernahme verändern?
Bis jetzt eigentlich nur, indem sich Teile unserer Arbeit etwas später in den Tag verschieben. Der Austausch mit unserer neuen, in New York ansässigen Muttergesellschaft findet meist erst ab dem späten Nachmittag statt.

Wie groß ist das Bewusstsein von WebMediaBrands hinsichtlich der Mentalitätsunterschiede zwischen den USA und Europa/Deutschland?
Man vertraut da ganz auf unsere Expertise.

Wie lange wird Facebook deiner Ansicht nach wachsen? Wird es auch im Jahr 2020 noch der dominierender Player im (Social) Web sein?
Wenn ich das wüsste … Nur soviel: Wenn Facebook 2020 noch am Markt ist, dann nicht in der Form, wie wir es jetzt kennen, sondern vielleicht eher als Meta-Ebene zwischen Nutzer und dem Netz. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Facebook.com mit dem Newsfeed irgendwann durch direkte Integrationen in den Browser oder in Smartphones ersetzt wird.

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6 Kommentare

  1. Fabian
    schrieb am 28. März 2011 um 12:43 Uhr (#)

    Wie ist eigentlich die Rechtslage, wenn man einen “Markennamen” in einer eigenen Domain verwendet? Wie es ja hier bei Facebookmarketing genutzt wird.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 28. März 2011 um 13:34 Uhr (#)

    Wenn Facebook wöllte, könnte es mit Sicherheit gegen Sites vorgehen, die den Markennamen verwenden (Twitter tut dies regelmäßig).

    Bisher hat man solche “Watchblogs” aber machen lassen. Ähnlich wie Google (z.B. Googlewatchblog).

    1. mike
      schrieb am 28. März 2011 um 15:10 Uhr (#)

      Solange keine Verwechselbarkeit vorliegt, ist der Markenname in einer Domain nicht unbeding ein Problem. Natürlich könnte in dem Fall FB immer nach dem Markenrecht klagen. Die Frage ist nur ob sie gewinnen würden. Finanziell nicht so potente Gegner würden sich bei Klagsdrohung wohl einigen. Der “ungeübte Nutzer” kann sicher zw. einem Blog und dem Sozialen Netzwerk Facebook unterscheiden, deswegen würde ich hier weniger Probleme sehen. Domainnamen mit einr Marke drin die nicht dem Domaininhaben gehört gibt es massenhaft z.B Googlewatchblog, walmartsucks.com, paypalsucks.com auch gerichtlich bestätigt im Fall der *sucks.com Domains die no na ned den Markeninhabern nicht gepasst haben.

      http://wer-weiss.com/antw…cat=20&qid=4893

  3. Tobias
    schrieb am 28. März 2011 um 16:36 Uhr (#)

    Schade, dass der Kaufpreis nicht verraten wird. Den hätte wohl nicht nur ich gerne gewusst. Ich denke es ging wohl für einen mittleren vierstelligen Betrag über die Bühne.

    1. jens
      schrieb am 30. März 2011 um 14:56 Uhr (#)

      mittleren vierstelligen betrag?! :)
      denk mal lieber in die 5-eher 6stellige richtung, da solltest du näher dran sein.

  4. Franzi
    schrieb am 31. März 2011 um 01:33 Uhr (#)

    Tobias: 4stellig? Wenn schon die Einnahmen aus Anzeigen monatlich im vierstelligen Bereich lagen? Ich könnte mir so 80.000 Euro vorstellen.. ;)

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