Facebooks neues Kommentarsystem:
Das Schweigen der Nutzer

Mit seinem neuen identitätsgebundenen Kommentarsystem für Drittanbieter bringt Facebook Anstand und Höflichkeit in die Kommentarspalten von Nachrichtensites und Blogs – und läuft gleichzeitig Gefahr, gute Diskussionen zu verhindern.

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Zu behaupten, dass einige der netzwertig.com-Leser gelegentlich bei TechCrunch vorbeischauen, ist keine gewagte Aussage. Immerhin gilt das kürzlich von AOL übernommene US-Blog noch immer als erste Adresse für Eil- und Exklusivmeldungen aus dem Silicon Valley und anderen Technologie-Hotspots. Und wer TechCrunch kennt, wird auch wissen, wie einzelne Artikel bei der bis zu zwei Millionen Unique Visitors pro Monat zählenden Site (laut Compete) stets viele Dutzend oder gar hundert Kommentare von sehr variierender Qualität anhäuften.

Seit einigen Tagen ist dies jedoch vorbei: da hat das Branchenmagazin aus San Francisco sein bisheriges Kommentarsystem von Disqus zugunsten von Facebooks neuer Kommentarfunktion für Drittanbieter ausgetauscht. Um bei TechCrunch Meinungen oder Ergänzungen zu einzelnen Beiträgen hinterlassen zu können, ist nun ein Login via Facebook (oder alternativ Yahoo) erforderlich.

Die Konsequenz: relative Totenstille unterhalb der Beiträge (zumindest verglichen mit der Situation zuvor). Ein Blick auf die TechCrunch-Homepage zeigt, dass nur noch ein geringer Teil der Postings mehr als 20 Kommentare aufweisen kann. Ausnahmen stellen besonders polarisierende Themen (z.B. Apple vs Android) oder Texte dar, welche eben dieses neue Kommentarsystem thematisieren – wie dieser, in dem TechCrunch-Autor MG Siegler darüber sinniert, ob es nach der Umstellung auf die Facebook-Lösung in der Kommentarspalte zu ruhig geworden ist.

Websites, die auf das neue Feature das Social-Networking-Giganten setzen, erhöhen die Qualität der Leserkommentare – darüber scheint im Web Einigkeit zu herrschen. Berater Thomas Knüwer rechnet damit, dass so demnächst auch über Facebook realisierte Kommentare von Verbrauchern auf Unternehmens-Websites möglich werden.

Das nachvollziehbare Argument: Wer über Facebook kommentiert, äußert sich in der Regel mit seinem Klarnamen und seiner tatsächlichen Identität. Trollen und Provokateuren wird so Wind aus den Segeln genommen, weil sie extra ein fingiertes Facebook-Profil betreiben müssten. Überzeugt von dieser Eigenschaft hat Stern.de als eine der ersten großen Mediensites im deutschsprachigen Raum seine Kommentarfunktion komplett auf Facebook umgestellt.

Doch wie die jüngste Kommentarflaute bei TechCrunch zeigt, hat das System auch seine Schwächen. Zumindest für Websites, die an direktem Leserfeedback und -austausch interessiert sind, scheint ein Wechsel zu Facebook-Kommentaren mit einem erheblichen Opfer verbunden zu sein. Denn selbst wenn es Querulanten und Spammer den Autoren nicht immer leicht machen, ist eine sorgfältig moderierte Diskussion interessierter User zumeist eine große Bereicherung für Artikel und hilft Autoren, Stärken und Schwächen ihrer Arbeit zu identifizieren.

Im Sommer vergangenen Jahres schrieb ich ein Plädoyer gegen anonyme Kommentare bei Kritik am Artikel oder Autor, um eine Debatte auf Augenhöhe führen zu können. Zu diesem Wunsch stehe ich weiterhin. Aber mehr als diese Bitte scheint zumindest bei einem Branchenmedium wie unserem mit mehr als 20.000 regelmäßigen Lesern (über alle Kanäle) kaum notwendig zu sein.

Abgesehen von einigen traditionell zu heftigen Debatten führenden Themen geht es trotz des Fehlens technischer Einschränkungen (mit Ausnahme von einigen Spamschutz-Mechanismen) in unseren Kommentaren fast immer sehr gesittet zu. Nicht selten erhalten wir von Lesern auf diesem Weg wichtige Ergänzungen und Hinweise zu den Beiträgen, die wir ungern missen möchten.

Essentiell ist, dass sich Redaktionen/Autoren/Blogger die Zeit nehmen, Kommentare zu moderieren. Folgende Tipps kann ich aus eigener Erfahrung dazu geben:

  • Einen regelmäßigen Blick auf Kommentare werfen, und mehrmals täglich (aber nicht im Minutentakt) reagieren – mitunter gesammelt in einem Kommentar mit Antworten auf mehrere Leser.
  • Sich nicht provozieren lassen (manchmal unvermeidlich, aber man sollte es wenigstens versuchen). Es ist nicht notwendig, auf jeden Einwurf sowie in einem Kommentar hervorgebrachten Aspekt zu reagieren. Es reicht, zu signalisieren, dass man Einwürfe/Kritik zur Kenntnis genommen hat.
  • Kommentarlöschungen möglichst nur auf Spam begrenzen, lieber auch mal einen völlig absurd erscheinenden Kommentar stehen lassen, solange er nicht die Grenzen des guten Benehmens überschreitet.

Einschränkungen der Kommentarfunktion oder die Implementierung der Facebook-Lösung dürften je nach Reichweite einer Site mit einer Zeitersparnis einhergehen, was den Moderationsaufwand betrifft. Die damit verbundenen Kosten in Form von entgangenem Leserfeedback sollten jedoch nicht unterschätzt werden.

Speziell so lange Facebook nur den Alternativ-Login via Yahoo erlaubt, jedoch eine (kurz vor dem Launch entfernte) Anmeldung über Google- oder Twitter-Benutzerdaten nicht gestattet, verschließen sich Blogs und Nachrichtensites den Meinungen und Gedanken aller User ohne Facebook-Konto und erzwingen womöglich lammfromme Äußerungen von Kommentatoren, die eigentlich mehr zu sagen hätten, dies aus unterschiedlichen Gründen aber nicht über ihre Facebook-Identität tun möchten.

Denkt ihr über eine Implementierung von Facebooks Kommentarfeature auf eurer Website nach?

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30 Kommentare

  1. Markus Breuer
    schrieb am 8. März 2011 um 09:17 Uhr (#)

    Die Ansicht, dass die Menge der Pöbeleien abnimmt, wenn sich die Pöbel nicht mehr hinter Anonymität verstecken können, ist (1) nicht neu und hat (2) sicherlich einen wahren Kern. Um zu zeigen, dass ich hinter allen online getätigten Aussagen stehe (zumindest in dem Moment, da ich sie schreibe), kommentiere ich seit knapp 10 Jahren nur unter meinem Real-Namen.

    Das ändert aber nichts daran, dass ich fest daran glaube, dass es viele legitime Gründe gibt, dies nicht zu tun (die totalitäres-Regime-Keule will ich hier gar nicht rausholen. Es gibt andere Gründe). Ich denke sogar, es sollte ein Art Grundrecht auf Anonyme Meinungsäußerungen geben. Eine Website, die ihre Kommentare auf Facebook umstellt, verhindert das ziemlich effektiv.

    Wie an anderen Orten bereits Andere geäußert haben, werden durch Authentifizierung nicht nur Trolle ausgebremst, sondern auch Autoren, die Wertvolles zur Diskussion beizutragen gehabt hätten. Facebook-authentifizierte Kommentarsystem werden sich trotzdem ausbreiten. Sie sind für kommerzielle Website-Betreiber einfach zu bequem.

    Was hierbei außer Acht gelassen wird, sind zwei entscheidende Aspekte, die oben im OP nur angedeutet werden:

    1.) Facebook’s Umgang mit den gesammelten Daten ist datenschutzrechtlich in der Vergangenheit oft sehr bedenklich gewesen. Ich bin durchaus kein Feind des Datensammelns. Aber Facebook macht es oft ausgesprochen bedenkenlos und vor allem intransparent. Anders als beispielsweise bei Google spricht mir Facebook noch nicht einmal ansatzweise ein Recht an meinen eigenen Daten zu sondern versucht umgekehrt immer wieder, sich über die ToS weitestgehende Rechte an allem zu sichern, was ich bei Facebook publishe.

    2.) Website-Betreiber, die Facebook-Kommentare nutzen, machen sich damit weiter abhängig von Facebook. Aktuell ist es nicht einmal möglich, die Kommentare (zu Inhalten der eigenen Website), zu exportieren. Facebook hat zwar eine Export-Schnittstelle für einen späteren Zeitpunkt angekündigt, wie diese tatsächlich aussehen wird – und mit welchen Einschränkungen sie versehen wird, muss man abwarten. Facebook hat in der Vergangenheit stets viel Engagement gezeigt, wenn es um Datengewinnung ging – und immer viel Wiederstand, wenn es (meine eigenen!) Daten an andere Services wieder rausrücken sollte. Wer dahinter keiner klare Strategie erkennen mag, ist zumindest sehr optimistisch.

    Wie ich Dir allerdings nicht zustimme, Martin, ist die Ansicht, dass aktive Moderation der Trolle Herr werden kann. Vielleicht hier. Aber bestimmt nicht bei Techcrunch, Engadget oder Mashable. Und die Grenze zwischen Moderation und Löschung unliebsamer Beiträge ist eine sehr unscharfe…

  2. Ralph Schäfer
    schrieb am 8. März 2011 um 09:27 Uhr (#)

    Man sollte allerdings die Bequemlichkeit der Menschen nicht außer acht lassen. Mir fällt oft auf, dass viele interessante Diskussionen in der Kommentarspalte eines “shared items” auf FB selbst stattfinden. Die Diskussion also komplett am Blog vorbei geht.

    Mit dem neuen Kommentarsystem hat man als Blogger nun die Möglichkeit diese Diskussionen ins eigene Blog zu integrieren.

  3. Patrick
    schrieb am 8. März 2011 um 09:56 Uhr (#)

    Hallo Martin,

    wieder ein sehr schöner Artikel.

    Ich finde es sehr fragwürdig, die Nutzer zu zwingen, sich einen Facebook-Account anzulegen. Da würde ich einen zweckgebundenen Anbieter wie openid.net oder vielleicht auch imflattrd.com deutlich bevorzugen. Dann können Nutzer mit nützlichen Beiträgen gleich noch ein paar Reputationspunkte sammeln. Die Kommentare müssten dann entsprechend der Reputation der Kommentatoren gefiltert werden können.

    Ein anderes Problem ist das der unterschiedlichen Identiäten, das in diesem Spiegel Artikel gut thematisiert wurde. Ich möchte niemanden die Möglichkeit geben meine Lesegewöhnheiten zu tracken. Und ein z.B. “Nokia”-kritischer Kommentar in einem Blog könnte mir mit etwas Phantasie leicht mal zum Verhängnis werden. (Die Welt ist klein und das Netz vergisst nichts.)

    Gruss,
    Patrick (ohne Fakebook-Account)

  4. Carsten Jaeckel
    schrieb am 8. März 2011 um 10:14 Uhr (#)

    Ich hasse Facebook und fand es schon immer furchtbar. Bisher konnte ich mich auch dagegen wehren, aber diese Allgegenwärtigkeit finde ich absolut untragbar. Ich verstehe auch nicht diesen Aufschrei, wenn irgendein weltfremder Politiker einen ablässt bezüglich “Vermummungsverbot” im Internet, gleichzeitig aber jeder sein Facebook Konto für jeden zu kommentierenden Scheiss preisgibt.

    Abgesehen davon: Wer sich mal diverse Facebook Gruppen anschaut, wie z.B. diese unsägliche Guttenberg Farce, wird schnell feststellen, dass sich auch mit Klarnamen viele Leute für nix zu schade sind.

    Techcrunch lese ich nur gelegentlich und schreibe eigentlich nie etwas dort, aber in einigen deutschen Blogs. Ich fände es schade, wenn ich das nicht mehr könnte, denn ein Facebook Konto werde ich mir deswegen mit Sicherheit nicht zulegen.

    1. Michael S
      schrieb am 8. März 2011 um 10:40 Uhr (#)

      Als Website Betreiber richtet man sich immer nach der Masse und geht gerne den Kompromiss ein, dass waehrend sich fuer viele die UX verbessert, manche durch den Rost fallen. Das ist so bei IE6 Nutzern, bei Nutzern, die Javascript deaktiviert haben etc. Im Idealfall bietet man eine Alternativloesung an, die jedoch oft mit hohen Kosten verbunden ist.

      Wenn einer von zwanzig Usern (Hausnummern) ausgeschlossen wird und man sich dadurch einen Haufen Geld erspart, koennen Webseiten auf Facebookverweigerer kuenftig wohl gerne verzichten.

      Persoenlich finde ich die Moeglichkeiten auf TC zu beschraenkt. Nur Yahoo! und FB ist meiner Meinung nach zu wenig. Ich denk da an Twitter/LinkedIn/Google/OpenID …

    2. Markus Breuer
      schrieb am 8. März 2011 um 10:46 Uhr (#)

      >> Persoenlich finde ich die Moeglichkeiten auf TC zu beschraenkt.
      >> Nur Yahoo! und FB ist meiner Meinung nach zu wenig. Ich denk da
      >> an Twitter/LinkedIn/Google/OpenID
      Tatsächlich enthält der Sourcecode des Javascripts für Facebook-Comments diese Optionen (zumindest Twitter, Google und OpenID, soweit ich weiß). Diese Optionen sind allerdings auskommentiert/lahm gelegt.

      honi soit qui mal y pense (ein Schuft, wer böses dabei denkt) …

  5. Patrick
    schrieb am 8. März 2011 um 10:25 Uhr (#)

    Nachtrag: Christian Stöcker spricht im o.g. Spiegel-Artikel nicht von unterschiedlichen Identitäten, sondern von unterschiedlichen soziale Rollen:

    Normale Menschen füllen in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche soziale Rollen aus, im Schlafzimmer mit der Gattin benimmt man sich anders als beim Spielen mit den Kindern, im Büro anders als am Stammtisch. Das ist gut, wichtig und richtig so und hat mit einem “Mangel an Integrität” rein gar nichts zu tun, sondern mit einer normalen Persönlichkeitsentfaltung.

    Es widerspricht grundlegendem Datenschutz, wenn Seiten wie Yasni, people123 & facebook die Möglichkeit bekämen, sämtlich Kommentare die eine Person macht zu identifizieren und in einer Datenbank zugänglich zu machen. Das hätte dann wahrscheinlich den gleich Informationsgehalt wie eine Stasi-Akte.

    1. thorsten
      schrieb am 8. März 2011 um 14:11 Uhr (#)

      Das ist genau der Punkt, unabhängig dass einem mal ein unachtsames Kommentar zum Verhängnis werden könnte habe ich verschiedene Rollen.

      Bei Facebook kommuniziere ich rein mit meinem realen Bekannten und Dates (die ich aber real wo kennengelernt habe).
      Dann habe ich meine berufliche Rolle und diese fängt ab 8 Uhr an und hört um 16-17 Uhr auf (in der Zeit is auch nix mit Facebook, die domain ist bei uns gesperrt also man sieht sowieso keine Kommentarleiste mehr).
      Dann habe ich meine Internetrollen, welche davon völlig getrennt sind.

      Diese gehören einfach nicht vermischt, genauso nervt mich dieses allgegenwärtige “social” mit Empfehlungen von den Freunden etc. Ehrlich gesagt interessiert sich kein einziger meiner Freunde für netzwertig.com und mich interessiert der ganze Blödsinn bei Facebook nicht (Lustiges Video die 343456te).

      Wenn ich mich zwischen nicht kommentieren und der Vermischung entscheiden muss, dann fällt mein Beitrag aus.

      Ich hab das Gefühl ich bin keine Ausnahme.

  6. »Paula«
    schrieb am 8. März 2011 um 10:36 Uhr (#)

    Ich muss sagen, mich schreckt ein solches Vorgehen ziemlich ab. Ich habe zwar einen FB-Account (wobei ich eine Voraussetzung bezüglich dessen schon anmaßend finde), aber ich verstehe mich sehr wohl darauf, den dort geposteten Inhalt nach bestimmten Gruppen zu filtern, da ich durch die Bandbreite mit Freunden, Familie, Kollegen und Dozenten dort “befreundet” bin und es einfach nicht alle angeht, was ich in meiner Freizeit so lese. Von daher würde ich aufs Kommentieren unter meinem Klarnamen definitiv verzichten.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 8. März 2011 um 10:48 Uhr (#)

    @ Markus
    Danke für deine Ergänzungen. Es stimmt sicher, dass ab einer gewissen Größe Moderation grundsätzlich kompliziert wird. Das betrifft aber imo nur einen sehr kleinen Teil der Websites und Blogs. Bem Long Tail denke ich, dass eine sorgfältige Moderation die meisten Probleme der Kommentardiskussion löst.

    @ Ralph
    Stimmt aber dieses Problem der Fragmentierung hat man auch z.B. bei Twitter oder anderen Blogs, die Bezug auf den eigenen Artikel nehmen und dort die Diskussion (auch in den Kommentaren) fortsetzen.

    @ Patrick
    Mit dem Statis-Vergleich sorgst du aber für gewisse Assoziationen, die eigentlich nicht in diese Diskussion gehören. Zumal die Aussage “widerspricht grundlegendem Datenschutz” nicht automatisch besagt, dass etwas negativ zu bewerten ist. Denn plakativer, dem Selbstzweck dienender und nicht hinterfragter Datenschutz kann auch zum Problem werden.

    Die Stöcker-Analogie halte ich für unpassend – ich sehe hier keine Parallelen zwischen einer intimen Schlafzimmerkommunikation und Kommentaren im Netz, auch wenn ich natürlich verstehe, worauf er hinaus will. Oder anders formuliert: Das digitale Äquivalent zur Schlafzimmerkommunikation wären wohl einschlägige Erotik- und Datingsites. Und dass dort alles auf die eine Facebook-Loginkarte gesetzt wird, kann man wohl ausschließen.

    1. Patrick
      schrieb am 8. März 2011 um 11:12 Uhr (#)

      Es ging mir und ich denke auch Ch. Stöcker nicht um “Schlafzimmerkommunikation”, sondern darum, dass personenzugeordnete und archivierte Kommentare sehr leicht missbraucht werden können. Aus den gesammelten Kommentaren könnte u.a. entommen werden:

      - Finanzstatus (Kommentare auf Finanzseiten)
      - evtl. Gesundheitsprobleme (Kommtare auf Gesundheitsportalen)
      - Ist die Person Onlinespieler? Ja/Nein
      - Ist die Person eher dem linken oder rechten politischen Spektrum zuzuordnen? Steht sie einer Partei nahe?
      - Hat die Person Ehe- oder Beziehungsprobleme?
      - etc.

      Diese Daten wären im Gegensatz zu den Papierbergen des Staatssicherheitsdienstesin elektronisch gut zu filtern.

      Ich denke der CCC liegt mit seiner Forderung “Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.” nicht ganz verkehrt.

      Gruss,
      Patrick

      @martin: kannst du meinen ersten Kommentar freisschalten? Danke.

    2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 8. März 2011 um 11:21 Uhr (#)

      Sorry Auto-Spamschutz bei mehr als einem Link im Kommentar… ist freigeschaltet.

      Ist am Ende nicht jeder selbst verantwortlich dafür, ob er ein solches Personenprofil im Netz “verursacht”?

      Ich zumindest sehe die Verantwortung hier bei den Individuen und nicht beim Gesetzgeber, zumal eben die Präferenzen hierzu sehr unterschiedlich sind.

    3. Patrick
      schrieb am 8. März 2011 um 13:03 Uhr (#)

      > Ist am Ende nicht jeder selbst verantwortlich dafür, ob er ein solches Personenprofil im Netz “verursacht”?

      Ja, aber genau hier liegt der Punkt: Techcrunch und Stern.de zwingen mich jetzt quasi dazu ein Personenprofil bei Facebook anzulegen, wenn ich mich an der Kommunikation beteiligen will!

    4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 8. März 2011 um 13:48 Uhr (#)

      Ah ok so meintest du das – ja damit legst du den Finger in die Wunde.

  8. Phips
    schrieb am 8. März 2011 um 11:08 Uhr (#)

    Nicht auf allen Seiten macht es Sinn. Ich bin eher dagegen, dass
    der echte Name “Pflicht” wird.
    Es sollte beide Möglichkeiten geben. Für eine freie Meinung braucht es alle, auch die, die nicht erkannt werden wollen (gerade im Hinblick auf die aktuellen politischen Bewegungen).
    Das Spam Problem bleibt natürlich, ist für mich aber das geringere Übel..

  9. Marco
    schrieb am 8. März 2011 um 12:16 Uhr (#)

    Ich wollte mal darauf hinweisen, dass es auch Internetnutzer gibt, die – wie ich – über ein Browser-Plugin die Facebook-Skripte auf Drittseiten unterdrücken. Die Kommentare werden mir jetzt überhaupt nicht mehr angezeigt, was ich natürlich suboptimal finde. Diese “Ausdehnung” von Facebook auf Drittseiten finde ich – offen gesagt – bedenklich und eigentlich auch überflüssig, weil die Nachteile die Vorteile deutlich überwiegen. Wieso muss Facebook wissen, was ich wann und wo kommentiert habe? Vorratsdatenspeicherung bei Facebook – nein, danke…

  10. Manuel
    schrieb am 8. März 2011 um 13:05 Uhr (#)

    Bringt das wirklich so viel gegen Trolls? Einen FB-Account mit falschem Namen hat man doch schnell erstellt? Folglich braucht es immer noch Moderation.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 8. März 2011 um 13:30 Uhr (#)

      Der Trolle muss dann aber sorgfältiges Account-Management betreiben, um nicht versehentlich mit seinem privaten Facebook-Account zu kommentieren (und wenn der Troll kein privates Konto bei Fb hat, dann wird er sich vermutlich zum Kommentieren jedes Mal erst dort in seinen Fake-Account einloggen müssen, was ihm gar nicht gefallen dürfte) ;)

      Der Begriff “Troll” beinhaltet übrigens auch weibliche Querulantinnen. Nur das als Randnotiz ;)

    2. Michael S
      schrieb am 8. März 2011 um 13:41 Uhr (#)

      Der Begriff “Troll” beinhaltet übrigens auch weibliche Querulantinnen. Nur das als Randnotiz ;)

      Ordnung muss sein. Vor allem am Weltfrauentag :-D

      Ad Trolle: Witzigerweise beschaeftige ich mich gerade mit der Thematik. Und je mehr Huerden man Trollen in den Weg stellt, desto schneller suchen sie sich andere Plattformen. Oft reicht dazu eine einzige Huerde wie zB Registrierung. Trolle wird man durch FB nicht verhindern koennen, jedoch koennte sich die Anzahl dadurch verringern.

  11. Burtchen
    schrieb am 8. März 2011 um 15:59 Uhr (#)

    Nur eine Randnotiz: Ich habe an Techcrunch-Artikeln – gerade denen von MG Siegler – besonders die Kommentare früher gemocht, in denen MGs teilweise schon fast walraffesker Fanboyismus angeprangert wurde, sowohl ernst als auch sehr jovial.

    Teilweise überzogen, aber sehr, sehr oft berechtigt. Und ich bin sehr überrascht, dass gerade diese Kommentare, die wirklich selten reines Trollmaterial waren, quantitativ so eingebrochen sind.

    1. Markus Breuer
      schrieb am 8. März 2011 um 16:54 Uhr (#)

      Womit spätestens hier deutlich wird, wie fließend und schwer zu objektivieren, der Übergang zwischen Trollen und Anderer-Meinung-sein ist :) Wunderbares Beispiel.!

  12. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 8. März 2011 um 16:08 Uhr (#)

    Das ist in der Tat bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass gerade diese Kritik durchaus angemessen war ;)

  13. steffen
    schrieb am 8. März 2011 um 23:37 Uhr (#)

    meinen facebook account mit 0 freunden nutze ich seit mehreren jahren nur zum testen. ich halte nicht viel von facebook und ich befürworte sogar die anonymität im internet.

    ich finde auch man kann die leute nicht zu einem sensiblen umgang mit ihren daten im internet erziehen und gleichzeitig den wahren namen verlangen.

    auf einem meiner projekte mit ca. 15.000 visits und 50 – 100 kommentaren pro tag fahr ich damit ganz gut. wenns hoch kommt, werden dabei 1 % der kommentare wegen fehlender etiquette gelöscht. sinnvolle diskussionen kommen auch so zu stande.

    ich finde es gibt überhaupt keinen grund seinen klarnamen zu nennen. die meisten anonymen nutzer benutzen ein pseudonym permanent meist website übergreifend und nicht in jedem beitrag wechselnde identitäten. hier gibt es beispielsweise keine 5 patricks sondern nur einen und auch ich schreibe immer unter dem gleich pseudonym.

    es geht um meinungen. mich interessiert nicht wer “manuel”, “marco” oder “phips” außerhalb von netzwertig.com sind, sondern was diese zu sagen haben. und so wie ich kein interesse habe “manuel”, “marco” oder “phips” meine persönlichen daten aufzubinden, so haben diese drei auch keine interesse daran, dass ihre entsprechenden informationen mir und allen anderen zig tausend lesern öffentlich zugänglich zu machen.

    ich verurteile niemanden aber von den meisten, die hier mit vor- und zunahme kommentieren, lassen sich sensibelste daten (siehe 7.1) ohne probleme rausfinden.

    draußen in der realität begegnet man jeden tag tausenden leuten und vergisst diese wieder. das netz vergisst jedoch nicht. in bezug auf seine daten sollte man auch nicht naiv sein. wenn man bedenkt, welche daten heute von einem schon ungefragt aufgezeichnet und zwischen europa und usa ausgetauscht werden, dann kann einem nur schlecht werden. und das ist nur die spitze des eisberges. in der regel muss man damit rechnen, dass die möglichkeiten der geheimdienste um faktor 10 über das hinausgehen, was allgemein bekannt ist.

  14. Andreas Ostheimer
    schrieb am 9. März 2011 um 19:09 Uhr (#)

    Ich bin mir nicht sicher ob das hier schon jemandem aufgefallen ist, aber der Grund für die Einbrüche bei den Userzahlen/Kommentaren sind sicher nicht nur wegen der Trolle passiert. Ein weiterer wichtiger Grund: Surfen in der Arbeitszeit bzw. der Wunsch nach Anonymität.
    Die meisten Menschen surfen in der Arbeit (These 1) und daher ist es unerwünscht beim Kommentieren eines Techcrunch Artikels um 14:22 erwischt zu werden (These 2).
    Facebook vergisst, dass viele Webseiten nur deshalb so gut besucht werden weil man sie anonym besuchen kann und nicht gleich Gefahr läuft darauf angesprochen zu werden.
    Facebook und Seiten, die dieses Kommentarfeature implementieren ignorieren den Bedarf an echter Privatssphäre – und hier spreche ich nicht von Passwörtern sondern von der Möglichkeit sich frei im Web zu bewegen ohne überall Brotkrumen zu hinterlassen.

    Just my EinEuroFünfzig (=tagesaktueller Benzinpreis).

  15. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 9. März 2011 um 19:12 Uhr (#)

    Das mit dem Kommentieren in der Arbeitszeit ist ein sehr interessanter Punkt. Könnte auf jeden Fall ins Schwarze treffen.

  16. Andreas_P
    schrieb am 10. März 2011 um 02:44 Uhr (#)

    @Martin: Heute wurden ja die PM’s auf Diaspora freigeschaltet. Schon bekannt? Wenn ja, was ändert das an deiner grundsätzlichen Haltung Diaspora gegenüber in Bezug auf die FB-Policies? (No Privacy!)… Danke im voraus. Ich poste zwar immer mit meinem “Nick”, aber ich denke auch ein Nickname kann/sollte für Qualität in den Kommentaren bürgen.

  17. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 10. März 2011 um 08:52 Uhr (#)

    Danke für den Hinweis!

    Also ich hoffe ja nach wie vor, dass diaspora ein gewisses Relevanzniveau erreicht und damit frischen Wind in den Social-Networking-Markt bringt.

  18. Andreas_P
    schrieb am 10. März 2011 um 13:20 Uhr (#)

    Das “federated/distributed” socical web ist kurz vor dem allgemeinen Bekanntwerden. Das dürfte echt interessant werden.

    Diaspora*, Friendika, Appleseed, OneSocialWeb, LifeSocial, SafeBook, uvm.
    Die oben genannten Networks werden identi.ca, Jabber, und diverse andere ressourcen und vieles weitere einbinden.

    Vortrag: Max Salzberg, RE:Publica 2011 (leider bin ich nur im Stream)

  19. Christoph
    schrieb am 11. März 2011 um 07:38 Uhr (#)

    Ich habe eher das Gegenteil bei DWDL.de beobachtet. Die haben seit kurzem auch das Facebooksystem integriert und dort ist es sehr erfolgreich. Es kommen sogar sehr viele Kommentare über dieses System rein. In Amerika scheint es die Trolle wohl eher abzuschrecken, was an sich ja ein positiver Effekt ist.

  20. Martin
    schrieb am 14. März 2011 um 14:35 Uhr (#)

    Wirklich schade. Manchmal möchte man sich ja auch nur schnell für ein post bedanken oder einen flüchtigen Gedanken niederschreiben zum Thema. Mit der facebook-Authentifizierung bekommt jedes Statement soetwas hoch-offiziöses. Mich würde das vom kommentieren abhalten.

    Kurze andere These noch zu facebook: Kinder und Jugendliche suchen sich ihre eigenen Räume und Orte um erwachsen zu werden und sich zu entwickeln, meist in peer-groups und abseits der Erwachsenenwelt. Wenn man dieses Prinzip auf digitale Orte und Räume anwendet, wäre dass dann nicht eine Bedrohung für facebook?
    Welcher pubertierender Jugendlicher meldet sich bei einem Netzwerk an, bei dem schon seine Eltern aktiv sind?
    Und das in einer Phase in der man sich stärker vernetzt und Kontakte sucht.

    Meine These: facebook wird höchstens eine Generation so populär sein.

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