Megaupload:
Kim Schmitz’ zweiter Frühling

Kaum ein Name ist enger mit dem New-Economy-Boom und seinem plötzlichen Ende verbunden als der von Kim Schmitz. Mit dem One-Click-Hoster Megaupload scheint der berühmt-berüchtigte Unternehmer seinen zweiten Frühling zu erleben.

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Das Fernsehen in Neuseeland berichtet über "Kimble"
Das Fernsehen in Neuseeland berichtet über "Kimble"
Erinnert ihr euch noch an Kim Schmitz, den dem Größenwahn verfallenen und mit einer gewissen kriminellen Energie ausgestatteten deutschen Hacker Unternehmer der Dotcom-Ära? Schmitz, der auch unter dem Namen “Kimble” auftrat und ein Faible für einen verschwenderischen Lebensstil hatte, gelangte rund um die Jahrtausendwende mit allerlei dubiosen Geschäften und Investments im New-Media-Bereich zu zweifelhaftem Ruhm.

2002 wurde er wegen Insiderhandels im Zusammenhang mit dem gescheiterten E-Commerce-Startup letsbuyit.com (welches ein ähnliches Konzept verfolgte wie heute Groupon) zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Schmitz verschwand daraufhin von der Bildfläche und ließ nur noch sporadisch von sich hören.

Interessant ist die Tatsache, dass Schmitz seit längerer Zeit eine Beteiligung am ebenfalls berühmt-berüchtigten One-Click-Hoster Megaupload nachgesagt wird. Über Megaupload und dessen angeschlossenes Videoportal Megavideo hatte ich im Jahr 2007 kurz berichtet und damals die mögliche Verbindung zu Schmitz erwähnt.

paidContent hat heute einen lesenswerten Beitrag zur Situation der One-Click-Hoster (dort “Cyberlockers” genannt) veröffentlicht, in dem es unterstreicht, welchen Stellenwert derartige, sich häufig in der Anonymität versteckende Dienste zum unkomplizierten Hoch- und Downloaden von beliebigen Dateien mittlerweile für die Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material eingenommen haben. paidContent-Autor Joe Mullin rechnet sogar damit, dass One-Click-Hoster in diesem Jahr P2P-Tauschbörsen hinsichtlich des Volumens heruntergeladener Dateien übertrumpfen werden.

Auch Schmitz findet in dem Beitrag Erwähnung und wird mit einem Verweis auf diesen Artikel von TorrentFreak aus dem Vorjahr als Gründer von Megaupload bezeichnet.

Dass er auch viele Jahr nach seinem turbulenten Auf- und Abstieg noch immer der alte Kimble ist, verdeutlicht die Meldung, dass er sich im vergangenen Jahr für gut 20 Millionen Dollar das teuerste Haus von Neuseeland gekauft haben soll. Spendabel zeigte er sich auch zu den jüngsten Neujahrsfeiern in der neuseeländischen Millionenstadt Auckland, der er geschätzte 150.000 US-Dollar für ein gigantisches Feuerwerk zur Verfügung stellte (das offenbar gut ankam). Mobilität garantiert Schmitz laut dieser Meldung ein schwarzer Rolls Royce, der das Nummerschild “God” (Gott) trägt (wobei dies nicht das einzige Gefährt in seinem Besitz sein soll).

Sollte Schmitz tatsächlich hinter Megaupload stecken – wovon auch andere überzeugt sind – dann dürften ihn diese finanziellen Anstrengungen kaum belasten: Der in Hong Kong ansässige Dienst (der für Nutzer aus der asiatischen Metropole nicht erreichbar ist, um juristischen Problemen aus dem Weg zu gehen) ist gemessen an den Seitenaufrufen seit 2010 der führende One-Click-Hoster der Welt, als er den Konkurrenten und ehemaligen Marktführer Rapidshare überholte.

Schätzungen zum jährlichen Gewinn von RapidShare umfassen eine Spanne von 14 Millionen bis 175 Millionen Dollar jährlich. Eine ähnliche Profitabilität ist damit auch für Megaupload, das kostenpflichtige Premiumkonten anbietet und sich durch Werbung finanziert, nicht unwahrscheinlich.

Megaupload könnte also einiges Kapital auf der hohen Kante haben. Vielleicht juckt es Schmitz ja demnächst wieder in den Fingern, sich am in voller Blüte befindlichen Internetboom zu beteiligen. Es würde mich nicht wundern, und ganz abschreiben sollte man Kimble ja offenbar nie.

Einen sehenswerten TV-Bericht über Kim Schmitz hat 3news.co.nz.

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15 Kommentare

  1. Dennis
    schrieb am 20. Januar 2011 um 12:32 Uhr (#)

    Kimble? Das es den noch gibt, lange ist es her…
    Hatte der damals nicht damit angefangen große Firmen bei ihren “Sicherheitsproblemen” zu beraten?

    Die Idee das Unternehmen in der Region zu sperren, in der es selbst sitzt, spricht halt wieder Bände.

  2. Marc
    schrieb am 20. Januar 2011 um 13:07 Uhr (#)

    Herrlich. ;-)

  3. Klaus
    schrieb am 20. Januar 2011 um 13:07 Uhr (#)

    Sehr geil. Endlich mal nicht weiter nur exorbitante VC-Meldungen in der Medienlandschaft. Sondern auch mal wieder einer, der damit umzugehen weiß. Bitte alles wieder wie damals in HQ. Hoffend noch auf eine Beteiligung von Prince Germany. Dann ist es perfekt.

  4. anonym
    schrieb am 20. Januar 2011 um 13:39 Uhr (#)

    Hat Kimble nicht in Thailand im Knast gesessen? Mal sehen, ob er heutzutage noch ein zweites Kimperium aufbauen kann.

  5. Steve
    schrieb am 20. Januar 2011 um 14:48 Uhr (#)

    Der liebe Kim und seine “Vita”:

    Hacken konnte er nie, er hat nur mal versucht Kreditkartennummern zu verkaufen und sich dabei erwischen lassen.

    Data Protect war pleite, bevor die Firma an den TÜV Süd ging. Geld sah er dafür übrigens KEINES, denn TÜV Süd stopfte nur das Geld in die Firma, welches Kim vorher schon entnommen hatte. Wenigstens gab es dafür dann keine Probleme wegen Insolvenz-verschleppung für Kim.

    Dann hat Kim sich Schwarzgeld aus dem Umfeld des Münchener Nachtlebens geliehen, da er ja ein solcher Vorzeigeunternehmer war. Woher diese Gelder genau stammten dürfte wohl am ehesten den Fiskus interessieren.

    Gerüchten zufolge hat er mit dem Geld mehr seine Show finanziert, als tasächliche Unternehmen. Das soll gesundheitsschädlich sein, weswegen er schnell nach Thailand ging.

    Und hier beginnt auch für mich das große Rätselraten – wenn er tatsächlich größere Anteile an MegaUplaod hält, respekt! Es wäre das erste Mal, daß er etwas hinbekommen hat.

    Steve

  6. Oliver
    schrieb am 20. Januar 2011 um 15:18 Uhr (#)

    “Legends may sleep – But they never die” ;)

  7. thorsten
    schrieb am 20. Januar 2011 um 16:33 Uhr (#)

    Wenn er das geschafft hat, haben wir ihn damals doch echt unterschätzt. Hab ihn für einen völligen Vollidioten gehalten, aber wenn das alles stimmt dann respekt.

    Besser als irgendwelche die sich auf einem glücklichen Erfolg ausruhen.

  8. egghat
    schrieb am 20. Januar 2011 um 17:56 Uhr (#)

    Ich glaube wie damals kein Wort. Weil ich es nicht glauben will. Damals war es richtig, ich hoffe auch dieses Mal …

    Immerhin ist Neuseeland weitest möglich weg von Deutschland ;-)

  9. dimido
    schrieb am 20. Januar 2011 um 17:58 Uhr (#)

    Kimble lebt noch? Also, sind die die Gefängnisse in Thailand doch nicht so übel? Okay, soll jetzt etwas Humor von mir sein ;)

    Aber das er der Gründer von Megaupload sein soll, finde ich schon spitze :D

  10. flexibel
    schrieb am 20. Januar 2011 um 20:41 Uhr (#)

    Leider scheint es doch nicht sooo zu boomen. Seine “Mitarbeiter” sind auch fleißig als Spammer unterwegs. Da wird eben nichts ausgelassen :-) hauptsache die Kasse klingelt

  11. Klabund
    schrieb am 23. Januar 2011 um 19:16 Uhr (#)

    Kimble ist die geilste Sau überhaupt xD
    Polarisierend wie es sich gehört – hach ist es wirklich schon so lange her? Kommt mir vor wie gestern, als ich ihn bei Harald Schmidt, damals noch auf Sat 1, auf der Couch sitzen gesehen habe… weil er “LetsBuyIt.com” “retten” wollte…

    Für mich war er zumindest damals ein kleines Vorbild, er hat mich motiviert viele Sachen im Net zu probieren.
    Wenn auch nur dadurch, das man ihm den Reichtum nicht gönnen will. Und trotzdem gönne ich es ihm. Er zeigt doch gut, das dicke, unsympathische, nicht allzu ansehnliche Computerfreaks alles erreichen können, was sie wollen.

    1. Tester
      schrieb am 9. März 2011 um 02:36 Uhr (#)

      Ich habe auch durch ihn viele Dinge im Netz ausprobiert. Bin aber bisher immer gescheitert, trotz Hartnäckigkeit. So viele haben Filesharingdienste gegründet. Warum ist Megaupload so erfolgreich und nicht die vielen kleinen Dienste?
      Ich hatte auch viele Ideen aber andere haben mich immer wieder überholt, nachdem meine Seite bereits stand. Warum sind manche im Internet erfolgreich und andere nicht, ich verstehe es nicht.

  12. Nedim Sabic
    schrieb am 26. Januar 2011 um 10:49 Uhr (#)

    Vielen Dank für die Info dass Megaupload Rapidshare überholt hat, dass hatte ich ganz versäumt. Und all die Dinge über Kimble sind wie ich sehe nur Spekulationen, aber lustig zu lesen. Was wurde aus Mitnick? :)

  13. Bruti
    schrieb am 2. Februar 2011 um 15:17 Uhr (#)

    er schrieb damals schon das er in honkong ist …
    nichts neues

  14. Marius Rehrs
    schrieb am 20. Januar 2012 um 17:13 Uhr (#)

    Ich trage heute einen Leopardentanga! Saugeiles Gefühl!

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