Aggregator für Meinungsjournalismus:
Commentarist stellt
Journalisten in den Mittelpunkt

Commentarist ist ein neuer Aggregator aus Hamburg mit dem Fokus auf Kommentaren und Kolumnen von 16 führenden deutschen Nachrichtenwebsites. Der Dienst berücksichtigt die Beiträge von mehr als 1000 Journalisten.

Die Inhalte der führenden deutschsprachigen Nachrichtenportale unterteilen sich meist in Agenturmeldungen, Artikel aus eigener Recherche sowie Kolumnen und Meinungsbeiträge. Wer einen angebotsübergreifenden Überblick zu bestimmten Themen erhalten möchte, kann dafür Aggregatoren wie Google News, Nachrichten.de oder Trendiction (unser Review) verwenden und erhält auf diesem Weg einen Mix aus Texten der drei Kategorien.

Das ist sinnvoll, wenn User Informationen zur Faktenlagen oder zu brandaktuellen Ereignissen beziehen möchten. Wer allerdings auf der Suche nach Einordnung und Bewertung ist, muss mitunter Zeit mitbringen. Die Macher eines neuen Angebots aus Hamburg sehen an dieser Stelle eine Schwäche existierender Aggregatoren und haben mit Commentarist eine Plattform entwickelt, welche sich ausschließlich auf Meinungsjournalismus konzentriert.

Commentarist, das gerade in der geschlossenen Beta-Phase an den Start gegangen ist, verspricht Anwendern einen schnellen Blick auf Kommentare sowie Kolumnen zu tagesaktuellen Themen von 16 führenden Nachrichtenwebsites aus Deutschland. Anders als die eingangs beschriebenen Anbieter blendet die Neuentwicklung der zwei Gründer Eric Hauch und Mircea Preotu sämtliche Agenturmeldungen und Faktenartikel aus und indexiert lediglich Beiträge, die Meinungen von mehr als 1000 Journalisten enthalten.

Der Kern des von der Universität Karlsruhe finanziell unterstützten Dienstes ist ein Crawler, der die Inhalte von Medienangeboten indexiert – von Spiegel Online bis Tagesschau.de, von FAZ.net bis FTD.de – sowie ein Algorithmus, der durch eine semantische Analyse sowie Filterprozesse automatisch erkennt, ob es sich bei dem jeweiligen Text um Meinungsjournalismus handelt.

Nutzer gelangen auf verschiedenen Wegen zu den gewünschten Meinungsbeiträgen: Commentarist erlaubt die Suche nach Namen einzelner Journalisten oder nach Themenkomplexen, die Darstellung aller Kommentare und Kolumnen einzelner Websites sowie die Navigation über die Ressorts National, International, Wirtschaft, Sport, Wissenschaft & Technik sowie Kultur.

Jeder gefundene Meinungsartikel wird wie bei herkömmlichen Nachrichtenaggregatoren mit zwei bis drei Zeilen “angeteasert” und führt dann zur Originalquelle. Pro Ressort bietet Commentarist eine Topliste der am meisten gelesenen Journalisten und am intensivsten diskutierten Themen. Für jeden Journalisten stellt Commentarist einen RSS-Feeds mit den jüngsten Beiträgen bereit.

Commentarist setzt auf ein übersichtliches, von Weißräumen dominiertes Design, das strikt darauf ausgelegt ist, jede Ablenkung vom eigentlich Fokus – Meinungen von Journalisten – zu vermeiden. Oberhalb sämtlicher Themenseiten befindet sich ein Filterwerkzeug, um nur Inhalte von bestimmten Quellen einzublenden.

Commentarist in Bildern
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Das Hamburger Startup betritt mit dem vielversprechenden Vorhaben einen mit Risiken behafteten Markt: Diverse Verleger und Verbände sehen in Suchmaschinen und Nachrichtenaggregatoren, die ihre Inhalte indexieren, eine Bedrohung für das eigene Geschäftsmodell und kritisieren, dass externe Angebote mit fremdem Content Geld verdienen. Das allerdings ist eine sehr fragwürdige Argumentation wenn man bedenkt, dass Google News – stets im Zentrum der Verlegerkritik – keinerlei Werbung beinhaltet und zudem Leser auf die Verlagsangebote weiterleitet, wo Werbeeinnahmen generiert werden.

Auch das von einigen Medienkonzernen befürwortete Leistungsschutzrecht, welches bei der gewerbliche Nutzung von Presseerzeugnissen zu einer Abgabepflicht führen würde, stellt eine potenzielle Unwegbarkeit für die Pläne von Commentarist dar (mehr zum Leistungsschutzrecht und gute Argumente dagegen). Mitbegründer Eric Hauch jedoch sieht Commentarist durch die mögliche Einführung eines Leistungsschutzrechtes nicht bedroht: “Wir haben das Konzept im Vorfeld umfangreich juristisch überprüfen lassen und sind grundsätzlich auch an einer Zusammenarbeit mit Verlagen interessiert”, so sein Kommentar.

Nicht unwesentlich ist in diesem Kontext die Tatsache, dass Commentarist seinen offiziellen Firmensitz in Rumänien hat – ein Ansatz, der bereits häufiger von auf den deutschen Markt ausgerichteten Internetangeboten (z.B. MyVideo, Doktus) mit dem mutmaßlichen Ziel gewählt wurde, die Durchsetzbarkeit juristischer Forderungen zu erschweren.

Zum Geschäftsmodell hält sich Commentarist-Gründer Eric Hauch noch recht bedeckt, wies aber darauf hin, dass eine mögliche Einnahmequelle im Corporate-Publishing-Bereich läge. Commentarist könnte Firmen die Gelegenheit bieten, gegen Bezahlung deutlich gekennzeichnete Stellungnahmen und Kommentare zu publizieren. Und auch die für Commentarist entwickelte Technologie ließe sich vermarkten.

Commentarist ist derzeit nur mit einer Einladung zugänglich. Der Dienst hat uns freundlicherweise 50 Invites bereitgestellt. Wer Interesse hat, besucht diese Seite und registriert sich unter Angabe des Einladungscodes “netzwertig”.

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4 Kommentare

  1. Meeresbiologe
    schrieb am 3. Januar 2011 um 11:32 Uhr (#)

    Der Schwerpunkt auf Kommentaren ist natürlich eine sehr interessante Sache – obgleich ich den Einladungsmodus für eine unnötige hinderliche Barriere halte. Fraglich nur, ob die verlinkten Onlinemedien das so gerne sehen. Beziehungsweise, warum sie sich noch nicht längst selbst zu einem solchen Portal zusammengeschlossen haben.
    Weitere Frage wäre, womit verdient Commentarist Geld?

  2. andy lenz
    schrieb am 3. Januar 2011 um 21:19 Uhr (#)

    spannender ansatz und mir gefällt das look & feel!
    denke wir werden 2011 noch einige weitere aggregatoren sehen die an den start gehen.

    @meeresproktologe: finde die frage nach finanzierung auch sehr interessant. techmeme fährt mit der werbefinanzierung anscheinden ja sehr gut. der einladungsmodus könnte der betaphase geschuldet sein!?

  3. Philipp
    schrieb am 4. Januar 2011 um 12:46 Uhr (#)

    Ich könnte mir vorstellen, dass Commentarist u.a. mit Google Adsense Geld verdienen kann. Desweiteren wurde im Artikel ja eine, ich nenne es mal, “Premiumfunktion” erwähnt, das heißt soetwas wie ein Featured Comment oder etwas ähnliches.

    Dieses Verfahren kennt man in abgewandelter Weise ja auch von Youtube (Promoted, Recommended und Spotlightvideos).

    Die Kritik, man verdiene mit fremden Inhalten Geld, kann ich da allerdings durchaus nachvollziehen. Die Unternehmer hatten eine Idee um haben diese umgesetzt.. Alles andere läuft jetzt beinahe automatisch, man hat ja praktisch kostenlose Angestellte.

  4. Alexander
    schrieb am 9. April 2011 um 20:42 Uhr (#)

    Wie es scheint war das ein kurzes Vergnügen. Commentarist hat seinen Dienst bereits wieder eingestellt.

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