Produktlaunch:
“Was macht diaspora besser als…?”
Es schafft Nachfrage!

Der Andrang auf Einladungen zur geschlossenen Alpha-Phase von diaspora illustriert, warum für neue Social Networks die Schaffung von geradezu übertriebener Aufmerksamkeit sinnvoll ist.

“Was macht diaspora besser als XYZ” ist eine Frage, die man in den letzten Monaten häufiger gehört hat. Anstelle von XYZ könnt ihr den Namen eines anderen Projektes einsetzen, welches sich an einem dezentralen sozialen Netzwerk versucht oder dies in der Vergangenheit getan hat.

Nach unserem gestrigen Aufruf zu einer Art “Invite-Kette” für Einladungen zur geschlossenen Alpha-Phase von diaspora fällt es nicht mehr schwer, eine Antwort zu geben: diaspora hat Nachfrage generiert. Den anderen Initiativen ist dies nicht gelungen.

Die Bedeutung des Hypes im Zusammenhang mit dem Start von auf Netzwerkeffekten und dem Erreichen einer kritischen Masse angewiesenen Social-Web-Diensten hatte ich in diesem Beitrag im Juni beschrieben. Die Reaktionen auf unseren gestrigen diaspora-Beitrag illustrieren nun auf sehr greifbare Weise, warum der Hype speziell bei neuen Social Networks eine so wichtige Rolle spielt.

Rund 180 Leser haben innerhalb von weniger als 12 Stunden mit einem Kommentar unter Angabe ihrer E-Mail-Adresse ihr Interesse an einem Invite signalisiert, um anschließend von einem anderen Leser zu diaspora eingeladen zu werden (bisher hat das leider nicht wirklich gut funktioniert – daher hier noch einmal der Aufruf: Bitte ladet Kommentatoren von der Liste ein und macht dies anschließend mit einer Antwort auf den jeweiligen Kommentar deutlich, damit dieser nicht mehrfach Invites erhält).

Das ist eine bemerkenswerte Nachfrage, wenn man bedenkt, dass es sich lediglich um eine Alpha-Version handelt, und dass die Veröffentlichung einer E-Mail-Adresse in einem Kommentar erforderlich war. Die Zahl der Interessenten unter Leserinnen und Lesern von netzwertig.com dürfte damit deutlich über den 180 Personen liegen.

Was den Funktionsumfang betrifft, so hat diaspora im aktuellen Entwicklungsstadium wenig zu bieten. Nicht einmal das Versenden von privaten Nachrichten ist möglich (allerdings kann man für einzelne User einen spezifischen “Aspekt” (eine Art geschlossene Gruppe) anlegen, in dem anschließend quasi-privat kommuniziert wird). Aber am Ende spielt das Featureset eine untergeordnete Rolle. Eine diaspora-Alternative könnte deutlich vielseitiger und funktioneller daherkommen und dennoch von Anwendern links liegen gelassen werden.

Was zählt, ist die Aufmerksamkeit und Spannung, die um ein geplantes Social Network kreiert wurde. Die dafür sorgt, dass Anwender den Start kaum erwarten können und sich freiwillig bei Invite-Aktionen beteiligen oder anderweitig Zeit dafür aufwenden, um Zugang zu erhalten. Dieser anfängliche Hype ist notwendig, um vom ersten Tag an Leben auf die Plattform zu bringen. Nichts ist für ein neues soziales Netzwerk fataler und aus Nutzersicht weniger attraktiv als Totenstille.

Der alleinige Blick auf den Funktionsumfang ist im Social Web ein ebenso großer Irrtum wie der Hinweis darauf, dass ein bestimmter Dienst in ähnlicher Form Jahre zuvor schon einmal gescheitert ist. Am Ende hängt viel vom richtigen Timing und einem glücklichen Händchen bei der Pressearbeit ab. Bei diaspora kam beides zusammen. Jetzt zeigt sich, wohin dies führt. Auch wenn die meisten Alpha-Tester sich womöglich nur selten bei dem Service blicken lassen werden.

Das ist die nächste Herausforderung für das ambitionierte diaspora-Team: die ersten Anwender bei Laune zu halten und für eine aktive Nutzung zu sorgen. Aber allein zu diesem Schritt zu gelangen und einen initialen Ansturm verzeichnen zu können, ist bereits ein großer Erfolg für die jungen diaspora-Macher aus New York.

Was uns der Launch des Projekts außerdem noch zeigt: Ein Invite-Only-Modus kann noch immer prächtig funktionieren – sofern User von sich aus ein Interesse an einem Zugang haben.

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16 Kommentare

  1. aaaha
    schrieb am 26. November 2010 um 10:23 Uhr (#)

    Ich habe hier gestern versucht eine Liste mit erbetenen und empfangenen invites zu erstellen. Ich kann verstehen, dass sich der/die eine oder andere nicht eintragen will zwecks Spamgefahr. Es würde aber die Übersichtlichkeit des Ablaufs so viel verbessern. Also wer will, der kann ;-)
    => http://is.gd/hLOv4

  2. Tom
    schrieb am 26. November 2010 um 13:35 Uhr (#)

    180 gegen 500 Millionen ;-) Es bleibt ja neben dem übermächtigen FB kaum mehr Luft für Netzwerke die bereits über zig tausende User verfügen (bzw. verfügt haben). Immer mehr wandern dorthin wo auch die anderen sind und die sind überwiegend bei “Big Hellblue”©. Ich gebe Diaspora und auch allen anderen ähnlichen “Neu Netzwerken” keine Chance über eine kleine interessierte Early Adopter Minimasse hinaus. Soziale Netzwerke leben hauptsächlich vom Skaleneffekt und der Zug ist imho Richtung Palo Alto abgefahren.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 26. November 2010 um 13:42 Uhr (#)

      Für die nächsten 100 Jahre? ;)

    2. Tom
      schrieb am 26. November 2010 um 13:46 Uhr (#)

      Solange es das Internet und darauf basierende Soziale Netzwerke gibt. Ob es das in 100 Jahren noch tut werd ich eher nicht mehr mitbekommen.

    3. aaaha
      schrieb am 26. November 2010 um 14:05 Uhr (#)

      Naja, ICQ war am Anfang des Internets der beliebteste IM. Nachdem etliche andere ins Internet drängten, hat sich die “feste” Gemeinde ziemlich fragmentiert. Wirklich etabliert hat sich mMn bisher nur Skype.

  3. Slash
    schrieb am 26. November 2010 um 14:52 Uhr (#)

    Ich zähle mal kurz auf, wer noch nicht vor allzulanger Zeit als gross und ungreifbar/unerreichbar bezeichnet wurde:

    Dt. Telekom, AOL, MySpace, Microsoft, SUN, Compaq (nach dem posten hier fallen mir noch 100 ein.)

    Zum Teil gibt es die nur noch abgespeckter Form….als ein Unternehmen unter vielen…wenn überhaupt noch.

    1. Tom
      schrieb am 27. November 2010 um 15:05 Uhr (#)

      Na ja…

      - an der Dt. Telekom führt im Telko Markt in DE immer noch kein Weg vorbei. Fast alle leasen ihre Leitungen von der Dt. Telekom. Ohne Regulierungebehörde würde es viele Konkurenten gar nicht geben

      - MySpace hat das Rennen um den SN Markt verloren.

      - Microsoft ist im Kernbereich Office nach wie vor unantastbar. Solange nicht alles Richtung Web schwenkt werden sie die profitabelste Firma bleiben

      Das sind aber alles Äpfel/Birnen vergleiche, denn in keinem Segment ist der Vorteil einer großen Useranzahl so enorm wie bei SNs. Die meisten user wollen nicht bei vielen Netzwerken angemeldet sein sondern höchstens bei einem das -fast- alle Bedürfnisse befriedigt. Das einzige was ich mir vorstellen kann das FB in die Knie zwingt ist die eigene Überheblichkeit. Wenn sie so wie IE jahrelang schlafen könnte durchaus ein Firefox SN entstehen und im Schatten des Riesen so lange wachsen bis es zu spät ist und ihn überholt.

  4. Marco
    schrieb am 26. November 2010 um 17:22 Uhr (#)

    Noch kann Diaspora nichts besser. Da hilft nur abwarten und beobachten :). Ich bin ja mal gespannt wie regelmäßig geupdated wird. Ist euch aufgefallen wie hoch die Anzahl deutschsprachiger Personen in der Alpha ist?

    Gruß

  5. Christoph
    schrieb am 26. November 2010 um 23:28 Uhr (#)

    Ich denke, was Diaspora interessanter macht als die dezentrale Konkurrenz ist einfach, dass es bedienbar ist. Die anderen Konkurrenzprogramme kommen meistens mit einer sehr sporadischen Bedienung daher. Außerdem hat Diaspora den richtigen Augenblick für seine Veröffentlichung gewählt, nämlich genau zu dem Zeitpunkt, als Facebook und Google wegen Datenschutzproblemen in der Kritik standen. Da sie seitdem nicht mehr aus der Kritik herausgekommen sind, hat es Diaspora spielend einfach, einen Hype zu erzeugen.

    1. Max
      schrieb am 29. November 2010 um 11:55 Uhr (#)

      Das glaub ich nicht. Die Datenschutzprobleme sind 70% der User herzlich egal. Und auch Diaspora wird Datenschutzprobleme bekommen. Das ist imho in den Genen von Sozialen Netzwerken. Ich kann kein Soziales Netzwerk betreiben wenn die Leute keine Daten von sich eingeben und wenn sie das tun kann es zu Datenschutzproblemen führen. Hier beisst sich die Katze in den Schwanz.

    2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 29. November 2010 um 11:57 Uhr (#)

      Das ist imho in den Genen von Sozialen Netzwerken.

      Stimmt. Weswegen man eigentlich aufhören müsste, überhaupt von “Problemen” zu sprechen ;)

  6. rebel
    schrieb am 27. November 2010 um 10:02 Uhr (#)

    Wichtig ist für mich noch der Umgang mit den Daten, deswegen bin ich auch noch in keinem SN und werde es mit Diaspora probieren.
    Noch läuft es nicht ganz rund, mal sehen wie sich die Sache entwickeln wird.
    Wie man aber in “Caschys Blog” gesehen hat, auch da gab es eine sehr hohe Anzahl an Neugierigen – weit über 200. Also das Interesse an einer alternative an FB ist doch da, es muss nur genutzt werden.

    bis denne
    rebel

  7. pricehouse
    schrieb am 28. November 2010 um 20:28 Uhr (#)

    Schade, dass die Invete-Kette schon geschlossen ist, ich hätte da gerne versuchsweise mitgemacht.

  8. rebel
    schrieb am 29. November 2010 um 13:20 Uhr (#)

    @pricehouse,

    melde dich doch beim deutschen Diaspora* Server an. links habe ich auf meinem BLOG veröffentlicht – heißt glaube ich GERASPORA* und da braucht man keine Einladung.

  9. Marco
    schrieb am 29. November 2010 um 14:54 Uhr (#)

    Die Comment-Funktion wurde überarbeitet. Läuft jetzt alles erheblich schneller :D

  10. Alexander Stocker
    schrieb am 1. Dezember 2010 um 15:54 Uhr (#)

    Über Diaspora gab es schon so viel zu lesen, als noch rein gar nichts da war.
    (Was der Haß auf Facebook bei Einzelnen ausmachen kann – er versetzt Berge)

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