JAJAH:
VoIP-Dienst soll (erneut) Skype Konkurrenz machen

Zum Jahreswechsel wurde der von zwei Österreichern gegründete VoIP-Dienst JAJAH für 207 Millionen Dollar vom spanischen Telekommunikationskonzern Telefonica übernommen. Dieser drückt den Skype-Wettbewerber nun mit aller Kraft in den Markt.

Erinnert ihr euch noch an JAJAH, den von den zwei Österreichern Roman Scharf und Daniel Mattes im Jahr 2005 gegründeten VoIP-Dienst, der im Januar dieses Jahres für 207 Millionen Dollar an den international agierenden spanischen Telekommunikationsriesen Telefonica verkauft wurde?

Auch wenn der Service niemals die Bekanntheit erreichte, die sich VoIP-Ikone Skype erarbeitete, zählt das einstige Startup dennoch zu den erfolgreichsten Gründer-Geschichten in der deutschsprachigen Internetwelt – nicht nur wegen des gelungenen Exists, sondern auch, weil die zwei JAJAH-Macher den hierzulande eher seltenen Schritt wagten, im Rahmen einer Finanzierungsspritze der bekannten Silicon-Valley-VC-Firma Sequoia Capital den Firmensitz von Wien nach Kalifornien zu verlagern.

Im Gegensatz zu Skype entschied sich JAJAH 2005 nach einigen Monaten der Testphase, seinen Desktop-Client und die proprietäre VoIP-Lösung einzumotten und stattdessen Anrufer direkt über ihre Telefone zu verbinden. So sollten die Einstiegsbarrieren deutlich gesenkt werden, da nicht jeder über einen Computer mit Mikrofon und ausreichend schneller Internetverbindung verfügte, ein Telefon jedoch in jedem Haushalt zu finden war.

JAJAHs Kernprodukt ist JAJAH.Web. Registrierte Nutzer geben ihre eigene Nummer und die der anzurufenden Person auf JAJAHs Website ein, und kurze Zeit später klingeln bei den Gesprächsteilnehmern die Telefone (zuerst beim Initiator, dann beim Angerufenen). Speziell für internationale Gespräche eignet sich dieses Verfahren, da JAJAH das Gespräch aus dem jeweiligen Landesnetz herstellt, die Verbindung zwischen Ländern geschieht über das Web. Die Kosten für die Gespräche variieren, Telefonate zwischen zwei JAJAH-Nutzer sind in einigen Ländern gratis.

Trotz eines innovativen Produkts, namhafter Investoren sowie der Präsenz im Silicon Valley blieb JAJAH in seiner Entwicklung deutlich hinter Skype zurück, was die Anzahl der Nutzer betrifft (Ende 2009 verwendeten 15 Millionen Menschen den Dienst). Telefonica sah in dem Service offenbar dennoch Potenzial für das eigene Geschäft, weshalb es sich zur Übernahme von JAJAH entschloss.

Gestern stieß ich bei derstandard.at auf einen sehr kurz gefassten Artikel mit der Überschrift “Telefonica baut Jajah als Skype-Alternative auf“. Auch wenn der Beitrag so gut wie keine Informationen dazu enthält, wie genau dies geschehen soll, animierte er mich zu einigen Webrecherchen rund um den jetzt zu einem der weltgrößten Telekommunikationskonzerne gehörenden VoIP-Dienst. Und wie die Vielzahl der jüngsten JAJAH-Meldungen verdeutlicht, scheint die neue Muttergesellschaft tatsächlich alles dafür zu tun, JAJAH mit aller Kraft in den Markt zu drücken:

So hat die Telefonica-Tochter O2 in Großbritannien gerade eine JAJAH-Option für seine Mobilfunkkunden gestartet, die für eine monatliche Pauschale einen Batzen Freiminuten für Anrufe in ausländische Telefonnetze enthält. Auch in Deutschland offeriert der Mobilfunker seit einigen Monaten ein JAJAH-Produkt, in dessen Rahmen bis zu fünf Anrufpartner im Ausland durch Einsatz der JAJAH-Technologie eine lokale Nummer erhalten, was Anrufe zum Ortstarif ermöglicht.

Am Montag gab Telefonica dann den Startschuss für eine “Jajah Social Call” genannte Funktion, die im Besitz von BlackBerry-Geräten befindlichen Facebook-Nutzern kostenlose Telefonate untereinander ermöglicht. Wenige Tage zuvor wurde eine Kooperation zwischen JAJAH und Yahoo bekannt, die Benutzern von Yahoos Messenger-App für das iPhone Gratis-Gespräche via JAJAH erlaubt.

Der Artikel bei standard.at kündigt zudem eine anstehende Zusammenarbeit von JAJAH mit dem “spanischen Facebook” Tuenti an, an dem JAJAH-Mutter Telefonica kürzlich geschätzte 90 Prozent der Anteile für 70 Millionen Euro übernommen hat.

Ob all diese Maßnahmen ausreichen werden, um Skype mit seinen über 500 Millionen Benutzerkonten und über 100 Millionen aktiven monatlichen Anwendern in Bedrängnis zu bringen, bleibt vorerst offen. Die Integration von JAJAH-Diensten in O2-Produkte ist in jedem Fall ein smarter Zug, der auch verdeutlicht, welche langfristigen Ziele der spanische Telko-Riese bei der die Übernahme der Österreicher im Hinterkopf hatte. Und bei der verstärkten Präsenz bei mobilen Social-Web-Diensten kann JAJAH eigentlich nichts falsch machen.

Nutzt ihr JAJAH? Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Dienst gemacht?

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1 Kommentar

  1. CG
    schrieb am 4. November 2010 um 09:31 Uhr (#)

    Warum soll man fat 17 cent pro Minute für Anrufe z.B ins deutsche oder spanischen Mobilfunknetz, wenn man dafür bei anderen Voip Anbieter momentan (z.B. 12voip oder Powervoip) circa 5 cent pro Minute oder sogar bei ganz normale Mobilfunkanbieter (z.B Simyo Spanien oder Fonic) 9 cent pro Minute zahlt…

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