Flattr verliert sein Zugpferd:
Gründer Peter Sunde
nimmt seinen Hut

Flattr-Mitbegründer Peter Sunde zieht sich aus der Geschäftsführung des Micropaymentdienstes zurück. Auch von einer Abgabe seiner Anteile ist die Rede. Ein Grund könnte der kurz vor dem Abschluss stehende Prozess gegen The Pirate Bay sein, in dem auch Sunde angeklagt ist.

Peter Sunde
Peter Sunde

Einer der meines Erachtens nach entscheidenden Vorteile von Flattr im Vergleich zum Konkurrenten Kachingle war es, dass mit Pirate-Bay-Gründer Peter Sunde ein Webprominenter die Zügel bei dem Micropaymentdienst in der Hand hielt. Sundes internationales Netzwerk, Kontakte in die Blogger- und Entwicklerwelt sowie loyale Anhängerschaft aus seiner Zeit bei der Torrent-Suchmaschine dürften dem im Frühjahr gestarten Startup dabei geholfen haben, Aufmerksamkeit und Unterstützung für das neue, zu Anfang primär an netzaffine Personen gerichtete Vorhaben zu erhalten – was auch gelungen ist.

Überraschend kommt daher die Nachricht, dass der Schwede sowohl die Geschäftsführung als auch seine Beteiligung an Flattr abgibt:

Das berichtet das IT-Magazin Computer Sweden (übersetzter Link). Gemäß einer Meldung des Branchendienstes Rapidus (übersetzter Link – Anmeldung notwendig) wird Sunde Flattr zukünftig in beratender Funktion zur Verfügung stehen.

Flattr-Mitbegründer Linus Olsson erklärte laut Rapidus, dass Sunde bei Flattr keine operative Rolle mehr einnehmen würde. Sunde selbst hingegegen sagte, dass er davon ausgehe, weiterhin in Vollzeit bei Flattr tätig zu sein. Per Twitter bestätigte Sunde seinen Rückzug aus der Geschäftsführung und begründete dies lapidar damit, sich generell bevorzugt aus dem Management eines Unternehmens herauszuhalten. Auf Bitten von uns, sich zu äußern, kam bisher weder von Peter Sunde noch von Linus Olsson eine Antwort.

Während also eine glaubhafte Aussage zum Motiv für den Rückzug aus der Flattr-Geschäftsführung fehlt, könnte das momentan in Schweden laufende Gerichtsverfahren gegen die Pirate-Bay-Macher ein Auslöser für die Entscheidung sein. Sunde ist einer der Angeklagten. Der Prozess steht kurz vor seinem Abschluss, gestern hielt die klagende Unterhaltungsindustrie ihr Schlussplädoyer (übersetzter Link).

Der vollständige Rückzug aus dem Flattr-Management sowie die Abgabe der Anteile könnte daher ein Versuch sein, Flattr vor den Folgen einer möglichen Verurteilung von Sunde zu schützen. Die Klägerseite fordert sowohl eine Gefängnisstrafe als auch rund 10 Millionen Euro Schadenersatz von Sunde und den drei anderen Angeklagten (übersetzter Link).

Gegenüber Rapidus bezifferte Flattr-Mitgründer Linus Olsson die Zahl der Flattr-Anwender auf 50.000, ein Drittel davon würde Geld einzahlen. Das durchschnittliche Flattr-Budget liegt bei rund drei Euro, also lediglich einen Euro über dem Mindestbudget.

Hinweis: Da die Google-Übersetzungen von Schwedisch zu Deutsch schwer verständlich sind, wurde für sämtliche Übersetzungen die englische Sprache gewählt.

(Foto: Flickr,nextconf; CC-Lizenz)

Mehr lesen

Linkwertig: Flattr, Cuil, Pirate Summit, Gauck

22.2.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Flattr, Cuil, Pirate Summit, Gauck

Flattr bekommt ein Widget, Google plant ein eigenes Fernsehzentrum und mehr.

Soziale Micropayments: Flattr erhielt Finanzspritze  über 1,6 Millionen Euro

15.2.2012, 3 KommentareSoziale Micropayments:
Flattr erhielt Finanzspritze über 1,6 Millionen Euro

Der Frühphasen-VC-Fund des Deutschen Stefan Glänzer sowie der Business Angel Federico Pirzio-Biroli haben vor einigen Monaten umgerechnet 1,6 Millionen Euro in Flattr gepumpt.

Flattr-Mitgründer Linus Olsson: \

10.2.2012, 4 KommentareFlattr-Mitgründer Linus Olsson:
"Das gesamte Netz soll 2012 flattrbar werden"

Fast zwei Jahre nach dem Start ist die Anfangseuphorie rund um Flattr in der deutschsprachigen Blogsphäre verflogen. Im Interview zeigt sich Mitgründer Linus Olsson dennoch zuversichtlich über die Zukunft des Dienstes.

News kostenlos: \

11.2.2009, 5 KommentareNews kostenlos:
"Wir haben einen Fehler gemacht"

Zu Gast in Jon Stewarts "The Daily Show": Der ehemalige CNN-Chef und leitende Time-Redakteur Walter Isaacson bereut, dass im Internet News kostenlos sind.

4 Kommentare

  1. Ulrike Langer
    schrieb am 13. Oktober 2010 um 08:43 Uhr (#)

    “Gegenüber Rapidus bezifferte Flattr-Mitgründer Linus Olsson die Zahl der Flattr-Anwender auf 50.000, ein Drittel davon würde Geld einzahlen.”

    Wie kann das sein? Ein Mindestbeitrag von 2 Euro monatlich ist doch verpflichtend. Oder sind damit die Nettozahler gemeint? D.h. die anderen zwei Drittel zahlen zwar ebenfalls ein, bekommen aber mehr heraus als sie einzahlen.

    So oder so schieben wir bei Flattr offenbar immer noch überwiegend im Kreis herum Geld zu (abzüglich der Provisionen für Flattr und Paypal)…

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 13. Oktober 2010 um 09:03 Uhr (#)

    Die anderen 2/3 sind Nutzer, die sich registriert, aber nie ihr Konto aufgeladen haben, oder Nutzer, die schon einmal eingezahlt, ihr Budget dann aber irgendwann nicht wieder aufgeladen haben. So deute ich das.

    Verpflichtend ist eine Einzahlung ja nur, wenn man selbst flattern will. Aber klar, letztlich spielen die 50.000 dann gar keine Rolle – weil nur rund 16.000-17.000 Anwender aktiv flattern können.

  3. Thomas Haseloff
    schrieb am 13. Oktober 2010 um 10:25 Uhr (#)

    16.000 – 17.000 finde ich schon viel! Das der Durchschnitt noch bei 2€ liegt ist verständlich, da viele User erstmal schauen wollen, wie es geht und erstmal abwarten!

    @Ulrike
    Das sich die Produzenten von Inhalten nur Geld gegenseitig zuschieben ist, laut Linus, nicht mehr so! Der Großteil der User hat bis jetzt noch kein “Thing” erstellt, sodass Sie nur “Zahler” sind.

    Das Peter Sunde jetzt nicht mehr (offiziell) mitmacht ist schade, aber er macht ja weiterhin mit…Also bleibt ja alles beim alten !?

  4. anja
    schrieb am 22. Oktober 2010 um 16:37 Uhr (#)

    per TWITTER bestätigt?! schon ein bisschen komisch…

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.