Quora:
Die Magie des Wissens

Das US-Startup Quora gehört zu den derzeit angesagtesten Webunternehmen im Silicon Valley. Gelungen ist dies, indem es das bekannte Konzept der Frage-Antwort-Portale weiterentwickelt und zahlreiche prominente Nutzer bei sich versammelt hat.

Was benötigt man, um als junges Webunternehmen in den USA initiale Aufmerksamkeit zu generieren und sich schnellstmöglich eine kritische Masse zu erarbeiten, von der ausgehend eine weitere globale Expansion realisiert werden kann? Ein interessantes Produkt natürlich, wobei dies nicht der ausschlaggebende Punkt ist. Viel wichtiger: Prominente Nutzer aus den engsten Kreisen eingeweihter Silicon-Valley-Unternehmer und dazu die Unterstützung reichweitenstarker Blogger.

Quora, ein Frage-Antwort-Portal mit Sitz im kalifornischen Palo Alto, hat all das. Im Dezember ging der von zwei ehemaligen Facebook-Mitarbeitern gegründete Dienst in geschlossener Beta-Phase an den Start und ist seit Juni dieses Jahres für alle Nutzer zugänglich. Während Quora das in der Regel recht triviale Konzept existierender Frage-Antwort-Portale auf ein deutlich höheres Niveau befördert, waren es offenbar vor allem die qualitativen Antworten rund um technologische und unternehmerische Themen, welche dem Service innerhalb weniger Monate eine treue Anhängerschaft einbrachten.

Die Qualität der bei Quora veröffentlichten Inhalte wiederum gilt unter anderem deshalb als überdurchschnittlich, weil viele Startup-Gründer, Branchenkenner und Investoren den von TechCrunch, VentureBeat, GigaOm und anderen führenden Blogs angepriesenen Dienst einsetzen und dort mit eigenen Antworten zur Wissensfindung beitragen.

Ein Beispiel hierfür ist die persönliche Reaktion von Netflix-CEO Reed Hastings auf die Frage eines Quora-Users, wie viel der DVD-Verleiher (der mittlerweile in den USA und Kanada auch Video-on-Demand anbietet) pro Jahr für den Versand von Silberlingen ausgibt. “Rund 600 Millionen Dollar”, antwortete Firmenchef Hastings.

Es ist kein Wunder, dass angesichts einer derartig elitären und kompetenten Nutzerschaft ein für die Konkurrenz schwer angreifbares Alleinstellungsmerkmal entsteht. Allerdings muss man fair sein und Quora attestieren, auch funktionell einiges für die wissbegierige sowie wissende Nutzerschaft in petto zu haben:

Der Dienst setzt wie so viele andere Startups dieser Tage auf das Follower-Prinzip. Quora-Nutzer können dabei nicht nur anderen Usern folgen, deren Aktivitäten sie in ihrem zentralen Newsfeed vorfinden möchten, sondern auch einzelnen Themen sowie spezifischen Fragen. Alles, was auf diese Weise abonniert wird, taucht anschließend im eigenen Feed auf – in Echtzeit.

Quora setzt auf diverse Mechanismen und Maßnahmen, um gehaltvolle Inhalte und zutreffende Antworten hervorzuheben und deren Ersteller zu belohnen. Jede Antwort lässt sich von anderen Nutzern – die bei Quora jeweils mit Vor- und Nachnamen auftreten, in der Regel verknüpft mit ihrer Facebook- oder Twitter-Identität – bewerten, kommentieren und auch bearbeiten.

Gelegentlich erscheinen rechts vom eigenen Newsfeed nicht beantworte Fragen, bei denen Quora einen darum bittet, Themen auszuwählen, um mehr Anwender auf sie aufmerksam zu machen. Sämtliche Aktivitäten tauchen auf der persönlichen Profilseite auf, wodurch sich Fragesteller oder potenzielle Follower sehr leicht ein Bild von der Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit eines Benutzers machen können.

Quora steht in direkter Konkurrenz zu einem vergleichbaren Facebook-Feature, welches das Social Network seit einiger Zeit mit einem ausgewählten Nutzerkreis testet, und bei dem es ebenfalls um das Beantworten von Fragen aus dem eigenen Social Graph geht. In US-Bloggerkreisen hat das der Popularität von Quora jedoch keinen Abbruch getan, zumal Quora im direkten Vergleich ohnehin bessere abzuschneiden scheint.

Es ist schwer zu sagen, inwieweit Quora, das mit 14 Millionen Dollar Risikokapital ausgestattet ist, seine fast schon magische Anziehungskraft auf Multiplikatoren, Entscheider und Erfolgsmenschen beibehalten können wird. Je mehr Personen den Service ausprobieren, desto größer ist die Herausforderung für die eingebetteten “Selbstreinigungskräfte”, das erreichte Niveau beizubehalten. Gelingt dies, könnte Quora, dessen durchsuchbare, auch von Google indexierte Wissensdatenbank mit jeder Antwort wächst, zu einer ganz großen Erfolgsgeschichte im Netz werden. Manche sind davon bereits jetzt überzeugt.

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