SoundClouds “Social-Download”:
Musikdownload im Tausch
gegen Status-Update

Aufmerksamkeit ist für Musiker wichtiger denn je. SoundCloud hilft mit dem “Social-Download”, diese zu erlangen.

Aufstrebende Musiker und Bands wissen, dass sie mit dem Verkauf ihrer Produktionen wahrscheinlich nicht reich werden. Der Zugang zu kostenloser digitaler Musik ist derartig groß, dass dadurch beim Durchschnittskonsumenten die Zahlungsbereitschaft stark gesunken ist.

Aufmerksamkeit ist bekanntlich eine neue Währung für Musiker. Monetarisiert wird nicht mehr primär direkt über Songverkäufe, sondern indirekt, indem Interpreten im ersten Schritt die Aufmerksamkeit der potenziellen Fans gewinnen, um ihre Loyalität im zweiten Schritt zu Geld zu machen – durch Konzert- und Clubgigs, Merchandising oder den i.d.R. erst bei treuen Anhängern möglichen Verkauf von Premium-Varianten der Tonträger oder anderer Extras.

Aber wenn Künstler sich nun zu Anfang allein mit der Aufmerksamkeit begnügen und froh sein müssen, dass Hörer ihre Titel und nicht die einer anderen Band gewählt haben, müsste es doch möglich sein, Verbraucher in die Generierung von weiterer Aufmerksamkeit einzubinden, oder? Das zumindest glaubt SoundCloud, das hippe Berliner Musik-Startup, das sich zunehmend als DIE internationale Plattform für unabhängige sowie bei Labels unter Vertrag stehende Musiker etabliert.

SoundCloud hat mit dem SoundCloud-Social-Download eine OpenSource-App veröffentlicht, die musikschaffende Nutzer der Plattform auf ihren Webpräsenzen installieren können, um im Gegenzug für einen Download von Nutzern einen Tweet, ein Facebook- oder MySpace-Status-Update oder einen Digg zu erhalten. Ist die Software implementiert, bekommen an einem Titel interessierte User die Möglichkeit, sich via OAuth bei einem der Services anzumelden. Sobald sie das i.d.R. vorgegebene, aber editierbare Status-Update veröffentlicht haben, wird der Download-Link für den jeweiligen Song aktiviert.

Über das hier beschriebene “Pay with a Tweet”-Prinzip (auch in Aktion beim gleichnamigen Dienst paywithatweet.com) haben sich in den letzten Monaten schon einige Blogger Gedanken gemacht. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die fehlende monetäre Vergütung für das Herunterladen eines digitalen Produkts (egal ob Musik, Bücher, Videos oder andere immaterielle Güter) wird dadurch ausgeglichen, dass die Information über die Verfügbarkeit des Downloads möglichst in alle Ecken des Internets gelangt – je mehr Menschen darauf aufmerksam werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, in einer späteren Phase durch oben genannte Aktionen Einnahmen zu generieren. Hyperdistribution eben.

Und die Nachteile? Zum einen werden die Social-Web-Streams bei einem verbreiten Einsatz des Verfahrens mit Empfehlungen überflutet. Zum anderen könnte der Zwang zum Tausch Tweet/Status-Update gegen Download einige User abschrecken – eventuell solche, aus denen später einmal richtige Groupies mit entsprechender Zahlungsbereitschaft für Fanprodukte geworden wären. Die Bitte um eine freiwillige Gabe via Flattr wirkt auf jeden Fall sympathischer, hat allerdings deutlich weniger “virale” Kraft.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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6 Kommentare

  1. Ich kenne soundcloud schon sehr lange und denke dass die sehr innovativ sind. Das Portal ist ja schon sehr weit entwickelt, jetzt geht es an die Außenwirkung.

    Ich habe schon früher Musik von soundcloud auf Twitter gepostet, wenn sie mir gefallen hat. Macht für mich jetzt keinen Unterschied.

    Schauen wir mal, ob es funktioniert.

  2. Warum nicht einfach Flattr mit dem Workflow verbinden? Der Song wird heruntergeladen, sobald geflattert wurde…

  3. Stimmt, das wäre definitiv der nächste konsequente Schritt.

  4. Ich werde die Jungs deswegen mal antriggern :)

  5. Jo mach mal. David von SoundCloud hat den Link zum Artikel vorhin auch getwittert, ich vermute, dass er später auch die Kommentare liest.

  6. Mail ist bereits raus. Ich hoffe, dass die Truppe trotz der vielen Anfragen es schafft, die Mail irgendwann mal zu lesen :-)

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