Last.fm:
Die Daten hinter der Musik

Seit dem Ende des On-Demand-Streamings konzentriert sich Last.fm auf seine Kernkompetenz der Musikempfehlung und -analyse. Mit “Gender Plots” zeigt der Dienst, was sich mit seinem reichhaltigen Datenfundus anstellen lässt.

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In der Regel fallen Webanwendungen aus Sicht der User in zwei Kategorien – entweder, sie werden genutzt, oder sie werden nicht genutzt. Dazwischen gibt es eigentlich nicht viel. Außer vielleicht Last.fm.

Last.fm ist der einzige Service, den ich auf täglicher Basis einsetze, ohne das Gefühl zu haben, dies zu tun. Meine Nutzung des Social Music Networks, das von einem Team aus Österreichern und Deutschen gestartet und im Jahr 2007 an den US-Medienkonzern CBS verkauft wurde, ist zu 99,9 Prozent passiv, in Form des Desktop-Clients, der meine Hörgewohnheiten mitschneidet.

Jedes Mal, wenn ich einen Track über Winamp oder Spotify anhöre, wird dies von Last.fm “gescrobbelt”. Von meiner Seite ist dafür keinerlei Aufwand notwendig. Eingeloggt bin ich auf der Website des in London ansässigen Service so gut wie nie. Und dennoch möchte ich Last.fm nicht aufgeben. Denn sollte irgendwann einmal das Bedürfnis auftauchen, Statistiken über meine persönlichen Hörgewohnheiten zu erhalten, dann weiß ich, dass ich diese in meinem Last.fm-Konto finde.

Ob ich mit diesem Anwenderverhalten repräsentativ bin, weiß ich nicht. Klar is jedoch, dass der Musikdienst mit dem Abschaffen des On-Demand-Streamings im April seinen Schwerpunkt vollständig auf Empfehlungs- und Analyseservices rund um Musik gelegt hat. Der passive Last.fm-Einsatz ist damit durchaus gewollt, immerhin beschert er dem Dienst das, worauf sein System angewiesen ist: Informationen über Hörgewohnheiten.

43 Milliarden Titel wurden seit dem Jahr 2002 über Last.fm gescrobbelt. Eine ansehnliche Menge an Daten, mit der sich viel anstellen lässt. Wie beispielsweise der “Gender Plot”, eine faszinierende Darstellung der musikalischen Präferenzen aufgeteilt nach Alter und Geschlecht.

In einem Blogeintrag präsentiert der Last.fm-Praktikant Joachim Van Herwegen das neue Tool, mit dem sich die bevorzugten Interpreten in einem Koordinatensystem darstellen lassen, deren Achsen Alter und Geschlecht anzeigen. Mit dem Feature lassen sich bis zu sechs Benutzerkonten vergleichen.

Spannender als das Tool selbst sind die Screenshots von Gender Plots, mit denen Van Herwegen illustriert, was je nach Geschlecht und Alter auf Basis der von Last.fm-Nutzern in letzter Zeit gescrobbelten Songs an Interpreten und Genres bevorzugt wird (ein genauer Zeitraum wird nicht genannt, aber die Abwesenheit von Madonna und die prominente Positionierung von Lady Gaga zeugen von einer relativ kurzen, aktuellen Untersuchungsperiode).

Gehen wir davon aus, dass ein Großteil der netzwertig.com-Leser wie in Tech-Kreisen üblich männlich und zwischen 20 und 40 Jahre alt sind, dann bevorzugt eine Mehrheit von euch Bands wie Metallica, Gorillaz, R.E.M. oder die Red Hot Chili Peppers. Unsere Leserinnen in der selben Altersgruppe hingegen präferieren Lady Gaga, Muse, Björk, The Beatles, ABBA oder Annie Lennox. Laut Last.fm.

In weiteren Koordinatensystemen visualisiert Van Herwegen die vergebenen Schlagwörter sowie Schlüsselwörter in der “Über mich”-Sektion der Nutzerprofile. Zuletzt genannter Gender Plot bestätigt, das Punk und “Hair” Themen der Jugend sind, E-Mail vor allem für 20- bis 30-Jährige eine Rolle spielt, eine Schlager-Leidenschaft ab 40 beginnt und bereits zwischen 50 und 60 von “retired”, also der Rente gesprochen wird. Wobei all dies natürlich nur für Last.fm-Nutzer gilt, und diese speziell bei Themen abseits des musikalischen Geschmacks nicht unbedingt repräsentativ sind.

Services, die Musik per Download oder Streaming anbieten, gibt es trotz rechtlicher Unwegbarkeiten wie Sand am Meer. Dienste, welche die Daten hinter der Musik analysieren und für Endnutzer öffentlich zugänglich machen, eher nicht. Insofern scheint es für Last.fm die richtige Entscheidung gewesen zu sein, das mit hohen Kosten verbundene Streaming abzuschaffen und sich auf seine (eigentlich schon immer bestehende) Kernkompetenz zu fokussieren: Die Daten hinter der Musik zu analysieren und daraus nützliche Services zu generieren. Neben Gender Plots gibt es im Last.fm Playground eine ganze Reihe anderer Visualisierungen und Datenspielereien.

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6 Kommentare

  1. Andreas
    schrieb am 23. September 2010 um 14:27 Uhr (#)

    Ja, mal wieder eine schöne Last.fm-Stats-Anwendung und auch die Listening Clock war eine nette Sache.

    Aber meint ihr, Last.fm kann mit solchen Sachen über kurz oder lang überleben?

    Mal Hand auf’s Herz: Wer von euch nutzt Last.fm regelmäßig, ohne dafür zu bezahlen? Würden solche Gimmicks wie Gender Plot oder Listening Clock euch zu einem monatlichen Abo bewegen?

    Meiner Meinung nach ist das nicht der richtige Weg, um endlich in die Gewinnzone zu kommen, und in dieser ist Last.fm definitiv nicht mit weit weniger als 100.000 zahlenden Usern.

    Schaut man sich mal den Google Trend Chart für Last.fm an, dann sieht man ab April 2009 einen massiven Einbruch im Verlauf. Genau zu diesem Zeitpunkt wurde On-Demand-Musik auf Last.fm abgestellt und das Interesse an Last.fm sank sofort rapide ab.

    Statistiken aller Art und Verlinkungen zu externen Musikdiensten wie Hype Machine, Spotify, etc. scheinen bei Last.fm derzeit im Vordergrund zu stehen, aber damit lockt man keinen Subscriber hinter’m Ofenrohr hervor.

    Das geht nur mit Musik, Musik, Musik!

    Hoffentlich sieht Last.fm das bald genauso, denn alles andere wäre nämlich schlecht.

    P.S.: Ich bin übrigens trotz allem seit langer Zeit zahlender Last.fm-User aus Überzeugung, auch wenn ich weite Teile des Angebotes hier in DE kostenfrei nutzen könnte. :)

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 23. September 2010 um 15:10 Uhr (#)

    Ja, das mit dem kostenpflichtigen Abo, ohne dass On-Demand-Musik inbegriffen ist, halte ich auch für ein relativ unattraktives Angebot (Respekt dass du dennoch zahlst).

    Ich sehe aber Potenzial auf der B2B-Seite. Aus den aggregierten Informationen zu musikalischen Präferenzen, verknüpft mit demografischen und geografischen Aspekten, müssten sich doch Produkte schnüren lassen, an denen Firmen aus der Medien- und Marketingwelt Interesse haben.

  3. Michael S
    schrieb am 23. September 2010 um 18:04 Uhr (#)

    Bin seit Jahren last.fm Nutzer und seit ueber einem Jahr zahlender Nutzer. On-Demand Musik ist fuer mich nicht wichtig, da ich last.fm primaer nutze um Musik zu entdecken die mir gefaellt und die ich noch nicht kannte. Bin dadurch schon auf den ein oder anderen guten Interpret gestossen und habe infolgedessen Konzerte besucht, die ich ohne last.fm wohl nicht besucht haette. Sonst ist last.fm fuer mich als Statistik Freak natuerlich ein Paradies (genauso wie setlist.fm wenns um Konzerte geht).

    Ahja, und als Beatles Fanatiker: @Martin bitte typo “The Beattles” korrigieren ;-)

  4. Christian
    schrieb am 23. September 2010 um 18:58 Uhr (#)

    ich nutze last.fm täglich, um Musik zu scrobbeln und geschätzt 1 Woche im Monat, um Tag- oder Interpreten-Radio zu hören. Oder um zu schauen, was Nachbarn und Freunde so hören.

    Mein musikalicher Horizont erweitert sich so ständig und ich liebe es …

  5. Andreas
    schrieb am 23. September 2010 um 23:35 Uhr (#)

    Ich brauche auch kein On-Demand-Streaming auf Last.fm, dafür gibt es mittlerweile genügend andere Dienste, die das leisten (simfy, Spotify, etc.).

    Wer trotzdem mal sehen möchte, wie ein Last.fm Full-On-Demand hätte aussehen können, sollte mal hier reinschauen und sich die Chrome Extension “Last.fm Free Music Player” installieren:

    http://last.fm/group/Last…e+music+player+users

    Es lohnt sich!!! ;)

  6. Alfred
    schrieb am 5. November 2010 um 15:29 Uhr (#)

    Ich habe Jahrzehnte keine Musik mehr gehört, doch seit
    Last.fm bin ich wieder intensiver Hörer geworden. Bisher habe ich noch keinen Radiodienst gefunden, der so tief in meine inzwischen heißgeliebte elektronische Musik führt. Durch das
    Beschränken auf Künstler- oder Musik-Tags habe ich inzwischen einen relativ guten Blick auf die elektronische Musik, ihre Wurzeln und Early Gurus …
    Dafür zahle ich ebenso gern wie für nichtprivates Fernsehen und Radio (bei aller vertretbaren Kritik am Öffentlich-Rechtlichen kann ich auf die Vielzahl guter Beiträge nicht verzichten. Und halte es für eine Unverschämtheit, dass ich als Zahler nicht immer auf verpasste Sendungen zugreifen darf.)

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