Startups:
11 Tipps, um bei
Tech-Blogs zu punkten

Die Pressearbeit von Startups ist verbesserungswürdig. Eine gelungene Ansprache von Tech-Blogs muss nicht aufwendig sein. Allerdings gibt es einige Punkte, die beachtet werden sollten. Hier sind 11 Tipps.

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Pitchen: nicht per Telefon
Pitchen: nicht per Telefon
Eigentlich war ich immer der Ansicht, Artikel, die Startups erklären, wie sie sich am besten bei Tech-Blogs und Onlinemedien bekannt machen, hängen allen zum Halse raus. Aber zumindest in den Kommentaren zu meiner Kritik an der Pressearbeit hiesiger junger Internetunternehmen wurde eine Nachfrage nach derartigen Instruktionen deutlich. Womöglich ist das, was uns bei netzwertig.com so selbstverständlich erscheint, am Ende doch nichts, das eine aufstrebende Webfirma von Anfang an im Blut hat.

Aus diesem Grund möchte ich die Gelegenheit nutzen und kompakt zusammenfassen, wie für uns der perfekte Pitch aussieht – und wie nicht. Dabei kann ich natürlich nicht garantieren, dass der von uns gewünschte Ansatz bei jedem Blog und Onlinemagazin funktioniert, das an Informationen über neue Webservices und Startups interessiert ist. Ich glaube aber, dass für die hier beschriebenen Vorgehensweisen durchaus ein gewisser Grundkonsens besteht, wenn es auch an der ein oder anderen Stelle unterschiedliche Präferenzen geben wird.

11 Tipps an Gründer für eine gelungene Tech-Blogger-Ansprache

1. Alle wichtigen Infos in einer Mail
Den bevorzugten Pitch erhalten wir in einer kompakten Mail mit den wichtigsten Angaben und Hintergründen zum jeweiligen Dienst. Was kann er, an wen richtet er sich, weshalb ist er besser als eventuelle Konkurrenten. Auch Infos zur zukünftigen Roadmap schätzen wir. Ein Telefonat ist in den meisten Fällen nicht notwendig und in der Regel für unseren Zweck äußerst ineffizient. Wer sofort Minuspunkte sammeln möchte, schickt eine Mail à la “Wir starten demnächst den Service XXX. Wann können wir diesbezüglich telefonieren?”.

2. Kontaktaufnahme bevorzugt durch Gründer/Angestellte
Wenn sich Gründer oder Angestellte eines neuen Webangebots bei uns melden, ist dies immer ein Vorteil gegenüber Pitches von PR-Agenturen. Damit erhalten wir nicht nur einen persönlicheren ersten Eindruck, sondern können auch spontane, konkrete Rückfragen stellen, die ein externer Pressekontakt eventuell nicht sofort beantworten kann/darf. Zumindest für das Pitchen von Tech-Blogs ist unserer Ansicht nach nicht extra ein PR-Profi notwendig.

3. Serienbriefgefühl vermeiden
Eine individuelle, persönliche Mail wirkt immer sympathischer als eine, die nach Massenmail oder Serienbrief klingt. Diese Regel gilt ja ohnehin für jede Art der schriftlichen Kommunikation, nicht nur in Hinblick auf die Kommunikation zwischen Startups und Bloggern.

4. Sicherstellen, dass das eigene Thema für uns wirklich relevant ist
Manche Dienste sind enttäuscht, wenn sie uns eine aufwendige, gelungene E-Mail gesendet haben und wir trotzdem nicht über sie berichten. Oft liegt die Ursache dafür darin, dass das jeweilige Angebot nicht in unser Themenspektrum fällt oder anderweitig nicht unseren Ansprüchen gerecht wird. Insofern ist es stets zu empfehlen, vorab zu evaluieren, ob eine Ansprache tatsächlich sinnvoll ist. Und kommen die Macher eines Webservice zu dem Schluss, dass dieser eigentlich nicht in unsere Berichterstattung passt, sie es aber dennoch mit einer Mail versuchen wollen, dann ist es ein Pluspunkt, dies am Anfang der Nachricht zu vermerken. Denn das zeigt uns, dass sich der Absender mit netzwertig.com beschäftigt hat, selbst wenn sein Anliegen für uns womöglich Relevanz vermissen lässt.

5. Anhänge vermeiden, speziell für Texte
Als Dateien angehängte Texte im Word-Format nerven. Schon weil wir bevorzugt Online-Office-Services nutzen (ich habe z.B. gar kein Microsoft Office mehr installiert). Eine Pressemitteilung sollte stattdessen einfach direkt in die Mail unterhalb des persönlichen Pitches kopiert werden. Angehängte PDFs sind ok, wenn auch nicht unsere erste Wahl.

6. Transparent und offen sein
Je transparenter und offener die an uns übermittelten Informationen zu einem Service sind, desto größer ist die Chance, dass wir über diesen berichten. Auch deshalb bevorzugen wir die direkte Ansprache durch Gründer, da diese im Gegensatz zu einer externen Kommunikationsagentur freier darüber bestimmen können, was sie herausgeben können und was nicht.

7. Links mitliefern
Wir lieben Links. Auch in Mails. Sofern ihr ein interessantes Unternehmensblog betreibt, ein kreatives YouTube-Video gestaltet oder eure Gründungsgeschichte auf einer Seite zusammengefasst habt, freuen wir uns über entsprechende Verweise in der Mail. Das gilt auch für alle späteren E-Mails rund um Neuigkeiten zu eurem Angebot.

8. Login-Daten mitliefern
Es kommt zwar nur selten vor, aber wenn es geschieht, dann habt ihr damit sofort einen dicken Sympathievorsprung: Liefert uns Zugangsdaten zu einem Testaccount eures Dienstes, damit wir diesen sofort ausprobieren können. Besonders wichtig ist dies, wenn sich euer Angebot in der geschlossenen Beta-Phase befindet.

9. Erreichbar sein für spontane Rückfragen
In der Regel bearbeiten wir alle eingehenden Pitches innerhalb von 1-2 Tagen. Sofern wir über euren Service berichten wollen, haben wir gelegentlich noch Rückfragen und finden es toll, wenn diese möglichst schnell beantwortet werden (i.d.R. reicht auch hier eine formlose Mailkonversation). Diesen Punkt führe ich nur der Vollständigkeit halber auf, denn dies funktioniert in den meisten Fällen tatsächlich sehr gut!

10. Richtig verfahren mit Sperrfristen
Grundsätzlich haben wir kein Problem mit Sperrfristen. Allerdings sollten sie angemessen erscheinen. Bei einem revolutionären neuen Dienst, der zu einem koordinierten Zeitpunkt webweite Aufmerksamkeit generieren möchte, wäre sie z.B. angemessen. Wenn wir der Sperrfrist zusagen, halten wir uns auch daran, darauf könnt ihr euch verlassen! (das gilt natürlich auch für alle anderen Arten von Neuigkeiten, nicht nur für Pitches).

11. Rückfrage maximal einmal
Wir versuchen, den Eingang aller persönlichen Pitches kurz per Mail zu bestätigen. Ob wir dann allerdings über euren Dienst berichten oder nicht, darüber geben wir i.d.R. keine Rückmeldung. Entweder, er taucht bei uns auf oder nicht. Solltet ihr nichts von uns gehört haben, könnt ihr gerne noch einmal per Mail auf eure frühere Kontaktaufnahme hinweisen. Hört ihr dann nichts von uns, ist das auch eine Antwort. Allerdings lohnt es sich immer, uns dennoch über Neuigkeiten auf dem Laufenden zu halten. Denn manchmal wird uns das Potenzial eines Dienstes eben auch nicht sofort sondern zu einem späterem Zeitpunkt klar.

Passend zum Thema hatte Robert Basic vor einigen Tagen einen ausführlichen Guide zum Thema Blogger-Relations verfasst, allerdings stärker ausgerichtet auf die Zielgruppe von PR-Fachleuten und Marketern.

(Foto: stock.xchng)

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17 Kommentare

  1. Johannes
    schrieb am 17. September 2010 um 09:36 Uhr (#)

    12. Wording
    (12.1) Marktschreierei vermeiden. Statt der Information, dass jemand Weltmarktführer in xy ist/wird, lieber mehr auf die Benefits des Dienstes eingehen.
    (12.2) Texte gerne noch einmal auf Rechtschreib- und Syntaxfehler hin checken – offensichtlich lieblos in der Mittagspause runtergetippte Infomailings wirken wenig professionell, das färbt dann auch auf den Eindruck des Dienstes ab.
    (12.3) Anbiedernde kumpelhafte Dutzerei bitte unbedingt vermeiden (nein liebe PR-Agenturen, das macht euch nicht total authentisch in den Augen der btw recht heterogenen Blogosphere)

    Ciao
    Johannes

  2. andy lenz
    schrieb am 17. September 2010 um 09:38 Uhr (#)

    nen goodie für die jeweiligen techblogleser z.b. 10 betainvites, testware zum verlosen oder ähnliches kommt auch gut an. hauptsache die ansprache wirkt ehrlich und direkt. manchmal ist es interessanter darüber zu reden/schreiben welche schwirigkeiten und hürden es am anfang gab, statt nur von a-z abzufeiern. bestenfalls sollen die leser ja etwas mitnehmen, statt nur den neuen service oder das neue produkt kaufen oder nutzen zu können. also auch mit nicht produktbezogen site-storys kann man punken. jedenfalls bei uns ;)

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 17. September 2010 um 09:39 Uhr (#)

    Sehr schön, dass ihr ergänzt!

    @ Johannes
    Interessant, dein Punkt 12.3: Denn ehrlich gesagt empfinde ich gerade das Gesieze als unangemessen, wenn man bedenkt, dass bei uns auf der Site und in den Kommentaren alles per Du läuft. Wer uns da in einer Mail siezt, offenbart in meinen Augen eher, dass er sich mit unserer Site vorab nicht auseinandergesetzt hat.

    Insofern passt dein nachgeschobene Hinweis: Die Blogosphäre ist heterogen. Und wir bei netzwertig.com bevorzugen es per Du ;)

  4. paulinepauline
    schrieb am 17. September 2010 um 09:46 Uhr (#)

    0. Code of Contact
    Darauf achten, dass der Blogger angeschrieben werden möchte oder dies nicht in seinem Impressum ausschließt.
    ;-)

  5. Johannes
    schrieb am 17. September 2010 um 09:48 Uhr (#)

    @Martin Sagen wir’s mal so, es muss passen. Manche PR-Menschen schreiben mich in ihrem ersten Kontakt an, als sei ich ein alter Kumpel – teilweise auch mit entsprechender Erwartungshaltung bzgl. der Berichterstattung (katalysiert sich dann im Nachhinein in enttäuschten Anrufen/Mails). Da fühle ich mich schlicht nicht genommen – ein bisschen professionelle Distanz darf es schon sein, immerhin geht’s für beide Seiten ums Geschäft (jetzt mal von totalen Non Profit Blogs abgesehen, mit denen der Betreiber nicht einmal seine Reputation pushen will).

    Der Blog selbst und die Interaktion mit dem Leser ist ein anderes Paar Schuhe. Da duzen wir auch, klar (wobei’s hier ebenfalls Ausnahmen gibt)

    Ciao
    Johannes

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 17. September 2010 um 10:40 Uhr (#)

    Vermutlich hat das auch ein wenig mit unseren Branchen zu tun. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Buchbranche etwas formeller ist als die Startup- und Web-Branche.

    Plus: persönliche Präferenzen. Wir beide haben wohl generell unterschiedliche Ansichten bzgl Du vs Sie ;)

  7. Carsten Pötter
    schrieb am 17. September 2010 um 11:32 Uhr (#)

    Als völlig Unbeteiligter in solchen Dingen verstehe ich Punkt 11 nicht. Warum reagiert Ihr nicht? Ich vergleiche das jetzt mal etwas blauäugig mit einer Stellenbewerbung. Da möchte ich als Bewerber wenigstens eine Absage erhalten; im besten Fall sogar mit Begründung der Ablehnung. Höre ich nichts von der Firma, kann ich zwar auch davon ausgehen, dass ich durch das Raster gefallen bin, aber es ärgert mich.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 17. September 2010 um 14:09 Uhr (#)

    Wie gesagt – eine persönliche (!) Eingangsbestätigung gibt es i.d.R. schon (was im Übrigen sonst meines Wissens nach schon sehr unüblich ist).

    Aber für eine detaillierte Absage fehlt häufig einfach die Zeit.

  9. Jenni
    schrieb am 17. September 2010 um 16:38 Uhr (#)

    Hallo Martin,

    danke für die 11 Tipps, ich denke mal, dass es einigen Neulingen in dem Bereich sehr viel weiterhelfen wird (ich hätte mich Anfang des Jahres sehr über so einen Bericht gefreut und nehme auch jetzt sehr viel wissen daraus mit).

    Das mit den Eingangsbestätigungen ist wirklich sehr ungewöhnlich, ich hab zumindest in meiner Pressearbeit noch nie eine zurück bekommen, außer es war die Bestätigung, dass sie gerne über uns Berichten würden oder ein Interview etc. angedacht war.

  10. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 18. September 2010 um 03:37 Uhr (#)

    Danke dass du das bestätigst.

  11. Frank
    schrieb am 19. September 2010 um 20:49 Uhr (#)

    Aha, sogar ein FollowUp zum Thema! Jetzt wo alles gesagt ist, brauchts ja nur noch den unschlagbar innovativen Dienst, hinter dem auch noch eine gute Story steckt.

  12. St. Strittmatter
    schrieb am 20. September 2010 um 10:22 Uhr (#)

    Hallo Martin,

    klasse, vielen Dank für Deine schneller Reaktion auf die zitierten Kommentare!

    Den Punkt (5) hat mich doch überrascht:
    @all: Ist das allgemein so? Lieber nur als Mailtext, kein Word & Co.? Ich war der (vielleicht naiven) Meinung, ein Word-Doc wirkt “professioneller” :/

    Mir helfen Deine Tipps sehr viel weiter!

    Was das Sie/Du angeht, denke ich im allgemeinen, dass man eben erst vorsichtig mit “Sie” beginnt und dann je nach Antwort einfach auf “Du” umschwenken kann.

    Übrigens:
    Für alle zukünftigen StartUps würde ich den Beitrag auf jeden Fall auch unter “Kontakt” verlinken!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 20. September 2010 um 15:20 Uhr (#)

      Guter Vorschlag!

  13. Alex
    schrieb am 20. September 2010 um 19:14 Uhr (#)

    Vielen Dank für den aufschlussreichen Artikel. Kommt für uns genau zur richtigen Zeit! Da dies unsere erste Gründung ist, fragt man sich natürlich, wie die richtige Ansprache erfolgen muss und welche Infos relevant sind.

    Punkt 3 kann ich nur bestätigen. Ein persönliches Anschreiben ist wesentlich besser. Ich beziehe diese Erfahrungen aus dem Anschreiben von Beta-Testern. Die “Conversion” war bei persönlichem Anschreiben fast doppelt so hoch. War eigentlich tendenziell zu erwarten, aber so eklatant hatte ich den Unterschied nicht erwartet.

    Zu Punkt 6: Ich würde mir sehr viel mehr Startups wünschen, die offener mit ihren Zahlen umgehen. Ich denke, nicht nur für mich als Bootstrapping-Gründer, der keine Mittel für PR-Agenturen etc. hat, wären solche Zahlen sehr interessant.

  14. Ines
    schrieb am 25. August 2011 um 20:23 Uhr (#)

    Danke für den aufschlussreichen Artikel. Es ist immer wieder interessant und wichtig einen Blick “hinter die Kulissen” zu werfen, um das Marketing entsprechend anzupassen.

  15. Stefan S.
    schrieb am 4. Dezember 2011 um 22:24 Uhr (#)

    Ihr Schweizer müsst eben aus allem einen Bürokratismus machen, was man machen darf und was man nicht machen darf. Flexibilität kennt Ihr nicht, ja ist geradewegs strafbar. Dabei ist Euer ganzer Staat auf Großkriminalität gebaut, wie während der letzten Monate wieder einmal klar wurde (was: Pressemeldungen verdrängt?). Und Ihr kommt mit: Das darf man, das darf man nicht. Also wirklich, das stört jetzt, das andere ist okay.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 5. Dezember 2011 um 06:06 Uhr (#)

      Ich bin Deutscher, nicht Schweizer (und wohne auch nicht in der Schweiz).

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