Bequeme Zahlung von Kleinstbeträgen:
Micropayments, wohin man schaut

Internetnutzern werden immer mehr Wege geboten, mit wenig Aufwand Kleinstbeträge für Webinhalte und -dienste zu bezahlen.

Lange Zeit war das Fehlen von wirtschaftlich tragbaren und für Nutzer mit wenig Aufwand verbundenen Methoden, um im Netz geringe Summen für Services oder Inhalte verlangen zu können, ein enormes Hindernis für die Entfaltung alternativer Monetarisierungswege. Doch das scheint mittlerweile Schnee von gestern zu sein. Denn eine Reihe von Initiativen und Vorhaben sorgt dafür, dass Micropayments sowie komfortable “One-Click-Payments” plötzlich an vielen Stellen im Web realisiert werden.

Vorreiter ist hierbei natürlich Apples App Store, der es mehr als 150 Millionen Menschen ermöglicht, mit einem Klick Applikationen und Content käuflich zu erwerben. Jeder Besitzer eines iPhones oder iPads weiß, wie angenehm und komfortabel es ist, kostenpflichtige Applikationen herunterladen zu können, ohne dafür auch nur einen Finger mehr krümmen zu müssen als für die Installation von Gratis-Apps. Auch “In-App-Käufe”, mit deren Hilfe sich beispielsweise zusätzliche Level in einer Spiele-App erwerben lassen, werden so zum Kinderspiel.

Noch nicht so massentauglich wie Apples Ökosystem, aber mit mindestens genauso viel Potenzial ausgestattet, schickt sich Facebooks virtuelle Währung Credits an, zu einem universellen Zahlungsmittel im Facebook-Web zu werden. Den aktuellen Entwicklungsstand hatten wir im Juli zusammengefasst.

Während Credits momentan primär dafür eingesetzt werden, virtuelle Güter in Spielen innerhalb der Facebook Plattform zu kaufen, besteht kein Zweifel daran, dass in Facebooks langfristiger Vision Credits als ominipräsentes “Prepaid-Zahlungsmittel” im Netz fungieren. Einmal mit 50 Euro aufgeladen können User mit den Credits dann alle möglichen Arten von Onlineinhalten erstehen – bis sie ihr Guthaben aufgebraucht haben.

Auch Flattr minimiert für User den Aufwand einer Transaktion, selbst wenn es hier um freiwillige Zahlungen geht und Anwender keinen spezifischen Betrag wählen können, den sie einzelnen Webangeboten zukommen lassen wollen. Aber auch bei Flattr laden Nutzer ihr Guthaben einmal auf und verteilen es anschließend an Anbieter von Content, an dem sie interessiert sind.

In wenigen Wochen wird Google seinen Chrome Web Store veröffentlichen und damit das Prinzip von Applikationen erstmals in den Browser übertragen. Mit dem Schritt startet der Internetgigant gleichzeitig einen Vorstoß in den Bereich der Micropayments (wenn man mal vom Android Market absieht, der sich für seinen nur auf wenige Länder begrenzten Kaufprozess für Apps bisher nicht gerade Lob eingehandelt hat).

Google will Entwicklern sowohl das Anbieten von kostenfreien als auch kostenpflichtigen Apps erlauben. Anfang 2011 sollen dann auch In-App-Käufe unterstützt werden. Abgewickelt wird die Zahlung über Googles eigenes Bezahlsystem Checkout. Nutzer, die dort einmal ihre Zahlungsdaten eingegeben und sich im Chrome Web Store angemeldet haben, können fortan mit einem Klick (oder sehr wenigen Klicks) Apps kaufen (und nach dem Launch von In-App-Purchases auch innerhalb von Anwendungen Transaktionen einleiten).

Ganz offensichtlich ist viel Bewegung im Onlinemarkt für Mini-Transaktionen. Da kommt es nicht überraschend, dass auch PayPal, der wohl populärste für jede Website verfügbare Zahlungsabwickler im Web, sich ein Stück vom Micropayment-Kuchen sichern möchte.

So will die 87 Millionen Nutzer zählende eBay-Tochter noch in diesem Jahr einen Zahlungs- sowie Micropaymentmechanismus für Online-Spiele starten, der das Erwerben von virtuellen Gütern direkt aus dem Spiel ermöglichen soll. Bei diesem neuen Ansatz sammeln Nutzer via PayPal fällige Zahlungen an, die dann in festgelegten Intervallen von ihrem mit PayPal verbundenen Konto abgebucht werden – ähnlich wie es beispielsweise seit jeher mit der Telefonrechnung läuft.

Vorerst scheint es derartige Pläne nur für den boomenden Markt der Social Games (Farmville & Co) zu geben. Man muss jedoch kein Hellseher sein, um zu erahnen, dass dies für PayPal bei weitem nicht das Ende der Fahnenstange bedeutet. Auch andere digitale Inhalte und Dienste könnten auf diesem Weg in Anspruch genommen werden.

Einen Nachteil haben alle Verfahren (über die zum Teil geschlossene Struktur hinaus): Sie beinhalten Provisionen bzw. Kostenbeteiligungen für die Parteien, die sie in Anspruch nehmen. So erhalten App-Entwicker bei Apple nur 70 Prozent der durch Verkäufe generierten Umsätze. Flattr behält 10 Prozent der Einnahmen ein und Google zweigt sich für Chrome-Anwendungen fünf Prozent plus 30 Cent pro Transaktion ab. Davon kann man halten was man will. Es ist nach heutigem Stand wohl einfach der Preis, den Konsumenten und Entwickler für praktikable Micropaymentlösungen zahlen müssen.

(Foto: stock.xchng)

Mehr lesen

Gegenseitiges Bewerten: Resonity will App-Entwicklern  zu mehr Sichtbarkeit verhelfen

20.9.2011, 0 KommentareGegenseitiges Bewerten:
Resonity will App-Entwicklern zu mehr Sichtbarkeit verhelfen

Das Leipziger Startup Resonity will das Sichtbarkeitsproblem vieler App-Entwickler lösen, indem es sie zum gegenseitigen Testen, Bewerten und Herunterladen von Applikationen animiert.

Apps Marketplace: Google macht Ernst  mit Cloud Computing

11.3.2010, 2 KommentareApps Marketplace:
Google macht Ernst mit Cloud Computing

Mit dem Apps Marketplace tritt der Suchmaschinenriese frontal gegen Salesforce.com und Microsoft an.

Google Apps Marketplace: Ein Marktplatz für Geschäftsanwendungen in der Cloud

10.3.2010, 0 KommentareGoogle Apps Marketplace:
Ein Marktplatz für Geschäftsanwendungen in der Cloud

Google lanciert mit dem Google Apps Marketplace einen Marktplatz für Business-Applikationen.

Linkwertig: MySpace, Chrome Web Store,  iPad, Twitter, Privacy

5.1.2011, 0 KommentareLinkwertig:
MySpace, Chrome Web Store, iPad, Twitter, Privacy

MySpace plant, die Hälfte der Mitarbeiter zu entlassen, der Chrome Web Store enttäuscht, Brian Solis visualisiert das Twitterversum und mehr.

Chrome Web Store: Aus Webanwendungen werden Apps

8.12.2010, 15 KommentareChrome Web Store:
Aus Webanwendungen werden Apps

Google hat mit dem Chrome Web Store seinen App Store für den Browser gestartet. Dessen größtes Potenzial könnte in kostenpflichtigen Anwendungen liegen.

Chrome Web Store: Warten auf die nächste  Google-Innovation

18.8.2010, 14 KommentareChrome Web Store:
Warten auf die nächste Google-Innovation

Bereits im Oktober will Google seinen Chrome Web Store starten, der das von Smartphones bekannte App-Prinzip auf den Browser überträgt.

Facebook: Netzbetreiber sollen  mobile Credits-Käufe abwickeln

28.2.2012, 5 KommentareFacebook:
Netzbetreiber sollen mobile Credits-Käufe abwickeln

Facebook kooperiert mit einigen führenden Telekommunikationsanbietern, um Barrieren beim Erwerb von Facebook Credits über mobile Geräte zu entfernen.

1. Juli 2011: Ein Meilenstein für Facebook Credits

25.1.2011, 19 Kommentare1. Juli 2011:
Ein Meilenstein für Facebook Credits

Ab 1. Juli 2011 müssen Spieleanbieter bei Facebook für Zahlungen die hauseigene Währung Credits implementieren. Ein Meilenstein für das Social Network und dessen Vorhaben einer webweiten Währung.

Facebook Credits: Der Weg zur Webwährung

8.7.2010, 6 KommentareFacebook Credits:
Der Weg zur Webwährung

Die Vision ist bekannt: Eines Tages könnten Facebook Credits zu einer bedeutenden virtuellen Währung fürs Web werden. Ein Blick auf den Stand der Dinge.

Linkwertig: Bing, Flattr, Twitter, WiMP

3.5.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Bing, Flattr, Twitter, WiMP

Tim Pritlove berichtet über seine Erfahrungen mit Flattr, Bing wird minimalistischer als Google und mehr.

Follow-Funktion und Social Feed: Flattr wird zum sozialen Netzwerk

1.5.2012, 2 KommentareFollow-Funktion und Social Feed:
Flattr wird zum sozialen Netzwerk

Der soziale Micropaymentdienst Flattr erweitert sein Angebot um eine Follow-Funktion und einen Stream mit Empfehlungen der Kontakte. Damit avanciert das Startup zu einem sozialen Netzwerk rund um Onlineinhalte.

Kooperation mit Socialvest: Onlineshops übernehmen  die Flattr-Rechnung

5.4.2012, 6 KommentareKooperation mit Socialvest:
Onlineshops übernehmen die Flattr-Rechnung

Der soziale Micropaymentdienst Flattr hat eine spannende Kooperation mit dem US-Startup Socialvest vereinbart: Nutzer, die in einem von hunderten führenden Onlineshops einkaufen, erhalten einen prozentualen Anteil des Preises als Flattr-Guthaben.

Follow-Funktion und Social Feed: Flattr wird zum sozialen Netzwerk

1.5.2012, 2 KommentareFollow-Funktion und Social Feed:
Flattr wird zum sozialen Netzwerk

Der soziale Micropaymentdienst Flattr erweitert sein Angebot um eine Follow-Funktion und einen Stream mit Empfehlungen der Kontakte. Damit avanciert das Startup zu einem sozialen Netzwerk rund um Onlineinhalte.

Kostenpflichtige Inhalte: Googles Bezahlschranke  One Pass ist Geschichte

21.4.2012, 0 KommentareKostenpflichtige Inhalte:
Googles Bezahlschranke One Pass ist Geschichte

Anfang 2011 präsentierte Google mit One Pass ein System, das Verlagen die Möglichkeit bot, ihre Inhalte hinter einer Bezahlschranke zu verstecken. Doch die Rechnung ging nicht auf: Der Dienst wird eingestellt.

Kooperation mit Socialvest: Onlineshops übernehmen  die Flattr-Rechnung

5.4.2012, 6 KommentareKooperation mit Socialvest:
Onlineshops übernehmen die Flattr-Rechnung

Der soziale Micropaymentdienst Flattr hat eine spannende Kooperation mit dem US-Startup Socialvest vereinbart: Nutzer, die in einem von hunderten führenden Onlineshops einkaufen, erhalten einen prozentualen Anteil des Preises als Flattr-Guthaben.

Linkwertig: Microsoft, Paypal, Google, Fail

16.3.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Microsoft, Paypal, Google, Fail

Microsoft tüftelt an einem Universal Translator, Paypal tüftelt an einem Lesegerät zum Bezahlen via Kreditkarte und mehr.

Das Beste, was diaspora passieren konnte: PayPal sperrt das Spendenkonto

19.10.2011, 16 KommentareDas Beste, was diaspora passieren konnte:
PayPal sperrt das Spendenkonto

PayPal hat das Spendenkonto des dezentralen sozialen Netzwerks diaspora mit eingezahlten 45.000 Dollar ohne Begründung eingefroren. Etwas Besseres hätte dem unter Aufmerksamkeitsmangel leidenden Projekt kaum passieren können.

Linkwertig: PR, Zootool, Rolling.fm, Paypal

4.8.2011, 0 KommentareLinkwertig:
PR, Zootool, Rolling.fm, Paypal

Burson-Marsteller macht in der Frankfurter Rundschau Anti-Google-PR, das Zootool startet Zootool Pro und mehr.

3 Kommentare

  1. Christian Harms
    schrieb am 6. September 2010 um 17:13 Uhr (#)

    Auch Micropayments kosten Geld. Und es gibt pro Anbieter eine Untergrenze für die Kosten von Kleinstbeträgen (Infrastrukturkosten/Umsatzbeteiligung). So hat schon das deutsche StartUp Brokat (http://heise.de/ct/artike…er-CeBIT-284896.html) 2003 gemerkt, das das Handling von cent-Beträgen unrentabel ist und ist daran gescheitert. Aktuell gibt es auch noch viele kleinere Spieler, welche von großen Bezahlumsatzkuchen profitieren wollen. Das Thema ist so neu wie der Wunsch nach Verkauf von inmateriellen Gütern im Internet.

    Für einen Verkäufer mag die Provision happig sein. Doch der Verkauf von digitalen Gütern ist kostenneutral, da keine Lagerhaltung oder nur initiale Herstellungskosten entstehen. VISA&Co verlangt ja “nur” bis 3% vom Umsatz bei normalen Verkäufen – da handelt es sich (meist) um materielle Güter und größere Umsätze.

    Apple hat es tatsächlich geschafft, eine tatsächliche Nachfrage und die Bereitschaft zur Zahlung zu schaffen. Dazu zählt natürlich auch die einfache Bezahlung! Hätten sich die ISP’s mal auf eine Lösung geeinigt, könnte jeder Mensch, welcher über einen DSL/Modem/Handy-Zugang online ist, über dieses zahlen! Aber was rede ich …

  2. Walter
    schrieb am 6. September 2010 um 20:59 Uhr (#)

    Mir gefällt das Flattr-Prinzip ausgezeichnet. Aber ich fürchte für Facebook wäre es ein leichtes, einen monetär aufgeladenen “Like-Button” anzubieten und damit Startups wie Flattr auszuspielen. Ganz zu schweigen von andern grossen Playern wie PayPal und Google…

    Aber immerhin hätte sich dann ein Micropayment-System für Webinhalte durchgesetzt. Das ist dann schliesslich wohl die Hauptsache.

  3. Meeresbiologe
    schrieb am 7. September 2010 um 10:20 Uhr (#)

    Ich finde iPhone-Apps wie die von BILD ganz interessant, wo die Printausgabe wohl direkt in die App gepackt wird. Weil damit die typographischen und andere gestalterische Vorteile von Printmedien erstmals direkt in grafisch bisher leider eher beschränkte Internetanwendungen übertragen wurden. Die grafischen Beschränktheiten von Internetseiten waren wohl neben der kostenlosen Verteilung von Onlinenews mit ein Grund für die Schwierigkeiten bei der Übertragung von Printmedien aufs Internet.
    Ich frage mich nur, wieso es erst des iPhones bedurfte, um auf eine Idee wie die Apps zu kommen, mit denen sich Printmedien gestalterisch wie ökonomisch offenbar auch im Internet ganz gut verwerten lassen. Da wäre es ja naheliegend, diesen beim iPhone erfolgreichen Ansatz auch auf PCs zu übertragen.

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.