Street View in Deutschland:
Google, lass es einfach sein!

Seit Google gestern den Start von Street View in Deutschland angekündigt hat, stehen Medien und Politik Kopf. Will Google wirklich Perlen vor die Säue werfen?

Die Google-Street-View-Debatte polarisiert Deutschland auf eine Art, wie es vorher wohl kein anderes digitales Thema getan hat. Nachdem Google gestern bekannt gab, noch in diesem Jahr in 20 deutschen Städten starten und in wenigen Tagen mit der vierwöchigen Widerspruchsphase beginnen zu wollen, scheint das politische und mediale Deutschland Kopf zu stehen.

heise online sorgte mit der Schlagzeile “Datenschützer kritisiert den Start von Googles Street View” schon gestern für eine seltames Déjà-vu. In den Hauptrollen die üblichen Verdächtigen: Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar sowie der Bundesbeauftragte für den Datenschutz Peter Schaar. Beides mittlerweile durchaus B-Prominente, was ihre Präsenz in den Medien betrifft. Erfrischend war dagegen, wie computerwoche.de die Reaktionen zusammenfasste: “Peter Schaar erfreut über Google“. Es hängt wohl alles von der Perspektive ab.

Heute nun landete das Thema bei den meisten führenden Nachrichtenangeboten ganz oben. Spiegel Online gießt ordentlich Öl ins Feuer, indem es Street View zur Topmeldung erhebt, mit dem bedrohlich ausschauenden Nahbild einer Street-View-Kamera illustriert und sämtliche Bedenkenträger samt ihrer Förderungen zu Wort kommen lässt. Die Münchner Tageszeitung tz setzt in ihrer Printausgabe hingegen auf die Panik-Karte und weist auf der Titelseite großbuchstabig ihre Leser darauf hin, dass Google nun ihre Wohnung kennt.

Es verwundert kaum, dass die Debatte von Parteien sofort zur Kritik am politischen Gegner genutzt wird. Konstantin von Notz von den Grünen warf der Bundesregierung Nachlässigkeit im Umgang mit Street View vor, so Spiegel Online. Ob er sich auf die Tatsache bezieht, dass Ilse Aigner, Verbraucherschutzministerin und Redelsführerin im Kampf gegen Street View, trotz der Bedrohung durch Street View in den Urlaub gefahren ist?

“Verkehrte Welt” möchte man meinen, schaut man zur Stunde bei der taz vorbei. Eigentlich hätte ich erwartet, dass mir dort der Zusammenhang zwischen Street View und dem gläsernen Bürger erklärt wird. Stattdessen prangt an zentraler Stelle die Überschrift “Google startet Street View in Deutschland – Ein Grund zur Freude“. Eine angenehme Überraschung!

Aber nicht nur die Kritiker und Skeptiker rüsten auf und fordern von Google mitunter Lizenzzahlungen für die Aufnahmen in einzelnen Städten. Auch Street-View-Befürworter organisieren sich: Im Rahmen der Aktion “Panoramafreiheit – Resthäuser Fotografieren” sammeln sich Freiwillige mit dem Ziel, jedes bei Street View unkenntlich gemachte Haus zu fotografieren und online zu veröffentlichen (siehe auch).

Sascha Lobo hingegen hat sich die Street-View-Widerspruchs-Vorlage des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vorgeknöpft, modifiziert, und bietet sie nun als direkt an Google absendbares Street-View-Widerspruchs-Widerspruchs-Dokument an.

Während Google Street View die Republik spaltet und es überall in die Hauptnachrichten schafft, kritisiert Nico Lumma berechtigterweise, wie wenig Aufmerksamkeit das tausendfach wichtigere Google-Thema Netzneutralität erhalten hat.

Mein Vorschlag an Google angesichts dieser populistischen, unerwartet harschen und stark vergifteten Debatte um Street View: Lasst es einfach sein! Street View hat ohnehin kein wirkliches Geschäftsmodell und würde euch in Deutschland noch lange Ärger bereiten.

Es ist traurig für die geschätzten ein Prozent der Bundesbürger, die sich auf die Möglichkeiten von Street View freuen. Weiter für Street View in Deutschland zu kämpfen, wäre angesichts der verbreiteten Kritik aber, wie Perlen vor die Säue zu werfen. Schließt die Street-View-Baustelle in Deutschland und investiert die Ressourcen und Energie lieber in die Entwicklung eures Facebook-Angreifers Google Me. Oder in die Verteidigung der Netzneutralität. Oder in beides.

Wenn Deutschland Google Street View nicht braucht, braucht Google Street View auch nicht Deutschland.

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45 Kommentare

  1. Marc
    schrieb am 11. August 2010 um 12:00 Uhr (#)

    Street View hat ohnehin kein wirkliches Geschäftsmodell

    und? kann nicht mal ein angebot erstellt werden, dass man einfach für sinnvoll, praktisch, wichtig o.ä. hält? Warum muss hinter jeder Website und jedem Dienst ein “Geschäftsmodell” stecken?

    Ich freue mich jedenfalls auf Streetview….

    Achja, sollte man eigentlich Google News auch abstellen? Ist ja auch immer Theater drum. Und dann sogar werbefrei…

    1. Florian
      schrieb am 11. August 2010 um 12:39 Uhr (#)

      So wie ich das verstehe, will Google doch die Häuser in Street View früher oder später zur Litfaßsäule 2.0 machen und mit Werbung versehen. Das wär doch sehr wohl ein Geschäftsmodell.

    2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 11. August 2010 um 12:43 Uhr (#)

      Das sehe ich angesichts der aktuellen Debatte maximal als Wunschtraum an ;)

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 11. August 2010 um 12:02 Uhr (#)

    Na wenn ich schon Google rate, Street View in Deutschland aufzugeben, muss ich das irgendwie wirtschaftlich begründen.

    Ansonsten: Erzähl das alles nicht mir, sondern den Kritikern ;)

    1. Marc
      schrieb am 11. August 2010 um 12:05 Uhr (#)

      naja, dann rate doch nicht dazu ;-)

  3. Micha
    schrieb am 11. August 2010 um 12:03 Uhr (#)

    Ich würde eher sagen: Google, mach es in Zukunft besser!

    Eigentlich habe ich nichts gegen Google Street View. Im Gegenteil es ist eine tolle Sache und ich freue mich auch ein wenig, wenn der Dienst in Deutschland zur Verfügung steht. Wenn ich in den Urlaub fahre schaue ich gerne mal wo mein Hotel ist, welches Restaurant in der Nähe ist und ob es sich lohnt vielleicht ein paar Straßen zu laufen. Mich stört aber die Inkonsequenz mit der Google mit Datenschutz umgeht. Ich habe einfach keine Lust vor meinem Haus dabei erwischt zu werden wie in die Hecke meines Nachbarn pinkel nur weil Google “vergisst” mein Gesicht zu retuschieren.

    1. Oliver Springer
      schrieb am 11. August 2010 um 21:56 Uhr (#)

      @Micha: Deiner Argumentation könnte man entgegenhalten, dass Menschen, die in aller Öffentlichkeit in die Hecke ihrer Nachbarn pinkeln, an den Internet-Pranger gestellt gehören. Dann sind auch Deine künftigen Nachbarn gewarnt und wissen, dass ein In-die-Hecke-von-Nachbarn-Pinkler in ihre Straße gezogen ist.

    2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 11. August 2010 um 22:05 Uhr (#)

      lol der war gut!

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 11. August 2010 um 12:08 Uhr (#)

    Mhh ich hoffe du bist dir bewusst darüber, dass derartige Beispiele einfach zu sehr den Eindruck machen, an den Haaren herbeigezogen zu sein. Mal davon abgesehen, dass du dein Geschäft ja wohl nicht mit dem Gesicht zur Straße erledigst ;)

    1. Micha
      schrieb am 11. August 2010 um 12:21 Uhr (#)

      Wenn du wüsstest… :D
      Nein…natürlich mache ich so was nicht. Ein wenig drastisch ausgedrückt, zugegeben. Aber ich möchte bei überhaupt nichts “erwischt” werden. Und es gibt ja mittlerweile genügend Beispiele von Leuten die bei irgendwas zu sehen sind.

    2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 11. August 2010 um 12:23 Uhr (#)

      Ich würde deinen Kritikpunkt nachvollziehen können, würden die Aufnahmen regelmäßig stattfinden. Aber es geschieht doch nur ein einziges Mal.

      Wenn vor deinem Haus ein Unglück passiert, ist es am nächsten Tag auch in der Zeitung – und du mit drauf, in unvorteilhafter Poste ;)

    3. Micha
      schrieb am 11. August 2010 um 22:05 Uhr (#)

      @Oliver: Und danach Fußfessel und Sicherheitsverwahrung? :D

  5. Jott
    schrieb am 11. August 2010 um 12:21 Uhr (#)

    Ich schätze, viel mehr als nur 1 Prozent freuen sich auf street view. Das Thema wird in den Medien und der Politik viel zu sehr aufgebauscht und viele Mitbürger sind eher durch fehlende bzw. falsche Informationen regelrecht aufgehetzt.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 11. August 2010 um 12:21 Uhr (#)

    Es ist immer so schwierig, Ironie bzw. absichtliche Über- oder Untertreibungen schriftlich verständlich zu machen ;)

  7. Friederike Lanzsch
    schrieb am 11. August 2010 um 12:48 Uhr (#)

    Das wirklich Nervige ist, dass die Diskussion sich seit Monaten im Kreis dreht. Es ist ja nun bereits JEDES irgendwie mögliche Argument mehrfach gebracht worden. Und man diskutiert und diskutiert und verschwendet Zeit und Energie und keiner rückt von seiner Position ab.
    Insofern hast Du wahrscheinlich Recht, dass google besser daran tun würde, sich einfach aus diesem zähen Streit zu entfernen und sich auf andere Projekte zu konzentrieren.

    Ich persönlich finde Streetview klasse und hatte schon viel Spaß dabei, frühere Wohnorte von mir und von Freunden virtuell zu besuchen. Und ich fühle mich nicht belästigt, wenn ich mich in der Öffentlichkeit bewege und jemandem einmal vor die Linse laufe. Öffentlichkeit ist Öffentlichkeit, ob das nun 10 anwesende Menschen sehen oder einer 2 Jahre später in Honululu ist doch egal. Aber auch dieses Argument ist ja nun schon zur Genüge geäußert worden…

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 11. August 2010 um 14:41 Uhr (#)

      Im besten Fall würde die Ankündigung eines Rückzugs die Fronten entschärfen und eine Art “man könnte ja etwas verpassen”-Gefühl bei den Kritikern auslösen.

      Im schlechtesten Fall wäre es endgültig. Aber ich glaube nicht, dass dies für Google (wirtschaftlich, strategisch) ein großer Verlust wäre.

    2. Friederike Lanzsch
      schrieb am 11. August 2010 um 15:59 Uhr (#)

      Denkst Du? Ich denke, die Kritiker würden sich über ihren Triumph freuen und fertig.

      Wenn es kein Verlust für google ist, dann stellt sich natürlich die Frage: Wer (und vor allem: mit welchen Motiven) will da mit dem Kopf durch die Wand? Jetzt wird noch für eine Printkampagne Geld ausgegeben… http://carta.info/32102/

  8. Meeresbiologe
    schrieb am 11. August 2010 um 14:08 Uhr (#)

    Bei solchem Affenzirkus fragt sich, ob das Internet wirklich schon vollends in der größten Wirtschaftsnation Europas angekommen ist.

  9. Wolf
    schrieb am 11. August 2010 um 14:50 Uhr (#)

    Herrliche Pressemitteilung der FDP zum Thema: http://liberale.de/Presse…/index.html?id=14145

    Google soll also die Routen mit Datum und Uhrzeit veröffentlichen, so dass die Leute – die sich ja stets minutengenau erinnern können, wann sie wo langliefen – schauen können, ob sie abgelichtet wurden. Dass Google die Gesichter von Personen ohnehin anonymisiert, wird verschwiegen.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 11. August 2010 um 17:02 Uhr (#)

      Irgendwie scheinen alle immer zu vergessen, dass man in vielen anderen Situationen auch unwissentlich auf Fotos landet, die irgendwo veröffentlicht werden.

  10. Wolfgang
    schrieb am 11. August 2010 um 16:01 Uhr (#)

    Ich freue mich auf Google-Street-View und finde es oberpeinlich, wie gegen Street-View Stimmung gemacht wird.

  11. C.K.
    schrieb am 11. August 2010 um 17:12 Uhr (#)

    Ich wüsste nur zu gern, wie die Stimmungslage in der Bevölkerung wirklich ist.
    Als ich für den BR als Experte in einer Live-Sendung war, war nur etwa ein Viertel der Anrufer kritisch. Hatte eigentlich einen Sturm der Entrüstung am Telefon erwartet.
    Kann es sein, dass der Sturm auf Street View vorwiegend in den Medien stattfindet?

  12. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 11. August 2010 um 17:14 Uhr (#)

    Das ist definitiv nicht auszuschließen. Immerhin sind es Medien + Politik, die derzeit den größten Kontrollverlust (u.a. durch Google) erleben. Ein Motiv gibt es also.

  13. Oliver Springer
    schrieb am 11. August 2010 um 22:08 Uhr (#)

    Google (und im Wechsel damit Facebook) sind derzeit einfach so in der Schusslinie, dass es ziemlich egal ist, ob eine ernste Gefahr besteht oder nicht.

    Allerdings ist die “Netzgemeinde” oft nicht besser. Wenn zum Beispiel irgendein Vorschlag mit Namen wie Wolfgang Schäuble oder Ursula von der Leyen in Zusammenhang steht, ist man genauso unreflektiert schon mal dagegen.

    Würde Google ein Telefonbuch drucken wollen, wäre die Aufregung kaum geringer.

    Stichwort Netzneutralität: Da versteht nur 1 Prozent der Bevölkerung überhaupt das Problem.

  14. Koriphäe
    schrieb am 11. August 2010 um 22:08 Uhr (#)

    Ich kann nur sagen, wer sich jetzt über Google Street View aufregt, ist einfach nur noch rückständig. Es gibt für Deutschland schon lange so Dienste wie Bing Maps mit der Vogelperspektive, das Kölner Start-Up Sightwalk (www.sightwalk.de), oder Geolokalisierte Bilder und Panoramafotos über Google Earth oder 360cities (http://www.360cities.net/?lang=de). Insofern finde ich diese ganze aufgebauschte Sommerlochdebatte über Google Street View einfach nur lächerlich. Es gibt schließlich auch eine Digitale Öffentlichkeit zu verteidigen, und des kann ich nur Sascha Lobos Idee eines Google Street View Widerspruch Widerspruches unterstützen.

  15. Boris
    schrieb am 11. August 2010 um 23:48 Uhr (#)

    Früher haben FACHzeitschriften über neue Computer, Handies und Online-Dienste berichtet. Heute tun es bei den Tageszeitungen häufig Redaktoren, die meinen ein Fachwissen zu besitzen, weil sie Google auch benützen oder ein Handy haben – in der Regel aber keine Ahnung haben. Und alle schreiben sie einander ab, weil sie eben doch überfordert sind, was eigenes zu schreiben.

    Die aktuelle Street-View Polemik ist wieder so ein Beispiel… Es gibt Dutzende andere in den letzten paar Wochen:

    - Die Privatsphäre bei Facebook (häufig von Leuten geschrieben die wohl noch nie auf Facebook waren, Gott bewahre)
    - iPhone 4 Ankündigung (man könnte meinen es gäbe kein anderes Smartphone. Was neues hat man nie erfahren)
    - iPhone 4 Antennenprobleme (ich hab eins, merke praktisch nichts davon. Hat sich (vor dem Launch in D-CH-A) jemand die Mühe gemacht zu testen? In der Schweiz nur die GRATISzeitschrift 20 Minuten)
    - Android wird iPhone überholen (Ja logisch! Ist aber auch ein frei erhältliches Betriebssystem welches alle Hersteller installieren können. Alles andere wäre ja peinlich. Birnen mit Apple verlgeichen…)
    usw…

    Die Spitze ist dann noch, dass Politiker und Verbände genauso überfordert sind wie die abschreibenden Redaktoren – und dann kommt es soweit, dass z.b. der Schweizer Konsumentenschutz von den Anbietern verlangt, vor dem iPhone zu WARNEN. Es gäbe ja weiss Gott genügend Geräte, vor welchen die Konsumenten gewarnt werden sollten – das iPhone gehört doch eher nicht dazu…

    Die Street-View Diskussion in Deutschland (und vorher in der Schweiz) ist wieder genau dasselbe. Viel Polemik – wenig Sachverstand und völlig überbewertet.

  16. Marko
    schrieb am 12. August 2010 um 07:34 Uhr (#)

    Googles Vorgehensweise ist durch das Gesetz von der Panoramafreiheit erst einmal legitimiert: was von öffentlichen Verkehrswegen aus sichtbar ist, darf ohne Genehmigung fotografiert und veröffentlicht werden. (das mit den öffentlichen Verkehrswegen ist tatsächlich wörtlich zu nehmen)

    Dagegen steht das Recht des Eigentümers an seinem Grundstück und dem daraus resultierenden Hausrecht, die Persönlichkeitsrechte der Bewohner und, wie bei Wikipedia zu lesen ist, Sicherheitserwägungen.

    Die jetzt von Google eingerichtete Möglichkeit zum Widerspruch gegen die Abbildung liegt also voll auf Linie (auch wenn man über den Zeitpunkt und die Dauer der Frist sicherlich Schlechtes sagen kann – ich denke aber, das man auch später noch Widerspruch einlegen kann und der dann auch Anwendung finden.)

    Was aber aus meiner Sicht gar nicht geht, wenn die Leute, die rechtmäßig Widerspruch eingelegt haben, hinterher im Netz am Pranger stehen!

  17. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 12. August 2010 um 07:51 Uhr (#)

    @ Boris
    Ich wünschte mir, die angesprochenen Personen würden einen Blick auf Kommentare wie deinen werfen!

    @ Marko
    Da hast du schon recht. Extreme Haltungen auf der einen Seite führen eben in der Regel zu entsprechend überspitzten Reaktionen auf der anderen Seite.

  18. Daniel Bergmann
    schrieb am 12. August 2010 um 09:17 Uhr (#)

    Google photographiert ja bei Street View auch private Grundstücke und möchte damit (zumindest langfristig) Geld verdienen. Warum sollte man als Eigentümer eines Hauses also Google dies gestatten, ohne irgendeine Vergütung?
    Klar Facebook verdient auch mit meinen Daten Geld. Dies bin ich aber willentlich eingegangen, da ich die Funktionen von Facebook nutzen wollte. Wer das nicht möchte, nutzt es nicht und hat eben die freie Entscheidung.
    Diese Entscheidung hat man ja bei Google erstmal nicht. Zwar habe ich Street View noch nicht genutzt (kann sich in Zukunft durchaus ändern) aber es gibt auch noch genug Personen die entweder keinen Internetanschluss haben oder mit solchen “Spielereien” nichts am Hut haben.
    Warum sollten also diese Personen, die keine Nutzer von Street View sind, Privates an einen Konzern mit Milliarden-Umsatz verschenken?
    Ich habe kein Problem in der Öffentlichkeit auf Fotos zu erscheinen und mein Haus ist sicherlich nichts besonderes, aber ich sträube mich einfach dagegen, etwas an eine Aktiengesellschaft zu verschenken.

  19. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 12. August 2010 um 09:21 Uhr (#)

    Was wird denn “verschenkt”? Nochmals: Heute kann dein Haus auch einfach so auf der Titelseite einer gewinnorientierten Tageszeitung abgedruckt werden, die damit Geld verdient.

    Warum immer dieses Messen mit zweierlei Maß?

    1. Daniel Bergmann
      schrieb am 12. August 2010 um 09:51 Uhr (#)

      Nur um sicher zu sein: Ich habe kein Problem für eine Leistung zu zahlen. Eine Suchanfrage “bezahle” ich ja auch mit meinen Daten (und wenn es nur der Suchbegriff ist).

      Das eine Tageszeitung mein Haus abphotographieren darf und es außerhalb einer Nachricht als Werbeanzeige verkaufen darf war mir neu. Wenn dem so ist, finde ich das genauso ungerecht und würde fragen warum ich an eine Tageszeitung Privates verschenken sollte.

    2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 12. August 2010 um 09:56 Uhr (#)

      Na schlag doch mal eine Zeitung auf. Überall hast du Fotos, auf denen auch Gebäude im Hintergrund sind. Würdest du das tatsächlich verbieten wollen?

      Hauser gehören nun einmal zum öffentlichen Raum. Entweder, man verbietet ALLEN, diese aufzunehmen, oder niemandem. Mal so mal so geht einfach nicht.

    3. Daniel Bergmann
      schrieb am 12. August 2010 um 10:14 Uhr (#)

      Meldungen/Artikel usw. bilden ein gewisses öffentliches Interesse ab. Die Häuser die bei einem Foto über z.b einen Unfall im Hintergrund stehen gehören einfach dazu.

      Wenn Street View eine digitale Verlängerung dieses öffentlichen Interesses ist, dann stellt sich die Frage, ob die Abbildung des Eigentums vergütet werden sollte natürlich nicht.

      Ist Street View ein “Wikipedia” für Straßen und Gebäude und hat damit einen quasi öffentlichen Auftrag” oder ist es nur ein Produkt ähnlich einem Computerspiel, einem Grafikprogramm oder ähnlichem.
      Ich habe keine Angst davor, dass Google/Microsoft o.ä. Unfug mit meinen Daten treibt (besonders bei so unsensiblen wie mein Haus). Ich frage mich nur ob damit ein öffentliches Interesse/Öffentlichkeit vertreten wird oder ob Goolge für die Ressourcen für sein Produkt (ähnlich einem Industrie-/Konsumgut) zahlen müsste.

    4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 12. August 2010 um 10:54 Uhr (#)

      Sagen wir es so: Ich finde die Frage nach einer Zahlung von Google für das Recht der Aufnahme grundsätzlich legitim.

      Aber: Wieso wurde dies nicht bereits vor zwei Jahren von Politikern gefordert, als Pläne zur Street-View-Lancierung in DE bekannt worden? Das ist ein enormes Versäumnis.

      Und: Dazu fehlt mir das juristische Know-how, um beurteilen zu können, inwieweit die Aufnahme des öffentlichen Raumes durch ein gewinnorientiertes Unternehmen mit Lizenzzahlungen verbunden sein kann oder nicht. Da müsste dann natürlich eine Grenze gezogen werden.

      Und zuletzt: Sollte man nicht Nutzen und Kosten/Risiken bei Innovationen abwägen? Der Nutzen von Street View ist druchaus gegeben. Risiken sehe ich hier entgegen aller Kritiken einfach keine. Nada. Nichts. Insofern ist es primär eine Diskussion um Prinzipien. Und da frage ich mich, ob es wert ist, sich als Gesellschaft eine Möglichkeit wie Google Street View entgehen zu lassen, weil man auf Prinzipien verharrt, die zudem in einer Zeit gebildeten wurden, in denen die Rahmenbedingungen in Deutschland andere waren.

      Mein persönliches Fazit ist: Die deutschen Bürger gewinnen sehr viel mehr durch Street View, als sie “verlieren” bzw. aufgeben müssen. Und insofern halte ich die Debatte und Blockadehaltung einiger für unangemessen. Zumal unklar ist, wie die Haltung gegenüber Street View in der Bevölkerung wäre, würde es nicht ein enormes Medien- und Politikerecho zu dem Thema geben, das natürlich die Meinung der breiten Masse beeinflusst.

  20. Chris
    schrieb am 12. August 2010 um 09:42 Uhr (#)

    @Boris: Jap genau so siehts aus!

    Finde die Debatte echt überzogen. Wer von den Kritikern hat denn bei Bing sein Haus aus der Vogelperspektive nehmen lassen? Bing ist nicht Google und deshalb ja nicht “Böse”, aber es kann auch niemand Google etwas böses nachsagen oder?
    Ein Datenleck oder vergleichbares hatte Google noch nie und das ist mit das wichtigste für das Unternehmen. Wenn man das vertrauen in die Datensicherheit von Google verliert ist es nicht schwer anstelle von Google.de einfach bing.de einzugeben und damit zu suchen, nur für Google wäre es ein riesiger finanzieller Schaden wenn das plötzlich alle machen, deshalb hüten die auch Ihre Daten wie ein gewisser Hersteller sein Cola rezept.

    Ich glaub mehr als 90% die sich über Streetview ärgern nutzen am selben tag noch google als Suchemaschine oder um eine Route mit Maps zu berechnen aber beschweren sich dann das Google so viele Informationen hat…warum hat Google die nur?!

    Es gibt auch unzählige Unternehmen die W-Lans Scannen, nur die sind nicht so groß wie Google und deshalb ja egal… nur was die mit den Daten machen weis auch niemand!

    Finde diese Debatte vollkommen überzogen und freu mich auf Streetview, bin schon gespannt wo ich mein Auto finde ;)

  21. wolfgang
    schrieb am 12. August 2010 um 09:42 Uhr (#)

    Ist vielleicht untergegangen, aber SPON hatte gestern einen ziemlich streeview-freundlichen Kommentar auf der Startseite:
    http://spiegel.de/politik…,1518,711309,00.html
    Und dass SPON das heute zum Topthema macht, kann man der Redaktion denke ich nicht anlasten. Der aktuelle Aufmacher bildet auch nur die aktuelle Aufregung den politischen Affenzirkus ab.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 12. August 2010 um 09:46 Uhr (#)

      Ja, das war dann aber erst Abends.

      Heute früh begrüßte mich erneut ein Street-View-Diss ganz oben bei SPON.

      Aufgabe von Journalisten ist es nicht nur, einfach stumpf die Äußerungen von anderen wiederzugeben, sondern sie einzuordnen und daraus ein sachliches, objektives Bild zu gestalten. Ein Artikel, der 10 Kritiker und 0 Befürworter zu Wort kommen lässt, ist somit in meinen Augen das gleiche, wie wenn Redakteure selbst einen kritischen Kommentar schreiben würden.

  22. wolfgang
    schrieb am 12. August 2010 um 09:56 Uhr (#)

    Kann man so sehen.
    Aber gibt es denn irgendeinen Politiker, der sich momentan traut, sich für Street View einzusetzen? Sogar die FDP schreit ja empört auf.

  23. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 12. August 2010 um 10:55 Uhr (#)

    Es gibt ja auch Befürworter außerhalb der politischen Sphäre ;)

  24. wolfgang
    schrieb am 12. August 2010 um 12:21 Uhr (#)

    Schön dazu die Meinung der Piratenpartei:

    Standpunkt der Piratenpartei zum Thema Google Street View

    …an diesem Punkt wird aktuell gearbeitet…

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 12. August 2010 um 13:12 Uhr (#)

      Die überlegen sich wohl noch, welchen Standpunkt sie vertreten ;)

  25. Carsten
    schrieb am 12. August 2010 um 15:34 Uhr (#)

    Nachdem ich gerade mit der Wohnungssuche beschäftigt bin, kann ich mich gar nicht genug auf Street View freuen – fürs Ausland nutze ich das schon seitdem es Street View gibt, und sei es nur um mal die Lage eines Hotels zu checken, etc etc. In Paris, Amsterdam, überall problemlos möglich. Mann was hätte ich mir gewünscht auch in Berlin mal vorher sehen zu können ob ich in die Strasse überhaupt ziehen will, wo die Wohnung sich so toll anhört. Unglaublich wie sich Kleinkariertheim, Blogosphäre und die Holzmedien über so einen banalen Service ereifern können. Hallo, Fotos von öffentlich zugänglichen Gebäuden!!! Ist ja nicht so, also ob’s das nicht schon ca. seit Erfindung der Fotografie gäbe. Auch auf die Gefahr mir jetzt hier ein ordentliches Bashing abzuholen: diese Diskussion ist so furchtbar deutsch und letztes Jahrhundert dass man gar nicht so viel fressen kann wie man k***en möchte. Vorreiter in der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts wird Deutschland bei diesen ganzen Bedenkenträgern jedenfalls so nicht.

    1. Gregor
      schrieb am 13. August 2010 um 11:09 Uhr (#)

      Seh ich genauso.
      Es macht mich traurig so anders zu sein als der Rest der Deutschen. Ich halte Street View im Übrigen nicht für 1% interessant sondern für 99%.

      Die 1% sind deutsche Datenschützer mit der “provinziellen Furcht vor der allgegenwärtigen Öffentlichkeit – und in einer offenen, global vernetzten, kommunikativen Welt nicht zeitgemäß.”

  26. textkoch
    schrieb am 13. August 2010 um 12:57 Uhr (#)

    Merkwürdig an der Diskussion finde ich, das z.B seit Jahrzehnten an anderer (privater) Stelle völlig unbeachtet von Poltik und Öffentlichkeit viel systematischer und weitreichender Gebäudedaten gesammelt werden. Nur eben nicht mit Fotos und für jedermann zugänglich.
    http://geografitti.de/201…-statt-fotosammlung/

  27. peter
    schrieb am 14. September 2010 um 07:04 Uhr (#)

    Hallo,
    ich finde streetview nicht gut.
    Jetzt werden häuser mit vertreterbesuchen überhäuft ( Fenster,Türen, Fasaden,Pflasterarbeiten, Dachsanierugen)
    ist google daran beteiligt? Mein nachbar und ich haben unsere häuser unkenntlich machen lassen.
    aber warum muß man sich abmelden ?
    Sonst haben wir für alles Datenschützer nur jetzt greift keiner ein.
    unsre Politiker waren die ersten die Ihre häuser unkenntlich machen lassen, warum haben sie es dann zugelassen.
    Ich werde alle Dienste von Google nicht mehr nutzen ob Suchmaschine, Routenplaner oder was noch alles kommt !!
    Ich hoffe es werden noch mehr so denken !
    Das geld was google für diese Aktion ausgibt, hätte doch für andere Zwecke gespendet werden können, es gibt auch hier in Deutschland genug Elend und Armut.

    peter

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