WikiLeaks setzt auf Flattr:
Des einen Freud ist des anderen Freud

WikiLeaks testet Flattr, um nicht nur von Spenden abhängig zu sein. Was ein smarter Schritt für WikiLeaks ist, könnte gleichzeitig den Durchbruch für Flattr bedeuten.

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WikiLeaks braucht Geld. Daran hat sich auch durch die jüngste Aufmerksamkeit nichts geändert. Im Gegenteil: Durch den Besucherandrang sowie die mit Spannung erwartete Veröffentlichung neuer Geheimdokumente dürfte der Mittelbedarf des Whistleblower-Portals sogar noch zunehmen.

Bisher hat sich die Plattform ausschließlich über Spenden finanziert. Doch in Zukunft könnte eine weitere Erlösquelle das Fortbestehen von WikiLeaks sichern helfen, nämlich Flattr. TechCrunch Europe-Chef Mike Butcher vermeldet in einem Artikel, dass WikiLeaks ab sofort bei Flattr ist, und verlinkt auf dieses Flattr-Profil.

Auf den WikiLeaks-Seiten selbst scheint zwar bisher kein entsprechender Button integriert worden zu sein, aber der sonst bei Flattr-Accounts nicht vorhandene Hinweis “Account verified” deutet auf die Echtheit des Kontos hin, das aktuell lediglich die Afghanistan-Dokumente als Flattr-Objekt enthält. Diese können nun von Nutzern des sozialen Micropaymentdienstes durch einen Klick mit einer Spende versehen werden. Zur Stunde des Schreibens zählt der Eintrag bereits über 300 Flattr-Klicks.

Dass WikiLeaks mit dem Einsatz von Flattr experimentiert, ist nicht verwunderlich. Beide Angebote liegen, was ihre Philosophie betrifft, nicht weit voneinander entfernt. Zudem hat WikiLeaks seinen formellen “Sitz” im selben Land wie Flattr, nämlich Schweden. Eine weitere Verbindung besteht über die schwedische Piratenpartei, die vor wenigen Tagen WikiLeaks angeboten hat, mit technischer Infrastruktur auszuhelfen. Die “Piratpartiet” – die sich in Schweden nebenbei als Provider betätigt – unterstützt seit einigen Wochen auch den Betrieb der Torrent-Suchmaschine The Pirate Bay. Deren Mitgründer Peter Sunde ist einer der zwei Köpfe hinter Flattr.

Spannend ist der Einsatz von Flattr nicht nur aus Sicht von WikiLeaks, sondern auch hinsichtlich der Aufmerksamkeit für das Micropayment-Startup. Während Flattr speziell in der deutschen Blogosphäre erfolgreich gestartet ist und mindestens einem Nutzer bereits Monatsumsätze im vierstelligen Bereich einbringt, bedarf es einer sehr viel größeren Verbreitung des Dienstes, um über den aktuellen Hype hinaus als verlässliche Refinanzierungsform für Onlineinhalten in Frage zu kommen.

Besonders wichtig ist, dass Flattr nicht nur von Usern eingesetzt wird, die Content publizieren und somit Geldgeber und -nehmer gleichermaßen sind, sondern dass eine steigende Zahl von Anwendern über Flattr eine kleine monatliche Summe an die Ersteller guter Inhalte übermittelt, ohne selbst mit Flattr Einnahmen erzielen zu wollen.

Wenn das derzeit stark von der medialen Aufmerksamkeit profitierende WikiLeaks tatsächlich im großen Stil auf Flattr setzen würde, wäre dies nicht nur ein innovativer Ansatz zur Existenzsicherung für WikLeaks (ungeachtet der Höhe der Summe, die sich damit erzielen lassen würde), sondern womöglich auch der Durchbruch für Flattr. Davon wiederum würden vor allem diejenigen profitieren, bei denen Flattr momentan am stärksten verbreitet ist, nämlich Blogs und Long-Tail-Angebote.

Und sofern der Flattr-Account nicht von WikiLeaks sondern von Flattr selbst angelegt wurde, ist dies sicherlich der beste Weg, um WikiLeaks auf Flattr als zukünftigen Partner aufmerksam zu machen.

Ein aktuelles Interview mit Peter Sunde von Flattr gibt es bei netzpolitk.org.

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2 Kommentare

  1. Walter
    schrieb am 3. August 2010 um 22:14 Uhr (#)

    WikiLeaks wäre bestimmt ein sehr gutes Sprungbrett für den englischsprachigen Markt.

    Ich habe soeben Robert Scoble auf Flattr aufmerksam gemacht. Der sucht doch immer nach dem nächsten heissen Startup und hatte in seinem Blog scobleizer.com noch nichts über Flattr geschrieben.

    Er rühmt sich selber, Flipboard entscheidend mit hoch-gehyped zu haben.

  2. drui
    schrieb am 4. Dezember 2010 um 16:23 Uhr (#)

    Inzwischen sind vier Artikel geflattrt, die Afghanistan-Dokumente stehen bei fast 2300 Clicks und dürften einen neuen Rekord aufstellen.

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