Digitale Musik:
restorm.com will das
bessere MySpace werden

MySpace ist als Musikplattform nach wie vor beliebt, doch technisch nicht auf der Höhe. Das Schweizer Startup restorm.com will MySpace als internationale Community für Musikfans, Künstler, Labels und Veranstalter ablösen.

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Die Marktführerschaft unter den klassischen Social Networks musste MySpace an Facebook abgeben. Doch auch den Status als oberste Musikplattform hat MySpace nicht für immer gepachtet, selbst wenn aktuell noch viele namhaften Bands und Interpreten dort ein Profil betreiben.

Ein Blick auf den US-Dienst zeigt, dass er funktionell und technisch rückständig wirkt – und unaufgeräumt sowieso. Das Züricher Startup restorm.com jedenfalls sieht erheblichen Verbesserungsbedarf und hat es sich zum Ziel gesetzt, MySpace als die führende internationale Musik-Community abzulösen.

Bis zum Wochenende war restorm.com ein ausschließlich auf deutschsprachige Nutzer und primär auf das Heimatland Schweiz ausgerichtetes Social Network rund um Musik mit 16.000 registrierten Anwendern, 5.500 Bands und knapp 700 Labels, die auf der Site ein Profil eingerichtet haben.

Am Wochenende hat restorm.com einen Relaunch vollzogen und verleiht sich mit einer englischsprachigen und einer (in Kürze verfügbaren) französischen Version ab sofort nicht nur einen internationalen Anspruch, sondern präsentiert sich den Musikliebhabern und -machern auch mit einer komplett überarbeiteten Plattform und einer Reihe neuer Funktionen.

Nachdem ich mir restorm.com genauer angeschaut habe, kann ich mich dem Eindruck nicht erwehren, es handele sich um eine Mischung aus MySpace, Facebook, Twitter sowie einem beliebigen Streamingservice für Musik. Doch was wie Kritik klingt, meine ich eher als Kompliment, denn der Dienst versucht, von jedem der genannten Anbieter die besten Elemente auf seiner Plattform zu vereinen.

Mit MySpace hat restorm.com den Schwerpunkt gemein – eine Community für Musiker, Musikschaffende, Labels und andere Branchenvertreter. Optisch und funktionell hingegen lassen sich Parallelen zu Facebook ziehen. Während MySpace bekannt für seine unstrukturierte Oberfläche und chaotische, bunte Nutzerprofile ist, zeigt sich restorm.com in einem übersichtlichen, fokussierten Design ohne unnötiges Klimbim. Auch was Features betrifft, lässt Facebook grüßen: Jedes Profil hat eine Wall, einen Aktivitätsfeed sowie Tabs mit weiteren Funktionen.

Die partielle Nähe zu Twitter wird hingegen deutlich, betrachtet man das von restorm.com eingesetzte Netzwerk-Konzept: Denn statt wie MySpace oder Facebook vorrangig auf “Freundschaften” zu setzen, in deren Rahmen Mitglieder sich gegenseitig als Kontakte akzeptieren müssen, baut restorm.com ausschließlich auf das von Twitter bekannte Follower-Prinzip. Jeder Nutzer kann beliebigen anderen restorm.com-Mitgliedern (Hörern, Bands, Labels, Veranstaltern) folgen und sieht deren Aktivitäten in seinem persönlichen Newsfeed.

Da restorm.com sich an alle Teilnehmer der Musikwelt richtet, bietet es je nach Anwendungsziel unterschiedliche Profiltypen: Neue Nutzer bekommen bei der Anmeldung ein Hörerprofil und können anschließend auf Wunsch Unterprofile für eine Band, einen Veranstalter oder ein Label anlegen. Auch das Verwalten mehrerer Profile ist möglich, manche Musiker spielen ja in mehreren Bands.

Jeder Profiltyp verfügt über spezielle Funktionen. Verananstalterprofile erlauben das Erstellen von Ausschreibungen (beispielsweise Gesuche für eine Vorband), Interpreten können Events erfassen, bei denen sie auftreten. Labels erhalten die Option, Bands hinzuzufügen, die sie unter Vertrag haben.

Eine Vorgabe für den Relaunch war es, Content-Objekte miteinander zu vernetzen und Filter anzubieten, um Musikfreunden einen bestmöglichen Überblick über das zu geben, was bei ihren Lieblingsbands-/labels los ist und was es in ihren bevorzugten Musikgenres Neues gibt. Fügt zum Beispiel ein Interpret ein Konzert zu seinem Profil hinzu, wird dies automatisch auf der Profilseite des Veranstaltungsortes aktualisiert. Mit Filtern können Nutzer ihren Newsfeed nach Aktivitäten aus der Umgebung und/oder aus einem bestimmten Genre feinabstimmen.

Eine Funktion, die an Musikstreaming-Dienste erinnert, ist der Player, der stets am unteren Seitenrand sitzt und das Abspielen von Titeln und Alben erlaubt, die Bands bei restorm.com hochgeladen haben. Der Player erlaubt unter anderem das Erstellen von Songlisten sowie das Abspielen von genre-spezifischen Channels.

Um sich als erste Adresse für Bands im Netz zu etablierten, erlaubt ihnen restorm.com das Einbetten der wichtigsten auf ihrem Profil enthaltenen Angaben und Aktivitäten als personalisierbares Widget auf externen Sites.

restorm.com in Bildern
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Ihr merkt es anhand der Beschreibung: restorm.com bietet eine Fülle von Funktionen, diverse Features habe ich nicht einmal erwähnt. Nicht immer ist ein derartiger Funktionsreichtum ein Vorteil für einen Webservice, da schnell das Gefühl entsteht, er soll zu eine eierlegenden Wollmilchsau werden – was selten erfolgreich verläuft.

Bei restorm.com jedoch habe ich nicht den Eindruck, Anwender würden mit Features überschüttet. Das Startup aus Zürich versucht, das gesamte Musikuniversum auf seiner Plattform abzubilden und auf sinnvolle Weise miteinander zu verknüpfen. Ich finde, dass dies gut gelungen ist.

Die Nutzung von restorm.com ist kostenlos, gleiches gilt für die “Business-Profile” für Musikschaffende. Das Geschäftsmodell basiert auf mehreren Säulen, angefangen von Onlinewerbung über Affiliate-Einnahmen bis hin zu für die Zukunft geplanten Premium-Features (z.B. einer White-Label-Lösung für das Widget) sowie einem Rightclearing-System, mit dem sich Werke beim Upload zu restorm.com bequem für die digitale Nutzung lizensieren lassen.

Das junge Unternehmen beschäftigt momentan 12 Mitarbeiter. Geschäftsführer und Mehrheitsaktionär Philippe Perreaux ist auch einer der treibenden Köpfe hinter dem Schweizer Arm des Creative-Commons-Projekts, das sich für die moderate Nutzung des Urheberrechts und die Wiederverwendbarkeit geistiger Werke einsetzt. Eine Berücksichtigung dieses Gedankens bei der Weiterentwicklung von restorm.com liegt auf der Hand, so Perreaux.

Mit der Site will er dabei mithelfen, dass Künstler wieder zum Zentrum des Musikkosmos werden – ein sympathisches und vor allem glaubwürdiges Vorhaben, mit dem das zum US-Medienriesen News Corp gehörende MySpace nur schwer konkurrieren können wird.

Überschneidungen gibt es auch mit anderen digitalen Musikdiensten wie Last.fm, SoundCloud oder Jamendo, die jedoch immer nur einen Teil des gesamten Musiksektors abbilden.

Link: restorm.com

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4 Kommentare

  1. Ivo
    schrieb am 3. August 2010 um 14:16 Uhr (#)

    Schönes Portal, aber das die Seite mit Safari so überhaupt nicht zu benutzen ist, sollte möglichst schnell behoben werden!

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 3. August 2010 um 14:22 Uhr (#)

    Bei mir in Chrome sieht’s gut aus. Aber ein Netzwerk mit kreativer (!) Zielgruppe ohne Safari-Support klingt in der Tat fatal.

  3. Markus
    schrieb am 3. August 2010 um 19:39 Uhr (#)

    Also mir gefällt das ganze gut. Kannte ich bis jetzt überhaupt nicht. Schön, dass sich auf dem Gebiet etwas bewegt. Hat auf jeden Fall viel Potential.

    Ich benutze auch Safari und bei mir läufts eigentlich rund. Ein paar Kleinigkeiten sind mir auch aufgefallen,aber ist ja erst seit ein paar Tagen in der Form online. Die werden wohl in der ersten Woche noch ein paar Fehler beheben, wie das halt so ist.

  4. Dave
    schrieb am 4. August 2010 um 11:28 Uhr (#)

    Mir persönlich gefällt restorm auch. Habe es auch vor einiger Zeit entdeckt und gesehen das Medien sogar Bands nur vorstellen, wenn diese bei restorm.com vertreten sind!! Ich denke da befindet sich noch einiges im Aufbau, da noch nicht alles sauber funktioniert. Aber es kommt gut!

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