Keine Zusatzgebühr für UMTS-Gespräche:
Danke Skype!

Skype beerdigt Pläne, für mobile VoIP-Gespräche über UMTS eine Zusatzgebühr zu verlangen. Zugleich veröffentlicht es eine neue Version seiner iPhone-App, die jetzt auch Multitasking beherrscht.

Es ist kein gutes Gefühl, von einem bis dato sehr geschätzten Webservice enttäuscht zu werden, der trotz Kritik von außen Veränderungen am Produkt durchsetzt, die sich ganz offensichtlich negativ auf die Nutzungsszenarien auswirken und die die Intentionen des Geldverdienens zu sehr vor die Interessen der Nutzer setzen. Im schlimmsten Fall nimmt dadurch die Loyalität zu einem Dienst Schaden – so ging es mir beispielsweise im Bezug auf Facebook.

Skype, der über 560 Millionen User zählende VoIP-Service, scheint einen solchen Fehler nicht begehen zu wollen und kündigte gestern an, seine Pläne für eine Zusatzgebühr für UMTS-Gespräche ad acta zu legen.

Entsprechende Überlegungen äußerte Skype Ende Mai parallel zur Veröffentlichung der langersehnten Funktion für die Skype-iPhone-App, Gespräche über mobile Datennetze führen zu können. Bis dahin war der Einsatz von Skype auf dem iPhone lediglich über WLAN-Verbindungen möglich. Das Unternehmen kündigte an, nach einer mehrmonatigen Testphase eine Zusatzgebühr einführen zu wollen, ließ allerdings eine endgültige Entscheidung offen.

Angesichts der etwas zaghaften Formulierungen vermutete ich damals, dass Skype den Plan noch einmal überdenken könnte und womöglich lediglich die Reaktionen auf die Ankündigung testen wollte.

Nun also ist klar, dass Skype-Telefonate von Mobiltelefonen über UMTS auch in Zukunft keine zusätzliche Gebühr nach sich ziehen werden – eine Entscheidung, die man nur begrüßen kann. Als offizielle Begründung nennt Skype die Veränderungen in der Mobilfunklandschaft sowie den Trend zu volumenbasierten Datentarifen und unterstreicht seine Vision, den Service so gestalten zu wollen, damit ihn Anwender noch länger und häufiger einsetzen können.

Ich habe vor einigen Tagen mein erstes Skype-Telefonat vom iPhone via UMTS geführt und war überrascht von der akzeptablen Gesprächsqualität – kein Vergleich mit dem, was ich bisher von Fring auf dem iPhone kannte, wo nach meiner Erfahrung kein Gespräch ohne eine Zeitverzögerung von ein bis zwei Sekunden von statten ging.

Alle iPhone-Besitzer mit der neuen, multitasking-fähigen iOS Firmware 4 können die Skype-App nach einer Aktualisierung ab sofort auch im Hintergrund laufen lassen, während sie mit ihrem Mobiltelefon andere Dinge erledigen. Sobald ein Anruf eintrifft, meldet sich die Applikation. Auch kann die Anwendung während eines laufenden Gesprächs geschlossen werden, um beispielsweise eine E-Mail oder eine Telefonnummer zu suchen oder etwas im Web zu recherchieren.

iOS 4 sowie einen UMTS-Tarif ohne allzu niedriges Datenlimit vorausgesetzt, könnte Skype damit für manche Nutzer zu einer echten Alternative zu herkömmlichen Mobiltelefonaten werden – erst recht, wenn man über SkypeIn eine Festnetznummer an sein Skype-Konto gebunden hat, deren Anwahl für Anrufer in den meisten Fällen günstiger ist als ein Telefonat auf die Handynummer.

Da ich mein iPhone 3G nicht auf iOS 4 aktualisiert habe (und Multitasking sowieso nicht funktionieren würde), konnte ich das neue Multitasking-Feature bisher nicht testen. Über Erfahrungsberichte von Lesern, die es bereits ausprobiert haben, freuen wir uns.

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2 Kommentare

  1. wtfunblockeduii
    schrieb am 22. Juli 2010 um 09:21 Uhr (#)

    UMTS-Skypen war ja schon vor dem Update möglich.
    Ich habe mich gestern nach dem Update von einem Freund anrufen lassen und muss sagen: Ich bin begeistert. iPhone-Nutzer können untereinander quasi umsonst telefonierene, sofern UMTS oder WLAN in der Nähe ist.

  2. Son of a Bit
    schrieb am 22. Juli 2010 um 12:43 Uhr (#)

    Bisschen Off Topic, aber Facebook hat schon von jeher seine Monetarisierungsinteressen über die Interessen der Nutzer gestellt. Das ist ein strukturelles Problem, da der Fokus auf der Generierung von Massen liegt und nicht im Wert den jeder einzelne erfährt. Eyeballs == Knatze, die Monetarisierungsmodelle mit Werbung bauen eben darauf die Daten von Nutzern so gut es irgendwie geht auszunutzen und zu verwerten. Insofern ist der Satz “… und die die Intentionen des Geldverdienens zu sehr vor die Interessen der Nutzer setzen.” schon etwas merkwürdig.

    Das ist jetzt nichts Neues, wurde aber durch den Umbaus der TOS nur noch offensichtlicher. Ich kann nicht verstehen, dass Leute einem Dienst persönliche Daten geben, dessen einziges Ziel in der rücksichtslosen Ausnutzung dieser liegen muss, mangels alternativer Einnahmequellen. Peter Thiel im Board, na herzlichen Glückwunsch.

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