PirateISP:
Die schwedische Piratenpartei
wird zum Internetprovider

Die schwedische Piratenpartei startet mit PirateISP einen eigenen Zugangsanbieter. Der verspricht einen anonymen Zugriff aufs Web.

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Zwischen Internetprovidern, Konsumenten, Webfirmen, Inhalteanbietern, Rechteinhabern und nicht zuletzt der Politik besteht seit langem ein komplexes Spannungs- und Abhängigkeitsverhältnis. Ursprünglich ging es ja lediglich um eine herkömmliche Geschäftsbeziehung zwischen Verbrauchern, die ins Netz wollten, und Zugangsanbietern, die dies gegen Entgelt ermöglichten.

Doch mit der Etablierung des Internets als neues Massenmedium entstanden vielschichtige Interessen bis dato außenstehender Parteien. Heute geht es um Fragen der Netzneutralität, um den Status des Internet als Grundbedürfnis und Bürgerrecht, um die Bewahrung von Recht und Ordnung in der digtalen Welt sowie um die Existenz- und Verlustängste der Kreativwirtschaft.

Kurzum – alle Beteiligten haben ihre eigenen Wunschvorstellungen, auf welche Art sie an der Gestaltung, Monetarisierung und womöglich auch Kontrolle der Websphäre teilhaben möchte. Eine zentrale Rolle nehmen jedoch fast immer die Provider ein, die einerseits versuchen, ihre Kunden vor Zugriffen von Außen zu schützen, anderseits aber über die Weiterentwicklung ihres eigenen Geschäftsmodells nachdenken.

Als wäre all das nicht schon komplex genug, erhält die netzpolitische Diskussion nun noch eine weitere, pikante Dimension – vorerst nur in Schweden, aber vielleicht irgendwann auch anderswo.

Die angesehene schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter berichtet heute, dass die schwedische “Piratpartiet”, das Vorbild für die deutsche Piratenpartei, ins Internetzugangsgeschäft einsteigt (übersetzter Link, Orginallink). Unter der Marke “PirateISP” (ISP steht für “Internet Service Provider”) betreibt die Partei seit kurzem einen Provider, der momentan mehrere hundert Kunden der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft LKF in der südschwedischen Universitätsstadt Lund mit Breitbandinternet versorgt – natürlich nach den Prinzipien der Piratenpartei, was unter anderem bedeutet, dass PirateISP-Kunden grundsätzlich anonym im Netz surfen.

PirateISP verwendet die Leitungen des Städtenetzbetreibers ViaEuropa, der auf seiner Site mit Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit pro Haushalt wirbt. Das vorläufige Ziel ist ein Marktanteil von fünf Prozent in Lund sowie die Etablierung in anderen schwedischen Orten. Zudem soll die ISP-Tätigkeit Gelder in die Kasse der schwedischen Piratenpartei spülen.

Ein Zugangsanbieter, der Piratenprinzipien folgt, Highspeed-Internet anbietet und mit den Einnahmen die Tätigkeit der Piratenpartei mitfinanziert? Der pure Albtraum für regulierfreudige Politiker und Interessenverbände der Medienwirtschaft. Ob ein solches Modell auch hierzulande realisierbar wäre?

Nachtrag: In Schweden ist es Internetzugangsanbietern nicht gesetzlich vorgeschrieben, IP-Adressen der Nutzer zu speichern (übersetzter Link).

Nachtrag 2: Die schwedische Piratenpartei unterstützt seit kurzem auch die populäre Torrent-Suchmaschine Pirate Bay mit technischer Infrastruktur.

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3 Kommentare

  1. Oliver
    schrieb am 19. Juli 2010 um 15:21 Uhr (#)

    Anonymer Zugriff?
    Nicht für lange. Da gibt’s doch schon ganz fix Klagen von mitbewerbern, sobald die das ernst nehmen und Kunden verlieren. Aber selbst das als Argument reicht nicht aus. 5% in Lund. Naja, ist auch nicht so dolle groß die Stadt.

    Ich bleib trotzdem mal hübsch bei Telia. Bin da super versorgt.
    Mvh

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 19. Juli 2010 um 15:38 Uhr (#)

    Naja, Piratebay gibt’s immer noch, trotz Klagen … ;)

    Zudem, warum bzw. gegen was sollten den Mitbewerber klagen, wenn ein Konkurrent einen anonymen Zugang anbietet?

  3. Dani Schenker
    schrieb am 19. Juli 2010 um 19:32 Uhr (#)

    Ganz einfach Martin. Die Klagen weil die anders sind… So was geht doch nicht ;-)

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