Spotify-Gründer Daniel EK:
“Die MP3-Datei ist zur URL geworden”

Die MP3-Datei hat ausgedient, Webadressen übernehmen die Aufgaben des populären Musikformats. Das glaubt Spotify-Gründer Daniel Ek.

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Gerade erst hat das MP3-Format seinen 15. Geburtstag gefeiert. Ob in zehn oder 15 Jahren aber noch jemand über den Jahrestag von MP3 berichten wird, steht in den Sternen. Daran zweifeln muss man, glaubt man den Worten von Daniel Ek, dem Gründer des angesagten Musikdienstes Spotify.

Der 27-Jährige, dessen Service trotz seiner Verfügbarkeit in nur sieben Ländern bereits die Herzen vieler Musikfans erobert hat und noch dieses Jahr eine US-Version starten möchte, gab dieser Tage im Gespräch mit der britischen Tageszeitung “The Daily Telegraph” folgendes prägnantes Zitat von sich:

“Musik muss wie Wasser sein. Sie muss überall sein. Wir müssen einsehen, dass es nicht mehr länger um MP3-Dateien geht. Die MP3-Datei ist zur URL geworden, mit deren Hilfe ich dir etwas schicken kann, was du dann anhören kannst.”

Daniel Ek
Daniel Ek
Die Verlagerung digitaler Musik von der eigenen Festplatte in die Cloud beobachten wir schon seit einiger Zeit. Das nahende Ende von MP3 und vergleichbaren Musikformaten wurde in diesem Zusammenhang bisher jedoch noch nicht ausgerufen (zumindest nicht öffentlichkeitswirksam).

Populäre Download-Shops wie iTunes oder Amazon MP3 setzen erfolgreich darauf, digitale Songs und Alben gegen Entgelt zum Download auf die lokale Festplatte anzubieten. Allerdings halten sich Spekulationen darüber, Apple könnte in Kürze eine Cloud-Variante von iTunes lancieren.

Spotify basiert ausschließlich auf Musikstreaming, eine lokales Musikarchiv ist für Nutzer von Spotify und anderer Streaming-Services also nicht mehr erforderlich. Jeder Spotify-Titel hat ähnlich wie ein YouTube-Video eine eigene URL, die sich an Freunde und Bekannte verschicken lässt. Daniel Ek glaubt, dass das Versenden von Musik zukünftig nicht mehr in Form von MP3-Transfers über Instant Messenger, E-Mail oder Onlinespeicherdienste geschieht, sondern ganz einfach per Spotify-URL.

Im selben Telegraph-Artikel ist auch zu lesen, dass Spotify mittlerweile eine halbe Million zahlende Abonnenten hat, die jeweils ungefähr zehn Euro monatlich berappen und damit den Dienst, der für alle anderen User in einer werbefinanzierten Version gratis ist, am Leben erhalten. Durch eine Reihe von Zusatzfunktionen wie mobile Apps versucht das Startup mit Sitz in Stockholm und London seit einiger Zeit, den Anteil der Premiumnutzer zu erhöhen. Dies wird aufgrund der hohen Lizenzabgaben allgemein als Voraussetzung für ein Funktionieren des Freemium-Modells bei einem Musikdienst angesehen.

Im April veröffentlichte Spotify einen überarbeiteten Desktop-Client, der den Service eng mit Facebook verknüpft und ein kollektiveres Musikerlebnis ermöglicht.

Bevor die URL das MP3-Format tatsächlich ersetzen können wird, muss Spotify aber erst einmal in weiteren Ländern starten. Zum Beispiel in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vorher wird das sicher nichts.

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9 Kommentare

  1. Marcel Weiss
    schrieb am 15. Juli 2010 um 14:24 Uhr (#)

    Dass der Gründer eines Streaming-Dienstes glaubt, dass Streaming die Zukunft ist, erscheint mir nicht sonderlich bemerkenswert.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 15. Juli 2010 um 14:28 Uhr (#)

    Bemerkenswert ist es, wenn jemand mit diesem Vorhaben erfolgt hat. Und ich glaube, das dies bei Spotify der Fall sein wird.

    Zudem ging es in der Streaming-Debatte bisher sehr wenig um die zukünftige Rolle von MP3. Insofern halte ich es durchaus für einen relevanten Gedankenanstoß.

    1. Marcel Weiss
      schrieb am 15. Juli 2010 um 14:46 Uhr (#)

      Streaming vs. MP3 bzw. lokales Abspeichern ist kein neuer Aspekt. Und natürlich ist das interessant. Aber nur, wenn man sich die Aspekte auch anschaut und diskutiert statt lediglich das “Mein Dienst ist die Zukunft”-Statement eines Unternehmers zu wiederholen. ;)

  3. Jan Christe
    schrieb am 15. Juli 2010 um 14:52 Uhr (#)

    Sehe ich ganz genauso wie Martin. Wenn man einen Dienst wie Spotify nutzt, merkt man ziemlich schnell, wie viel Power die Tatsache bietet, dass man Musik via URL ganz einfach weiterreichen kann, sie mit anderen teilen und sich darüber austauschen kann. Dadurch ergeben sich letztlich völlig neue Ansätze für verschiedenste Zugänge zur Musik (siehe https://www.spotify.com/int/about/resources/). Und nicht zuletzt auch neue Wertschöpfungsketten.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 15. Juli 2010 um 14:54 Uhr (#)

    @ Marcel
    Manche Zitate sprechen einfach für sich. Da muss man kein Buch draus machen ;)

  5. zatrix
    schrieb am 16. Juli 2010 um 08:35 Uhr (#)

    Das mag wirklich die Zukunft sein, aber nicht kurzfristig.
    Solange ich hier in Deutschland nicht wirklich eine Flatrate ohne Volumenbegrenzung nutzen kann, will ich meine Musik lieber physisch auf meiner Platte haben. Und es geht weiter, in vielen Ballungsräumen habe ich heute immer noch nicht ständig 3G. Und das bei dem oder einem der besten Netze. Das spricht für mich auch dagegen.

  6. JackFuchs
    schrieb am 19. Juli 2010 um 13:01 Uhr (#)

    Es wird so kommen, ob es nun Spotify oder ein noch zu gründender Dienstleister ist, dürfte in den Sternen stehen. Größtenteils hängt das natürlich wieder an den Labels, die da immer Ihr Autogramm drunter setzen müssen. Mainstreamfähig ist dieses Business definitiv. Als Beleg dafür, kann man auch die Aktivitäten seitens Apple betrachten. Da wird, wie bereits beschrieben, schon bald etwas Ähnliches aus der Traufe gehoben.

    Für Audiophile sind diese Streaming-Dienste allerdings und aktuell nichts. Meine Sammlung an Lossless-Audio-Dateien wird so schnell kein Dienstleister ersetzen können oder wollen. Was allerdings ich und auch Andere als “Pro-Premium-Abo” positiv begrüßen dürften.

  7. Matthias
    schrieb am 22. Juli 2010 um 13:38 Uhr (#)

    ich habe bisher lieber meine Musik auf meinem Laptop bzw. MP3 Player. Ich habe ehrlich nicht das verlangen mir eine UMTS Flat und ein entsprechendes Telefon zu kaufen, nur um damit mobile Streaming Dienste zu nutzen. Ich weiß ja nicht, wie lange die Batterie eines Telefons hält, wenn ich jeden Tag 3-5 Stunden Musik höre. Und ständig an die Steckdose hängen ist ja auch nicht soo toll.
    Außerdem befürchte ich, dass man auf diesen Plattformen nur Musik von größeren Labels finden wird. Den ganzen Rest, den man so über Mayspace, Last.fm und unzählige Blogs findet werden dort wohl eher nicht vertreten sein, oder?

  8. JackFuchs
    schrieb am 3. August 2010 um 15:57 Uhr (#)

    http://news.cnet.com/8301-13579_3-20012445-37.html

    Wenn überhaupt, wird es noch Jahre dauern bis die Musikindustrie einsteigt. Wie bereits von mir angedeutet, die Label sitzen am Hebel… So lange da keine positive Stimmung herscht, wird die mainsteam-fähige MP3-Datei auch nicht zur URL.

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