Hot Potato:
Wie Twitter, nur ohne
Links und Meinungen

Hot Potato setzt auf die bei Twitter in den Hintergrund getretene Fragestellung, was Nutzer gerade machen, und aggregiert die populärsten Aktivitäten.

Als Twitter im Jahr 2006 das Licht der Welt erblickte, drehte sich alles um die Frage “Was machst du gerade?” Doch mit zunehmendem Wachstum des Dienstes übernahmen die Nutzer die Kontrolle über die Anwendungszenarien und publizierten vermehrt Statusmeldungen darüber, was sie denken oder welchen Artikel sie zuletzt für lesenswert hielten.

Irgendwann folgte das Startup aus San Francisco dem unaugesprochenen Wunsch der Anwender und machte aus der zentralen Frage “Was machst du gerade” ein “Was gibt’s Neues” bzw “What’s happening”.

Der New Yorker Service Hot Potato ist der Überzeugung, dass trotz dieser Transformation weiterhin Bedarf an einem Webangebot besteht, das Nutzern explizit und öffentlich darüber berichten lässt, was sie gerade machen. Bis vor wenigen Wochen fokussierte sich der Service auf Veranstaltungen, doch mit einer neuen Version erweiterte er kürzlich seinen Horizont und positioniert sich nun für Web- und iPhone-Anwender als DIE Applikation, um ihre Follower über Aktivitäten und nichts als Aktivitäten zu informieren.

Hot Potato auf dem iPhone
Hot Potato auf dem iPhone
Im Gegensatz zu Twitter werden bei Hot Potato die Updates der Nutzer aggregiert. So war eine der angesagtesten Aktivitäten gestern Abend das WM-Halbfinale Deutschland gegen Spanien mit 82 Usern, die Zeugen der Niederlage des deutschen Teams wurden. Zum jeweiligen Zeitpunkt populäre Tätigkeiten werden prominent dargestellt, hier reicht ein Betätigen des “me too”-Buttons, um zu signalisieren, dass man sich der selben Sache widmet.

Vertreibt man sich hingegen die Zeit mit etwas weniger Angesagtem, kann man dies über eine Liste von Verben sowie eigene Ergänzungen deutlich machen und als Status-Updates publizieren. Aktivitäten lassen sich gleichzeitig bei Facebook und Twitter veröffentlichen, über die iPhone-Anwendung kann zudem bei foursquare eingecheckt werden.

Wie bei anderen Check-In-Anwendungen üblich werden Nutzer bei fleißiger Verwendung mit verschiedenen Auszeichnungen belohnt. Jeder Hot Potato-User erhält eine öffentliche Profilseite mit den jüngsten Aktivitäten (hier ist meine). Wer die iPhone-App verwendet, kann sich per Push-Mitteilung über Updates der Freunde auf dem Laufenden halten.

Ich habe Hot Potato, das eine Anmeldung via Facebook Connect erlaubt, seit zwei Wochen im Testeinsatz und eine gewisse Sympathie für den Dienst entwickelt. Nicht dass er mir bisher irgendeinen nennenswerten Nutzen gebracht hätte, aber das lässt sich ja ohnehin von den wenigsten Check-In- und Location-Apps sagen. Dennoch macht Hot Potato Spaß, was zum Teil auf das sehr nette Design zurückzuführen ist. Auch mag ich es, meine Facebook-Kontakte gelegentlich via Hot Potato über Aktivitäten zu informieren, statt dafür über Facebooks eigene Site/App zu gehen.

Welches mittelfristige Potenzial ein Service wie Hot Potato besitzt, ist unklar. Durch die Aggregation der Nutzeraktivitäten könnte das Angeobt ein Gradmesser für die Popularität von Events, Hobbys und anderen Zeitvertreiben werden. Dafür wäre allerdings eine aktive und große Nutzerschaft Voraussetzung.

Ob die vergleichsweise kleine Gruppe an Anwendern, die sich für derartige, zumindest am Anfang eher dem Selbstzweck dienende Social-Web-Tools erwärmen kann, aber noch Muße für eine weitere Check-In-/Microblogging-App hat, bleibt abzuwarten.

Link: Hot Potato

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4 Kommentare

  1. Klaus Wolfrum
    schrieb am 8. Juli 2010 um 09:57 Uhr (#)

    Generell halte ich den Ansatz “wo wirst Du sein” und nicht nur die Statusmitteilung für das “jetzt” für vielerlei Einsatzmöglichkeiten sehr interessant, z.B. Event-based

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 8. Juli 2010 um 10:03 Uhr (#)

    Vielleicht kennst du es schon, aber sonst check mal Plancast.

  3. Klaus Wolfrum
    schrieb am 8. Juli 2010 um 11:16 Uhr (#)

    Danke! Bisher noch nicht näher angesehen, soeben geändert;-) Vom Ansatz richtiger Weg. Es fehlt zwar noch die Durchdringung (zuimdest in DE, wir haben von 2000 twitter-Followern gerade mal 10 Überschneidungen), aber das kann ja noch werden… genauso wie die wichtige DE-Sprachversion.

    Es fehlt bei all diesen Diensten meist (immer) jedoch die Bereitstellung einer Import-Möglichkeit fürs sharing, z.B. einen Button “plancast this”, den man auf anderen Seiten (Kalendern) in die social bookmark-Leiste einbetten könnte. Werde das mal in deren suggestion-Box eintüten…

  4. René
    schrieb am 14. August 2010 um 16:38 Uhr (#)

    Ich lese die Testberichte hier sehr gerne und stelle mir nach dem Bericht von Friendticker die Frage, ob Hot Potato wirklich in Facebook übernommen wird. Ich benutze zur Zeit Foursquare und seit heute zum testen auch Friendticker. Leider bin ich von beiden nicht wirklich überzeugt und irgendwie fehlt noch das sogenannte ‘I-tüpfelchen’ Der Gedanke, die Idee finde ich genial, aber noch ausbaufähig. Ich werde nun mal hot Potato testen und sollte dieser Dienst wirklich eines Tages bei Facebook zu finden sein, wäre er mit Sicherheit von heute auf Morgen die Nummer 1. Also, abwarten…

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