Facebook Credits:
Der Weg zur Webwährung

Die Vision ist bekannt: Eines Tages könnten Facebook Credits zu einer bedeutenden virtuellen Währung fürs Web werden. Es scheint, als beschleunige Facebook sein Credits-Vorhaben.

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Dass Facebooks hauseigene Währung “Facebook Credits” eines Tages zu einem bedeutenden virtuellen Zahlungsmittel im Web werden könnte, darüber wird schon sehr lange spekuliert. Im Vergleich zu anderen Projekten des Social Networks wie den Open-Graph-Funktionen oder dem anstehenden Launch ortsbezogener Features hält sich die (mediale) Aufmerksamkeit für Credits aber noch einigermaßen in Grenzen.

Ein Grund dafür könnte sein, dass Facebook die Ausweitung des Credits-Programms recht vorsichtig angeht und momentan Applikationen auch den Einsatz alternativer virtueller Währungen erlaubt. Mittelfristig verfolgt CEO Mark Zuckerberg jedoch das eindeutige Ziel, Facebook Credits als DIE Zahlungslösung für alle Transaktionen auf der Facebook-Plattform zu etablieren.

Erstrebenswert ist dies für Facebook auch deshalb, weil das Unternehmen 30 Prozent der mit Credits erzielten Umsätze einbehält. Regeln Anwendungen den Transaktionsprozess hingegen auf andere Weise, geht Facebook leer aus. Credits sorgen somit einerseits für Unmut bei App-Entwicklern, könnten aber durch das Vorhandensein einer universellen Facebook-Währung die Bereitschaft der Nutzer zum Erwerb von virtuellen Zahlungsmitteln erhöhen und somit letztlich doch positive Auswirkungen auf die Umsätze und Gewinne haben.

Facebook selbst erwartet vorerst keine direkten Profite aus dem Geschäft mit Credits. Ethan Beard, Director des Entwicklernetzwerks bei dem US-Dienst, verweist im Interview mit VentureBeat darauf, dass sämtliche mit Credits generierten Umsätze direkt in das Produkt investiert werden.

Offenbar sieht man bei Facebook die virtuelle Währung also erst mittel- bis langfristig als eine tragende Säule des Geschäftsmodells, deren Aufbau man sorgfältig und nicht überhastet angeht. Etwas anders klingt dies jedoch aus dem Mund von Sean Parker, Managing Director beim Facebook-Frühphasen-Investor Founders Fund, der damit rechnet, dass Credits bis zum Sommer 2011 ein Drittel von Facebooks Umsätzen ausmachen werden.

In jedem Fall ist offensichtlich, dass das Social Network das Tempo bei der Entwicklung des Credits-Produkts in letzter Zeit deutlich angezogen hat, besonders in Hinsicht auf Partnerschaften. So wurde erst gestern eine Kooperation zwischen Facebook und dem malaysischen Zahlungsanbieter MOL bekannt gegeben, die unter anderem den Kauf von Facebook Credits in rund 500.000 Geschäften vorrangig in Asien und Australien ermöglichen wird. Facebook-Nutzer können so mit Bargeld Credits erwerben, die sie dann innerhalb des sozialen Netzwerks ausgeben.

Ebenfalls recht frisch ist die Ankündigung des Unternehmens Rixty, Betreiber eines unter anderem in US-Internet- und Spielecafés verbreiteten Automatens namens “CoinStar”, zukünftig den Kauf von Facebook Credits durch Münzeinwurf zu ermöglichen. Für Farmville-Zocker ohne Kreditkarte kann dies mitunter der einzige Weg sein, um sich das Saatgut für eine neue Kartoffelsorte zu finanzieren.

Facebook-Nutzer, die zwar gerne Credits hätten, aber nicht dafür bezahlen möchten, erhalten seit kurzem auch die Option, sich diese durch bestimmte Aktionen auf den Sites von Facebook-Werbepartnern (z.B. eine Registrierung oder die Bestellung eines Newsletters) zu verdienen.

Langsam aber sicher gewinnt die Facebook Währung, die von über 50 Anwendungsentwicklern in mehr als 100 Applikationen eingesetzt wird, an Bedeutung. Während die Kooperationen und Verbesserungen am Produkt mitunter nur geringe Folgen für wenige User haben, fügen sich die einzelnen Maßnahmen schrittweise zu einem großen Ganzen zusammen.

Spätestens wenn die ersten wirklichen Shopping-Apps oder die ersten externen, über Social Plugins bzw. Connect mit Facebook verknüpften Websites den Erwerb von physischen Produkten oder digitalen Inhalten abseits virtueller Güter anbieten sollten, erhalten Credits auch eine Bedeutung für alle die Mitglieder, die sich nichts aus Spielen machen – bisher gab es lediglich Tests in diese Richtung.

Egal wie man selbst zu Facebook steht: Eines Tages könnte der 500 Millionen User zählende Internetkoloss tatsächlich DAS Zahlungsmittel im Netz bereitstellen. Oder womöglich sogar in der Welt?

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6 Kommentare

  1. Max
    schrieb am 8. Juli 2010 um 16:06 Uhr (#)

    Na dann bin ich mal gespannt, vor allem was für Finanzderivate dann darauf aufbauen werden. :-) Ich denke mal, da werden im Hintergrund viele Szenarien durchgespielt, wie man das alles bewerkstelligen falls es wirklich zu einer umfassenden Webwährung wird, was ja nicht nur Vorteile mit sich bringen würde.

  2. Das Wort
    schrieb am 9. Juli 2010 um 13:35 Uhr (#)

    Das wird nie und nimmer was.
    Wer zahlt schon gern freiwillig 30% mehr an Facebook, oder wer von den Unternehmern gibt freiwillig 30% seines Preises an Facebook ab ???
    Nee, sowas kann nie und nimmer Funktionieren, da sind Lösungen ala Pay-pal viel besser und viel billiger… ;-)
    Oder wenn Visa ein eigenes Online Tool entwickelt was dann jeder x-beliebige Shop einbauen kann, ist die Sache von Facebooks Traum schneller vorbei als sie je begonnen hat.

    1. tom
      schrieb am 10. Juli 2010 um 18:03 Uhr (#)

      Na ja, FB wird den Game Developern irgendwann sagen paypal etc gibts nimmer. Ab jetzt wird FB Credits verwendet und aus. Dann kann sich ein Spieleentwickler ja aussuchen ob er lieber 30% abgibt od. 100% des geschaefts weil die meisten sind ja auf gedeih und verderb vom FB abhaenig.

  3. Arno.Nyhm
    schrieb am 9. Juli 2010 um 18:43 Uhr (#)

    nun aber wenn du bei paypal ein wenig geld angesammelt hast (so ab 10.000 – 40.000 euro ) hast du die gefahr, dass paypal das geld einfriert… such mal im internet – bei den geschichten die dort erzählt werden kann man gar nicht glauben dass paypal ne banklizenz hat!!!

    unterschätze nicht die einfachheit der abwicklung durch facebook… schliesslich nimmt apple auch 30% vom appentwickler …. und beide verdienen gut daran.

    besser 30% vom umsatz abgeben als 0% umsatz haben, weil man einen bezahlanbieter hat dem keiner vertraut. wer überweist schon sein geld an irgend eine kleine popelige webseite?

  4. tom
    schrieb am 10. Juli 2010 um 18:05 Uhr (#)

    Ala long wird wohl FB auch ein Modell wie Flatr implementieren und das klicken von “likes” mit einer Geldzuwendung versuessen.

  5. Fabian
    schrieb am 11. Juli 2010 um 19:20 Uhr (#)

    Wäre schon interessant. Unter Umständen Onlinebezahlung so einfach wie machen wie ein Klick auf “Gefällt mir”. Keine Eingabe von Kreditkartennummer, Sicherheitscode und Adresse, sondern einfach auf “Bezahlen” klicken und fertig.

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