Muziic:
Mächtiger Musikdienst
mit ungewisser Zukunft

Muziic steckt die enorme Menge an YouTube-Musik in ein neues Gewand. Was das Vater-Sohn-Gespann hinter dem Dienst auf die Beine gestellt hat, ist beeindruckend.

Manche Musikangebote begeben sich auf den steinigen Weg der Verhandlungen mit den Plattenlabels. Andere verwenden einfach die YouTube-API (und weitere im Netz auffindbare Quellen), um von dort Videos und Songs zu beziehen und neu zu verpacken. Der zuerst genannte Ansatz ist aus Gründersicht zweifellos der nachhaltigere, doch Nutzern kann auch der zweite Weg viel Spaß bereiten. Wie Muziic verdeutlicht.

Muziic sammelt Songs und Alben von YouTube und bietet sie über eine elegante Oberfläche zum Streaming an. Titel lassen sich über eine zentrale, sehr schnelle Suchmaschine finden, aber auch über vordefinierte Kategorien und Toplisten zu Interpreten, Alben und aktuellen Hits.

Wer faul ist, kann aus Dutzenden Playlists wählen – von 80s über Beatles Radio bis hin zu christlichem Rock ist alles dabei. Die Bedienung ist intuitiv und erlaubt Drag’n'Drop. Songs lassen sich, sofern verfügbar, direkt über iTunes und Amazon MP3 erwerben.

Da YouTubes Fundus an Musikvideos im Prinzip unerschöpflich ist, gilt Gleiches auch für Muziic. Mit dem Unterschied, dass der US-Service, der von einem Vater-Sohn-Gespann betrieben wird, optisch sehr viel ansprechender daher kommt.

Ein schickes Design ist eine Sache. Was an Muziic aber am meisten beeindruckt, ist das Spektrum an Features, die Vater und Sohn rund um ihren Services anbieten. Neben der Website gibt es eine Windows-Applikation, die neben Streaming auch das Abspielen lokaler Musik erlaubt, eine Facebook-Applikation, eine iPhone- und sogar eine eigene iPad-App. Ein Mac-Client und eine Android-Variante von Muziic sind in Planung.

Und als wäre das alles nicht genug, enthält die Browservariante als Gimmick zwei virtuelle Plattenspieler, die über die Suchefunktion mit beliebigen Titeln bestückt werden und Mixe ermöglichen – ganz wie von realer DJ-Austrüstung gewohnt mit Crossfader, Scratch-Option und Loop-Funktion. Nur ein Beatcounter scheint zu fehlen. Der perfekte Partyspaß für alle, die einmal ihre DJ-Künste ausprobieren möchten.

Wie die zwei Muziic-Macher all dies selbst auf die Beine gestellt haben, ist mir ein Rätsel. Wir erleben so oft, dass von uns vorgestellte Startups aus Ressourcegründen die Entwicklung bestimmter Features oder Apps verschieben müssen. Und dann kommt das kleine Muziic-Team und präsentiert eine derartig mächtige “Suite” an Streaming- und Musiktools, die noch dazu gut aussieht und tatsächlich funktioniert.

Bleibt zu hoffen, dass all diese Arbeit nicht umsonst war. Denn womit sich das Muziic-Duo bisher nicht aufgehalten hat, sind zeit- und nervenraubende Gespräche mit der Musikindustrie. Doch genau das könnte ihnen zum Verhängnis werden. Während sie der Ansicht sind, nicht gegen geltendes Recht zu verstoßen, streamt Muziic eine Vielzahl von Songs, die von YouTube-Usern selbst hochgeladen wurden, und bei denen entsprechend unklar ist, inwieweit sie überhaupt bei Googles Videoportal gefunden werden dürfen.

Aber selbst, wenn Vater und Sohn irgendwann auf äußeren Druck hin ihre Schöpfung zu Grabe tragen müssten, so dürften nicht wenige Webanbieter Interesse daran haben, das talentierte und effiziente Duo anzustellen. Diese Chance sollte sich kein Startup entgehen lassen!

Mit YouTube Disco besitzt das Videoportal von Google seit einiger Zeit übrigens auch eine Funktion, um Musik besser zugänglich zu machen.

via TechCrunch

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9 Kommentare

  1. Andreas
    schrieb am 24. Juni 2010 um 13:51 Uhr (#)

    Na, das haste der GEMA aber jetzt lecker was zum Abmahnen vor die Füße geworfen. Wird wohl nicht mehr lange dauern, bis Muziic in Deutschland nicht mehr verfügbar ist bzw. bis sich der Dienst nicht mehr für User aus Deutschland lohnt weil fast alle Inhalte blockiert werden mussten. Und Grooveshark wird es irgendwann ähnlich gehen, kann mir nicht vorstellen, das die GEMA sich diese Abmahn-Einnahmequelle durch die Lappen gehen lassen wird. Es sei denn, die Betreiber dieser Dienste sind bestechlich und zahlen die horrenden GEMA-Abgabeforderungen…man kann ja mal hoffen! ;)

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 24. Juni 2010 um 14:42 Uhr (#)

    Du findest also, wir sollten nicht über bestimmte Dienste berichten, um sie zu schützen?

    Als US-Dienst dürfte die GEMA den Muziic-Machern ziemlich egal sein.

    1. Andreas
      schrieb am 24. Juni 2010 um 15:17 Uhr (#)

      Mein Kommentar war ein bischen ketzerisch, klar sollt ihr darüber berichten. Und den Muziic-Machern dürfte die GEMA egal sein, solange diese nicht mit Copyright-Klagen der GEMA konfrontiert werden, oder? Was aber dann wieder dazu führen würde, das auch dieser Dienst dann gezwungen wäre, Zugriffe aus Deutschland zu sperren, und dann wären wir mal wieder die Dummen….

  3. Christoph
    schrieb am 25. Juni 2010 um 09:35 Uhr (#)

    Dieser Dienst ist einer der innovativsten Musikdienste die ich kenne. Schon allein wegen dem angesprochenen Faktor, dass Muziic keine Verhandlungen mit den Plattenlabels nötig hatte. Im Übrigen hat Youtube bestätigt, dass das Handeln des Vater Sohn Gespannes legal ist. Also, damit haben sie wirklich eine großartige Idee in den Markt gebracht und, das sollte man denke ich noch erwähnen, sie haben mittlerweile auch, wie die großen Musikportale, eine IPhone und eine IPad App. Und Android kommt auch bald.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 25. Juni 2010 um 09:37 Uhr (#)

    Steht im Artikel ;)

  5. Andreas
    schrieb am 25. Juni 2010 um 10:45 Uhr (#)

    @Christoph: Trotzdem dürfte Muziic auch indirekt durch die GEMA und andere Organe reglementiert sein, denn was die User auf Youtube nicht anschauen/anhören dürfen, müsste dann wohl auch auf Muziic blockiert sein, oder? Trotzdem eine schöne Initiative der beiden Herren, vor der ich großen Respekt habe, wenn ich auch persönlich mit der schlechten Youtube-Audio-Qualität nicht viel anfangen kann…

  6. Christoph
    schrieb am 26. Juni 2010 um 16:29 Uhr (#)

    Mit der GEMA bekommen sie sicherlich die Probleme eher weniger. Viel mehr könnte ich mir das nur vorstellen mit ASCAP und BMI! Da die aber mit Youtube eine Übereinkunft haben, bekommt Muziic dadurch auch keine Probleme. Youtubes Anwälte haben das schon geprüft und herausgefunden, dass das legitim ist. Im Übrigen kannst du auswählen, welche Qualität abgespielt werden soll bei Muziic ;)

  7. Andreas
    schrieb am 27. Juni 2010 um 11:58 Uhr (#)

    @Christoph: Ich verwende den Webplayer, wo kann man denn da die Qualität einstellen?

  8. Andreas
    schrieb am 22. August 2010 um 12:16 Uhr (#)

    Inzwischen gibt es weitere neue Features von den beiden Muziic Machern zu vermelden: Zum einen wurde der Service “Muziic for Artists” in der ersten Ausbaustufe gelauncht, eine Lösung für Künstler, die damit ihre Videos auf Facebook präsentieren können (http://www.muziic.com/blog/?p=434). Zum anderen gibt es inzwischen “Muziic embed”, über das man den Muziic Player in die eigene Website integrieren kann (http://embed.muziic.com/).

    Respekt!

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