Studie zu Blogs:
Die Deutschen, kein Volk von Bloggern

Martin Weigert, 6. Juni 2010 11:35 Uhr, 16 Kommentare Kommentare

Eine Untersuchung von mehr als 100 Millionen Blogbeiträgen zeigt: Aus der USA kommen zwar die meisten Blogbeiträge, aber Blogging-Weltmeister ist dennoch ein anderes Land. Die Deutschen hingegen sind kein Volk von Bloggern.

Der kanadische Social-Media-Monitoring-Dienstleister Sysomos hat mehr als 100 Millionen Blogbeiträge aus seiner Datenbank hinsichtlich demografischer und geografischer Angaben analysiert. Neben der Alters- und Geschlechterverteilung ordnete das Unternehmen die Postings auch den Herkunftsländern der Blogger zu. Das Ergebnis zeigt, welche Länder die Blogosphäre dominieren:

Anteil der Blogbeiträge nach Ländern
Anteil der Blogbeiträge nach Ländern

Was die Sysomos-Statistik nicht verrät, ist das Verhältnis von Blogbeiträgen zur Einwohnerzahl der Länder. Dies ist jedoch schnell nachgeholt, und das Ergebnis hält einige Überraschungen bereit (Zahlen von Wikipedia):

Schweden ist damit unter den 15 Ländern mit den meisten Postings das weltweit führende Blogger-Land mit 218 Beiträgen pro 1000 Einwohner. Dahinter folgen Kanada, Großbritannien, die Niederlande und Australien. Die USA liegt im Mittelfeld mit 95 Blogpostings pro 1000 Einwohner, und das “alte Europa” – Frankreich und Deutschland – produzieren lediglich 44 bzw. 41 Beiträge pro 1000 Einwohner. Was zu der Frage führt: Warum nur?! An einer geringen Verfügbarkeit von Internetanschlüssen kann es definitiv nicht liegen.

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16 Kommentare

  1. Tom
    schrieb am 6. Juni 2010 um 11:57 Uhr (#)

    Vielleicht liegt’s an der großen Gefahr, abgemahnt zu werden, auch wenn man nur die eigene Meinung niederschreibt?

  2. Michael
    schrieb am 6. Juni 2010 um 19:19 Uhr (#)

    Vielleicht liegt es auch am demografischen Faktor?

    Mich würde auch interessieren was die Blogs an Themen behandeln. Politik, Privates, Geschäftliches, vielleicht kann man daraus auch interessante Schlüsse ziehen.

  3. Transport Haase
    schrieb am 6. Juni 2010 um 20:05 Uhr (#)

    Ich denke, dass das eine Mischung aus verschiedenen Faktoren ist. Das ist sicherlich auch die Angst, abgemahnt zu werden, meiner Meinung nach ist dieser Faktor aber ein eher geringer.

    Ich denke vielmehr, dass Blogs nicht dauerhaft bestehen bleiben, weil die Autoren irgendwann keine Lust mehr haben. Außerdem wollen viele mit Ihrem Blog Geld verdienen und merken schnell, dass das nicht so einfach ist.

    Aber der wichtigste Faktor ist nach meiner Meinung, dass das Durchhaltevermögen und der Wunsch nach einem Tagebuch im Internet zu gering sind.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 7. Juni 2010 um 06:55 Uhr (#)

    Es wäre äußerst traurig, wenn die Abmahngefahr tatsächlich eine Ursache für die geringe Blogging-Begeisterung wäre…

  5. Thomas Frütel
    schrieb am 7. Juni 2010 um 07:19 Uhr (#)

    Gibt es einen Grund, wieso China in der Sysomos Studie fehlt? Meines Wissens gibt es eine Unmenge chinesischer Blogger, die dürfen doch in so einer Erhebung nicht fehlen.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 7. Juni 2010 um 07:22 Uhr (#)

    China wird mit keinem Wort erwähnt. In der Tat kaum zu glauben… die Frage ist, ob Sysomos vielleicht nur die etablierten, “westlichen” Bloggingplattformen wie WordPress oder Blogger analysiert, und in China möglicherweise eine eigene Lösung verbreitet ist?

  7. Hendric
    schrieb am 7. Juni 2010 um 12:55 Uhr (#)

    Interessant wäre auch zu wissen, in welcher Sprache und zu welchen Themen in den jeweiligen Ländern gebloggt wird. Wer für ein internationales Publikum schreibt, wird mehr Aufmerksamkeit bekommen und so vielleicht auch mit einer höheren Frequenz schreiben und länger am Ball bleiben.
    Die Gefahr abgemahnt zu werden halte ich als Erklärung für die geringe deutsche Beteiligung doch für sehr gewagt. Es gibt schließlich genügend Möglichkeiten, einen Blog anonym zu betreiben.

  8. Chron2
    schrieb am 7. Juni 2010 um 13:15 Uhr (#)

    Komische Studie!

    Auch gibt es doch zig Blogs von Exil-Iranern auf persisch oder nicht?

  9. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 7. Juni 2010 um 13:52 Uhr (#)

    Da die Sysomos die Herkunft untersucht hat, dürften Exil-Iraner in der Statistik in das jeweiligen Aufenthaltsland fallen.

  10. Judith
    schrieb am 11. Juni 2010 um 19:05 Uhr (#)

    Vielleicht liegen die Wurzeln für die geringe Bloggeranzahl schon in unserer Schulzeit oder der späteren Ausbildung/Studium. Aus meiner Sicht wird man in der Schule nicht ausreichend motiviert zu schreiben. Vielleicht ist das in Schweden anders. Vielleicht wird dort die Kreativität mehr gefördert und deswegen auch mehr geschrieben.

  11. Gudrun
    schrieb am 12. Juni 2010 um 16:11 Uhr (#)

    Öhm, sorry, aber da hat sich ein schwerer logischer Fehler eingeschlichen. Sysomos hat die Blogposts analysiert, die mit deren Software erhoben wurden. Schon deren Statistik ist schierer Blödsinn, denn erhoben wurden nicht Blogs, sondern Posts, dann aber ist von der “total blogging population” die Rede. Die Alters- und Geschlechterverteilung nach Posts zu erheben mag ja noch sinnvoll sein, die Herkunftsverteilung gibt der Firma Auskunft darüber, wo ihre Kunden sitzen, da wäre aber eine Erhebung nach Blogs und nicht nach Posts sinnvoller gewesen. Daraus irgendwelche Schlüsse auf die internationale Blogosphäre zu ziehen, ist schlicht und ergreifend schwachsinnig.

    Das Ganze dann mit Einwohnerzahlen in Beziehung zu setzen ist der nächste Denkfehler. Auf 1000 Einwohner der Bundesrepublik Deutschland entfallen grob geschätzt ungefähr 41 Blogbeiträge von deutschen Bloggern, die Sysomos-Software verwenden und die für die Erhebung erforderlichen Angaben gemacht haben. Ist das irgendwie interssant? Eher nein, oder?

    Ich hab übrigens auch eine Weile gebraucht, bis ich draufgekommen bin, wo der Denkfehler liegt. Dass eine Firma ohne Not (d.h. ohne irgendwelchen Eigennutzen) derart hahnebüchenen Unfug öffentlich verbreitet, würde man ja erst erst mal nicht vermuten.
    Was mich aber sofort stutzig gemacht hat, sind die Zahlen in Martins Tabelle. 41 Blogposts auf 1000 Deutsche? Wieviele Posts hat ein Blog im Schnitt? Keine Ahnung, aber ich schätze mal, um die 100 müssten es schon sein. Selbst wenn’s nur 50 wären, dann hieße das immer noch, dass weniger als einer von 1000 Deutschen überhaupt bloggt.

    Dazu hier ein Lektüretipp: Walter Krämer: So lügt man mit Statistik. Das Buch ist nicht nur leicht verständlich, sondern auch wirklich amüsant zu lesen. Nach der Lektüre fällt man wohl nicht mehr so leicht auf krumme Statistiken rein – egal, ob sie mit Absicht getürkt wurden oder wie hier aus totaler Unkenntnis und Mangel an logischem Denkvermögen irgendwie zusammengewurschtelt.
    (Nur zur Vorsicht: Damit meine ich natürlich nicht Martin Weigert, sondern die Jungs (und Mädels?) von Sysomos.)

  12. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 12. Juni 2010 um 16:16 Uhr (#)

    Diese Untersuchung hat sicherlich ihre Schwächen, und die absolute Zahl von Blogposts pro Land ist in der Tat veränderlich, je nach Anzahl der untersuchten Posts oder des Zeitraums. Aber: Das ändert nichts am Verhältnis zwischen den Ländern. Letztlich geht es nur darum.

  13. Gudrun
    schrieb am 12. Juni 2010 um 18:09 Uhr (#)

    Aber genau da liegt ja der Hase im Pfeffer: Es ist eben nicht die absolute Zahl der Blogposts pro Land, sondern die absolute Zahl der Blogposts von Leuten, die Analysesoftware von Sysomos verwenden und ihr Alter und Geschlecht angegeben haben. Über die Blogposthäufigkeit pro Land sagt das absolut gar nichts aus, sondern nur darüber, dass die Software in Schweden offenbar viel beliebter ist als in Deutschland. Oder evtl. auch einfach nur, dass schwedische Sysomos-Anwender häufiger als deutsche Sysomos-Anwender ihr Alter und Geschlecht angeben.

    Das ist keine “Untersuchung” oder “Studie”, sondern vollkommen sinnloses Zeug. Ich weiß, der Artikel sieht danach aus, als wären die Daten so erhoben worden, wie du sie interpretierst – aber schau mal genauer hin, dann wirst du vermutlichh selber merken, dass das nicht stimmt.
    Nur deshalb, weil der ReadWriteWeb-Autor genauso drauf reingefallen ist wie du, wird es nicht richtiger.

    Bei jeder Statistik sollte man immer als erstes fragen: Woher kommen die Zahlen, sind sie überhaupt repräsentativ?

    Die absoluten Zahlen sagen in dem Fall sowieso gar nichts aus, das ist ein Sample. Im Hinblick auf Alters- und Geschlechterverteilung ist es vermutlich “reliable”, aber im Hinblick auf die Länderverteilung mit Sicherheit verzerrt, allein schon durch die Sprache. Deutsche Blogger neigen sicher eher dazu, deutschsprachige Tools zu verwenden. Aussagekräftig könnte es erst dadurch werden, dass man die Zahl der Blogposts pro Land nach der Zahl der Blogs pro Land gewichtet. Dann könnte man z.B. sagen: Schwedische Blogger bloggen häufiger als deutsche Blogger. Wäre zwar immer noch eine Aussage, die sich auf Nutzer von Sysomos-Software beschränkt, aber die Wahrscheinlichkeit einer Verzerrung ist da wohl eher gering.

    Wieviele Schweden oder wieviele Deutsche überhaupt bloggen, lässt sich anhand DIESER Daten überhaupt nicht sagen.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 12. Juni 2010 um 18:57 Uhr (#)

      Woher weisst du, wie Sysomos’ Datenbank zustande gekommen ist? Ich habe das in der Tat so interpretiert, als dass es sich um einen “zufälligen” Scan von 100 Millionen Blogpost handelt.

      Unabhängig davon bestätigt das Ergebnis offenbar das Bauchgefühl vieler, wenn man betrachtet, dass so ein Einspruch eine Woche später kommt…

      Persönlich halte ich übrigens Schweden tatsächlich für einen Kandidaten auf den Titel des Blogweltmeisters – ich wohne in Stockholm und Blogging ist tatsächlich extrem populär. Das nur als Randnotiz, was natürlich nicht automatisch die Richtigkeit der Studie belegt ;)

  14. Gudrun
    schrieb am 12. Juni 2010 um 19:37 Uhr (#)

    Woher weisst du, wie Sysomos’ Datenbank zustande gekommen ist?

    Steht im von dir zitierten Artikel:

    We thought it would be insightful to provide details about the blogosphere’s composition using data gathered using our social media monitoring and analytics platform.(Hervorhebung von mir.)

    Okay, hundertprozentig klar ist das nicht, aber einen anderen Hinweis auf die Datenbasis gibt es nicht. Wenn mein Schluss falsch ist, dann wissen wir eben überhaupt nicht, worauf die “Studie” basiert. Das würde sie noch sinnloser machen.

    Wenn du aus persönlicher Erfahrung die Schweden für Blogweltmeister-Kandidaten hältst, dann hat das tausend Mal mehr Aussagewert als eine methodisch total verkorkste Statistik.

    Ich kann ja verstehen, dass du beiläufige “Mhm, ja, find ich auch”-Reaktionen lieber siehst als einen fundierten Einwand, der droht, deine Argumentation wie ein Kartenhaus zusammenstürzen zu lassen, aber durchdachte Einwände helfen einem in der Regel weitaus mehr als gedankenlose Zustimmung.

    wenn man betrachtet, dass so ein Einspruch eine Woche später kommt…

    Was bitte hat das mit dem Aussagegehalt zu tun? Ich habe deinen Blogartikel erst heute gelesen. Andernfalls hätte ich ihn früher kommentiert. Oder denkst du etwa, die “Schwarmintelligenz” hätte sich früher zu Wort melden müssen, falls an der Sache wirklich was faul ist? Was schätzt du: Wieviele der täglichen Leser von netzwertig.com sind Statistiker? Einer? Drei? 0,7 Promille?

    Ich bin zwar keine Statistikerin, hab aber langezeit beruflich (als Sozialhistorikerin) viel mit Statistiken gearbeitet (auch selber welche erstellt), deshalb fällt mir sowas halt auf.

    Ah ja, übrigens neigen wir alle dazu, zu glauben, was unsere Meinung bestätigt … ;-)

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 13. Juni 2010 um 09:19 Uhr (#)

      Du hast mich missverstanden. Das war nicht ein Vorwurf an dich sondern eine Feststellung, dass alle anderen Leser vor dir offenbar ihr Bauchgefühl bestätigt sahen und keinen Einspruch erhoben haben ;)

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