Social Web:
Microsofts Hoffnung heißt
Windows Live Messenger

Microsoft will verlorenes Terrain im Social Web gut machen. Eine neue Version des Windows Live Messenger soll’s richten.

Vor drei Wochen berichteten wir exklusiv von Microsofts geplantem Google Buzz-Konkurrent. Die Details waren allerdings noch unklar.

Ein aktueller Eintrag im Windows Live-Blog bringt Licht ins Dunkel und verrät, mit welchem Dienst der Konzern aus Redmond das Social Web aufmischen will: Der Windows Live Messenger, Microsofts Instant Messenger, soll es richten und demnächst ordentlich aufgemöbelt werden.

Während in Deutschland das gerade von AOL an DST verkaufte ICQ den Instant-Messenger-Markt dominiert, ist der Windows Live Messenger (früher “MSN Messenger”) auf internationaler Bühne sehr erfolgreich:

Mehr als 300 Millionen Menschen weltweit verwenden das Programm für Chats mit ihren Freunden, 130 Millionen davon täglich, so Microsoft. 65 Prozent aller Internetnutzer in Brasilien und rund die Hälfte aller User in Spanien und Frankeich setzen den Windows Live Messenger ein.

Mit der kommenden Version des Dienstes will Microsoft Instant Messaging an das veränderte Umfeld anpassen. Dabei soll sowohl die Messaging-Funktionen verbessert, die Möglichkeit zum “Folgen” von Freunden bereitgestellt und der Service über zahlreiche Applikationen besser zugänglich gemacht werden.

Zur Weiterentwicklung des Instant Messagings will Microsoft das interne Teilen von Fotos und Videos, Video-Chats sowie die Integration von Spielen vereinfachen/verbessern, Suchergebnisse von Bing importieren und das Veröffentlichen von multimedialen Inhalten über Microsofts Webspeicherdienst SkyDrive, über Facebookan dem Microsoft beteiligt ist – und andere Plattformen ermöglichen. Auch eine Integration von Facebook Chat steht an – etwas, das andere Instant Messenger wie ICQ oder AIM bereits beherrschen.

Beim zweiten Punkt wird es interessanter: In der kommenden Version des Windows Live Messenger sollen Nutzer die Möglichkeit erhalten, den Dienst mit ihren existierenden sozialen Netzwerken zu verknüpfen, um immer auf dem Laufenden zu bleiben, was ihre Kontakte an anderer Stelle im Netz tun. Ziel ist es, Anwendern nur die relevantesten Updates ihrer wichtigsten Freunden zu servieren.

Erreicht werden soll dies durch einen aggregierten Stream aus eingehenden E-Mails bei Hotmail, Status-Updates von Facebook, neuen Dateien bei SkyDrive und Aktivitäten der wichtigsten Freunde bei “Hunderten von Websites”. Nach unseren Informationen ist mindestens ein deutscher Anbieter mit an Bord.

Nutzer werden ihre Lieblingskontakte taggen können, um deren Sichtbarkeit im Stream zu erhöhen. Status-Updates können aus dem Messenger heraus an andere Plattformen geschickt werden. Nach unseren Informationen werden auch zahlreiche deutsche Social-Web-Anbieter mit an Bord sein.

Windows Live Messenger mit aggregiertem Stream

Windows Live Messenger mit aggregiertem Stream

Um den Messenger besser zugänglich zu machen, soll er zukünftig direkt in Hotmail integriert werden – was vom Konzept her stark an die Integration von Google Buzz und Google Talk in Gmail erinnert. Außerdem sind eigene Messenger-Applikationen für verschiedene Smartphones sowie ein Add-On für den Internet Explorer geplant. Mit Hilfe von “Messenger Connect” lässt sich der Messenger zudem in externe Websites integrieren – Facebooks Social Plugins lassen grüßen.

Microsoft versucht mit seinem neuen Windows Live Messenger, Instant Messaging mit Lifestreaming, Social Networking und Microblogging zu verknüpfen und dabei durch das Priorisieren der wichtigsten Kontakte das Filterproblem des Echtzeitinternets zu lösen.

Dass dies für existierende Benutzer des Microsoft-Angebots willkommene Verbesserungen darstellen könnte, liegt – eine saubere und die Privatsphäre berücksichtigende Umsetzung vorausgesetzt – auf der Hand. Ob es Microsoft darüber hinaus gelingt, den Windows Live Messenger als ultimatives Werkzeug für die Verwaltung aller Social-Networking-Aktivitäten im Netz zu positionieren und ihn so auch für neue Nutzer attraktiv zu machen, bleibt abzuwarten.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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12 Kommentare

  1. Wenn es Microsoft nicht gelingt, den (wie auch immer betitelten) Messenger (endlich) im Social Web zu etablieren, dann war’s das mit Social Media für Microsoft.
    Wer so viele Fehler hintereinander im Social Web macht und (Stamm-)User massenhaft enttäuscht (denke an die ehemaligen Groups, Chats etc.), der muss sich nicht wundern…
    Abgesehen davon sind die Services von MS(N) viel zu unübersichtlich geworden. Was früher MS(N)s Stärke war (Einfachheit), machen heute andere viel besser – denn sie haben dazugelernt…im Gegensatz zu MS(N).

  2. Ich HOFFE, Microsoft platziert sich damit stabil im Markt und holt einen dicken Marktanteil.

    Nicht aus Freundschaft oder gar Sympathie zu MS, sondern aus dem Wunsch heraus, 2015 nicht global und exklusiv Hitler Zuckerberg ausgeliefert zu sein.

  3. Klingt grauenhaft überfrachtet. Ich mag meine Messenger schlank und frei von Firlefanz.

  4. Naja Wolf du bist aber auch eine ganz spezielle Userkategorie… :P

  5. Also ich denke, Microsoft wird damit einen ganz guten Erfolg haben. Man darf nicht erwähnen, wie’s hier schon steht: ICQ ist größtenteils in Deutschland so stark. International ist Windows Live eine gute und große Nummer. Mal abgesehen davon – Microsoft hat in letzter Zeit ordentlich aufgeholt bei Benutzerfreundlichkeit und auch Integration ins Web 2.0. Deswegen sollte man den Konzern nicht unterschätzen.

  6. Vllt die große Chance auch in Deutschland wieder Marktanteile zu gewinnen. Da ja ICQ nun evtl vor einer großen Veränderung steht kann man nicht genau sagen was mit diesem Dienst passiert, MSN könnte hier als zweitgrößte und bekanntester Messenger in Deutschland eine gute Position einnehmen. Vorrausgesetzt sie machen alles richtig…

  7. Jetzt fehlt noch OpenLiveID und gut ist.

  8. Also ich finde die ganzen Original Messenger einfach heute so nicht mehr Zeitgerecht. Es gibt inzwischen sehr gut Multi-Messenger, welche mit allen bekannten Protokollen umgehen können, und dabei mehr Komfort bitten als das Original es je könnte.

  9. Meiner Meinung hat Microsoft mit den bevorstehenen Veränderungen genau den richtigen Weg eingeschlagen. Instant Messaging wurde bei mir mehr und mehr durch diverese Netzwerke ersetzt, beides geschickt zu kombinieren könnte Erfolg haben.

  10. Also wir können klar sagen das der Messenger sehr stark angenommen wird, wir verzeichen deutlich mehr Windows Messenger Downloads als ICQ Downloads!

  11. orry, hatte sich ein Fehler eingeschlichen

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  1. [...] Wie Google rennt auch Microsoft allem ‘Sozialen’ hinterher. Neben dem Windows Live Messenger haben sie auf der Web 2.0 Expo nun auch einen eigenständigen Aggregator namens Spindex [...]