Check-In-Mania:
Shopotainment ist Foursquare
für Produkte

Bei Shopotainment können Nutzer Produkte “einchecken”. Doch ist das von mobilen Social Networks wie Foursquare eingesetzte Check-In-Prinzip tatsächlich beliebig übertragbar?

Shopotainment
Shopotainment
Wer heutzutage an einem neuen Webdienst arbeitet und um jeden Preis einen hohen Coolness-Faktor erzielen möchte, der nimmt ganz einfach eine beliebige Sache/Kategorie/Tätigkeit und kombiniert sie mit dem Check-In-Prinzip von Foursquare & Co. Nach dem “Einchecken” in Orte, Events und Fernsehsendungen folgt nun der Check-In für Produkte.

Shopotainment ist ein neuer Dienst aus Berlin in geschlossener Alpha-Phase, bei dem es darum geht, den eigenen Freunden zu zeigen, welche Produkte man gerade verwendet. Dazu wählt man aus einer vordefinierten Liste ein Produkt oder legt ein neues an. Anschließend gibt man an, was man gerade damit tut, fügt auf Wunsch einen ergänzenden Kommentar hinzu und betätigt den Check-In-Button.

Anschließend taucht die Aktion im persönlichen Shopotainment-Stream sowie im Newsfeed der eigenen Kontakte auf. Diese können Aktionen kommentieren und per Knopfdruck als positiv oder negativ bewerten. Wer will, kann zudem Fan von einzelnen Marken oder Produkten werden.

Die Idee, ein Social-Network/Microblogging-Dienst rund um Produkte zu bauen, ist grundsätzlich gut. Die enge Integration von Marken und Herstellern sowie die hohe Affinität der Zielgruppe für Gadgets und Brands dürfte das Akquirieren von Werbekunden zu einem Kinderspiel machen – vorausgesetzt natürlich, es gibt eine hinreichend große Zahl regelmäßiger Nutzer.

Bisher ist es jedoch noch keinem Anbieter gelungen, ein nutzerstarkes soziales Netzwerk rund um Produkte aufzubauen, trotz zahlreicher Versuche auch in Deutschland, z.B. produki (Review) oder Frents (Review). Ein “Facebook/Twitter rund um Produkte” gibt es aktuell noch nicht – außer vielleicht, es ist Facebook selbst. Nah kommt dem vielleicht auch noch Blippy, der umstrittene US-Dienst, bei dem User einen kontinuierlichen Stream ihrer Produktkäufe veröffentlichen.

Blippy wird von Nutzern direkt mit partizipierende E-Commerce-Seiten bzw. Zahlungsmitteln verknüpft, die dann automatisch den persönlichen Blippy-Stream befüllen, wenn ein Kauf durchgeführt würde. In Deutschland, wo Verbraucher- und Datenschutz höchste Priorität haben, wäre ein Dienst wie Blippy kaum vorstellbar.

Ein Angebot wie Shopotainment dürfte hierzulande prinzipell bessere Karten haben, da jede Aktion aktiv vom Nutzer durchgeführt werden muss. Das wiederum könnte gleichzeitig zur Achillesferse des Dienstes werden, denn ohne die regelmäßige Aktivität einer kritischen Masse von Anwendern würde es still bleiben bei Shopotainment.

Etwas skeptisch bin ich auch, was den Sinn von Produkt-Check-Ins betrifft. Wem bringt es etwas, wenn ich fünf Mal am Tag mein iPhone oder mein Notebook einchecke oder mich auf Shopotainment als Fan von HTC oder Brandt Zwieback oute?

Ähnlich wie beim deutschen Foursquare-Pendant Friendticker (Review) wird für Shopotainment vieles von den Anreizen abhängen, die Nutzer für ihre Check-Ins auf der Site erhalten. Schon jetzt gibt es Punkte für Aktivitäten, aber ohne tatsächliche monetäre Anreize wie Rabatte oder Goodies stelle ich es mir recht kompliziert vor, Anwender bei Laune zu halten bzw. Neunutzer anzusprechen. Oder wie sehen das die netzwertig.com-Leser?

Eine Integration von Facebook und Twitter soll bis zum Start von Shopotainment Anfang Mai fertig sein, um Check-Ins an den eigenen Social Graph zu übermitteln. Wer möchte, kann auf der Shopotainment-Website seine E-Mail-Adresse hinterlassen, um über den Fortgang der Dinge informiert zu werden.

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6 Kommentare

  1. Hank
    schrieb am 19. April 2010 um 18:02 Uhr (#)

    Hm… und wozu der ganze Aufwand? Wenn ich mit dem Iphone telefoniere, schreibe ich das ja da nicht rein…

  2. Nico Zorn
    schrieb am 19. April 2010 um 18:06 Uhr (#)

    Vielleicht in diesem Zusammenhang interessant: Eine Facebook Integration ist auf produki seit einigen Tagen online. Auf Wunsch können Nutzer neue Produkte, die sie besitzen oder mögen, automatisch in ihrem Social Graph auf Facebook veröffentlichen. In meinem privaten Blog habe ich kürzlich darüber geschrieben (inkl. Screenshot): http://nicozorn.com/2010/…it-facebook-connect/

    Die Pressemitteilung zum Start von Facebook Connect: http://openpr.de/news/419…-an-Facebook-an.html

    1. Carlo Pohlhausen
      schrieb am 20. April 2010 um 22:09 Uhr (#)

      Ein guter Zug, den frents natürlich schon beim Launch am 12. März gemacht hatte ;)

      Hier die Pressemitteilung vom 9. März:
      http://blog.frents.com/pr…ents_pm_09032010.pdf

  3. Thorsten
    schrieb am 19. April 2010 um 18:27 Uhr (#)

    finde ich auch etwas seltsam.
    Ich frag mich, was der Sinn dahinter ist.
    Da finde ich produki und frents besser. Die kann man wirklich gebrauchen. Aber das muss jeder selbst wissen.

  4. Sebastian Kurt
    schrieb am 21. April 2010 um 16:37 Uhr (#)

    Wir sind genauso gespannt wie ihr was das Nutzerverhalten in der Interaktion mit Produkten angeht und freuen uns auf eine rege Diskussion.

    Zur Sinnfrage haben wir uns kurz auf unserem Blog geäußert: http://blog.shopotainment.de/?p=490

    Produki und Frents bieten auch spannende Anwendungen rund um Produkte. Uns von den beiden abzuheben wird das Ziel der nächsten Zeit sein.

  5. roland
    schrieb am 30. April 2010 um 10:46 Uhr (#)

    Man kann sich bei einigen Projekten/Funktionen tatsächlich nach dem Sinn fragen. Meist zieht doch der Drang nach Selbstdarstellung die Nutzer… wenn man darauf aber nicht aufbaut, verfliegt so etwas aber auch wieder schnell.

    Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es eigentlich keinen Sinn macht an “facebook vorbei” eine eigene Community um Produkte herumzubauen. Daher versuchen wir verstärkt die Community-Aktivitäten an FB “auszulagern” und haben mit connect/App dazu die ersten Schritte gemacht. Auf der anderen Seite glauben wir aber auch nicht, dass sich jegliche Interaktion zwischen Nutzer und Produkten ausschließlich auf FB stattfinden muss und auf der F8-Konferenz sieht man ja auch wohin die Reise hingehen kann.

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