Erfolgreiche Startups:
Geheimzutat “Sexyness”

Es gibt viele Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg eines Startups entscheiden können. Am Ende muss ein neuer Dienst im Web aber auch eines sein: sexy!

Sexyness!
Sexyness!
Was macht ein neues Webunternehmen erfolgreich? Warum gelingt einem Service mit zahlreichen Schwächen der Durchbruch, während ein anderer trotz perfekter Performance und ausgeklügelter Funktionen keine nennenswerten Nutzerzahlen erreicht? Diese Frage stellt sich mir und anderen häufig.

Vor einigen Monaten versuchte ich mich bereits an einer Zusammenstellung von Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können. Aber mehr als eine Hilfestellung ist auch das nicht, und ein Garant für explosionsartiges Wachstum sowie sprudelnde Gewinne noch weniger.

Denn manchmal – oder eher häufig – fehlt es einem jungen, mit besten Voraussetzungen versehenen und mit einem guten finanziellen Polster ausgestatteten Angebot an dem, was ich als “die geheime Zutat” bezeichnen möchte: Sexyness. Damit meine ich nicht wenig bekleidete Frauen/Männer auf der Startseite – wobei das sicher auch manchmal helfen würde -, sondern die richtige Kombination aus Features, Positionierung, optischen Aspekten und Marketing-/PR-Aktivitäten, die zusammen den Dienst zu einem Gesprächsthema machen und bei den Nutzern für Begehrlichkeit sorgen.

Das Problem mit der Sexyness von Startups: Sie ist schwer greifbar, kaum erklärbar und lässt sich auch nicht einfach im Businessplan festhalten. Sie ist einfach da – oder eben nicht.

Als gute Beispiele fallen mir hier zum Beispiel Spotify und Google Wave ein: Obwohl Spotify in den USA (und auch in Deutschland) noch nicht verfügbar ist, können es viele führende US-Blogger kaum abwarten, bis der Streamingdienst für Musik auf der anderen Seite des Atlantiks startet. Und das trotz zahlreicher Alternativen mit ähnlicher Funktionalität wie Rhapsody, MySpace Music oder MOG.

Der gute Ruf eilt dem Dienst aus Stockholm voraus – in Ländern, in denen Spotify verfügbar ist, stehen die Nutzer für einen Invite Schlange, und hier in Schweden hat mittlerweile gefühlt jeder Mensch die Desktop-App von Spotify installiert. Spotify ist bei weitem nicht der einzige Musikdienst seiner Art, aber ganz einfach sexy. Was sicherlich auch der Grund ist, warum ich seit 2007 über ihn schreibe und ihn als ein mögliches “nächstes großes Ding” bezeichne.

Auch Google Wave hat zumindest in meinen Augen eine gehörige Portion Sexyness. Selbst wenn sich der Rummel um den Service in den letzten Wochen etwas gelegt hat, so haben sich bereits über eine Million Menschen einen Zugang zu dem Tool verschafft, das eigentlich momentan noch nicht viel mehr ist als ein Beispiel dafür, wie Kommunikation in Zukunft aussehen könnte. In dem Augenblick, in dem mich Kollegen oder Bekannte mit sehr geringer Weberfahrung fragen, ob ich denn schon Google Wave getestet hätte, weiß ich, dass der Dienst trotz Googles eigentlich eher technisch-rationaler Aura sexy ist.

Sowohl Spotify als auch Google Wave setzen auf ein Invite-only-System, was in der Tat bei richtiger Anwendung und genug Substanz die Sexyness erhöhen kann. Aber es geht auch ohne, wie beispielsweise Twitter zeigt. Auch Twitter ist sexy, selbst wenn dies meist erst erkannt wird, nachdem man sich mit dem Dienst einige Zeit beschäftigt hat.

Bester Beweis: Trotz exessiver Serverausfälle über viele Monate hinweg gelang es dem Startup aus San Francisco, den Social-Web-Olymp zu erklimmen. Ein Dienst ohne ensprechende Sexyness wäre bei einer derartig schlechten Erreichbarkeit, wie Twitter sie 2008 hatte, von den Nutzern abgestraft worden. Sie hätten einfach nicht so geduldig ausgeharrt.

Ich sehe hierbei auch einen Zusammenhang zur vergleichsweise bescheidenen Bilanz deutscher Startups auf internationalem Parkett: Deutsche Webdienste sind häufig einfach nicht sexy genug. Sie sind vielleicht auf dem Papier gut geplant und auch solide umgesetzt, aber es fehlt ihnen der Charme, die Coolness, ja die Sexyness, die Nutzer dazu bringen würde, über das Angebot unermüdlich zu sprechen.

Deutschland ist das Land der Dichter und Denker, das Land von Maschinenbau und Automobil. Bei lebensfroher Ausstrahlung, Leidenschaft für Ästhetik, überschwänglichem Selbstbewusstsein oder einem ausgeprägten Faible für Marketing denken die meisten eher an andere Länder.

Es ist sehr schwer, zu beschreiben, wie ein Startup sich des Themas Sexyness annehmen kann. Es ist die richtige Zusammenführung äußerer und innerer Faktoren, funktioneller sowie ästhetischer Aspekte, eine stimmige Ausrichtung auf die Zielgruppe sowie passende Kommunikationsmaßnahmen.

Ein guter Anfang für Webunternehmer wäre es, einfach mal Freunde und Bekannte zu befragen, mit welchem Begriff sie den jeweiligen Dienst assoziieren. Zur Vereinfachung könnte man sie auch auffordern, eine Automarke oder ein Modell auszuwählen, das am ehesten mit dem eigenen Dienst vergleichbar ist. Wer Toyota gesagt bekommt, aber eigentlich BMW hören wollte, oder statt dem erhofften Smart einen Ford genannt bekommt, hat noch zu tun.

Wer es schafft, einen rundum stimmigen Dienst mit “weichen” Attributen zu umgeben, die von Usern als sexy aufgefasst werden, kann davon langfristig profitieren: Zu kaum einem Unternehmen passt das Adjektiv besser als zu Apple. Kaum ein Unternehmen schafft es, Innovation, Design und Marketing so gut in Symbiose zu bringen, dass Kunden dadurch bereit sind, deutlich tiefer in die Tasche zu greifen. Steve Jobs hat Apple enorm auf Sexyness getrimmt, und fährt damit Traummargen ein.

Nicht jeder Dienst kann sexy sein, und nicht jeder Gründer wird überhaupt der Ansicht sein, dass man darüber nachdenken, geschweige denn einen Artikel wie diesen schreiben muss. Aber wer will, kann ja einfach mal im persönlichen Umfeld nachfragen, wie es um die Sexyness der eigenen Site bestellt ist. Es könnte bei der zukünftigen Ausrichtung helfen.

[Foto: Flickr, CC-Lizenz]

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7 Kommentare

  1. Heiner
    schrieb am 29. Dezember 2009 um 13:23 Uhr (#)

    Gowalla ist sexy !

  2. Piet
    schrieb am 29. Dezember 2009 um 17:01 Uhr (#)

    @Martin

    Hast du über Weihnachten in einem Marketinglehrbuch gestöbert? Diese Methode einen Dienst oder ein Produkt mit einem Automobil zu vergleichen, oder z.b. auch einem Promi, lernt man in der zweiten Vorlesung im ersten Semester.

    Jedes Produkt, ob Webdienst oder Fernseher, muß sexy sein.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 1. Januar 2010 um 15:19 Uhr (#)

    @ Piet
    Wenn es so einfach wäre, müssten wir überall Startups mit enormer “Sexyness” sehen. Tun wir aber nicht.

  4. Daniel
    schrieb am 2. Januar 2010 um 11:22 Uhr (#)

    “Es ist sehr schwer, zu beschreiben, wie ein Startup sich des Themas Sexyness annehmen kann.”

    Sehr geehrter Herr Weigert,
    Ihr Artikel zählt garantiert zu den dämlichsten und überflüssigsten, die ich je gelesen habe! Ich empfehle Ihnen das Buch “Payback” von Frank Schirrmacher.
    Freundliche Grüße!

  5. Nerd-Exorzist
    schrieb am 2. Januar 2010 um 11:37 Uhr (#)

    Sexy?!? Hahaha, geht’s noch? Wer ein Computerprogramm oder meinetwegen sein iPhone sexy findet, dem ist wohl nicht mehr zu helfen… Wäre meine Freundin nur so sexy wie das sexieste “Startup” der Welt, ich würde mich suizidieren. :-) Los Freunde, Computer aus, raus aus dem Keller und ab an die frische Luft! Schaut Euch in der Fußgängerzone um, die Zwanzigjährigen, die da rumlaufen, die sind sexy! Wirtschaft mag spannend sein, aber sexy ist sie nie. Ach, und die Neon-Nutte, mit der der Artikel bebildert ist, ist es natürlich auch nicht.

  6. Alf
    schrieb am 5. Januar 2010 um 11:11 Uhr (#)

    Sexy ist ein Wort das man besser nicht für eine Webseite benutzen sollte. Nur bei der beschreibung einer Frau sollte man dieses Wort in den Mund nehmen. (Wenn man eine Frau ist evtl auch bei Männern). Aber auf objektive Gegenstände oder sogar unreale Dinge sollte man besser auf produktiv oder wirtschaftlich ausweichen. Es gibt wichtigere Dinge und gerade so kurz nach der Weihnachtszeit und Jahreswechsel sollte man sich doch mal wieder vor nehmen mehr an seine Familie zu denken, als an Wirtschaftlichkeit seiner Arbeit.

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