Nachrichtenaggregatoren:
Rivva, zeig dem Netz endlich,
was du kannst!

Der Blog- und Nachrichtenaggregator Rivva ist seit über zwei Jahren integraler Bestandteil der deutschen Blogosphäre. Das Potenzial des Dienstes ist groß. Was bisher jedoch fehlt, ist Aufmerksamkeit außerhalb der inneren Kreise des Social Web.

RivvaAm 3. März 2007 erblickte Rivva als “Zeitung der Blogosphäre” das Licht der Internetwelt. Inspiriert vom US-Vorbild Techmeme, entwickelte Initiator Frank Westphal einen Dienst, um neue und relevante Blogartikel hervorzuheben und zu gewichten.

Für mich, meine netzwertig.com-Kollegen und vermutlich andere Freunde der deutschsprachigen Blogosphäre ist Rivva seit dem Start vor zweieinhalb Jahren zu einer nicht mehr wegzudenkenden Informationsquelle geworden. Auch wenn über den Nutzen von Rivva für die Bloglandschaft immer mal wieder diskutiert wird, eignet sich der Service hervorragend dazu, einen schnellen und zuverlässigen Überblick über das zu bekommen, was Blogger in Deutschland im Moment umtreibt.

Während sich das Äußere von Rivva im Laufe seines Bestehens nur geringfügig geändert hat, setzte Betreiber Westphal auf kontinuierliche Verbesserungen sowohl des Algorithmus als auch der funktionellen Ebene. Mittlerweile aggregiert Rivva neben Blogs auch Tweets, bietet einen Newsroom, eine Übersicht viel diskutierter Videos sowie Twitpic-Fotos, einen Leitmedien-Index und diverse weitere Gimmicks.

Rivva lässt sich bequem per RSS oder Twitter abonnieren und fügt sich so geschmeidig und flexibel in den Prozess des Informationsbezugs ein. Seit kurzem haben ausgewählte Blogs außerdem die Möglichkeit, ein kleines Rivva-Widget unter jeden Artikel einzubinden, welches die Anzahl verweisender Blogs und Tweets anzeigt und über Rivva zu diesen verlinkt (Beispiel siehe unten).

Das einzige Problem, was ich mit Rivva habe: Es erhält bei weitem nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient. Frank Westphal betreibt den Dienst alleine, als eines von mehreren Projekten. Während Rivva aus technischer und funktioneller Perspektive mehr als genug Liebe bekommt, scheint es an der Vermarktung des Projektes zu mangeln – was einer gewissen Ironie nicht entbehrt, berücksichtigt man das Fazit dieser Kommentardiskussion, die deutsche Gründerszene sei zu stark von Wirtschaftswissenschaftlern dominiert.

Doch im Falle von Rivva ist es vielleicht genau der BWLer, der fehlt. Das Potenzial ist enorm: Rivva könnte Partnerschaften mit etablierten Medienanbietern eingehen, die das unauffällige und doch Mehrwert beisteuernde Widget unter ihre Artikel integrieren. Überhaupt sind verschiedenste, detaillierte blogspezifische Widgets vorstellbar, die jedes Mal zurück zu Rivva verlinken und somit Traffic und Aufmerksamkeit generieren würden. Das Leitmedien-Feature könnte aufgebohrt, aggressiv beworben und als neuer, offizieller Erfolgsmesser sowohl für Verlagshäuser als auch Blogs etabliert werden.

Mit etwas Kreativität ließen sich noch viel mehr Anwendungsbereiche finden. Rivva hat im deutschen Internet das Zeug, ganz groß rauszukommen. Es könnte ernsthafte Konkurrenz für Google News und Burdas neuen Aggregator nachrichten.de werden. Westphal müste dazu lediglich seine Komfortzone “Blogosphäre” verlassen. Womöglich hat er keine Zeit dazu, oder will die Verantwortung für sein “Baby” nicht mit anderen teilen. Das wäre immer noch besser, als wenn er Rivva einstampfen oder auf Sparflamme laufen lassen würde, wie er einmal angekündigt hat.

Thomas Knüwer vom Handelsblatt sieht in Rivva sogar einen Übernahmekandidat für Verlage. Meiner Ansicht nach ist es dazu noch zu früh. Frank Westphal könnte Rivva selbst weiterentwickeln und ausbauen. Sicherlich bräuchte er für eine Professionalisierung des Angebots Hilfe. Und sicherlich würde er diesbezüglich viele Angebote bekommen. Die Frage ist, ob er will. Will er?

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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18 Kommentare

  1. Yeah – rivva – go!
    Danke für diesen Beitrag!
    Wenn ich jemanden den Erfolg gönne, dann Herrn Westphal.
    Die kurze Unsicherheit, ob er seine Dienst tatsächlich einstellen will, hat mich damals wirklich – äh – verunsichert.

  2. Der Algorithmus von Rivva ist um so vieles intelligenter als der von nachrichten.de, um das dieser Tage solch ein Bohei gemacht wird. Rivva findet zuverlässig die Seiten mit originären und exklusiven Inhalten – diejenigen, die den Gesprächsstoff liefern, von dem die anderen dann zehren. Aggregatoren wie nachrichten.de oder Google news pushen vor allem Me-Too-Content nach oben. Nach dem Motto: Wenn alle darüber das Gleiche schreiben, muss es ja wichtig sein.

    Wenn Burda schlau gewesen wäre, hätten sie sich eher um die Rivva bemüht, anstatt in einen schwer zu gewinnenden Wettbewerb gegen Google einzusteigen. (Aber vielleicht haben sie es ja versucht.)

    Und ich will auch nicht verhehlen, dass ich mich mit meiner seit Monaten guten Platzierung im Rivva Leitmedienindex sehr über die Anerkennung meiner Arbeit freue. Rivva erkennt, dass wichtige Themenanstösse auch von einem kleinen Blog mit relativ wenig Traffic ausgehen können. Danke, Frank!

  3. Ich finde es auch mehr als erstaunlich, dass ein Konzern wie BURDA mit seinem Kapital so einen unausgegorenen Müll Aggregator wie nachrichten.de raushaut und Westphal im Alleingang so etwas geniales und über weite weite Strecken zuverlässiges wie rivva zaubert.

    Das er aber gar nicht versucht den Dienst zu monetarisieren erstaunt mich auch enorm. Am interessantesten fände ich hier das Konzept von einkaufbaren Featured Posts.

    Ich fände es natürlich schöner wenn Westphal sein Baby behalten würde, als ein Teil von der Blogosphäre für die Blogosphäre, bevor irgendein Verlag/Investor das Ding mit mangelnder Innovation zu Grunde richtet. Aber genau um diese Aussicht zu verringern wünsche ich mir ja, dass er endlich mit der Vermartkung anfängt.

  4. Leute, in was für einer Welt lebt ihr eigentlich? Guckt hier denn niemand mal zum Fenster raus, sondern immer nur auf den Bildschirm?

    Soll ich wirklich glauben, dass das hier laut Rivva die Top-Story (!) des Tages ist?

    Icon Caschys Blog vor 16 Stunden
    Zeigt mir euer Gesicht!

    So Kinders – nun will ich es wissen! Ich will euer Gesicht sehen – allerdings nicht auf einem normalen Foto, sondern “ge-yearbookt”. Was, kennt ihr nicht? Yearbook Yourself gibt es schon einige Zeit und nun sind neue Jahre (1990-2000) hinzu gekommen. Man kann dort ein Bild hochladen und an die Gegebenheiten der einzelnen Jahrzehnte (1950-2000) anpassen. Sinnlos aber ganz witzig.

    Und sind Frank Schirrmachers Gedanken über die Nerds nun schon seit 24 Stunden die wichtigste politische Meldung?

    Solange unsere Alpha-Blogger am liebsten übers Bloggen bloggen und übers Twittern twittern, kann die Mehrheit der Menschen auf die algorithmische Selbstbespiegelung der Netz-Szene wunderbar verzichten.

  5. Der Kommentar von Klardeutsch (Nr. 4) ist zwar etwas polemisch, trifft das Problem von Rivva aber ganz exakt: Die Technik mag noch so gut sein, die zu aggregierenden Nachrichten sind es nicht.

    Rivva reflektiert auf wunderbare Weise, was die Nerds und Geeks gut finden, weil sie es verlinken bzw. über Twitter empfehlen. Das aber ist nur eine Nische im Markt für Nachrichten und deshalb vermutlich zu klein für die professionelle Vermarktung.

  6. @ Klardeutsch und Matthias
    Deshalb müsste Rivva seinen Einflussbereich vergrößern und auch Verlinkungen anderer Quellen berücksichtigen (selbst bei den großen Medienhäusern erkennt man ja mittlerweile, dass ein Link ab und an nicht schaden kann).

    Das bringt viele Herausforderungen, klar, und es kann in die Hose gehen. Aber unmöglich ist es nicht. Und letztlich sind es ja genau die Dienste, die Unmögliches möglich machen, die am Ende zum großen Erfolg werden.

  7. Für mich ist ein Besuch auf Rivva zum Alltag geworden.
    Natürlich sind viel Geek/Nerd Themen dabei. Aber nicht nur…

    Aber um einen groben Überblick zu haben worüber so geredet wird ist es perfekt!

  8. Technologisch gesehen finde ich Rivva spitze, zum Beispiel im Vergleich zum Vorbild Techmeme.com. Ich würde mir allerdings wünschen, der Dienst könnte aus der deutschsprachigen Provinz heraustreten und sich dem englischsprachigen Netz zuwenden.

    Es ist nun einmal so: Die Musik zu Internet- und Technologiethemen spielt nicht auf Deutsch, die spielt auf Englisch. Und das wird sich in Zukunft weiter verstärken.

    Leider denke ich, dass der technische, finanzielle und zeitliche Aufwand sich enorm potenzieren würde, um ein “internationales Rivva” auf die Beine zu stellen und zu betreiben. Und hier wären wir dann wieder bei der Frage der Vermarktung.

    Allerdings dürfte ein solches Rivva auch erheblich mehr Aufmerksamkeit bekommen und am Ende könnte die Rechnung wieder aufgehen.

  9. Jan, da kann ich nicht mehr erwidern als: Eben!

    Klar ist: Eine Expansion ist drin, aber wohl nicht weiterhin als Einmannshow. Ich bin gespannt, ob Frank Westphal sich äußert.

  10. Das sind ja nun zwei verschiedene Diskussionsstränge. Einerseits haben Klardeutsch und Matthias schon recht, die Nachrichten sind keinesfalls immer berauschend und manchmal auch veraltet (das “Was ist eigentlich ein Browser” Video von Google ging schon vor Wochen durch Twitter und ist nun auf Platz zwei. Aber das liegt daran, dass es eben erst jetzt oder nochmal (wie auch immer) einen Hype gibt – und da funktioniert rivva als Aggregator und Spiegel der Bloggosphäre doch ausgezeichnet.

    Wenn der aggregierte Content nicht mehr hergiebt liegt das nicht an rivvas Technik sondern an den Quellen. Und da die Technik prima funktioniert stelle ich sie mir übertragen auf Verlags-Content ebenfalls sehr spannend vor.

  11. Vor ein paar Monaten habe ich ihm (Frank Westphal) meine Unterstützung angeboten seinen Dienst (Rivva) auch mal auf Ebook-Reader zu bringen. Er hat leider abgelehnt.

    Ob er mittlerweile anders über eine Professionalisierung von Rivva denkt, weiß wohl nur er selbst.

  12. “..zeig dem Netz endlich, was du kannst!”

    Genau darum geht es: als Screendesigner beurteile ich das Design als stark optimierungswürdig. Viel Weiss, zuviel verschiedene Schriftarten und Grössen, bissige Farben und optisch schwache Zusammenhalte. Den Mechanismus hinter Rivva kann man nicht ablesen, das lesen fällt schwer. Dies zumindest mein Eindruck der Seite und warum ich die nicht besuchen mag.

    Zudem finde ich der Namen ziemlich unglücklich. Kein Wunder kommt nachrichten.de da besser ins Gespräch. Es muss ja nicht gleich so plump sein. Aber merkbar und irgendwie mit ein wenig mehr Sinn.

  13. Das Problem ist weniger Rivva sondern die hiesige Netzkultur. Es sind weniger Nutzer, die sich für einen Dienst begeistern können.

    Auch wenn man es von Außen nicht sieht, der Dienst verbraucht sehr viele Ressourcen und der Nachteil von so einem Dienst ist, dass die Ressourcen auch dann verbraucht werden, wenn niemand Die Seite besucht. Die kosten steigen kontinuierlich, selbst wenn es immer wenige User den Dienst nutzen, weil alle Seiten (die immer mehr werden) gecrawlt und analysiert werden müssen und die Daten strukturiert gespeichert werden müssen.

    So ein Dienst lässt sich leider hierzulande, zumindest noch nicht, monetisieren. Der Idealismus erreicht auch irgendwann seine Grenze und niemand will auf Dauer so einen Dienst neben dem regulären Job pflegen.

    Ich fürchte eher das Genteil, dass Rivva eines Tages geschlossen wird.

  14. @Martin + alle Kommentatoren: 1000 Dank für das wertvolle Feedback + die motivierenden Worte!

    Rivvas wohl größte Schwäche ist schon genannt: A river cannot rise above its source.

    Der neue personalisierte Twitter-Agent soll hier frischen Wind bringen – die ersten Test-Accounts gehen noch heute raus.

    Lustigerweise hat jedoch bisher niemand entdeckt, was ich selbst ja für das Rivva-Feature mit dem mit Abstand größten Potenzial sehe: Das ist die neue Suche im Echtzeitstrom.

    Zugegeben, das Infodesign ist – wie in großen Bereichen von Rivva – eine mittlere Katastrophe und das Ding steckt auch noch voller Bugs. Man muss allerdings nur mal nach einem hochaktuellen Thema suchen, um zu erkennen, wie viele gute Treffer das Teil bereits auswirft. (Vielleicht bin ich aber zu naiv ;)

  15. @ Frank
    Danke für deinen Kommentar! Du meinst das Suchfenster ganz oben, “Begriff + URL”? Seit wann gibt’s das?

    Cooles Feature…

    Und ich glaube, Understatement dieser Art ist wirklich nicht notwendig. Solltest du meinen Artikel von gestern gelesen haben, weißt du ja, dass ein bisschen Naivität gar nicht schlecht ist ;)

    Wir bei netzwertig.com würden uns natürlich auch freuen, den neuen Twitter-Agent testen zu können. Über drei Invites wären wir sehr dankbar! ;)

    Du merkst hoffentlich, dass neben mir auch andere große Hoffnung in Rivva stecken. Vielleicht hilft dir diese Motivation ja dabei, das Understatement abzulegen und selbstbewusst Rivva nach vorne zu bringen.

  16. @Frank Ich bin auch verblüfft :)

    Die alte per RSS abonnierbare Suche z.B. http://rivva.de/live/Hamburg ist im (Such-) Keller verschwunden und jetzt heißt es http://rivva.de/realtime/Hamburg?qdr=1d (ohne RSS), wo dann auch erst wieder die alte Selektionsmöglichkeit ‘neue Artikel’ auftaucht.

    Trotz meiner Verblüffung plädiere auch ich für eine – wie auch immer geartete – Weiterentwicklung von Rivva.

  17. Nun ja, ich habe Rivva gerade das erstemal angeschaut. Warum so viel Wirbel um so eine Art von Parteiblog? Webnews aus der Sicht der Piraten, mehr ist das doch hier nicht. Wer Nachrichten will, der geht doch nicht zu einem der sie orange einfärbt.

  18. Das größte Problem von Rivva:
    Neue Blogs können nur nominiert werden von Blogs, die schon dabei sind.
    Klüngelei haben wir insbesondere bei Blogs schon mehr als genug, ich sage nur: Berlin.

Ein Pingback

  1. [...] hart Frank Westphal an dem Projekt gearbeitet hat. Und dennoch wurde ich niemals den Eindruck los, dass Rivva unter seinen Möglichkeiten blieb. Nicht technisch – da war es stets ganz vorne dabei – sondern was wirtschaftliche und [...]

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