Persönliche Empfehlungen:
Wird Google Reader
das Twitter für Links?

Martin Weigert, 14. September 2009 12:45 Uhr, 21 Kommentare Kommentare

Twitter wird auch als Werkzeug zum Empfehlen von Artikeln immer beliebter. Die beste Lösung für “Link Sharing” ist es damit aber noch lange nicht. Google Reader könnte Twitter bald die Schau stehlen.

Google Reader
Google Reader

Ein nicht unerheblicher Teil der bei Twitter veröffentlichten Nachrichten enthält Links. Doch obwohl Twitter damit für viele Websites zu einem wichtigen Traffic-Lieferant geworden ist und eine Reihe von Drittanbietern dabei helfen wollen, die zunehmende Menge empfohlener Artikel und Seiten bei Twitter zu managen, ist der Microblogging-Dienst womöglich gar nicht der beste Kanal für effiziente und relevante Linkempfehlungen.

Anders aber Google Reader, der beliebte und vielseitig einsetzbare RSS-Reader von Google. Dieser wird von Google seit einiger Zeit sukzessive mit sozialen Funktionen ausgestattet. So können Nutzer in einem RSS-Feed auftauchende Artikel favorisieren (“bevorzugen”), in ihren persönlichen Stream empfohlener Beitrag übernehmen (“empfehlen”) sowie kommentieren. Das für die Zukunft potenziell wichtigste Feature ist die Following-Funktion, mit der sich die von anderen Usern als lesenswert markierten Artikel abonnieren lassen.

Shared Items
Shared Items
In den letzten Wochen nun habe ich damit begonnen, interessanten Personen über den Google Reader zu folgen. Von einigen wenigen Artikeln täglich ist die Zahl auf diesem Weg bezogener Postings mittlerweile auf 20 bis 30 pro Tag angestiegen – qualitativ hochwertige, “von Hand” ausgewählte Texte von allen möglichen Quellen im Web wohlgemerkt, auf die ich ansonsten mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gestoßen wäre.

Worin liegt nun der große Unterschied zwischen Twitter und Google Reader, was das Austauschen von interessantem Lesestoff angeht? Bei Twitter folge ich mehreren Hundert Nutzern, die nicht immer die selben Interessen und Themengebiete haben wie ich. In Googles RSS-Applikation hingegen abonniere ich nur Shared Items von Personen, die zu 80 oder 100 Prozent auf meiner Wellenlänge liegen. Das führt zu einer deutlich höheren Relevanz der empfohlenen Inhalte.

Die enorme Menge an Informationen im Web lässt sich nur mit guten, personalisierbaren Filtern handhaben. Persönliche Lesetipps anderer Nutzer mit ähnlichen Interessen schlagen (zumindest derzeit) jeden Algorithmus. Der Google Reader bietet mittlerweile die wichtigsten Funktionen, um den Prozess der menschlichen Filterung von Inhalten sinnvoll und effizient zu realisieren.

Wobei Google das soziale Potenzial seines Readers noch lange nicht ausschöpft. Von gefolgten Usern hervorgehobene Beiträge lassen sich entweder chronologisch oder per Nutzer anzeigen. Ab einer gewissen Zahl von auf diese Weise empfohlenen Beiträgen entsteht der Bedarf, von mehreren geteilte Artikel hervorzuheben (bzw. Dopplungen entfernen), einzelne User gewichten und eine aggregierte, nach verschiedenen Kriterien sortierte Liste anzeigen lassen zu können. Dopplungen entfernt der Google Reader bereits manchmal. Das klappt aber noch nicht immer.

All diese Features müsste Google in seinen Reader integrieren, möchte es das Tool tatsächlich als das bessere Twitter für empfohlene Inhalte positionieren. Ein solcher Dienst tut in jedem Fall Not, und Google wäre dumm, sich diese Möglichkeit entgehen zu lassen. Trotz einer nicht immer ganz klaren Produktstrategie habe ich große Hoffnung in die Share-Funktionalität des in Social-Web-Kreisen ohnehin populären Tools.

Da aller Anfang schwer ist, hier einige Empfehlungen von Shared Items-Streams. Zum Abonnieren (= Folgen) müsst ihr im Google Reader angemeldet sein und unter dem jeweiligen Link auf “Regelmäßig lesen” klicken. Die Shared Items können auch via Feed in anderen Feedreadern abonniert werden. Hinterlasst in den Kommentaren gerne den Link zu euren Shared Items oder zu Personen, denen man unbedingt folgen sollte.

netzwertig.com-Team:
Marcel Weiss
Markus Spath
Martin Weigert

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21 Kommentare

  1. Carsten Pötter
    schrieb am 14. September 2009 um 13:28 Uhr (#)

    Oh, vielen Dank für die Erwähnung. :)

    Deutschsprachige Sharer habe ich bislang noch nicht viele gefunden. Lesenswert finde ich Sebastian Küpers und Axel Quack.

  2. wolkenspiel
    schrieb am 14. September 2009 um 13:57 Uhr (#)

    Google Reader ist meines Erachtens eh ein sehr unterschätztes Tool :)

  3. Jack
    schrieb am 14. September 2009 um 14:43 Uhr (#)

    Wow, danke für die Empfehlung.

    Also für paar der angesprochenen Ideen gibt es ja schon quasi einen “workaround”. die Gewichtung der User denen man folgt, kann man z.B. Prioritätenordner erstellt und dort die User (und Feeds) einsortiert.
    Aber was hier im Artikel noch gar nicht erwähnt wurde wäre die Möglichkeit eines Aggregator für gesharte Items. Ich könnte mir vorstellen, dass so etwas sehr schnell zur Konkurrenz für Delicious oder Digg werden könnte, einfach weil das Sharen im Google Reader wesentlich schneller geht.
    Die Idee für sowas gabs soweit ich mich erinnere schon seitner ganzen Weile mit Readburner, aber so wies aussieht wurde das Projekt leider auf Eis gelegt.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Marcel Weiss
    schrieb am 14. September 2009 um 14:48 Uhr (#)

    @Jack: Es gibt noch http://www.rssmeme.com/

  5. Jonathan Schikowski
    schrieb am 14. September 2009 um 15:12 Uhr (#)

    Ich beobachte durch Feeds innerhalb von wenigen Minuten täglich komplette Märkte online. Google Reader ist dabei mein Tool Nr. 1, besonders wegen der im Artikel angesprochenen Share-Funktionen. RSS insgesamt wird oft erheblich unterschätzt. Was die Verbindung von Feeds und deren Veröffentlichung mir erlaubt zu tun hätte ich vor ein paar Jahren kaum für möglich gehalten.

  6. Jack
    schrieb am 14. September 2009 um 15:20 Uhr (#)

    @Marcel Weiss Ah, das kannte ich ja noch gar nicht, danke.

  7. Philipp Moehring
    schrieb am 14. September 2009 um 16:15 Uhr (#)

    Danke für die Erwähnung. Schon hab ich 12 neue Follower :)
    Da muss ich mich dann ja noch mehr anstrengen. Ich kann dir aber nur zustimmen, die Mengen an Infos, die ich täglich auf diversen devices durch den Google Reader schleuse, würden anderswo einen absoluten Überkill bedeuten.

  8. Ralph Schäfer
    schrieb am 14. September 2009 um 19:34 Uhr (#)

    Vielen Dank für die Erwähnung, hab auch schon einige neue Follower dazu bekommen.

  9. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 14. September 2009 um 22:54 Uhr (#)

    Gerade öffnete ich einen Artikel aus den Shared Items und über dem Artikel steht untereinander “Shared by Ralph” und “Shared by Carsten”. Jetzt müsste das (per Option) noch irgendwie in der Übersicht aller Artikel deutlich gemacht werden, dass dieses Posting von mehreren geteilt wurde.

  10. Philipp
    schrieb am 15. September 2009 um 09:34 Uhr (#)

    Martin, das wird es doch, oder? Zumindest bei “people you follow” sieht man die jeweiligen Avatare. Eine nützliche Ansicht, um besonders interessante Artikel zur Besprechung zu finden :)

  11. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 15. September 2009 um 09:35 Uhr (#)

    Tatsächlich. Google muss das gestern nach dem Lesen dieses Artikels implementiert haben ;)

  12. Matthias
    schrieb am 15. September 2009 um 09:55 Uhr (#)

    ich biete meine Shared Items auch mal an:

    http://google.com/reader/…01456551548120151642

  13. dab
    schrieb am 15. September 2009 um 11:20 Uhr (#)

    wie finde ich denn interessante user? da braucht es eine einfache lösung. sonst endet es ja wie die suche nach der nadel im …

  14. Sebastian Kurt
    schrieb am 16. September 2009 um 09:00 Uhr (#)

    diese Funktion existiert bei Delicious ja schon lange. Dort hat man auch seine Leser undbekommt ab und interessante Artikel “zugesteckt”.

  15. Yves
    schrieb am 16. September 2009 um 12:51 Uhr (#)

    Der Google Reader ist so schon ein geniales Tool. Das zu Verfügung stellen der favorisierten Links macht das ganze noch grandios. Toppen lässt sich das ganze noch durch den Einsatz von Feedly. Läuft allerdings nur mit Firefox.

    Hier meine shared links

  16. gxg
    schrieb am 16. September 2009 um 20:21 Uhr (#)

    Ich liebe auch Google Reader und benutze es seit dem Start. Ein sehr einfacher weg mit alles auf dem laufenden zu sein.

  17. Philip
    schrieb am 23. September 2009 um 09:16 Uhr (#)

    Dank dieses Artikels benutze ich diese Freundfunktion in GR besser als vorher. Ich frage mich aber (auch wie dab): Wie finde ich neue Leute zum followen?

    Irgendwelche Ideen?

  18. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 23. September 2009 um 09:25 Uhr (#)

    Ja, da hat GR definitiv noch eine Schwäche. Momentan findet man Leute wohl lediglich über die direkte Suche nach Name oder E-Mail-Adresse oder über Verlinkungen in einem Blog, bei Twitter o.ä… simpel wäre es, wenn man die Follower der Personen sehen könnte, denen man selbst folgt oder die einem folgen.

  19. Yves
    schrieb am 23. September 2009 um 13:23 Uhr (#)

    @Martin Weigert
    In Feedly sind die Follower der Personen zu sehen, denen man folgt. Nützliche Funktion!

  20. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 24. September 2009 um 12:51 Uhr (#)

    Danke Yves.

    Eine weitere Möglichkeit: Der Google Reader zeigt seit einiger Zeit an, wie viele und welche Nutzer einen Artikel favorisiert haben. Diesen Usern kann man auf Wunsch dann folgen.

  21. Jürg Vollmer
    schrieb am 8. Januar 2010 um 21:39 Uhr (#)

    Schade nur, dass der Google Reader den meisten Nutzern etwa so bekannt ist, wie russische Dörfer. Aber vielleicht kommt das irgendwann ja noch. Apropos russische Dörfer…

    … wer sich für solche interessiert:

    http://www.google.ch/reader/shared/maiaknews

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