Voddler:
Erhält Europa sein eigenes Hulu?

Mit Voddler will ein schwedisches Unternehmen den Markt für werbefinanziertes Video-on-Demand aufmischen und international expandieren: Europäische Konkurrenz für den US-exklusiven Video-Webdienst und Marktführer Hulu.

Seit langem ist Hulu Marktführer im Bereich des kostenlosen Video-on-Demand. Das Joint Venture mehrerer US-amerikanischer Medienunternehmen hat sich nicht nur durch das umfangreiche Angebot aktueller Serien und Filme viele Fans geschaffen, sondern auch durch die ansprechende und benutzerfreundliche Oberfläche. Der Haken: Bisher ist Hulu lediglich für Benutzer mit einer US-IP-Adresse zugänglich. Expansionspläne liegen nach Medienberichten zwar vor, ein konkreter Zeitpunkt für den eventuellen Start von Hulu in Europa ist jedoch nicht bekannt.

Für deutsche Benutzer bedeutet dies, dass sie auf hiesige Gratis-Alternativen wie MSN Movies oder Videoload free ausweichen müssen. Diese sind zwar ganz nett, können dem US-Vorbild aber weder in Angebotsumfang noch Usability das Wasser reichen.

Aus Schweden kommt nun mit Voddler ein neuer Dienst, bei dem schon eher vorstellbar ist, dass er eines Tages zu einem europäischem Hulu aufsteigen könnte. Voddler lässt sich am einfachsten als eine Art Spotify für Filme bezeichnen:

Ähnlich wie der populäre, noch nicht im D-A-CH-Raum verfügbare Streamingdienst für Musik, bringt Voddler über eine Desktop-Applikation TV-Serien und Filme werbefinanziert, on Demand auf den Bildschirm und hat dafür Verträge mit zahlreichen Rechteinhabern geschlossen, um einen legalen Rahmen zu schaffen. Wie Spotify sitzt auch Voddler in Stockholm.

Anfang Juli wurden die ersten Tester in die geschlossene Beta-Phase eingeladen. Auf Anfrage erhielt auch ich einen Zugang und machte mir heute ein erstes Bild von der Software (PC, Mac-Version ist in Planung). Zwar enthält die Beta-Version noch diverse Bugs – ich konnte beispielsweise nur mit den Pfeiltasten navigieren, nicht aber mit der Maus – zeigt aber deutlich, in welche Richtung es gehen soll:

Eine möglichst unkomplizierte Anwendung, die Anwender jeden Erfahrungslevels schnell zu dem bringen soll, wofür sie gekommen sind: professionelle Serien und Filme. Im aktuellen Release gibt es jedoch erst rund 30 Kinofilme aus den letzten Jahren, alle auf Englisch mit schwedischen Untertiteln. Die Bildqualität variiert, ist bei entsprechend schneller Anbindung jedoch durchweg gut bis sehr gut.

Per Mail habe ich Mattias Hjelmstedt, einen der Gründer von Voddler, zu den Reaktionen der Filmbranche befragt: Nach seiner Aussage ist das Interesse enorm. Man befinde sich mit vielen Major- und Independentfirmen, nationalen wie internationalen, in Gesprächen, und bisher habe noch niemand abgesagt.

Um am Ende neben den Benutzern auch die Filmbranche glücklich zu machen, wird Voddler nach dem finalen Launch im Herbst in drei verschiedenen Versionen verfügbar sein: Neben der durch Werbung finanzierten Gratisvariante wird es eine monatliche Flatrate sowie eine pay per View-Option geben. Über letztgenanntes Angebot will Voddler Filme streamen, die parallel im Kino laufen. Anschließend landen die Streifen im Archiv der Flatrate-Variante und werden zuletzt allen Usern kostenlos zugänglich gemacht.

Mattias Hjelmstedt bestätigte mir auch, dass eine Expansion in andere Länder auf der Agenda steht. Für eine genaue Zeitangabe sei es aber noch zu früh. Wenn der vergleichsweise langsame Rollout von Spotify in neue Märkte ein Indikator ist, dann müssen wir uns wohl darauf einstellen, geduldig zu sein. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Die ausschließlich auf Englisch angebotene Voddler-Site verdeutlicht, dass man ohne Zweifel auf internationalem Internetboden durchstarten möchte.

Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start in Schweden sind in jedem Fall nicht schlecht: Voddler hat enge Verbindungen zum schwedischen Zugangsprovider Bredbandsbolaget. Dessen Kunden – teilweise mit bis zu 100 Mbit schnellen Breitbandanbindungen ausgestattet – erhalten als erste Zugang zu dem Videodienst. Im Management von Voddler, das bereits 2005 gegründet und in dessen Entwicklung nach eigenen Angaben 13 Millionen US-Dollar investiert wurden, sitzt mit dem ehemaligen Chef von Sony Pictures Nordic, Zoran Slavic, zudem ein Branchenkenner mit zahlreichen guten Kontakten.

Und generell sind die neun Millionen Schweden schnell dabei, wenn es um das Ausprobieren neuer, multimedialer Internetangebote geht: Fast jeder Zehnte verwendet bereits Spotify. Und das, obwohl der Dienst für schwedische User nach wie vor nur per Einladung verfügbar ist.

Wer Voddler testen möchte, kann auf www.voddler.com seine E-Mail-Adresse hinterlassen, um benachrichtigt zu werden, wenn es losgeht.

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3 Kommentare

  1. Milos
    schrieb am 24. Juli 2009 um 08:03 Uhr (#)

    Cool! Gefällt mir. Bin mal gespannt wie schnell das die sein werden. Die Screenshots hier find ich schon mal sehr hübsch.

    Übrigens… mit der Software “Hotspot Shield” lässt sich eine IP-Adresse aus den Staaten vortäuschen. Funktioniert eigentlich prima ist aber oft nicht wirklich schnell. Hulu “gucken” geht aber ;-)

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 24. Juli 2009 um 12:00 Uhr (#)

    Mit Hotspot Shield geht das zwar, aber es ist nach meiner Erfahrung schon etwas umständlich und man kann sich nie sicher sein, dass es wirklich (mit vernünftiger Geschwindigkeit) funktioniert.

  3. Paul
    schrieb am 24. Juli 2009 um 17:58 Uhr (#)

    Gelegentlich nutze ich auch Hotspot Shield. Aber Voddler wäre doch ein Fortschritt.

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