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Wie sähe das Web ohne Kurz-URLs aus? Genauso.
Dienste, die aus langen Webadressen kurze machen, sind das nächste große Ding. Zumindest könnte man diesen Eindruck bekommen, verfolgt man die jüngste Berichterstattung rund um die kleinen Helfer.
Zwei Arten von Artikeln in der internationalen Techblog-Welt schaffen es momentan, meine Geduld gehörig auf die Folter zu spannen: Einerseits unnötig umfangreiche Reviews zum x-ten, austauschbaren Twitter-Tool, anderseits seitenlange Ausführungen zum Thema Kurz-URLs. Seit dem kometenhaften Aufstieg von Twitter sind Dienste wie tinyurl.com, bit.ly oder snipr.com unglaublich en vogue – und zweifellos praktisch, um die maximal 140 Zeichen eines Tweets optimal auszunutzen. Über mehr als eine vereinfachte Handhabung von Links geht ihr Nutzen jedoch nicht hinaus.
Offenbar sieht man das in Teilen der Tech-Welt aber anders. Kurz-URLs werden zu einer Wissenschaft erhoben, ihre Auswirkungen sowie ihre minimalen Unterscheidungsmerkmale – meist zu finden im Namen, in der Art der Weiterleitung sowie im Vorhandensein oder Fehlen von Statistiken – bis ins kleinste Detail analysiert und verglichen. Selbst etablierte Social-Web-Dienste wie Digg oder angesehene Medienhäuser wie die New York Times können ihre Finger nicht von diesem anscheinend heißesten Thema des Jahres lassen – nur um sie sich dann schnell zu verbrennen.
Die Einstiegsschwelle in den “heißumkämpften” Markt der Kurzadressen könnte winziger nicht sein. Jeder Entwickler und jedes Internetunternehmen ist in der Lage, innerhalb weniger Stunden einen Service für Kurzadressen zu starten. Anders als bei Social Networks spielen Netzwerkeffekte kaum eine Rolle. Nach ein paar Tagen hätte man auch die feinen Zusatzfunktionen entwickelt und integriert, die für O’Reilly Alpha Tech Ventures offenbar ausschlaggebend dafür waren, zwei Millionen Dollar in bit.ly zu investieren.
Boris Veldhuijzen van Zanten, Blogger bei The Next Web, widerlegt sehr schön die drei geläufigsten Argumente, warum URL-Shortener eine gute wirtschaftliche Perspektive böten: Premium-Accounts, Verkauf von Analysedaten zum Traffic, Werbevermarktung. Kostenpflichtige Leistungen sind angesichts von dutzenden,wenn nicht hunderten konkurrierender Services kaum durchsetzbar, Nutzungsstatistiken nicht annähernd so interessant und aussagekräftig wie die großer Webangebote und eine Vermarktung angesichts einer geringen Toleranz der Nutzer äußerst schwierig.
Aufgrund der wachsenden Beliebtheit von Twitter wird auch die Nutzung von Angeboten zum Verkürzen von Adressen weiter zunehmen. In Frage zu stellen ist also nicht ihre Existenz, sondern der Rummel um die Mini-Services sowie die Aufmerksamkeit, die sie derzeit erhalten. Es wird Zeit, tinyurl.com & Co als das zu akzeptieren, was sie sind: simple und beliebig austauschbare Werkzeuge, ohne die das Netz nicht viel anders aussähe als jetzt.
Danke an Marcel, der zwei Links zu diesem Posting beigesteuert hat.














Artikel per Feed
Artikel per E-Mail
Artikel bei Twitter
Facebook-Seite
Ich gebe dir teilweise recht.
In der Twitter-Welt halte ich die kurz-URLs für sehr hilfreich. Anhand der Statistiken, die Sie bieten (z.B. cli.gs) kann man die empfundene Wichtigkeit der eigenen Tweets besser/ gut einschätzen.
Verlinkungen von einem Blog zum anderen sollten imA weiterhin mit der vollen URL geschehen. Schließlich bietet das ein Stück Identifikation.
Beiträge wie diesen liest man übrigens auch so häufig wie welche über Kurz-URLS ;)
Die Dinger haben auch Nachteile, etwa dass man nicht sieht, wohin sie verlinken. Zudem tun sich Aggregatoren wie Rivva damit recht schwer, da es offenbar nicht so leicht ist, unterschiedliche Kurzadressen, die zur gleichen Zieladresse verlinken, als solche zu addieren.
Man müsste auch mal ganz deutlich sagen:
Diese Dienste sind nur notwendig, weil Twitter hier selbst keine Ideen und Lösungen liefert. Gleiches gilt für Bilder.
Wieso ist Twitter nicht in der Lage, URLs von Zeichenbeschränkung auszunehmen und nur dort verkürzte URLs auszuliefern, wo es notwendig ist, beispielsweise per SMS?
Kurz-URLs haben leider viele Nachteile: Matthias hat bereits erwähnt, dass man das Ziel nicht auf Anhieb erkennt, was auch mit Sicherheitsrisiken einhergeht. Ausserdem sind Kurz-URLs noch weniger dauerhaft als gewöhnliche URLs …
Twitter sollte einfach entweder verlinkten Text anbieten oder URLs nicht in die 140 Zeichen einbeziehen und das “Problem” hätte sich größtenteils erledigt. Ich finds nur nervig, wenn man nicht sieht wo es nach dem Klick hingeht.
Die Idee ist weder neu noch toll. Speziell Tinyurl ist bestimmt schon mehr als 5Jahre alt und auch jenseits von Twitter haben die ihre Berechtigung. bspw bei Lausig Programmierten Portalen wie der immo24 Familie oder mobile.de.
Da hat man die wahl das man entweder die ellenlange url per hand kürzt oder mal schnell tinurl benutzt wenn man jemanden über icq eine Anzeige schicken will. Denn dummerweise hat icq die Angewohnheit solche Urls zu filtern weil es die für Spam hält.
Twitter könnte eingefügte URLs automatisch kürzen lassen. Just-in-Time sozusagen. Paste > Convert > Done ;)
“Kurz-URLs werden zu einer Wissenschaft erhoben” Oh Mann :)
10 lines code, eine Tabelle, zwei Spalten. Fertig ist der ein neues Multi-Millionen-Dollar Start-Up!
Hallo Hr. Weigert,
ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu.
Ich bin nur etwas verwundert, warum Sie Ihre kostbare Zeit in ein Thema investieren, das so unnötig wie ein Kropf ist…
Gibt es denn derzeit so wenig technische Innovationen, dass Sie sich kritisch zu heisser Luft äußern müssen?
Ich freue mich auf hoffentlich bald spannendere Themen.
Ihr
Peter Möller
Peter, wie du in den Kommentaren siehst, ist es zumindest ein Thema, was auch andere Leser umtreibt. Ganz so falsch kann es also nicht gewesen sein, dazu einmal einen (vergleichsweise kurzen) Artikel zu bringen.
Zwei gewaltige Nachteile hat das Ganze:
1. Ich freue mich schon, wenn tinyURL.com das Geld ausgegangen ist (denn mit welcher Dienstleistung wollen die bitte Geld verdienen?) und dann von [Link entfernt] übernommen wird. Auf einmal führt jeder Tiny-Link im gesamten Internet zu [Link entfernt].
2. http://tinyurl.com/camxkj
Die Links habe ich entfernt, bevor ein Scherzbold auf die Idee kommt, die Domain zu registrieren. M. Weiss
Och.
Jetzt hast du es ja noch interessanter gemacht Marcel.
Was könnten das wohl für Domains sein?
Nicht zu vergessen: Hab gerade nen SPD Tweet gelesen. Original abgekürzt über http://www.spdlink.de .. :D
Bei 2 Mio Dollar für bit.ly schüttelt man echt etwas den Kopf … Klar, die Dinger sind praktisch, aber eben auch austauschbar – wie im Artikel gesagt.
Und außerdem weiß doch jeder, dass die Zukunft in Wirklichkeit Diensten wie hugeurl.com gehört ;)
Als Anbieter von entsprechender Software kann ich den Rummel nur begrüßen. Und die Absatzzahlen der letzten Wochen waren extrem zufriedenstellend. :-) Es scheint, dass derzeit jeder und seine Mutter eine Kurz-URL-Seite aufmacht.
@Scriptblogger: Entsprechende Software?
Minimale Marktlücke mit maximal vielen Me-too-Produkten. Dazu die meisten ohne Geschäftmodell und manche mit zum zumindest zweifelhafter Wiedergabe der verlinkten Webseiten in Bezug auf die Google-Auswertung (Frames). Darüber habe ich auch schon zweimal gebloggt:
http://medialdigital.word…sives-linkverkurzen/
http://medialdigital.word…rmin-wird-ausgebaut/
(arm.in-Erfinder Armin Hierstetter zu seinem Geschäftsmodell und warum er auf Frames setzt.)
Eine Einkommensquelle wurde noch nicht genannt: der auf Twitter übertragene Slashdot-Effekt lässt sich monetarisieren.
Wenn @AplusK auf irgendwas verlinkt und 1 Million follower auf den Link klicken, geht die Seite ziemlich sicher unter. Falls der Investor hinter dem benutzten Url-Shortener zufällig auch noch Web-Server bereitstellt kann er schnell und direkt für seine Dienste werben.
Außerdem gibt es Korrelationen zwischen “wer stellt wann und wo” einen Link/video in eine social media Seite wie digg oder youtube ein und welche Position erreicht das auf den am besten frequentierten Seiten.
Url-Shortener sitzen auch da als Mittelsmann an so ziemlich der einzigen Stelle, wo man Informationen abgreifen kann ohne dass man selbst den Content veröffentlicht oder verlinkt.
Das Argument, Twitter könnte auf das URL-verkürzen verzichten, zieht nicht. Schliesslich müssen die Tweets auch über SMS funktionieren.
Sicher, die Einstiegsbarrieren für einen URL-Shortener sind extrem gering. Die $2M die jetzt O’Reilly und die anderen Investoren für bit.ly aufgetrieben haben sind mit Sicherheit dazu da, diese Einstiegsbarriere anzuheben. Wer würde denn einen x-beliebigen kostenlosen URL-Shortener benutzen, wenn er auch für lau einen mit zig Features bekommen kann, dessen API von allen größeren Twitter Clients unterstützt wird?
@MacMacken Ich hätte auch PHP-Script schreiben können. :-)
Das Beispiel New York Times halte ich nicht für uninteressant – kommt hier ja ein weiterer Anwendungsfall von URL-Kürzern zum Tragen: Links in Printmedien (ähnliches gilt wohl auch für spdlink.de). Schließlich lassen sich 15 Zeichen leicht abtippen.
Auf http://gl.am gibt es einen (wird es einen geben) ShorturlService mit ein bisschen Mehrwert. Man kann sich beispielsweise hinter einer Shorturl eine ganze Linkgruppe zu Themen anlegen. Eine Art online-Bookmarking short and easy.
Ich hatte neulich kurz überlegt ein Blog-Posting mit einer Liste von Diensten zu posten die Kurz-URLs anbieten – bis ich mich ca. 5 Minuten mit dem Thema beschäftigt hatte und schon eine Liste mit ca. 100 Diensten zusammenhatte und ich eingesehen habe, dass man das besser nicht auch noch unterstützt mit wie auch immer gearteten (nicht-negativen) Artikeln.
Die einzige Daseinsberechtigung sind meiner Meinung nach letztenendes nur Links in SMS (bzw. bei Twitter solange die nicht eine andere Lösung für Links finden) oder die wenigen Fällen wo Seiten exorbitant lange URLs erzeugen die man ggf. an Leute schicken muss die wenig Ahnung haben und Mail-Clients nutzen die lange Links zerstören.
http://longr.us/blog.thom…ong.urls.for.the.win
:)
(Juhu, die Blog-Software kürzt die URL…)
Kurzer Nachtrag: http://appscout.com/2009/…hes_from_tinyurl.php