Ein Jahr nach Gründung:
AG Social Media, der Unverband

Ein Jahr nach Gründung zählt die Arbeitsgemeinschaft Social Media 100 feste Mitglieder. Bei der re:publica’09 haben wir mit drei Vereinsvorständen über den Stand der Dinge gesprochen.

Ich treffe Benedikt Köhler, Richard Joerges und Heiko Ditges im Sonnenschein vor dem Friedrichpalast in Berlin. Sie bilden zusammen mit Maren Heltsche und Jörg Blumtritt den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Social Media (AGSM). Die drei beantworten mir meine Fragen gemeinsam und einander ergänzend, also ganz “social” im Sinne des Vereins.

Wir sprachen schon vor einem Jahr mit Benedikt Köhler, der damals den Verein initiierte, einen Monat später erfolgte dann die offizielle Gründung als Arbeitsgemeinschaft Social Media.

Was sind die aktuellen Ziele der AG SM?

Wir haben drei Ziele:

1. Die Vermessung des Social-Media-Raums (der ganzen sozialen Medien) jenseits von Page Impressions und Visits.
2. Eine Standesvertretung der Berufsgruppe der Social-Media-Schaffenden zu sein.
3. Lobbyarbeit im Sinne der Social-Media-Schaffer und -Nutzer zu betreiben. Also politisch aktiv zu sein: als Beispiel könnte man die Änderung des Rundfunkstaatsvertrags in Bayern anführen.

Die Anerkennung von Bloggern als Journalisten ist uns auch wichtig, wir planen den Zugang zu Presseausweisen, also eine Zertifizierung von journalistisch tätigen Bloggern.

Was wurde denn bisher erreicht?

Wir erreichten Aufmerksamkeit für das Thema Social Media – es wird jetzt breit diskutiert, auch in anderen Gremien, von anderen Lobbyisten, zum Beispiel vom BVDW (Bundesverband der digitalen Wirtschaft). Im Medium der bewegten Bilder konnten wir eine Videokonferenz mit den Spitzenvertretern im Bereich Rundfunkregulierung organisieren. Diese Sendung hätte in Zukunft, also nach den von diesen Herren vorgeschlagenen Gesetzen, ohne vorherige Einholung einer Erlaubnis gar nicht ausgestrahlt werden dürfen.

Zu den Messgrössen Page Impressions und Visits sind wir dran, eine Richtlinie auszuarbeiten, welche die Möglichkeit bietet, dass Insititutionen Social Media sichtbar und greifbar messen können. Bisherige Messverfahren sind ja sehr geschlossen. Wir wollen einen offenen Standard, der auch international vergleichbar ist. Zurzeit läuft eine Studie, die aufklärt, welche Kennzahlen und Messgrössen verwendet werden, um den Erfolg zu messen.

Wie sieht es aus mit Mitgliedern?

Wir sind trotz Vereinsstrukturen noch immer ein sehr loser Verbund, der ganz im Geiste des Web 2.0 zusammenarbeitet. Wir zählen um die 100 feste Mitglieder, über verschiedene Gruppen arbeiten aber etwa 500 weitere Personen mit.

Wir haben uns bewusst entschlossen, keinen hierarchischen klassischen Verband zu gründen, wir betreiben sozusagen einen Unverband.

Was sagt ihr zur Kritik an euch? Also zum Beispiel zu diesem Eintrag von Don Alphonso, der die Aktivitäten der AG-SM als “ein wenig Gelaber, ein paar halbsinnvolle Postings und ein paar lächerliche Schwätzereien der üblichen Verdächtigen” darstellt?

Wir laden alle, die meinen, dass da nichts voran geht, herzlich zur Mitarbeit ein. Der Open-Source-Gedanke gilt auch in unserem Verband. Einer unserer obersten Werte ist Transparenz. Unser Wiki steht jedem offen – der Zugang dazu kann via kontakt@ag-sm.de eingefordert werden.

Ein Eingeschlafensein sehen wir jedenfalls nicht. Wir sind im Gegenteil sehr schnell und mit einem grossen Presseecho gestartet – andere Vereine brauchen sehr lange für solche Aktivitäten. So lange wir schneller arbeiten als die anderen, sind wir zufrieden.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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