Das neue FriendFeed:
Liveweb auf Steroiden
FriendFeed legt eine neue Oberfläche im Beta-Status vor. Mit der neu siteweiten Echtzeit-Ansicht wird der Webdienst noch schneller und interessanter. Der technische Vorsprung gegenüber allen anderen in diesem Bereich ist unübersehbar. Eine Zukunft könnte in der Lizenzierung der zugrundliegenden Technologie an andere Webdienste liegen.
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FriendFeed ist dabei ein eigenartiges Biest. Obwohl relativ leicht zu bedienen, sind Konzept und Nutzen nicht ohne weiteres zu verstehen. Das liegt auch daran, dass FriendFeed konsequentes Weiterdenken des Status Quo des Web (2.0) ist: Angefangen als schnöder Lifestreaming-Dienst, ist FriendFeed heute wohl der erste Dienst, der mit seiner Weiterentwicklung konsequent auf die Möglichkeiten aufsetzt, die das Bestehen all der unterschiedlichen Webdienste ergibt. Und damit einen relativ hohen Abstraktionsgrad erreicht.
Unter http://beta.friendfeed.com/ hat FriendFeed nun die offizielle Betaphase für die nächste Iteration des sich wohl am schnellsten verändernden Webdienstes eingeläutet und verlässt in meinen Augen nun endgültig den Status als Lifestreaming-Dienst. Was eine gute Sache ist.
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Die Neuerungen
Die wichtigste Neuerung neben der neuen Oberfläche ist die Tatsache, dass jetzt alles auf FriendFeed live und in Echtzeit abläuft. Man kann sich das beeindruckende Verhalten, welches Echtzeitweb-Darling Twitter recht altbacken aussehen lässt, in diesem Video anschauen:
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Über einen kleinen Pause-Button oben rechts kann man die Echtzeit-Ansicht anhalten. Die Ansicht bleibt dann auch trotz Refresh oder einem Aus- und wieder Einloggen solang angehalten, bis man die Echtzeit-Ansicht wieder einschaltet.
Eine weitere interessante Neuerung sind Filter, mit welchen man Themen oder Keywords über definierte Gruppen von FriendFeed-Usern tracken kann:
Da FriendFeed Inhalte aus allen Ecken des Webs aggregiert, ist dieses Tracking-Feature äußerst praktisch.
Außerdem besitzt FriendFeed nun die Möglichkeit, private Nachrichten zu versenden. Private Nachrichten werden über das gleiche Eingabefeld versendet, über das man in den eigenen Feed oder in Räume posten kann. Die privaten Nachrichten erscheinen lediglich durch ein spezielles Zeichen hervorgehoben im normalen Feed. Das ist auf den ersten Blick verwirrend, hilft aber beim nahtlosen Konsum von privaten und öffentlichen Diskussionen. Alles in einem Fluss.
Im Verbund mit der Echtzeit-Darstellung sehe ich hier großes Potential. Nicht zuletzt auch weil einige des Gmail-Teams hinter FriendFeed stecken, erwarte ich hier einige innovative Ansätze in naher Zukunft.
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FriendFeeds Zukunft
Bemerkenswert ist, wie schnell die Beta-Site reagiert. Nicht nur ist die Umsetzung der Echtzeit-Ansicht siteweit eine technisch beachtliche Leistung (Failwhale, anyone?), auch die Reaktion von FriendFeed beim Ausführen von Aktionen ist so schnell wie bei keinem anderen mir bekannten Dienst. FriendFeed ist eine bemerkenswerte technische Leistung. Dazu kommt die Entwicklung eines Algorithmus, welcher die Einträge nach Kommentaren und ‘Likes’ (positiven Bewertungen) besser gewichtet als es meiner Meinung nach bei Facebook der Fall ist.
Streams an Einträgen (Nachrichten oder private Mitteilungen) ist der Zukunftstrend im Web schlechthin.
Es gibt einen guten Grund, warum Facebook, Twitter und FriendFeed sich mittlerweile so ähnlich sind. Sie alle nähern sich von ihren jeweiligen konzeptionellen Standpunkten einer optimalen Darstellungsweise von Aktivitäten im Social Graph bzw. des Follower-Prinzips an.
Die Zukunft von FriendFeed zumindest was die Geschäftsmodell-Seite angeht, kann ich mir deswegen gut im B2B-Bereich vorstellen. Das Lizenzieren des Gewichtungs-Algorithmus oder gleich der ganzen Technologie zum Darstellen der syndizierten Aktivitäten könnte für nicht wenige kleinere Social Networks interessant sein. Bekanntermassen ist der Newsfeed nicht unerheblich für den Erfolg von Facebook gewesen. FriendFeed hat hier aktuell in jeder Hinsicht die beste technische Umsetzung am Start.
Mit einem angepassten Newsfeed auf Basis der FriendFeed-Technologie könnten selbst technische Steinzeitgeschöpfe wie studiVZ in die Gegenwart und Konkurrenzfähigkeit gestossen werden.
Als alleiniges Konsumentenprodukt bin ich mir bei FriendFeed zumindest für die nächsten ein, zwei Jahre nicht sicher, ob es zum Erfolg reicht. Nicht wegen Twitter, sondern wegen Facebook, das vieles von FriendFeed schlicht kopiert hat, eine ähnliche Funktionalität bietet und mit knapp 200 Millionen aktiven Usern ungefähr 100 Mal größer sein dürfte. Hier hat FriendFeed das Problem, dass auf der einen Seite viele Funktionen bereits vom Web-2.0-Gorilla ähnlich genug abgedeckt werden und andererseits FriendFeed selbst sein Publikum aus der Teilmenge von Web-2.0-Nutzern zieht, welche viele Dienste nutzen. Das potentielle eigene Publikum wächst also zwar, ist aber noch relativ gering.
Besonders sieht man das in Deutschland. Hier gibt es kaum weitverbreitete, erfolgreiche Web-2.0-Dienste, selbst Blogs tun sich hierzulande noch schwer. Deshalb dürften wenige den Weg zum Aggregator der nächsten Stufe gefunden haben (unabhängig davon, dass FriendFeed bereits seit langer Zeit mehr als das war). Auch die deutsche Übersetzung hat daran anscheinend nichts geändert.
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Fazit
Wie sehr die Echtzeit-Ansicht die Konversationen auf der Site beschleunigt haben, kann man an diesem parallelen inoffiziellen Chat mit über 700 Kommentaren zur letzten Gillmorgang-Aufzeichnung sehen.
Einige sind von der Echtzeit-Ansicht überfordert. In der Tat: Wer vielen folgt, dürfte vom Updates-Tsunami auf der Homepage überrumpelt worden sein. Hier hilft das Anlegen von Listen. Wer nur einer Handvoll Leuten auf FriendFeed folgt, dürfte die neue Ansicht allerdings recht angenehm finden. Ich gehe aber davon aus, dass im Laufe der Beta noch andere Lösungen implementiert werden. Etwa wäre eine Option zum Einstellen der Geschwindigkeit, mit der Updates aufgefahren werden, sinnvoll.
Alles in allem finde ich die neue Ansicht äußerst gelungen. Es zeigt, was im Echtzeitweb möglich ist. Weist die FriendFeed-Beta-Ansicht doch vor allem Twitter und seine API-Beschränkungen klar in die Schranken. Selbst die neue Echtzeitansicht bei Facebook wirkt gegen FriendFeed behäbig.
Die anderen Neuerungen, wie Filter und private Nachrichten machen FriendFeed noch mächtiger. Und das, während dieser Dienst bereits vorher das schweizer Taschenmesser des Social Web gewesen ist.
FriendFeed ist nach GoogleReader für mich die wichtigste Anlaufstelle für das Finden und Konsumieren von Nachrichten. Neben der Site sind besonders die XMPP-Anbindung und die mobile Site wichtig. In Verbindung mit Listen und imaginären Freunden (Accounts für Feeds, die nicht von ihrem Publisher auf FriendFeed eingespeist werden) machen diese Features FriendFeed zum mächtigsten Tool für den Nachrichtenkonsum seit der Erfindung des Feedreaders. Für die üblichen Desktop-Clients und Mashups bietet FriendFeed seit langer Zeit auch eine API an, diese wird aber noch eher selten genutzt.
Wer Journalist oder professioneller Blogger ist oder anderweitig beruflich mit dem zeitnahen Verarbeiten von Informationen zu tun und FriendFeed nicht einsetzt, erweist sich selbst einen Bärendienst.
Ob FriendFeed seinen Platz zwischen Twitter und Facebook finden wird, wird sich zeigen. Technisch ist man zumindest bestens ausgerüstet. Sollte es am Konsumentenmarkt also nicht reichen, bietet sich deshalb in meinen Augen auch ein B2B-Ansatz für ein künftiges Geschäftsmodell an. Aktuell ist die Nutzung aber zumindest in den USA recht intensiv.
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Weitere Links zum Thema:
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Man kann Markus Spath, Martin Weigert, Andreas Göldi und mir auf FriendFeed folgen. Seit einiger Zeit gibt es auch den netzwertig.com-Feed als eigenen Account zum Verfolgen auf FriendFeed.






















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Also ich halte von diesem Echtzeit-Kram nichts. Da kommt man mit dem Lesen ja gar nicht mehr hinterher. Manchmal ist des doch besser, offline zu gehen und der Nachrichtenflut zu entkommen, oder nicht?
technisch ist die Seite sicher enorm, aber das Problem mit der “hohen Abtraktionsebene” sehe ich auch. Genauso wie Twitter oder Social Networks baut friendfeed auf dem Netzwerkeffekt.
Nur dass hier ein Netzwerk von aktiven, technikaffinen, viele Dienste nutzenden Usern aufgebaut werden muss. Und da liegt meiner Meinung nach die Schwierigkeit.
Jedoch nutzt friendfeed mehr, je mehr User mehr Dienste benutzen. Von der Rate her ist friendfeed vielleicht einfach noch 1-2 Jahre zu früh dran und hat in mittelfristiger Zukunft wohl deutlich bessere Chancen.
Man sollte nochmal ganz deutlich sagen, dass der ganze Spass natürlich nur funktioniert, wenn auch alle meine Freunde bei FriendFeed registriert sind – wer also z.B. seinen Facebook-Account einbindet, hat erstmal gar nichts davon, es sei denn auch alle seine Facebook Freunde folgen ihm zu FF – da das nie im Leben passieren wird – FF ist potthässlich und für den Mainstream unbedienbar – ist FF für mich und 120 Millionen andere völlig überflüssig.
Als Twitter-Frontend gibt es auch bessere Alternativen und RSS-Feeds im Chat-Mode entsprechen auch nicht meinen Lesegewohnheiten – alles in allem halte ich das Teil für einen weiteren Arrington Hype, dem der Erfolg als Social Network oder als Twitter-Klon wohl verwehrt bleiben wird – da kann er noch so viel drüber schreiben…