Zeitungsdesign:
Welt am Sonntag ausgezeichnet

Ole Reißmann, 22. Februar 2009 16:40 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Sie sind schön – und mit einer Ausnahme auch schön klein: Die Society for News Design hat fünf Zeitungen für ihr Design ausgezeichnet, darunter die Welt am Sonntag.

Vier europäische Zeitungen und eine aus Mexiko wurden von der Society of News Design (SND) als “World’s Best-Designed Newspapers” ausgezeichnet. Die russische Akzia und der portugiesische Expresso gewannen im 30. Wettbewerb wie schon im Jahr zuvor, außerdem die griechische Eleftheros Tipos. Auch eine Zeitung aus Deutschland ist wieder vertreten – nach zwei aufeinanderfolgenden Jahren wurde die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung diesmal von der Welt am Sonntag abgelöst.

Von den insgesamt 971 vergebenen Auszeichnungen gingen allein 35 an Zeitungen aus Deutschland – im Jahr zuvor waren es 21. Die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erhielt 10, Die Zeit 8, die Welt am Sonntag 7, die Berliner Morgenpost 6 und der Tagesspiegel 2 Auszeichnungen. Als einzige Schweizer Zeitung wurde die SonntagsZeitung prämiert, sie erhielt vier Awards of Excellence.

Zeitung Erscheinungsort Rhythmus Auflage
Akzia Moskau zweiwöchentlich 200.000
Eleftheros Tipos Athen/Griechenland täglich 86.000
Expresso Paço de Arcos/Portugal wöchentlich 120.000
The News Mexico City täglich 10.000
Welt am Sonntag Berlin wöchentlich 400.000

Mit Ausnahme der Welt am Sonntag erscheinen die Zeitungen in kleinen Formaten. Die Jury des 30. Wettbewerbs erklärte, die Abkehr vom Großformat hin zu kompakten Formaten sei unaufhaltsam, nur logisch und käme den Wünschen insbesondere jüngerer Leser entgegen. In Deutschland sind die kleinen Formate traditionell kaum verbreitet, allein die Frankfurter Rundschau erscheint als überregionale Qualitätszeitung in einem sogenannten Tabloid-Format. Mit dem Relaunch im Mai 2007 erhielt die FR eine an Magazine angelehnte Gestaltung.

In Zeiten von (kostenlosen) Eilmeldungen im Internet müsse die Zeitung ein Premium-Produkt werden, fordert die Jury des SND-Wettbewerbs in ihrer Begründung. Dass man auch täglich ein Magazin produzieren könne, zeige die griechische Eleftheros Tipos.

Angesichts der Tatsache, dass die Preise fast schon an die üblichen Verdächtigen gegangen sind – und angesichts einer schwelenden Zeitungskrise – bleibt eigentlich nur die Frage: Warum rennen die Verlage und Redaktionen nicht Agenturen wir KircherBurkhardt, die am Design der Welt am Sonntag gearbeitet haben und für viele riesige Infografiken verantwortlich zeichnen, die Tür ein? Warum trauen sich viele Zeitungen nicht mehr in Sachen Gestaltung, jenseits von flächigen Fotos?

Für die SND-Jury ist klar: Guter Journalismus besteht aus der Verbindung von Text, Fotos, Grafiken und Design.

Eine ausführliche Präsentation der Gewinner gibt’s auf den Seiten der SND.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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