Optimismus und Midem:
Beispiele erfolgreicher alternativer Erlösmodelle für Musiker
Auf der Musikmesse Midem haben mehrere Musiker ihre erfolgreichen Versuche vorgestellt, Geld abseits des langfristig zum Scheitern verurteilten Verkaufs von digitalen Musikaufnahmen zu verdienen.
Die vorgestellten Beispiele fallen allesamt in die von Masnick, mir und anderen propagierten neuen Erlösmodelle für Musiker, die den Möglichkeiten als auch den veränderten Rahmenbedingungen des Webzeitalters Rechnung tragen.
Ich fasse einige der Beispiele kurz zusammen:
1. Jill Sobule hat von ihrem Experiment berichtet, ihre Fans verschiedene Bezahl-”Levels” für die Vorfinanzierung ihres letzten Albums anzubieten. Sie hat nahezu 90.000$ auf diese Art zusammenbekommen – weit mehr als ihr ursprüngliches Ziel. Selbst das höchste Level, das nur als Scherz gedacht war, hatte jemand bezahlt: Für 10.000$ erwarb ein weiblicher Fan das Privileg, auf einem der Songs des Albums mitzusingen.
2. Mark Kelly von Marillion berichtete von Geschäftsmodell-Experimenten, welche sie seit 1993 ausprobieren. 1993 wurde ein Bankkonto angelegt, um über Spenden eine Amerika-Tour vorzufinanzieren. Die Band hat weiter experimentiert und hat ihre Mailingliste verwendet, um neue Alben zu finanzieren. Ihr letztes Album haben sie komplett kostenfrei weggegeben, verbunden mit verschiedenen “Level”, auf denen sich die Fans einbringen konnten (Wie bei Sobule hat auch hier wieder einer der Fans auf einem Song mitgespielt). Das Ergebnis: Ein sprunghafter Anstieg der Abonnenten der Mailingliste, auf welche die Musiker weitere künftige Einnahmen aufbauen können.
3. Terry McBride vom Nettwerk Label (u.A. Coldplay, Avril Lavigne) hat von den erfolgreichen Vorgehen erzählt, Künstler und Fans so zu einander zu bringen, dass man damit Geld verdienen kann. Nettwerk setzt darauf, nicht die Musik sondern die gesamte Marke zu verkaufen. Siehe auch dieses Interview mit Terry McBride für weitere Details.
4. Martin Thornkist, Betreiber eines swedischen Indielabels und Gründer des Zusammenschlusses schwedischer Indielabels The Swedish Model, der das Internet aktiv einbeziehen will, hat von einem interessanten Ansatz berichtet: Von Moto Boy, einem Künstler auf Thornkists Label, gibt es eine kleine Musikbox, die Fans erwerben können. Die Musikbox spielt einen Loop von Moto Boy ab. Man kann sie hier sehen.
5. In China kauft nahezu niemand Musik, trotzdem ist es dort für Musiker möglich, sehr viel Geld zu verdienen. J. Y. Park, ein Entertainment-Mogul aus Korea, verdient gemeinsam mit seinen Musikern in China viel Geld mit Brands als Sponsoren. Ein anderes Beispiel: Einige Musiker verkaufen an Fans spezielle Abonnement-Dienste, die die einzige Möglichkeit repräsentieren, potentiell ein Ticket für deren Liveauftritte zu ergattern.
Update: Auch heise befasst sich mit dem Thema: Musikmesse Midem: Web 2.0 statt Plattenvertrag. Neben den hier bereits genannten Beispiele werden Webdienste wie Sellaband , Slicethepie und Sonicbids angesprochen, die Musikern in verschiedenen Bereichen helfen können. /Ende des Updates
Fazit
Neben den bereits bekannten erfolgreichen Experimenten von Radiohead und Trent Reznor von Nine Inch Nails zeigen diese Beispiele, dass die in unserem Artikel zu den Einkunftsmöglichkeiten für Musiker im Webzeitalter vorgestellten Erlösmöglichkeiten:
- zum einen grundsätzlich erfolgreich sein können, und oft sogar außerordentlich erfolgreich sind und
- zum anderen nicht auf populäre Musiker, wie oft bemängelt, beschränkt, sondern auf alle Arten von Musiker mehr oder weniger anwendbar sind.
Der gesamte Artikel auf Techdirt, mit Ausführungen zu Vertretern der Majorlabels, die sich weiterhin weigern, die Realität vollständig anzuerkennen:


















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Danke für den interessanten Artikel. Hieran sieht man wieder einmal, wie große Monopole nur die Entwicklung bremsen, indem hier mit Ausspionieren und teilweises Aufheben der Privatsphäre nur unnötige Barrieren aufgebaut werden , die gar nicht im Interesse der Musiker sind wie behauptet. (Neue Gesetze werden leider immer unter Einfluss der Lobbyisten gemacht, oder in Deutschland auch direkt von diesen geschrieben [Leihbeamte])
Wer braucht denn heute noch unbedingt eine CD oder DVD? Im Gegenteil, man muss den technischen Fortschritt nutzen und nicht behindern! Es wird endlich Zeit, dass auch weniger bekannte Künstler, die eigentlich zusätzlich Sozialhilfe bekommen müssten, bessere Möglichkeiten erhalten. Die Plattenlabels machen nicht die Musik.
5 Beispiele… die auch nur bei schon “vorhandenen” Bands funktionieren könn(t)en!
Und was ist mit den Millionen anderen Musikern?
Wären nicht diese ganzen Individualisten da draußen, dann sehe es mit guter Musik schon ganz mies aus jetzt!
@Bernd: “vorhandene” Bands? Jeder Band fängt irgendwann bei Null an. Und kaum eine Band verdient am Anfang gleich das große Geld. Das war schon immer so.
weiß nicht….ist sicherlich ein Lösungsansatz aber mir ist das irgendwie zu viel Brumborium. Fans, die sich einkaufen, um mitzusingen, ständige Konzerte und Events und was weiß ich noch was für “Verrenkungen”.
Die einfachste und für mich auch logischste Lösung wäre wirklich diese Kulturflat. Aber nun ja…
@Marc: Wer was verkaufen will, muss auch was dafür tun. Hast Du meinen Artikel zur Kulturflatrate gelesen? Irgendwelche Gegenargumente zu meinen dort vorgetragenen Argumenten, die gegen die Flatrate sprechen?
Ok Marc, mitsingen ist sicherlich nichts erfolgversprechendes in Germany. Um das zu verstehen sind schon persönliche Beziehungen oder wenigstens Erlebnisse betreffs China erforderlich. Ich kann Dir nur bestätigen, dass gerade die Chinesen eine regelrechte Begeisterung für Karaoke haben und auch in Japan ist es leicht einen Platz zum mitsingen zu finden. (smiley)
Das asiatische Gewohnheiten für Deutschland kein Erfolgsrezept sein müssen ist doch völlig klar. So habe ich den Artikel auch nicht verstanden, nein es geht eben darum, für die Künstler bessere Möglichkeiten zu schaffen und nicht für die Labels und das ist natürlich von Kultur zu Kultur verschieden.
Liebe Grüße, Steffen
Für Stars und besonders begabte Selbstvermarkter sind das durchaus interessante Modelle, die sie nutzen sollten. Hier liegen für Sponsoren super Möglichkeiten, glaube ich.
Kreative Lösungen zu finden, gefällt mir, doch für die allermeisten Musiker kommen diese Einnahmenmodelle jedoch nicht in Frage. Es passt nun wirklich nicht zum Charakter und Selbstverständnis aller Musiker, sich so als Marke aufzubauen.
Sich Unterstützer in der eigenen Stadt zu suchen, ist eine Sache, aber wie etwa eine Band aus Italien sich z. B. in Polen derart vermarkten und vernetzen sollte, sehe ich nicht.
Sicher fängt jede Band erst einmal bei Null an, doch auch wenn das die Musikindustrie leider in den letzten Jahren stark vernachlässigt hat, profitieren Künstler doch stark davon, wenn ein Label sie über die Jahre hinweg aufbaut, in sie investiert. Diese Strukturen im Background erfordern einen gewissen Finanzierungsaufwand.
Nennt mich altmodisch, aber wer Songs “besitzen” möchte, sollte einfach dafür bezahlen und sie sich nicht auf kriminellem Wege verschaffen. Gäbe es nicht so viele Kriminelle – und ich sage das ganz bewusst – wäre die Situation für die Musikindustrie überhaupt nicht so schlecht.
Ebenfalls ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Bandfinanzierung auch via Internet ist Angelika Express mit ihrer Angelika Aktie: http://angelika-express.de/die-angelika-aktie/
Geheime Sitzungsprotokolle eines Majors
Joe zur Lage an der Rechtsfront
Edgar zu Youtube
Paul zur Flatrate
Will zu neuen Ertragsmodellen
Allgemein zufriedenes lächeln
@Marcel Weiss:
Klar hat jede Band mal klein angefangen, nur stell Dir eben mal “Newbies” in dem Bereich jetzt vor die eine ganz andere Ausgangsposition haben als Bands vor paar Jahren.
Die haben 0 Fans und können trotz MySpace & Co. nicht mal eben Geld locker machen.
@Bernd: Gerade Einrichtungen wie MySpace machen es jungen Bands heute um Vielfaches einfacher bei Null zu beginnen und eine Fangemeinschaft aufzubauen. Was denkst Du denn wie das früher lief? Da gab es nur: Kostenlose Auftritte in Klitschen vor 50 und weniger Leuten. Heute kann man die 5 von den 50, denen es gefallen hat, zumindest über MySpace und co. leichter auf dem laufenden halten.
Noch nie in der Menschheitsgeschichte war es so einfach als Band etwas zu erreichen, wenn man gut ist.
Davon abgesehen: Niemand hat gesagt, dass das Musikbiz ein Ponyhof wäre.
Bist Du Dir da sicher? MySpace ist überlaufen ohne Ende. Ein bei myspace aktiver Nutzer bekommt täglich mindestens 5 Freundesanfragen von (neuen) Bands, 30 Konzerteinladungen und 3 Mails – von Kommentaren auf der Seite ganz zu schweigen. Welche von den tausenden Bands soll sich der “Fan” denn nun merken? Ich klick inzwischen 90% nur noch ungehört weg – die Zeit fehlt um alles anzuschauen und zu hören. Und selbst wenn mir eine Band beim Konzert gefallen hat und ich sie mir gemerkt habe – wie sticht die Mail dieser Band aus den tausend anderen Promo-Mails hervor?
An dem mühsamen Hörer-erspielen bei kostenlosen Klitschen-Gigs vor ≤50 Leuten hat sich auch bis heute nichts geändert. Das ist wie eh und je. Das Netz ist zwar eine Hilfe, aber viele der Utopien haben sich leider nicht bewahrheitet.
Ich finde es gut, dass die Musiker sich etwas einfallen lassen um Geld zu verdienen und dabei sind sie nicht nur kreativ, sondern auch erfolgreich.
Es gibt immer mehr Beispiele für diese neuen Wege!
Z.B. http://Www.savebahar.de
Die Künstlerin hatte schon vielversprechende Deals die aber geplatzt sind.
Jetzt kann man Spenden und wer 10 € spendet kann das Album downloaden.
Immerhin knapp 5000€ hat sie schon erhalten.
Dies wäre aber auch ohne selbstmarketing nicht möglich (YouTube, Foren, etc)
Und ohne Selbstmarketing gings auch zu den rosigen Zeiten nicht.
Ein label muss seine Aufgaben in anderen Bereichen sehen.
@ Daniel
Vielen Dank für diesen Post. Es verdeutlicht ganz gut, dass Musikindustrie und IT-Wirtschaft die eigentlichen Fronten im Kampf um Geldgewinne bilden.
Musiker, Kulturträger und Konsumenten kommen da schnell unter die Räder oder werden für die eine oder andere Sache instrumentalisiert, nicht im musikalischen, sondern im strategischen Sinne :)
Für die IT-Krieger hier in der Kommentaren lohnt es sich vielleicht einen Blick über die Frontlinie zu werfen…wer lesen möchte:
http://musikindustrie.de/…038;cHash=df36b11286
Kurzer Auszug daraus:
Oder sehr auch lustig die Video-Statements der “gesättigten” Musiker standesgemäß vom roten Teppich herab:
http://www.musikindustrie.de/bvmitv.html
Hab davon nur 2 angesehn: Fettes Brot mit wunderbarer Ironie und Robert Cicero mit dem erschreckender Anti-Ironie.
Hier die Meinung einer Gruppe: , ab 7:45.
Das liest sich wie eine klassische “Ein Mann fiel aus dem 2574. Stock eines Hochhauses und überlebte, weil er diese Kettenmail weitergeleitet hat”. Selbstverständlich gibt es Beispiele die belegen, dass es funktionieren kann. Ich fürchte nur, dass es viel mehr Beispiele gibt, die das Gegenteil beweisen. Und je mehr das Phänomen in die Masse kommt, und umso mehr Bands das machen, desto weniger funktioniert es – denn es ist nichts besonderes mehr.
Außerdem betrachte ich die Sache mit den Fans, die für 10.000$ mitsingen dürfen sehr kritisch. Und ich bin froh, dass das noch die Ausnahme ist. Stell Dir eine “Nevermind” vor, bei der in “Smells Like Teen Spirit” in der zweiten Strophe Jaqueline Müller aus Wanne-Eickel mitgröhlt. Weil sie dafür gezahlt hat. Und Günther Jauch singt “Come Away With Me” auf der Platte von “Norah Jones”. Was J.B.O. vor ein paar Jahren auf “Meister der Musik” als Witz vorgestellt hat, wurde zur traurigen Realität. Und das nicht mal mit Welt-Stars (wie in der Satire), sondern mit Lieschen Müller von Nebenan mit reichem Papi. Soll das die Zukunft der Musik sein? Ich weiß ja nicht…