Kulturflatrate:
Eine schlechte Idee, die sich hartnäckig hält

Regelmässig wird die Idee einer von den Internetprovidern bei ihren Kunden einzukassierenden Pauschalabgabe für Musikdownloads zum öffentlichen Gesprächsthema. Neben unkritischen Befürwortern auf der Konsumentenseite scheint auch die Musikindustrie vermehrt Gefallen an der Idee einer weiteren Einkommensquelle zu finden.

Auf der Musikmesse Midem wurde vermehrt von einer Kulturflatrate gesprochen, auch wenn diese oft nicht so genannt wurde. Und heute macht die Nachricht die Runde, dass die Isle of Man die Kulturflatrate testen will:

Gegen einen zusätzlichen Aufschlag auf die Monatsgebühr für ihren Breitbandanschluss sollen die vom Königreich unabhängigen Insulaner dann nach Herzenslust legal Musik aus dem Netz herunterladen können.

Es scheint also, dass der Testlauf auf der Isle of Man auf freiwilliger Basis starten wird. Sollte die Idee einer solchen Gebühr sich durchsetzen, wäre eine Einführung der Kulturflatrate in anderen Ländern auf freiwilliger Basis aufgrund des Drittbrettfahrerproblems, dass die Musikindustrie meint, lösen zu müssen, unwahrscheinlich.

Warum eine Kulturflatrate eine sehr schlechte Idee ist, hatte ich im Juni letzten Jahres versucht, auszuführen. Eins der Ergebnisse davon war eine der bis dato hitzigsten Debatten in den Kommentaren auf netzwertig.com.

Würde die Idee der Kulturflatrate tatsächlich flächendeckend von der Musikindustrie angestrebt, wäre das kurz gesagt: Das Eingeständnis, dass das alte Geschäftsmodell, an jeder Transaktion von Musik vom Rechteinhaber (meist die Labels) an den Hörer zu verdienen, nicht mehr funktioniert, man aber gleichzeitig trotzdem auf diese Art weiter sein Geld verdienen will. Notfalls eben über ein Gebührensystem.

Ich möchte noch einmal versuchen, die vielzähligen, gegen die Kulturflatrate sprechenden Argumente zusammenzufassen:

Konzeptionelle Probleme

Essentiell bedeutet eine Kulturflatrate das Aufsetzen einer zentralen Instanz, die festlegt, wem wieviel bezahlt wird, das Geld dafür einsammelt und einen Teil davon wieder ausgibt. Diese zentrale Instanz würde von der Musikindustrie gestellt. Von der Musikindustrie, die sich die letzten zehn Jahre mit Händen und Füssen gegen das Internet und die eigenen Kunden gewehrt hat. Wer an dieser Stelle ernsthaft denkt, dass diese Instanz den Innovationen im Musikbereich im Netz Raum zur Entfaltung lassen würde, der muss sehr blauäugig sein.

Das, was Verwertungsgesellschaften wie die GEMA zu stemmen versuchen, ist ein Kinderspiel im Vergleich zu den verwaltungstechnischen Mammutaufgaben einer solchen Kulturflatrate-Instanz. Ein großer Teil der Einnahmen würde für die Arbeit dieses Bürokratie-Monsters draufgehen.

Dass die Musikmajors den Prozess der Verteilung und den Entscheidungsprozess generell zu ihren Gunsten gestalten würden ist nicht nur offensichtlich, sondern auch aus ihrer Sicht rational. Weder für die Konsumenten, noch für den gesamten Musikbereich (also auch alles außerhalb der Welt der Majors) wäre das von Vorteil. Die heutigen Majors könnten damit sicherstellen, dass sie auf lange Zeit die Regeln bestimmen. Das Geschäftsmodell für Musik online wäre wie in Stein gemeißelt.

Wir erleben bereits heute, wie die Majors sich an ihre Backkataloge klammern und versuchen, das Auslaufen der Urheberrechte durch Lobbydruck auf die Regierungen zu verlängern. Mit einer Kulturflatrate würden die Backkataloge mit den populärsten Songs der letzten Jahrzehnte zu einer Lizenz zum Gelddrucken. Die künstliche Verlängerung des Urheberrechts würde für die Majorlabels noch wichtiger.  Überlebenswichtig. Generell sorgt ein Flatratesystem nicht für die richtigen Anreize. 

Einen Weg vorbei an den heutigen Majors würde es nicht mehr geben, wolle man einen Teil des Kuchens abhaben, der immerhin auch von den eigenen Hörern immer eingesammelt werden wird.

Siehe zu diesen und weiteren Argumenten auch diesen langen Artikel auf Techdirt.

Wir auch, wir auch!

Der Grund warum ich, und unbewusst wohl auch die unkritischen Befürworter der Idee, von einer Kulturflatrate und nicht einer Musikflatrate oder ähnlichem sprechen:

Wozu es führt, wenn man einer Industrie die Möglichkeit gibt, ihr Einkommen außerhalb des Marktes aufzubessern, kann man zur Zeit recht gut angesichts der Entwicklungen der Finanzkrise in Deutschland und den USA sehen. Wenn die Regierung einem Wirtschaftszweig die Möglichkeit für ein zusätzliches Einkommen – ob nun einmalig oder dauerhaft – bietet, dann ist es nur rational, dass auch die Entscheider aus anderen Wirtschaftszweigen anklopfen.

Wenn die Musikindustrie bequem direkt bei den ISPs abkassiert, warum dann nicht auch die anderen Industrien?

Offensichtlicher nächster Kandidat wäre die Filmindustrie. Es gibt keine rationalen Argumente, eine Kulturflatrate für Musik einzuführen, dies aber für Filme nicht zu machen. Oder TV-Sendungen.

Oder wie wär’s mit Text? Dem Journalismus geht es doch gerade so schlecht.

Ein Witz? Mitnichten. Sowohl in den USA als auch in Deutschland haben die ersten bereits den irrwitzigen Vorschlag einer Flatrate für (journalistische?) Texte gemacht.

Und was ist mit der Computerspielebranche? Und der gesamten Softwarebranche? Was ist mit Fotografen und ihren urheberrechtlich geschützten Fotos?

Und schließlich wäre dann zum Schluss die Pornoindustrie an der Reihe, die sich ebenfalls vom illegalen Tausch ihrer Erzeugnisse gebeutelt gibt.

Soll für alle Inhalte, die online gehandelt werden oder verfügbar gemacht werden können, und deren Marktmechanismen umgangen werden können, eine eigene Flatrate zur Kompensation eingeführt werden? Oder nur für die Musikindustrie?

Praktische Probleme

Neben den konzeptionellen Problemen gibt es praktische Probleme für eine tatsächliche Umsetzung, die so vielfältig sind, dass ich hier nur einige davon ansprechen kann. Das grundlegende Problem bei dem Gedanken der Kulturflatrate ist die falsche Annahme, dass man die Abrechnung per Transaktion auf das Netz übertragen kann. Daraus entstehen viele der praktischen Probleme für eine Umsetzung.

  • Der Verteilungsschlüssel zum Verteilen der Einnahmen an die Musiker Rechteinhaber: Auf welcher Grundlage wird dieser ermittelt? Das Netz ist eine Welt des Long Tails. In dieser würden über statistische Stichproben ermittelte Nutzungen (wie etwa die Einschaltquoten beim TV) einen signifikanten Teil des Musikkonsums ausblenden. Was es heißt, als Musiker im Long Tail bei der GEMA Mitglied zu sein – nämlich durch die Gema-Gebühren jedes Jahr mit einem Minus in diesem Bereich abzuschließen -, würde im Web auf eine sehr viel größere Zahl an Musikern zutreffen, die kaum je mehr als eine Null sehen würden. Im Umkehrschluss würde das außerdem bedeuten, die Großen können durch die Flatrate gemütlich überleben, während die Kleinen sich nach weiteren Umsatzmöglichkeiten umsehen müssen; während deren Fans die Großen mitfinanzieren.
  • Das Problem der Erfassung des tatsächlichen Konsums: Darknets bzw. private Netze lassen sich nur durch einen tiefen Eingriff in die Architektur des Netzes überwachen und messen, der eigene Probleme mit sich bringen würde (Wie im ersten Artikel zur Kulturflatrate ausgeführt). Selbst wenn man diese aussen vor lassen würde, wäre eine ökonomisch sinnvolle Erfassung all der Möglichkeiten, die es online gibt, nur am Ende der Leitung sinnvoll. (Oder aber es werden nur eigene Portale erfasst, was wiederrum dem Grundgedanken widersprechen würde.)
  • Das generelle Problem der Manipulation der Verteilung und die Unmöglichkeit, das zu vermeiden.
  • Ab wann werden Aktionen, um die eigenen Downloads und damit den eigenen Teil des Kuchens zu erhöhen, als Manipulation gewertet? Was wenn Fans von sich aus, um ihre Künstler zu unterstützen, deren Songs immer wieder herunterladen? Auch hier wieder liegt die Wahl zwischen einem absurd unrepräsentativen System und einem potentiell sehr gefährlichen tiefen Eingriff in die Internet-Architektur.
  • Ab wann wird man als Musiker am Topf beteiligt? Kann jeder, der Klänge im Netz verteilt, daran teilnehmen?
  • Wenn Mindestbeiträge zur Ausschüttung festgelegt werden, wird das Gefälle zwischen Großverdienern und Kleinverdienern wie bei der Gema sich vergrößern?
  • Was ist mit all den innovativen Musikdiensten? Werden diese zusätzlich Gebühren zur Nutzung der Musik abführen müssen?
  • Wie werden Musikdienste in ein Flatratesystem integriert? Wenn deren Downloadzahlen ungeprüft weitergeleitet werden -> siehe Manipulation. Wenn diese Dienst Kontrollsysteme integrieren müssen: ‘Gute Nacht, Innovation’ oder zumindest ‘Gute Nacht, repräsentative Erfassung der Nutzung’.
  • Wenn Jahr für Jahr naturgemäß mehr Musiker ein Stück vom Flatrate-Kuchen wollen, wird dann auch regelmäßig der Ruf der Musikindustrie nach einer Erhöhung des Beitrages zum Alltag gehören?
  • usw. usf.

Fazit

Wie man es auch dreht und wendet, die Probleme mit einer Flatrate sind auf so vielen Ebenen so unzählig, dass es mich verwundert zurücklässt, dass es nicht nur bei den Musiklabels sondern auch auf Seiten der Konsumenten Befürworter dieser Idee gibt.

Die Kulturflatrate klingt nur gut, solang man nicht über den ersten Gedanken “Toll, legal Musik von Tauschbörsen herunterladen!” hinausdenkt. Mit jedem weiteren Gedanken zum Thema sollte der Irrsinn eines solchen Vorhabens offensichtlich werden. 

 

Weiterführende Literatur zum Thema:

(Foto: RossinaBossioB, CC-Lizenz)

 

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18.6.2008, 78 KommentareWarum eine Kulturflatrate desaströs wäre

Die Ära, in der wir für Musikaufnahmen direkt bezahlen, ist vorbei. Das schließt sowohl das Bezahlen für einzelne Kopien als auch sonstwie geartete Abonnementmodelle für Musikaufnahmen ein. Sollte sich eine sogenannte Kulturflatrate durchsetzen, käme mit ihr das Ende der Netzneutralität und damit ein enormer gesellschaftlicher Wohlfahrtsverlust.

32 Kommentare

  1. Die Verteilungsfrage für die Künstler ist glaube ich eines der gewichtigsten Argumente. Denn um die geht es ja eigentlich.

  2. Wieder einmal ein Pamphlet gegen die Musikindustrie. Aber wo sind die Lösungsvorschläge, die Ideen, die konstruktiven Ansätze?

    Da finde ich die Google Geschichte in China mit den Lizenzen von 30’000 Musikern, den Testgesprächen der UK-Provider für eine Flatrate-Option mit der MI oder den “Freilandversuch” auf der Isle of Man doch interessanter. Und wenn am Ende eine Lizenzierung der Kataloge an die Provider gemacht wird, ist das ja auch eine marktwirtschaftliche Lösung.

    Es scheint, als ob sich die MI nach immensen Verlusten, in Korea -90% der CD Verkäufe, jetzt doch anfängt zu bewegen.

  3. @Daniel Niklaus: hehe.
    1. Das ist kein Pamphlet gegen die Musikindustrie, sondern gegen diesen speziellen Lösungsansatz für deren aktuelle Misere.
    2. Habe ich mir schon gedacht, das so etwas kommen wird. Ich werde morgen ein paar Dinge dazu schreiben, wie Musiker in Zeiten des Webs Geld verdienen können.
    3. Es wird Dir nicht gefallen.

  4. Trent Reznor macht doch vor, wie man ein Album gleichzeitig kostenlos anbieten kann und trotzdem richtig gutes Geld verdient…

  5. In der Tat hat mich dieser Artikel mal wieder auf einige Gedankengänge gestoßen, die mir so noch nicht aufgefallen waren. Danke!

    Meine Hoffnung ist ja noch immer, dass sich das “Problem” von selbst löst, am besten natürlich über verschiedene Möglichkeiten gleichzeitig. So sehe ich in Ansätzen wie bei Last.FM (Verträge einer Platform mit Labels und Gewinnausschüttung ala “Flatrate” nur für diese Platform) und stärkerer Verbreitung von CC/Netlabel-Musik keinen widerspruch.
    Auch hätte eine dezentralisierte Variante des Festpreises (ein imho besserer Begriff als Flatrate, der auch von älteren Leuten noch verstanden wird) wie man es wohl irgendwann bei Platformen wie Last.fm finden wird viele der genannten Nachteile erstmal nicht.

  6. Das Problem ist nicht die Flatrate. Eine Flatrate ist ein Pauschaltarif, die Kunden FREIWILLIG buchen, um eine bestimmte Leistung (mehr oder wenig unabhängig von der tatsächlichen Nutzung) zu erhalten.

    Was von Internet-Netzutopisten und zuletzt auch von der RIAA/IFPI gefordert wird, ist eine STEUER, die (aus deren Sicht im Idealfall) praktisch jeder zahlt, unabhängig davon, ob die bezahlte Leistung tatsächlich in Anspruch genommmen wird.

  7. Auf der “Dancing with myself”-Konferenz, letztes Wochenende in Berlin hat sich Jaques Attali (Wirtschaftswissenschaftler, Autor und Mitterrand/Sarkozy-Berater) für eine Kulturabgabe eingesetzt. War jemand da? Habs nur im Radio gehört…

  8. Und drüben bei zweipunktnull hat Casi eine “Vision” zu dem Thema:
    http://zweipunktnull.org/…kunft-zukunftsmusik/

  9. @DieterK: Stimmt, wenn es nicht freiwillig ist, ist es eine Steuer. Darauf würde es letztlich hinauslaufen.

  10. Kulturflatrate ist Bullshit.
    1. Zu viel des Geldes bleibt in irgendwelchen Institutionen hängen, die mit der Kultur nicht viel zu tun haben, sondern eher für die Verwaltung der Zahlungen zuständig sind.
    2. Wenn ich Kulturschaffender bin und mich auf Einnahmen aus einer Kulturflat verlassen kann zählt nicht mehr die Qualität, sondern dann produziere ich einfach möglichst viel, was dann die gesamtheitlichen kulturellen Qualität belastet, da reduziert.
    3. Das Zauberwort in meinen Augen heißt: Direct Sales des Produzenten. Wenn ich gute Qualität liefere, zahlt auch jemand dafür. Platten- und sontige Industries machen im Endeffekt nichts ausser auf den Erfolg eines Kulturproduzenten zu wetten und dort ihr Geld zu investieren mit der Hoffnung auf möglichst hohen Gewinn.

    Eine Kulturflatrate sollte weder von Seiten der Konsumenten, noch von Seiten der Produzenten forsiert werden.

  11. Kann nur folgendes Buch empfehlen: http://levine.sscnet.ucla…ual/againstfinal.htm

    Dort werden (Kapitel 2) auch Ansätze gezeigt, wie ganz ohne Urheberrecht weiterhin Inhalte geschaffen werden würden und Urheber bezahlt werden könnten.

  12. @Holger
    Wieder einmal ein klassischer OpenSource Artikel der wild Fakten miteinander mischt, um sich die Welt schön zu biegen.

    “Open source dominates the Internet.” Schön haben wir einen Webserver der OpenSource ist, aber es gibt viel mehr Explorer im Web…Das ist einfach keine stichhaltige Argumentation. Wenn dann noch jemand Argumentiert Solaris sei ja auch OpenSource…aua…nur weil deren Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert und dann Porter zuschlägt, ist das noch lange nicht der Erfolg von OpenSource. Porter war der Meinung, wenn die Austrittsbarrieren hoch sind, wird der Anbieter sein Zeugs vorher verschenken und mit Service versuchen Geld zu verdienen. Sehen wir aktuell bei Jaiku.

    Besonders beim Businessmodell zeigt sich, dass der Autor wenig Ahnung von Softwareentwicklung und deren Treibern hat. So preist er Red Hat als Erfolgsbeispiel mit Linux an. Das aber Linux eine der grössten Geldverschwendungen der Computergeschichte ist, lässt er völlig ausser acht. Ohne den Effort von IBM, HP und SGI wäre aus diesem Studentenbastel nie ein anständiges Betriebssystem geworden (was es heute ist). Hätten die drei von Anfang eines ihrer Unix Derivate genommen und dasselbe Geld investiert, wären wir heute ein grosses Stück weiter.

    100% stimme ich dem Artikel zu, dass Trivialpatente auf den Schrotthaufen gehören und tatsächlich Innovationen verhindern. Das der Patentschutz in US viel zu weit geht, steht ausser Frage.

    Und jetzt dürft ihr auf mich einhauen ;-)

  13. Find das Open-Source Beispiel auch nicht so gut gewählt. Wollte eher darauf hinaus, dass früher auch ohne Urheberrecht noch Inhalte geschaffen wurden und dass die Einführung des Urheberrechts keinen Anstieg an Inhalten herbeigeführt hat.

  14. @Marcel: Danke, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, so viele Argumente gegen die Kulturflatrate zusammenzutragen!

    Ich kann Dir zwar nicht bei allem folgen, aber es bleiben genug Argumente gegen den Unfug übrig.

    In der Tat wäre es vollkommen naheliegend, alle möglichen Bereiche miteinzubeziehen in ein solches Finanzierungsmodell.

    Das verdeutlicht, dass das Internet gerade erst damit begonnen hat, weite Teile des Wirtschaftssystems zu verändern. Es ist an der Zeit, tragfähige Alternativen zu entwickeln.

    Hier im Blog wurde ja auch ausgiebig darüber diskutiert, ob journalistische Inhalte nur noch kostenlos angeboten werden könnten.

    Da wurde dann meist darauf verwiesen, dass das alles über Werbung finanziert werden müsste. Das könnte man für alle hier angesprochenen Bereiche dann ebenfalls sagen. Und zum Teil kann das ja auch funktionieren.

    Ich bin mal gespannt, was dann für die Musikindustrie und gegebenenfalls andere betroffene Bereiche hier demnächst vorgeschlagen wird.

    Übrigens: Kulturflatrate für Radio und Fernsehen gibt es ja schon. Darum kümmert sich die GEZ…

  15. @Oliver Springer:”Hier im Blog wurde ja auch ausgiebig darüber diskutiert, ob journalistische Inhalte nur noch kostenlos angeboten werden könnten.
    Da wurde dann meist darauf verwiesen, dass das alles über Werbung finanziert werden müsste.”

    Ich weiß nicht, welche Aussagen Du damit meinst. Falls Du meine meinst: Ich habe nie gesagt, dass es nur über Werbung refinanziert werden kann. Nur, dass eine direkte Bezahlung von den Lesern für Nachrichtenartikel uä im Netz nicht funktioniert aus diversen Gründen, die ich jetzt nicht weiter ausführen kann aus Zeitgründen.
    Das sagt nichts über die alternative Bezahlung aus, bei der Werbung nur die offensichtlichste Wahl ist.

    Die GEZ ist keine Kulturflatrate, weil sie nicht die gesamten Branchen abdeckt, sondern nur die jeweiligen ÖR.

    Am Artikel zur Musikindustrie sitze ich just in diesem Moment, während sich im Hintergrund die Massen in Washington DC versammeln.. :)

  16. Sofern man nicht auf ein gänzlich anderes Wirtschaftssystem wechselt, lässt sich das IMHO nur lösen, in dem man Copyright respektiert und direkt Geld für die Inhalte/Software bezahlt, die man nutzt.

    Man bezahlt ja monatlich selbstverständlich x Geldeinheiten für den Internetzugang. Warum nicht ebenso selbstverständlich für die Inhalte bezahlen, auf die man darüber zugreift? Früher hatte man ja auch z.B. 10-20 DM im Monat für Magazine und/oder Musik, und/oder … ausgegeben. Warum sollte man das heute nicht mehr machen?

  17. @Holger

    dass früher auch ohne Urheberrecht noch Inhalte geschaffen wurden

    Um die Zeit von Mozart standen die Künstler für ein Urheberrecht ein, damit sie nicht mehr von ihren reichen Gönnern abhängig waren. Richtig, dass Urheberrecht wandelt sich und so wie es heute ist, wird es in 20 Jahren kaum mehr aussehen.

    und dass die Einführung des Urheberrechts keinen Anstieg an Inhalten herbeigeführt hat

    Schwierig zu sagen, die Menge an Inhalten explodiert wohl eher mit den technischen und zeitlichen Möglichkeiten. Wissen produziert Wissen. Was man aber bestimmt sagen kann, das Urheberrecht generiert Geld-Werte. Und solange unser System von Geld abhängig ist, haben Urheberrechte einen enormen Einfluss auf die Erträge – nach oben wie nach unten.

    “Freie” Musik mag ja noch gehen. Diese ist mit relativ wenig Aufwand zu komponieren und zu spielen. Wenn aber dereinst auch Filme und Games frei kopiert werden dürfen, sieht es für diese Branchen Zapfenduster aus. Bei Produktionskosten von 10 Mio. und Aufwärts, musst du schon die Möglichkeit von Einnahmen haben.

  18. @Marcel: Eine Musikflatrate muss nicht alle anderen Bereiche bis zum Porno nach sich ziehen. Die Kulturflatrate kann auch anders aufgezogen werden: Als Einrichtung ähnlich den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die einen Qualitätsanspruch haben. Die Einnahmen werden nicht GEMA-mäßig verteilt, sondern in Form von Kompositionsaufträgen ausgegeben. Und im besten Fall sind die dadurch entstehenden Werke auch rechtlich public domain. Natürlich kann man, wie bei ARD & Co die Entscheidungen immer hinterfragen, aber prinzipiell wäre eine solches System für die Qualität sicher förderlich.

  19. die praktischen probleme sind zum glueck keine prinzipiellen oder theoretischen also grundsaetzlichen probleme. sie sind durchweg strukturaenhnlich zu bereits geloesten aufgaben.

    das hauptproblem ist jedoch nicht genannt, das einer durchsetzung einer “kulturflatrate” im wege steht.
    es sind die partikularinteressen einer in vielerlei institutionen, gremien, vereine und verbaende zerfaserten rechteindustrie.

    gema, gvl, vg wort, vg bild und nicht zuletzt die GEZ. also das oeffentlich rechtliche rundfunksystem selbst dass sich zuletzt im rundfunkgesetz in die vor onlinezeit zurueckkatapultiert und damit strukturell obsolet gemacht hat.

    die bundesnetzagentur hat bereits bewiesen dass eine zusammenlegung der regulierung verschiedenster aber strukturell aehnlicher administrationsbereiche grosstechnischer netzwerke moeglich ist. warum soll dies nicht auch auf der ebene der inhalte moeglich sein?

    bei der einfuehrung des radios in den 20er jahren wurde schliesslich auch eine flatrate loesung gefunden. rundfunkgebuehr und gema. diese modelle beduerfen nun einer internationalen ueberarbeitung und normalisierung.

  20. 10 cent PRO Gigabyte

  21. Die Flatrate wird aus genau den genannten Gründen diskutiert. Weil Labels Angst haben, dass trotz der ganzen Repressalien mit denen Filesharer überzogen werden am Ende doch CC Musik oder gar keine (neue) Musik mehr gehört wird.

    Jeder Künstler, der es nicht geschafft hat (weil er sich nicht für den Labelcheffe bücken wollte z.B.) wird seinen Kram ins Internet stellen – er wäre ja blöd darauf hocken zu bleiben. So winkt tatsächlich die zweite Chance auf Ruhm und vielleicht sogar Geld. Das Zeug verschwindet aber nicht aus dem Netz. Im Gegenteil – das bleibt für immer verfügbar. Die neue Generation startet also mit einer Unmenge Musik aus allen Sparten und ständiger Aktualisierung. Eine CD wollen die dann nicht. Die haben keinen CD-Player mehr. Die wollen auch keine DRM Musik – nicht wegen dem DRM, sondern weil die nicht auf dem Softwareplayer läuft den sie für jamendo uä. eingerichtet haben, oder auf Ubuntu. Was kann man ausserdem für 15 Songs von jemandem verlangen der kein Sammler ist, aber schon 200.000 auf der heimischen Platte hat?

    Die MI wird die Kulturflat fordern – das halte ich sogar für verständlich. Wahrscheinlich werden sie auch probieren irgendeine gestaffelte Version durchzudrücken, was mich dann wieder ärgern wird – das gierige Pack. Was mich aber besonders ärgert – die Industrie weiss, dass es soweit kommt – wieso warten sie mit der Einführung, bis auch der letzte Ex-Fan einen riesen Hals hat und im Namen der MI perverse Kontrollmechanismen im Netz eingerichtet werden?

  22. Wie wäre es wenn die Kulturflatrate ein Opt-In wäre, das einem Nutzer Schutz vor dem Verklagtwerden gibt.

    Eine Idee um den Kuchen aufzuteilen:
    Warum macht man nicht einfach eine Web 2.0 Plattform, bei der jeder, der Kulturflatrate gebucht hat selbst bestimmen kann, an wen sein eingezahlter Betrag geht.

    • 1) web-was? davon hat kein politiker jemals was gehört!
      2) wer soll die platform bauen? T-Systems? Siemens?
      3) weißt du was sowas kostet? Da bleibt kein Kuchen übrig! (zumindet wenn siehe 2.)
      4) das führt weiterhin dazu dass sich bekanntes besser verkauft als kulturell interessantes. Sprich: Tokyo Hotel ftw!

  23. Ab wann werden Aktionen, um die eigenen Downloads und damit den eigenen Teil des Kuchens zu erhöhen, als Manipulation gewertet?

    Frag’ einfach Google. Die haben das gleiche Problem mit der Wertung von Seiten in ihrer Suchmaschine (auch dabei geht es um viel Geld). Und sie sind recht erfolgreich dabei, Einflussnahmen zu minimieren – inklusive Strafaktionen: Versuch’ uns zu betrügen, und dein Google-Ranking stirbt instantan.

  24. @Arne Babenhauserheide: So wie die manipulierenden Labels aus den Charts rausfliegen?..

  25. Nein. So wie betrügerische Webseiten aus Google rausfliegen.

    Klar versuchen die Leute zu betrügen, aber wenn sie es übertreiben ist alles weg.

  26. Ich denke, einige wichtige Aspekte werden in dieser Diskussion noch vergessen.
    Man geht stillschweigend davon aus, daß jeder, der im Internet ist, auch dort Musik hört, downloadet oder sonstwie konsumiert.
    Das ist aber nicht so! Schon alleine deswegen, weil nicht jeder PC ein Multimedia-PC ist mit einer entsprechend hochwertigen Soundkarte.
    Wenn ich ein Produkt aber nicht nutze, dann will ich auch nicht dafür zahlen müssen.
    Es gibt in Deutschland so etwas wie eine Vertragsfreiheit.
    Das heißt, jeder kann selbst entscheiden, ob und zu welchen Bedingungen er einen Vertrag abschließen will.
    Wenn ich aber keinen Vertrag mit der Musikindustrie abschließen will, das heißt deren Produkt nicht haben will, dann darf ich nicht gezwungen sein, deren Angebote zu bezahlen. Und niemand, auch kein Internetprovider darf auf meine Kosten einen Vertrag (nähmlich den über die Einziehung der Musikflatrate) mit irgendeinem Musiklabel schließen.

    • Weite das doch einfach auf das geschriebene Wort aus und schon ist kaum mehr jemand da, der nicht konsumiert.

      Nebenbei: Die VG Wort schüttet auch an Blogger aus. Und Blogs liest du offensichtlich :)

      (Ich gebe ja zu, dass das ein böser Trick ist: Jeder, der sich öffentlich im Netz beschwert, dass er zahlen muss, profitiert davon – entweder von den Inhalten oder von der Ausschüttung (wenn er genug Leser hat). Nur wer nichts sagt verliert…)

  27. der neue rundfunkstaatsvertrag zeigt auf hervorragende weise das halb richtig, auch nur falsch ist. die zusammenlegung der GEZ gebuehren pro haushalt ist ein zu kleiner schritt, gleichzeitig wurde den oeffentlich rechtlichen auferlegt den archivzugang zu minimieren, und sich aus dem online geschaeft rauszuhalten. diese art lobbypolitik der privaten anbieter schuetzt eine art wettbewerb die auf die bedingungen im internet ohnehin nicht vorbereitet ist. faule kompromisse mit den zusatzabgabe-wegelagereren die jede form von content-business verunmoeglicht, kann nur die entwicklung verzoegern aber nicht aufhalten. eine zusammenlegung aller zusatzabgaben und GEZ gelder fuer freie mediennutzung und grundversorgung mit nachrichten, bildung, kultur und debatte. das recht auf wetten dass und musikantenstadl. steht jedenfalls nicht im grundgesetz.

  28. Interessante Zusammenfassung mit guten Argumenten.
    Wenn man nicht genau darüber nachdenkt hört sich die Idee zunächst ganz gut an, aber im Nachhinein betrachtet ist es doch ziemlich problematisch ein solches System zu nutzen.

  29. Ich sage nur Kulturwertmark, ein erweiterter gedanke der die hier geschilderten Probleme lösen soll.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturwertmark

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