Wochenrückblick:
Big in Berlin und Scheiß-Weihnachten

Schmidt und Pocher ohne Chance, unglaublich viele gute Bilder, Stellenabbau in Berlin und viel mehr noch in unserem Rückblick auf die vorletzte Woche des Jahres.


Die Bilder des Jahres: Das meistgelobte und ohne Frage aufregendste neue Blog des Jahres, The Big Picture, hat einen dreiteiligen Jahresrückblick veröffentlicht. “2008, the year in pictures” zeigt insgesamt 120 große – Höhe, Breite, Motiv, Technik – Bilder. Nach 50 Bildern könnte so etwas langweilig werden – bis Bild 51 wieder alle Erwartungen übertrifft. Und die 52 erst … Nur das alte Europa kommt im Rückblick praktisch nicht vor, überall sonst war es wohl spannender. Fototechnisch.

Kunstmagazin wagt sich ins Internet: Gruner und Jahrs Art hat auf seiner Internet-Seite nicht nur einen interessanten Text über Streetart-Künstler sondern auch eine passende Bilderstrecke mit 60 Fotos. Bevor jetzt jemand “Klickschweine” schreit – geht’s halt mal rüber und schaut Euch das an, denn die fotografierten Werke sind allesamt phantastisch und waren mir Internet-Popkultur-Junkie bisher völlig unbekannt. Überhaupt macht sich die Seite, die im Juli 2007 relauncht wurde und mit einem kompletten (wenn auch weitgehend Bild-freien) Heft-Archiv aufwartet. An Fülle und kreativer Power reicht sie dennoch nicht an die absolute Referenz in Sachen Online-Kunstmagazin We Make Money Not Art heran.

Das Erste hakt die Jugend ab: In regelmäßigen Abständen schreibt mal wieder jemand die ganze elendige Misere auf. Legt den Finger tief, tief in die nässenden Wunden und drückt beherzt zu. Was der Öffentlich-rechtliche Rundfunk im Fernsehen alles verschläft, falsch macht, wie sich der riesige Apparat selbst lähmt, gefangen in den Grabenkämpfen der Landesanstalten – und wie darüber die Jugend vollkommen aus dem Fokus rutscht. Aktuell ist es Stern-Redakteur Alexander Kühn, dessen schmerzhaft-schöne Bestandsaufnahme nun auch auf stern.de zu lesen ist. Titel: “ARD: Hier werden Sie ins Grab geschunkelt!”

Schmidt und Pocher lassen sich abhängen: Der geistlose Jugendtrumpf der ARD Oliver Pocher und sein erkalteter Altmeister Harald Schmidt hatten Gäste aus Österreich in ihrer Sendung – und taten sich damit keinen Gefallen. Den Zuschauern dafür umso mehr, die von den Kabarettisten und Radiomoderatoren Christoph Grissemann und Dirk Stermann unterhalten wurden und eine Ahnung davon bekamen, wie anarchisch, lustig, bissig und locker eine Late-Night-Show sein kann. Die beiden bestreiten die Sendung “Willkommen Österreich” im ORF, gegen die “Schmidt & Pocher” aussieht wie das wortlose Einschlafprogramm “Space Night” des Bayerischen Fernsehens. Im Gegensatz “Schmidt & Pocher” lässt sich die ebenfalls öffentlich-rechtliche Show von Grissemann und Stermann komplett im Internet ansehen. Zum Glück! Wiederholungen der erfolgreichen Sendung laufen auch nachts auf 3sat. Außerdem beschäftigt der RBB Grissemann und Stermann als Radiomoderatoren. Ihre Radiosendung “Show Royale” läuft Sonntags von 16 bis 18 Uhr auf Radio Eins, dass man auch im Internet hören kann.

Zeit Online, tagesspiegel.de und Zoomer big in Berlin: Holtzbrinck bündelt die Online-Aktivitäten von Tagesspiegel und Zeit sowie der Nachrichtenseite Zoomer ab 1. Februar unter der Dachmarke “Zeit Digital”. In Berlin soll unter der Leitung von Zeit Online eine Hauptstadtredaktion mit 75 Mitarbeitern entstehen. Chefredakteur wird Zeit-Online-Chef Wolfgang Blau. Die bisherigen Chefs von tagesspiegel.de, Mercedes Bunz, und Zoomer, Frank Syré, werden zu Redaktionsleitern und unterstehen der neuen Chefredaktion. Die Redaktion von Zoomer soll schrumpfen, nach Informationen von Turi2 von 24 Mitarbeitern auf weniger als die Hälfte. Bei Zeit Online entstehen neue Jobs, bei tagesspiegel.de muss niemand gehen. Mehr in der Pressemitteilung oder bei Werben und Verkaufen.

Scheiß-Weihnachten für die Redakteure der Netzeitung: Nachdem der Berliner Verlag schon auf die 15 freien Mitarbeiter der Netzeitung verzichtet, will Josef Depenbrock nach Informationen der taz das Budget der Internet-Zeitung im nächsten Jahr weiter kürzen. Nur was bleibt dann von der Netzeitung überhaupt noch übrig? Schon Montag verabschiedet sich die Medienkolumne “Altpapier”.

Auf medienlese.com diese Woche: Ronnie hat Inhalte mit Spenden finanziert, wir haben Online-Konkurrenz beobachtet, das “Altpapier” gewürdigt, uns über Schnee gefreut, den Brockhaus mit der Wikipedia verkuppelt und uns Fußball-Blogs und Fankultur gewidmet. Außerdem gibt Tamedia Facts 2.0 auf. Unsere Leser interessierten sich sehr für die Porno-Hysterie auf Zeit Online.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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26.10.2007, 2 Kommentare6 zu Schmidt & Pocher

Pocher bringt den guten, alten Schmidt zurück (rp-online.de, Judith Conrady) Wer hätte das gedacht: Mit Oliver Pocher an seiner Seite ist Harald Schmidt plötzlich wieder das, was er einmal war - zu seinen besten Zeiten. ProSieben-Pocher bringt uns in der ARD den Sat.1-Schmidt zurück. Abwegige Ideen, beißende Ironie - alles, was Schmidt in den meisten seiner ARD-Sendungen fehlte, ist plötzlich wieder da. Sausenclown und Feinschliffwitzler (spiegel.de, Daniel Haas) Das soll der Untergang des Abendlands gewesen sein? Als solchen hatten Kritiker die Schmidt-Pocher-Verbindung eingestuft. Die Premiere aber zeigte: Olli und Harry verursachen keine kulturellen Flurschäden. Sie schaden noch nicht mal der ARD. Wie ein getunter Andrack (sueddeutsche.de, Christian Kortmann) Die Premiere von "Schmidt & Pocher" war ein planloses Probieren vor Publikum: Harald Schmidt wirkte nachhaltig träge, Oliver Pocher erstarrte in Respekt vor dem großen Partner. Jungs, das muss noch besser werden (welt.de, Martin Klein) Den Auftakt sollte und wird man schnell vergessen; "Schmidt & Pocher", die Erste, war nicht gut. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, es werden gute, bestimmt auch noch brillante Sendungen folgen, doch das Debüt der mit Spannung erwarteten Moderatorenallianz taugte wenig. Schmidt & Pocher, sie habens getan! (monsieurfischer.ch) "Zusammengefasst habe ich mich während der Stunde Schmidt & Pocher gut amüsiert. Beide haben das gebracht, was ich von ihnen erwartet habe. Oder vielleicht sogar noch etwas mehr. Pocher hat nämlich gezeigt, dass er nicht nur Kollegen auslachen und andere Leute beleidigen, sondern durchaus auch wirklich witzig sein kann. Schmidt seinerseits war der erwachsene Lehrer, der sich hie und da mal unwissend stellte, was 'junge Themen' angeht." "schmidt & pocher": die premiere live. (popkulturjunkie.de) "Wirklich eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Ich hatte mich wirklich auf die Show gefreut, weil ich eine ernsthafte Hoffnung hatte, dass Pocher frischen Wind in die Sache bringen kann. Konnte er leider überhaupt nicht. Entweder er hatte Schiss vor den ARD-Gremien oder vor sich selbst. Schmidt macht die Sendung anscheinend auch nur noch, weil er wenigstens an einem Tag pro Woche mal aus dem Haus gehen will. Ob die Welt diese lahme Sendung braucht - da bin ich extrem skep

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1 Kommentar

  1. mds
    schrieb am 21. Dezember 2008 um 17:45 Uhr (#)

    Nur das alte Europa kommt im Rückblick praktisch nicht vor, überall sonst war es wohl spannender.

    Allein die Schweiz kommt mehrmals vor – zumindest aus Schweizer Sicht war 2008 offensichtlich spannend genug …

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