Sparpläne:
WAZ-Gruppe denkt an dpa-Verzicht

Ole Reißmann, 29. Oktober 2008 18:40 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Wir machen es uns selbst: Die WAZ-Gruppe plant, künftig ohne den Basisdienst der Nachrichtenagentur dpa auszukommen, berichtet Welt Online.

Tageszeitungen im Umbruch: Der Christian Science Monitor stellt die tägliche Zeitung ein, setzt auf das Internet und erscheint nur noch einmal wöchentlich als Magazin. Bei der Basler Zeitung wird künftig verstärkt auf Qualität gesetzt gespart. Jetzt wurde bekannt, dass die WAZ-Gruppe erwägt, der Nachrichtenagentur dpa zu kündigen.

Harte Einschnitte im Kerngeschäft: Insgesamt 30 Millionen Euro sollen bei Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Westfälische Rundschau Neue Ruhr-/Neue Rhein-Zeitung und Westfalenpost gespart werden. Bis zu 300 der 900 Mitarbeiter könnten vom Stellenabbau betroffen sein, schreibt turi2. Von 48 Seiten schrumpft der tägliche Umfang der Titel auf 32 Seiten – die womöglich künftig ohne den Basisdienst der Deutschen Presse-Agentur gefüllt werden.

Sparen sollen sich WAZ und Co. wohl auch das dpa-Abo: Der Vertrag mit der Nachrichtenagentur wird wohl nicht über den Dezember hinaus verlängert werden, schreibt David Schraven im Blog ruhrbarone und auf Welt Online. Demnach sei nur noch zu klären, ob man sich neben dem dpa-Basisdienst auch den Bilderdienst oder andere kleinere Nachrichtenpakete spare.

WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz hatte bereits in seinem vorherigen Job bei der Rheinischen Post auf Dienste der dpa verzichtet, mit der Kündigung des Nachrichten-Abos im Jahre 2004 wurden die Kosten um rund eine Million Euro gesenkt. Die Rheinische Post sei eine Regionalzeitung mit vielen Korrespondenten im Ruhrgebiet, sagte Ulrich Reitz damals, 80 Prozent der Inhalte würden ohnehin im eigenen Haus erstellt.

Im Falle einer Kündigung müsste die dpa mit rund vier Millionen Euro weniger im Jahr auskommen. Die Nachrichtenagentur gehört Verlagen, die gleichzeitig Kunden sind und sich die Preise praktisch selber machen. Große Gewinne gibt es deshalb nicht, als Folge müsste die dpa ihre Preise erhöhen – oder Mitarbeiter entlassen, wie David Schraven auf Welt Online mutmaßt.

Im Pottblog hat man sich schon Gedanken gemacht, wie das Online-Angebot der WAZ-Gruppe ohne Material der dpa aussehen würde. 11 von 26 Artikeln auf der Startseite würden wegfallen. Ob von den Sparplänen neben der WAZ und den weiteren Titeln der WAZ-Gruppe auch die gemeinsame Website Der Westen betroffen ist, bliebt zunächst unklar.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Dieser Text ist mir was wert:

Weiterempfehlen

Mehr lesen

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

1 Kommentar

  1. robby
    schrieb am 9. Januar 2009 um 20:23 Uhr (#)

    Wenn man die Medien-Meldungen im Internet verfolgt, so hat auch M.DuMont Schauberg mit der Nachrichtenagentur ddp Deutscher Depeschendienst einen langfristigen Rahmenvertrag für die kommenden vier Jahre vereinbart für die Zeitungen Kölner Stadt-Anzeiger, Express, Mitteldeutsche Zeitung sowie Frankfurter Rundschau.Hier kommen die ddp-Landesdienste, der ddp-Basisdienst und der ddp-Bilderdienst zum Einsatz und dies wesentlich günstiger als von der dpa.
    Somit ist eindeutig festzustellen, dass die Verlage nun lieber auf die günstigere ddp bauen als auf die teure dpa.
    Und ich finde ddp gar nicht so schlecht.Die ddp hat nun die Chance weitere Kunden zu gewinnen.
    Ist auch gut so.
    Die WAZ-Mediengruppe mit WAZ/NRZ/WP und WR sowie http://www.derwesten.de verzichten auf dpa und bauen hier lieber auf ddp, laut Medien-Infos im Internet.
    Und anscheinend und offensichtlich klappt es ohne dpa mit ddp ja auch und ist günstiger als mit der teuren dpa.

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.