Enterprise:
Amazon bringt Oracle in die Cloud

Oracle und Amazon gehen eine Partnerschaft ein und bringen Oracles Datenbank und andere Produkte in die Cloud. Die Akzeptanz der Cloud wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit dadurch im Enterprise-Umfeld stark erhöhen.

Die Verschiebung des Web in die Cloud ist ein Trend, den wir ja häufiger dokumentieren. Der Begriff Cloud ist leider etwas schwammig, weil es verschiedene Sichten darauf gibt.

Für uns Webbenutzer bedeutet er vor allem, dass wir unsere Daten und Programme nicht länger selbst verwalten, sondern einem Dienst anvertrauen, der sich um alles kümmert und sie uns meistens in jeder nur denkbaren Form zugänglich macht. Wie er das macht, ist uns dabei egal. Wir gehen davon aus, dass es einfach funktioniert.

Für Webentwickler und Startups bedeutet er vor allem, dass sie ihre technische Infrastruktur nicht länger selbst beschaffen und betreuen, sondern einem Anbieter anvertrauen, der sich um lästige Dinge wie Verfügbarkeit oder Skalierbarkeit kümmert. Wie er das macht ist dabei wieder egal, solange er es besser und billiger macht, als man es selbst machen könnte.

Für Unternehmen bedeutet er unter anderem, dass Geschäftsprozesse und Kommunikation an externe Services gekoppelt werden, weg von Lösungen im eigenen Haus.

Das Versprechen der Cloud jedenfalls ist, dass man eine Dienstleistung kauft oder geschenkt bekommt, die besser und viel billiger ist, als man sie selbst je machen könnte. In vielen Bereichen wird das auch schon hinreichend gut eingelöst. Google Documents ist sicher nicht als Ersatz für komplexe Excel-Sheets geeignet, aber für 90% der alltäglichen Anforderungen gut genug. Auch Amazons Webhosting-Angebot in der Cloud ist nicht für alle geeignet, eröffnet aber Webstartups Möglichkeiten, die zuvor zumindest eine Finanzierungsrunde erfordert hätte.

Im Bereich Enterprise stellen sich dabei aber zumindest zwei Probleme: Garantien bezüglich einer Hochverfügbarkeit und die Frage, ob man sensible Daten in die Hände eines anderen legen will. Für Service Level Agreements und garantierten Support wird viel Geld bezahlt, doch die Cloud-Dienste in meinem Radar offerieren das nur beschränkt.

Mit der diese Woche bekanntgegebenen Partnerschaft zwischen Amazon und Oracle könnte sich das jetzt ändern. Oracle’s Flaggschiff Oracle Database 11g und einige andere Produkte wie Oracle Fusion Middleware oder Oracle Enterprise Manager können fortan unter Amazon EC2 lizenziert werden. Es gibt vorverpackte EC2 AMIs mit Oracle Enterprise Linux und den jeweiligen Produkten, die nur noch instantiiert werden müssen und – laut eigener Angabe – innerhalb von Minuten zur Verfügung stehen.

Die Beschaffung der Hardware, Installation des Betriebssystems und aller benötigten Software Pakete und die gesamte damit verbundene Budgetisierung fällt weg, sämtliche Entwicklertools von Oracle und vor allem: professioneller Support von Oracle und Amazon sind verfügbar. Geichzeitig spielt das Setup mit Amazon S3 zusammen, was den gesamten Backup-Prozess der Datenbank stark vereinfacht.

Viele Infos dazu gibt es im Oracle Cloud Computing Center.

Ob der Einsatz dieses neuen Angebots empfehlenswert ist, wird davon abhängen, wie die Auswirkungen auf die Total Cost of Ownership von Oracle und die veränderten Anforderungen an das Skills-Set der IT-Abteilungen sich im einzelnen niederschlagen werden. Tatsache aber ist, dass wir mit dieser Kooperation einen weiteren Meilenstein auf dem Weg in die Cloud sehen, der einerseits für Amazon einen kleinen Ritterschlag bezüglich der Akzeptanz im Enterprise-Umfeld darstellt und andererseits die Eintrittskosten und das Risiko für Unternehmen deutlich senkt. Ob und wie sich das tatsächlich auswirken wird, wird spannend zu beobachten sein.

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1 Kommentar

  1. RH
    schrieb am 27. September 2008 um 00:51 Uhr (#)

    Ich persönlich finde das Hosting von Amazon recht teuer. Rootserver von anderen Anbietern kosten doch wesentlich weniger oder habe ich da was übersehen? Gerade Startups schauen doch aufs Geld. Ist es nicht günstiger, wenn man Amazon hinter einen Loadbalancer dynamisch in Spitzenzeiten dazuschaltet? Vermutlich ist die Architektur vieler Plattformen nicht performanceoptimiert.

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