Tape.tv:
Musikfernsehen 1.0
Das Berliner Startup Tape.tv macht Musikfernsehen – im Internet. Mit Werbeunterbrechung nach jedem dritten Clip, aber ohne nervende Klingelton- und Flirtangebote.
Während Viva und MTV schrille Shows, abgedrehte Comedy und diverse Real-life-Serien mittlerweile so ziemlich alles senden, außer Musikvideos, geht eine neue Internetseite einen anderen Weg. Ein klarer, schwarzer Hintergrund, ein kleines Logo, ein aufgeräumtes Menü und nur Musikclips: So sieht Tape.tv aus.
Einfach zum eigenen Programm: Tape.tv eingeben, zurücklehnen und aktuelle Musikclips genießen. Gefällt das laufende Video, gibt es über einen Klick auf ein kleines Herz – ähnlich wie bei Last.fm – mehr Clips aus derselben Musikrichtung. Oder man wählt das Programm nach Genres aus: von “Hip Hop Hooray” über “Pop Kultur” bis zur “Alternativen Liste”. Wenn alles nicht hilft: Auch über den Künstler geht es mit einem Klick zu ähnlichen Tracks.
Badu, Erykah
Bareilles, Sara
Barkley, Gnarls
Beatstakes
Bedingfield, Natasha
Bedouin Soundclash
Biffy Clyro
Billy Talent
Björk
Black Eyed Peas
Black Tide
Blige, Mary J.
Bloodhound Gang
Blue, Jimi
Blunt, James
Bobby Valentino
Bon Jovi
Boppin’ B
Boundzound
Bright Eyes
Brown, Chris
Bryan Adams
Bubba Sparxxx
Bullet for my Valentine
Busa Rhymes
Es muss nicht immer Mainstream sein
Bisher sollen rund 12.000 Clips verfügbar sein. Die Inhalte kommen direkt von den Musik-Labels und werden von Tape.tv eingekauft. Die neue Videoplattform arbeitet übergreifend: “Alle Künstler, alle Videos, alle Labels” abzubilden, das hat sich das Berliner Unternehmen mit Sitz in der schicken Kulturfabrik im Prenzlauer Berg auf die Fahnen geschrieben.
Noch ist das allerdings ein Versprechen: Nach einem Klick auf “Deutsche Reime” gibt es erst Jan Delays hochglanz-Hip-Hop aus Hamburg, dann etwas Krawall aus Berlin mit K.I.Z und dem anstrengenden Fler (“blaue Augen, weiße Haut” … “ich bin deutsch, bin drauf stolz”), woraufhin es sich dann bald erschöpft hat. Immerhin gibt es unter “Top 50″ aktuelle Charthits von Madonna bis Muse.
Neben den Major-Labels Sony-BMG, Universal und Warner Music auch Independents wie Kontor New Media unterschrieben, wie Tape.tv auf Anfrage mitteilte. Die Unternehmen bekommen dafür im Gegenzug einen neuen Verbreitungsweg und eine junge Zielgruppe – und keine billige Klingeltonwerbung.
Das Prinzip, Musik nach dem Geschmack des Nutzers auszuwählen, ist nicht neu: schon Last.fm und Pandora funktionieren ähnlich, sind aber noch eher im Hörfunk zuhause. Tape.tv will sich hauptsächlich durch kleine Werbeclips finanzieren. Nach jedem dritten Song wird ein kurzer Clip eingeblendet. Im Online-Shop sollen demnächst Kaufvideos per Download, CDs, Konzertkarten und ausgewählte Merchandising-Artikel angeboten werden. Im nächsten Schritt sollen die Zuschauer in den Clips gezeigte Outfits über die Datenbank des Partners Zanox suchen und kaufen können.
Schade: Tape.tv versucht krampfhaft, Fernsehen zu sein
Tape.tv klammert sich noch zu sehr an das herkömmliche Fernsehen. So kann in Videos nicht hin- oder hergespult werden, es kann ein Video vor- aber nicht zurückgesprungen werden. Das wäre zu verschmerzen. Aber auch, wenn man drei Videos schnell überspringt, wird nach jedem dritten Clip Werbung eingeblendet. Die Suche nach Künstlern funktioniert – nach Songs hingegen kann nicht gesucht werden, es fehlen so ziemlich an allem, was heute ein Web-2.0-Angebot an Funktionen mitbringt. Mit einem Trick könnte man einzelne Videos doch noch direkt anwählen: In dem man ein Video per Knopfdruck per Mail weiterempfiehlt. Wenn es denn schon funktionieren würde.
Trotzdem: Endlich Musikfernsehen ohne semiszeniges Rumgebrabbel in den immergleichen American-Apparel-Outfits aus den immergleichen Köpfen mit den immergleichen Frisuren – das ist doch auch schon was.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.





















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Mattscheibe in Österreich! Vermutlich hat Tape.tv nur die Video-Rechte für Deutschland. Also nix mit Zurücklehnen und Genießen.
Schön langsam frag ich mich ja, warum es bei Medienprodukten kein Schengen-Abkommen gibt? Nicht mal Videos auf der ARTE-Site darf ich in Österreich “gucken”. Ein Jammer in Zeiten des (angeblich) grenzenlosen Webs …
Den Ansatz finde ich interessant. Mal sehen, was draus wird und ob nicht doch eine schleichende Klingeltonisierung folgt.
Die geäusserten Kritikpunkte in allen Ehren, aber das Angebot ist einfach traumhaft. Seit Jahren verirre ich mich nicht mehr auf die einschlägig bekannten, ehemaligen Musiksender. Hier bietet sich nun ein Weg doch mal wieder mit Musikvideos in Berührung zu kommen. Da nehme ich die 30sekündigen Nicht-Klingelton-Spots nach 3 Liedern gerne in Kauf. Vielleicht kann man diese in Zukunft gegen Zahlung einer Abogebühr ausblenden.
Aber nach jedem dritten Clip Werbung? Das schreckt doch echt ab! Und was für Musik soll denn dann laufen? Was fehlt, ist wirklich gute, und abwechslungsreiche Musik! Nicht ständig diesen VIVA-MTV-Einheitsbrei aus mittelmäßigem Pop auf dem Nivau von Deutschland-sucht-den-Superstar, durchsetzt mit niveaulosem Gangster-Rap! Was fehlt ist ein Musiksender mit Heavy Metal, vor allem Symphonic Metal, Gothic Metal und Dark Metal. Mit solch guter Musik wie die von Tarja Turunen, Nightwish, Within Temptation, Xandria, Tristania, Draconian, um nur einige zu nennen. Dazu Musik weitere Genres, z.B. Dark Wave, Neoklassik und vielem mehr. Mit Musik von L`Ame Immortelle, Persephone, Blackmore´Night, etc.. Es gibt doch so viel gute Musik. Aber wirklich gute Musik wird offenbar in Deutschland boykottiert!
Liebe Medienlese, lieber RIK: Küss die Hand.
ich würde gern kurz auf etwas hinweisen ? darauf nämlich, dass tape.tv sehr wohl in Österreich läuft.
Und zwar ab dem Herbst 2008. Also sehr, sehr bald.
Auf die Berge freut sich schon
Mika
Kleiner Bug: Kurz bevor oder nachdem ein Werbeclip begonnen hat, kann man durch Klicken auf den Button “neues video hier” wieder in die Playlist kommen. Funktioniert nicht immer, aber immerhin.