Social News:
Warum es schwierig ist, im Netz Nachrichten zu empfehlen

Martin Weigert, 6. Juli 2008 16:45 Uhr, 13 Kommentare Kommentare

Social NewsEs gibt viele Möglichkeiten, Freunden und Bekannten interessante Links und Artikel zu empfehlen. Nachteile hat jede. Auch im Jahr 2008 befindet sich das Thema Social News noch ganz am Anfang.

Vermutlich kommt den meisten von euch die folgende Situation bekannt vor: Ihr habt bei einer Onlinezeitung oder auf einem Blog einen Artikel gelesen, der so gut/informativ/interessant war, dass ihr ihn Freunden/Bekannten/Kollegen zugänglich machen und möglichst direkt deren Meinung dazu hören wollt. Das Dilemma: Es gibt viele Wege dafür, aber jeder hat seine Vor- und Nachteile und funktioniert nur für ein bestimmtes Klientel.

Sofern Ihr einen Blog betreibt, könnt ihr den Link zum Artikel dort veröffentlichen und gleichzeitig die Leser zur Diskussion animieren. Damit erreicht ihr jedoch nur Menschen, die euren Blog (bzw. Nachrichtenaggregatoren wie Techmeme oder Rivva) lesen, was nicht immer unbedingt die eigenen Kontakte aus dem realen Leben sind. Ähnlich sieht es aus, wenn ihr bei einem Microbloggingdienst wie Twitter oder Pownce auf das Fundstück verweist – mehr als die Aufmerksamkeit eurer Web-2.0- und Geek-Freunde erhaltet ihr dort nicht. Gleiches gilt für den Import bei Lifestreaming-Anbietern wie FriendFeed, FreundeNews oder Lifestream.fm sowie für das Speichern des Links bei einem Social-Bookmarking-Dienst wie del.icio.us oder Mister Wong.

Noch unpersönlicher wird es, wenn ihr den lesenswerten Beitrag auf einem Social-News-Portal einstellt. Mit einer guten Beschreibung und etwas Glück landet dieser dann dort zwar auf der Startseite und wird von zahlreichen Nutzern angeklickt, nur ist dies für euch das unrelevanteste Publikum, das Ihr euch vorstellen könnt. Ihr interessiert euch ja für die Meinung eurer Freunde oder Kollegen, nicht die beliebiger Internetnutzer, die sich bei Digg, YiGG oder Webnews aufhalten.

Da bietet es sich schon eher an, den Artikellink per Nachricht an ausgewählte Kontakte bei studiVZ, Facebook, Xing und Konsorten zu versenden. Allerdings erfahrt ihr dann nicht, welcher der Empfänger tatsächlich eure Mail geöffnet und den empfohlenen Beitrag gelesen hat. Auch die Diskussion darüber stellt sich als kompliziert dar und findet in der Regel nur in Form einzelner Antwortmails statt – wenn überhaupt. Wirklich optimal ist diese Lösung also nicht, und besonders eure Familienmitglieder oder ältere Kollegen sind mitunter bei keinem Social Network registriert.

Um dennoch euer Mitteilungsbedürfnis befriedigen zu können, bedient ihr diese Menschen mit Hilfe der guten alten E-Mail. Aber auch hier gilt wie schon bei den sozialen Netzwerken: Reaktionen sind erfahrungsgemäß rar, und bei dem Einen oder der Anderen wird der elektronische Brief auch nach einem Monat noch ungeöffnet im Posteingang liegen. Und da eure Oma bisher das Internet ablehnt, bleibt euch nichts anderes übrig, als sie anzurufen, um ihr die wichtige Meldung zu überbringen.

Social News, also personalisierte Nachrichten, die sich zum einen an den individuellen Interessen und Vorlieben des Nutzers orientieren und zum anderen auf Empfehlungen seines Social Graphs basieren, sind ein spannendes, aber noch stark ausbaufähiges Feld. Mit den Diensten, die sich aktiv dem Thema Social News verschrieben haben, erreicht man nur eine kleine Zahl an Usern. Alle anderen Methoden, auf interessante Links hinzuweisen, muten dagegen archaisch an, kosten unnötig Zeit und bieten schlechte bis nicht vorhandene Möglichkeiten des gemeinsamen Austausches.

Was wäre die Ideallösung? Ein unglaublich einfach zu bedienender Service, den im Prinzip jeder Internetnutzer verwendet, und der es ermöglicht, lesenswerte Links einfach und schnell seinem Social Graph zu empfehlen, Feedback über die Resonanz zu bekommen und ein Thema im Detail zu diskutieren. Es erscheint eher unwahrscheinlich, dass ein neues Startup diese Aufgabe übernehmen und eine derartig starke Verbreitung erzielen können wird, um Netzwerkeffekte einsetzen zu lassen und auch die heute nicht über soziale Netzwerke erreichbaren User anzusprechen. Realistischer erscheint der Gedanke, dass Social Networks selbst diese Aufgabe übernehmen und fortgeschrittene Social-News-Werkzeuge bereitstellen könnten. Immerhin ist bei den führenden Anbietern ein großer und weiter wachsender Anteil der Internetbevölkerung zugegen.

Fast noch spannender wäre aber eine Integration von Social-News-Features in den Browser, und zwar nicht als Add-On, sondern “ab Werk”. Erst dann wäre das Ziel erreicht, einer maximalen Zahl von Usern entsprechende Tools anzubieten, ohne dass diese dafür aktiv etwas tun müssen. Denn vorerst geht es darum, den Nutzern Social News schmackhaft zu machen und sie davon zu überzeugen, dass es attraktive Alternativen dazu gibt, Meldungen ausschließlich über von Redakteuren zusammengestellte Nachrichtenportale zu beziehen. Manchmal weiß der beste Freund einfach besser als Spiegel Online, was einen interessieren könnte.

Auf welchem Weg empfehlt ihr euren Bekannten und Verwandten lesenswerte Artikel, und wie würdet ihr dies in einer perfekten Onlinewelt am liebsten tun?

Illustration: David Vignoni, via Inconfinder

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13 Kommentare

  1. Dr. Azrael Tod
    schrieb am 6. Juli 2008 um 16:58 Uhr (#)

    Naja, was wir auf keinen Fall brauchen (und auch nicht so schnell haben werden) ist eine weitere grundsätzlich nicht zum Surfen gehörende Funktion im Browser selbst.
    Natürlich lesen nicht alle Freunde und bekannte meinen Blog und natürlich erreiche ich mit meinen Nachrichtensammlungen (in meinem Fall über einen aggregierten Newsfeed, in dem wirklich alles aus meinem Feedreader landet und meinem “facts”-RSS-Stream, der über meinen IRC-Bot von mir und auch vielen anderen befüllt wird) nicht vordergründig meine Freunde und Bekannten aus dem RL.
    Aber die werde ich auch generell nicht per Email oder sonstwie abstruse Internetdienste erreichen. Dafür brauche ich schlicht ein Telefon oder ein Auto.
    Wer unter meinen Freunden wie ich permanent online ist (dies sind einige) kennt hingegen meinen Blog und meine Newsfeeds und ich habe auch bereits von einigen durchaus positives Feedback zu diesen Dingen bekommen.

  2. Sebastian Küpers
    schrieb am 6. Juli 2008 um 17:56 Uhr (#)

    Ich denke was ihr an Möglichkeiten in eurer Auflistung vergessen habt, was aber gerade bei jüngeren – also heutigen Schülern und jungen Studenten – weit verbreitet ist, sind neben der Teilnahme an den üblichen sozialen Nezwerken, die Nutzung von Instant Messaging Diensten.

    Ich denke da besteht ein ganz hoher Vernetzungsgrad via MSN, ICQ und Co. und dieser Kanal wird auch bestimmt häufig zum weiterreichen von Nachrichten benutzt.

    Ich denke auch immmer noch, dass Dienste wie MSN, ICQ und Co. demnächst nochmal den Schritt gehen werden und den Ansatz von Twitter einfach integrieren werden und somit, die ganze Sache noch mal massenfähiger machen werden.

    Ansonsten in meinem direkten Umfeld reicht für mich eigentlich Twitter/FriendFeed/Blog als Kanal … diesen Artikel hier habe ich über FriendFeed entdeckt.

  3. Geschenk Blogger
    schrieb am 6. Juli 2008 um 18:41 Uhr (#)

    da hast du eine gute frage aufgeworfen. die meisten freunde von mir sind nicht so oft online wie ich. oft tauschen wir links am stammtisch aus, doch meist weiss man diese nicht mehr bis man zuhause ist.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 6. Juli 2008 um 20:54 Uhr (#)

    @ Dr. Azrael Tod

    Es hängt wohl stark vom Freundes- und Bekanntenkreis ab, wie man zu der Problematik steht. Ich habe genug Kontakte, die nicht so häufig und “fortgeschritten” online sind wie ich, aber durchaus über Social Networks oder Mail zu erreichen sind. Die Meinung dieser Leute ist mir i.d.R. wichtiger als die meiner reinen Online-Kontakte, da es sich um richtige Freunde und Familienmitglieder handelt.

    @ Sebastian

    Absolut korrekt, Instant Messaging hab ich total vergessen. Auch ich sende z.B. häufig Links via Skype. Ich würde die Effektivität über der von Social Networks und E-Mail ansiedeln, da man doch i.d.R. eine Reaktion erhalt. Aber das Gelbe vom Ei ist es auch nicht, und kann auf Dauer seine Kontakte auch nerven.

    @ Geschenk Blogger

    Hehe gut wäre es dann ja, wenn die Stammtischmitglieder den Artikel vorher online gelesen hätten, dann kann die Diskussion bei einem Bier erfolen :)

  5. medilicious
    schrieb am 6. Juli 2008 um 20:59 Uhr (#)

    Ich finde, dass die Anwendung von der New York Times nicht schlecht ist. Ist ein Browser-Plugin für Firefox und wird nur auf nytimes.com aktiv. Da sagt es mir, welche Artikel meine Kontakte auf der Seite empfehlen. Parallel erscheinen die Empfehlungen in meinem Facebook-Profil als Aktivität meines Kontaktes. Schaut es euch mal an: http://timespeople.nytime…/addons/timespeople/

  6. Wor
    schrieb am 6. Juli 2008 um 21:00 Uhr (#)

    Denke das dieses Loch sicher bald mal einer Stopfen wird.
    Nachdem du das Problem so gut hier beschrieben hast, bin ich davon überzeugt, das sich mindestens schon ein halbes Dutzen Leute an die Arbeit machen und sich was ausdenken, wie und vor allem wodurch man dieses Bedürfnis an fehlender Kommunikation lösen könnte.
    Ich denke übrigens auch seit einiger Zeit bereits darüber nach… ;-)

  7. Stephan
    schrieb am 6. Juli 2008 um 21:32 Uhr (#)

    Die “perfekte Onlinewelt” beginnt für mich schon einen Schritt vorher. Denn ich will nicht auf irgendwelchen Internetseiten nach interessanten Artikeln suchen müssen (zumindest nicht immer), sondern automatisch über meine Lieblinksthemen informiert werden. Das wäre mal Schritt 1. Wer das mal ausprobieren möchte, kann das bei der New York Times (http://www.nytimes.com) sehr gut tun. Wir bieten ein derartiges System auch in Deutschland an (http://www.zelect.de), aber ich möchte hier nicht zu viel Eigenwerbung machen.
    Im zweiten Schritt geht es dann sicherlich um die Zustellung meiner Inhalte – und damit letztendlich auch um die Weiterverteilung. Denn wenn der Empfang meiner Nachrichten nicht vom Ersteller starr vorgeschrieben ist, kann ich meine News so beziehen, wie es für mich am einfachsten ist und wie ich die Nachrichten am besten weiterverarbeiten kann. Zur Weiterverarbeitung zähle ich eben auch die Weiterleitung. Wie aus der Diskussion hier schon hervor geht, hat sicher jeder seine eigenen Vorlieben, hier wird es kein Patentrezept geben. Ich persönlich würde meine individuellen News zum Beispiel auch sehr gerne über einen Instant Messenger wie Skype bekommen. Denn darüber halte ich zu meinen Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern Kontakt. Und der IM bietet für mich die beste Chance, sich auch unmittelbar und sehr direkt z.B. über einen bestimmten Artikel auszutauschen.
    Elementar ist für mich aber, dass ich meine Weiterempfehlungen in meine Standard-Tools einbinden kann und nicht z.B. auf der Internetseite einer Zeitung ein Formular ausfüllen muss. Ich will meine Outlook-Kontakte, mein Xing-Adressbuch oder meine IM-Buddys nutzen können und über diese Tools auch gleich in gewohnter Weise eine Diskussion anstoßen können.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 6. Juli 2008 um 22:47 Uhr (#)

    Danke für den NYT-Tipp, das schaue ich mir mal an.

    @ WOR

    Genau das war doch meine Intention ;)

  9. Wuensch-Media
    schrieb am 7. Juli 2008 um 06:45 Uhr (#)

    Um Nachrichten oder Webseiten zu empfehlen und dabei sogar Textpassagen zu markieren ist Awesomehighlighter . com ein erstklassiger und kostenloser Dienst.

    Einfach die URL der Webseite, die man empfehlen möchte, eingeben und diese erscheint dann im Markierungsframe. Nun kann man Textpassagen farblich markieren und sogar einen Notizzettel hinzufügen. Danach erhält man eine URL, die man weitergeben kann und die die markierte Webseite anzeigt.

    Die Weitergabe ist auch möglich per eMail-Formular, per Posting an Twitter, Delicious oder Facebook, oder direkt als Entwurfs-Artikel an seinen eigenen Wordpress-Block.

    Zudem gibts eine Statistik und ein Firefox Add-On bzw. Bookmarklet.

    Hier eine Beispielempfehlung (Blog-Artikel) mit Awesomehighlighter an Martin:
    Awesomehighlighter Empfehlung

  10. Wuensch-Media
    schrieb am 7. Juli 2008 um 11:06 Uhr (#)

    Um interessante Links und Artikel an Freunde und Bekannte weiter zu empfehlen nutze ich Awesomehighlighter.
    Tolle Funktionen zur Weitergabe: Textpassagen markieren, senden per eMail und an Twitter, Delicious, Facebook und an den eigenen Block, etc.

  11. Oliver Springer
    schrieb am 7. Juli 2008 um 18:08 Uhr (#)

    Der Ansatz, dass Social Networks entsprechende Werkzeuge bereitstellen, erscheint mir am erfolgversprechendsten – nicht nur für die Empfehlung von News.

    Das Problem, dass es so viele verschiedene Arten von Diensten und dabei jeweils verschiedene Anbieter gibt, stellt sich in vielen Bereichen, längst nicht nur bei der Empfehlung von News.

    Zum Teil könnte die Antwort in einer Standardisierung liegen.

    Beim Instant Messaging kennen wir das sicher alle. Niemand möchte fünf verschiedene IM-Programme auf seinem Computer installieren, der User möchte mit einem Programm alle Kontakte erreichen können.

    Aber mal noch ein Einwand aus der Realität: Welche News möchte man gleichzeitig seiner Oma und seinen Geek-Freunden empfehlen? ;-)

  12. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 7. Juli 2008 um 18:36 Uhr (#)

    Oliver ja das passiert natürlich nicht so oft ;)

  13. Dr. Azrael Tod
    schrieb am 10. Juli 2008 um 09:09 Uhr (#)

    Ich denke dass sich mit einer Art Stream (sei es per RSS, Twitter oder Status-Applet auf einem sozialen Netz) und der händigen versendung von ausgewählten Links an bestimmte Personen schon so ziemlich eine Lösung gefunden hat.
    Sicher kann man Browserplugins installieren oder den Messenger um weitere Funktionen erweitern, wir dürfen jedoch nicht vergessen dass wir hier davon reden die Nachrichten an NICHT-Geeks weiterzuleiten und diese als solche wollen nunmal keine komplizierten Lösungen für Probleme die sie nicht als solche sehen.
    Daher wird imho weiterhin die versendung Email oder IM mit Links diesen Bereich stark dominieren.

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