Linkwertig:
Öffentlich-rechtliches Internet mit Verfallsdatum
Dieser Text zerstört sich in 7 Tagen selbst.
Deutschlands Ministerpräsidenten kamen gestern zusammen und haben sich auf die Eckpunkte des neuen Rundfunkstaatsvertrags geeinigt, bei denen es um die erlaubten Onlineaktivitäten der Öffentlich-rechtlichen Deutschlands geht, und die absurder nicht sein könnten. Kurzform:
Es dürfe keine «elektronische Presse» abgebildet werden und Beiträge dürfen nur zeitlich begrenzt im Internet abrufbar sein.
Aus diesem Anlass zu diesem Thema heute nicht ein Link, sondern derer drei zu unkaputtbaren Texten aus dem weiten Feld der Internetpublikationen.
Und da merkt man es wieder: die Medienpolitiker in Deutschland haben nicht ansatzweise einen blassen Schimmer vom Internet, allen voran Kurt Beck. Da hat die Verleger-Lobby schön einige ihrer Punkte durchsetzen können, um ARD und ZDF das Leben im Netz schwerer zu machen. Es wird mit ungleichen Waffen gekämpft, während Verlage und Privatsender munter Kooperationen schliessen können, um Traffic für ihre Online-Angebote zu generieren, sollen ARD und ZDF sich auf ihre Sendungen konzentrieren, kommerzielle Links vermeiden und vor allem nach sieben Tagen ihre Inhalte wieder löschen. Was für ein Käse.
»Das überregulierte öffentlich-rechtliche Internet [Lummaland - das Weblog]
Mein Interesse als Bürger und Zuschauer ist es, dass ich die von mir bezahlten Inhalte auch in meiner bevorzugten Medienform (aka Internet) nutzen kann. Und nicht in der traditionellen Medienform, die ältere Menschen und Politiker am liebsten nutzen.
» netzpolitik.org: » Rundfunkänderungsstaatsvertrag: Gegen ARD & ZDF im Netz
Wer endlich begriffen hat, dass das Web nur deshalb funktioniert, weil wir unser Wissen darin durch Verweise kontextualisieren können, weil es kein statisches sondern nur noch dynamisches Wissen geben kann, weil die Wiederauffindbarkeit von Texten eine Grundlage der neuen Wissensgesellschaft ist, der kann niemals fordern, dass Texte nur zeitlich begrenzt abrufbar sein dürfen.
» ConnectedMarketing.de: Zitat des Tages.
Wenn man sieht, dass die BBC bereits seit 2005 im Netz mehr macht, als man sich in Deutschland überhaupt vorstellen könnte, und nun dazu, was in diesem Land den Öffentlich-Rechtlichen an Fußfesseln angelegt wird, bekommt man eine Ahnung, wie sehr es im Argen steht mit Deutschland und dem Internetverständnis seiner Politiker.
Unabhängig davon, ob man für das grundlegende Ö-R-Finanzierungsprinzip ist oder nicht, zeigen diese Entscheidungen der deutschen Politiker doch jedem, dass sie praktisch nichts vom Internet verstehen. Denn sie sind weiterhin für den Auftrag der Grundversorgung, nur über das Internet soll er in erster Linie gefälligst nicht geschehen.
In einem solchen politischen Umfeld sollte man keine Gesetzgebung erwarten, die die Gegebenheiten des Internets berücksichtigt, sich dem vielleicht sogar annähert oder die Situation irgendwann verbessert. Im Gegenteil, man kann in Deutschland davon ausgehen, dass die gesetzliche Situation eher schlimmer wird und sich von den realen Zuständen in Zukunft noch weiter entfernen wird. Stichworte etwa Urheberrecht, Störerhaftung oder der Niggemeier-Callactive-Fall. Alles deutet darauf hin, dass diese Absurditäten eher zunehmen denn abnehmen werden.
Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Startups davon direkt betroffen sein werden.
Hier erscheint jeden Morgen von Montag bis Freitag ein ausgewählter Link zu einem gelungenen Text. Viel Spaß bei der Lektüre!










Artikel per Feed
Artikel per E-Mail
Artikel bei Twitter
Facebook-Seite
Wirklich ein interessanter Aspekt, vor allem da uns unsere Politik(er) mal wieder Ihr (Un-!!!!)Verständnis vom Internet zeigt. Aber wie zum Teufel kommt denn jemand darauf Artikel nur 7Tage online stehen zu lassen? Vor allem, da ich Artikeln der Öffentlich rechtlichen sogar noch einen Bildungscharakter unterstellen würde – ganz im Gegensatz zu der ein oder anderen …. naja ihr wisst schon was ich meine.
Man könnte das auch etwas differenzierter Betrachten. Ich mag unsere Medienmonopolisten auch nicht. Aber wir reden hier bei den öffentlich Rechtlichen von einer Menge Menschen die sich überwiegend auf unsere Kosten den Arsch platt sitzen. Das Explosionspotential darin mit dem Internet, da tun zu können was die Programmdirektoren sich wünschen liegt auf der Hand. “Wir machen jetzt ein geiles Portal, das jeder besuchen will. Auf das Geld brauchen wir dabei nicht zu schauen, im zweifel lassen wir uns einfach die Gebühren erhöhen.”
Im Extramfall bedeutet das ein Informations- und Unterhaltungsmonopol. Und Unabhängig davon ob es das vielleicht ohnehin schon an anderer Stelle gibt wollen wir das auch nicht.
Ein Haltbarkeitsdatum für Texte einzuführen ist natürlich trotzdem blödsinn. Aber der geneigte Nutzer könnte den Kram über web.archive.org lesen. Dummerweise sind so viele gar nicht geneigt.
Ich stimme zu, daß die deutschen Politiker nicht unbedingt die Speerspitze des web2.0 darstellen. Aber: Warum sollen mehrere Millionen unserer Gebühren für Mediatheken in denen Zweitverwertung stattfindet zur Verfügung gestellt werden? Damit das noch einen Grimme Award bekommt? Der vielgepriesene hochwertige Journalismus der öffentlich-rechtlichen ist ein Witz. Ich möchte mich hier nicht wiederholen (siehe link), aber wir können gerne mal gemeinsam das sog. hochwertige Programm durchgehen. Ich halte es für gut, daß “neue Unterhaltungsformate” eigens fürs Internet den Rundfunkanstalten nicht erlaubt sind”.
Es ging mir hauptsächlich darum zu zeigen, wie absurd die Politiker das Internet und dessen Nutzung einschätzen. Unabhängig jetzt von einer Grundsatzdebatte zu den ÖR (Nebenbei: wie die hervorragende BBC der Medienwelt im UK geschadet hat, soll mir auch erst mal einer zeigen).
Die Kollision zwischen den Hinterwäldlern im Bundestag& Landtagen und der deutschen Internetwirtschaft steht noch aus.
Das Interessante an dem Thema ist, dass ich bis jetzt noch keinen einzigen, auch nur halbwegs objektiven Artikel dazu gelesen habe. Anscheinend gibt es hier nur zwei unterschiedliche Meinungen: entweder sollen sie alles machen dürfen, oder nichts. Natürlich müssen die Öffentlich Rechtlichen im Netz präsent sein. Aber es müsssen auch ganz klare Grenzen gezogen werden. Die 7-Tage-Lösung ist sicher nicht das Gelbe vom Ei, was Besseres fällt mir aber auch nicht ein. Eine ungezügelte Ausbreitung der Rundfunkanstalten im Netz kann niemand wirklich gut heissen. Aus Konsumentensicht hört es sich natürlich toll an: Ist ja alles schon vom Gebührenzahler bezahlt, also “gehört” es dem Gebührenzahler auch . Wenn sämtliche Tatort-Folgen frei zugänglich wären, würde ich mir auch sofort mehrere dutzend runterladen (da müsssen ja echte Perlen aus den 70ern dabei sein). Was das aber für private Fernsehsender, Onlineangebote und Videotheken bedeuten würde, kann sich jeder denken (allein beim Tatort über 700 Folgen – umsonst!). Das würde den Trend zu (quasi) kostenlosen digitalen Formaten noch stark verschärfen, allerdings staatlich subventioniert durch eine verdeckte Medien-Steuer, die aber nicht gerecht unter allen verteilt wird, sondern nur von (monopolistischen) Anstalten abgegriffen wird. Auch die Kostenfrage ist ja keineswegs geklärt. Die enormen Traffic-Kosten, die dann entstehen würden, wurden bis jetzt nicht mal grob berechnet, und die Qualität (also das Datenaufkommen) wäre ja auch noch wesentlich besser (größer), als z.B. bei Youtube.
Der ewige Vergleich mit der BBC nervt inzwischen ein bisschen, sie ist rechtlich komplett anders aufgestellt, und eben nicht, wie in Deutschland, föderal organisiert, was zukunftsweisende, mutige Entscheidungen extrem vereinfacht. Ich denke auch nicht, dass Politiker das Thema “absurd” einschätzen. Die Entscheidungsebenen in Deutschland sind einfach extrem kompliziert, auch ohne private Lobby.
Ach ja: Ich verdiene mein Geld bei einer Öffentlich Rechtlichen Anstalt ;)
Nun, von der Idee, Texte nur 7 Tage online zu stellen, halte ich auch nichts:
http://medienlese.com/200…e-mit-verfallsdatum/
(Hast ja ohnehin meine Überschrift verwendet… ;-)
Das ist einfach technischer Unfug. Ebenso wie die Idee der Jugendschutzpolitiker, Sexseiten dürften zwecks Jugendschutz nur nach 22 Uhr MESZ online gehen – das ist absurd, dann wäre in den USA dank D Online-Sex nur am Tage erlaubt :-)))
Daß die ÖRs in Deutschland nun so eingeschränkt werden, haben sie sich aber selbst zuzuschreiben mit ihrer Politik, das ganze Internet kontrollieren zu wollen:
- ein Bilderupload auf einen FTP-Server ist gebührenpflichtig und gilt als journalistische Leistung von ARD & ZDF, an der ich mich finanziell zu betiligen habe, obwohlich das Bild selbst aufgenommen habe und der FTP-Server einem Buchverlag gehört!
- E-Mail von Enkel an Oma ist gebührenpflichtig und gilt als journalistische Leistung von ARD & ZDF, obwohl die weder das Netz noch die Rechner stellen udn die E-Mail auch nicht verfassen
- Erotik-Chat an der Webcam ist ÖR-pebührenpflichtig, obwohl die Sender da sicher nichts für die journalistische Qualität des Stripteases tun
- private, intime E-Mail wird per Markenrecht konfiziert, auf Wettbewerb geklagt. Wieso habe ich in meinem Schlafzimmer mit ARD & ZDF in Wettbewerb zu treten? Weil die den Längeren haben???
- Zugriff auf fremde Bankkonten wird erklagt, weil dieser online über Internet geht und ARD & ZDF das als “ihr Medium” betrachten?
- Geldautomaten sollen TV-Gebühr kosten??? Weil man damit auch auf die Websites von ARD & ZDF könnte, wenn auch nicht als Bankkunde, der vor der Kiste steht?
- Buch über Datenübertragung im Amateurfunk gefährdet eine Hauszeitung eines ÖR-Senders in ihrer wirtschaftlichen Überlebenschance????
Das ist alles so eine Allmachtsphantasie, die auch oft genug realisiert wird, daß man dafür die ÖRs ganz aus dem Netz verbannen sollte, bis sie bereit sind, sich auf das zu beschränken, wofür sie Gebühren bekommen: Journalistische Angebote!
Ob diese dann normalen Verlagen ein Dorn im Auge sind, ist immer noch eine andere Frage. Zumindest im Sinne des Konsumenten von medien wären sie aber, all das oben erwähnte dagegen nicht.
Aber die Frage, ob ÖRs schon Startups geschadet haben, die ist klar zu beantworten: Ja, natürlich! Und auch Einzelpersonen. Und zwar mit großer (und gar nicht klammheimlicher) Freude. Und damit haben sie ihre Glaubwürdigkeit und ihen Anspruch auf faire Behandlung verspielt und bekommen jetzt die Quittung. So haben sich BBC oder ORF eben nicht verhalten!
Die Online-Aktivität von ARD, ZDF und Konsorten gehört klar beschränkt! Ich brauche kein öffentlich-rechtliches Service-Portal, dass ich mit meinen Gebühren finanziere (Kochrezepte gibt es auch bei privaten Anbietern). Sendungsbegleitende Informationen zu politischen Themen ja, ausufernde Nutzwertangebote (am besten noch mit Schleichwerbung!) nein! Und auf den Abruf von allen Folgen von Verbotene Liebe kann ich gern verzichten. Das will ich mit meinen Gebühren nicht finanzieren.
Und eine objektive Berichterstattung zu diesem Thema vermisse ich auch. Gerade von den Bloggern hätte ich mir da eine unabhängigere Sicht der Dinge gewünscht.